Kai Kai - Das Fadenspiel auf der
Osterinsel
Kai Kai
Eine,
früher, sehr beliebte Freizeitbeschäftigung der Rapa Nui
war "KAI KAI", ein Fadenspiel mit Tradition. Das Faden-
oder auch Abnehmspiel wird mit zwei Spielern gespielt. Zu Beginn
wickelt der Spieler eine verbundene Kordel einmal um jedes Handgelenk,
wobei die langen Schnüre parallel zwischen beiden Händen
bleiben müssen. Dann zieht der Spieler mit den Mittelfingern
die Schnur mit der Hand vom anderen Handgelenk und zieht die Fadenschlinge
wieder auseinander; die Grundfigur ist erreicht. In der Folge geht
es darum, beim Abnehmen durch den Gegenspieler immer wieder neue
Figuren zu entwickeln. So entstehen beispielsweise stilisierte Kanus,
Häuser, Menschen oder Vögel, aber auch einfach andere
Zick-Zack-Muster.
Das Fadenspiel ist auf der ganzen Welt bekannt. Wikipedia schreibt,
dieses Spiel kommt vermutlich aus Japan, weil es dort seit dem
Mittelalter dokumentiert ist. Seefahrer haben diese Kunst dann
mit nach Europa gebracht. Seit wann das Fadenspiel auf der Osterinsel
gespielt wird und ob es auch durch europäische Seefahrer
auf die Insel gebracht wurde, ist nicht bekannt. Das Spiel hat
weltweit verschiedene Namen bzw. Bezeichnungen. Auf Hawaii heißt
das Spiel "HAI", auf der Osterinsel "KAI KAI".
Auf der Osterinsel werden mithilfe des Fadenspiels Geschichten
weitererzählt (Wikipedia schreibt: die vermutlich so alt
wie die Moai´s sind). Diese Geschichten werden nur in Rapanui
erzählt, nicht in der heutigen Landessprache Spanisch. Der
Lehrer Lorenzo Baeza Vega hat während seines Aufenthaltes
auf der Osterinsel (1953 bis 1956) insgesamt 81 verschiedene Figuren
erfasst und dazu auch die Namen sowie die dazugehörigen Lieder
und Texte festgehalten. Die Autoren des Buches "Rapa Nui
- Die Osterinsel", Peter Leopold und Ricardo Herrgott, berichten
in ihrem Buch über eine alte Insulanerin namens Amelia Tepano
Ika, die bis zu 400 verschiedene Figuren beherrschte.
Alfred Métraux schreibt in seinem Buch Die Osterinsel:
"Dieser Zeitvertreib besaß auf der Osterinsel die
Besonderheit, mit kurzen Gedichten verbunden zu sein, die man
sich hin- und herwiegend vortrug, wenn die Figur gelungen war.
Fas alle im Volksmund verbreiteten Dichtungen, die sich bei der
heutigen Bevölkerung erhalten haben, sind mit diesen Fadenspielen
verbunden. Selbst die Gedichte, die Teile von Erzählungen
bilden, werden durch Fadenspiele irgendwie illustriert. Die Eingeborenen
schreiben jedem Motiv einen mnemotechnischen Wert zu und verbinden
die Fadenspiele mit den Holztafeln ihrer Vorfahren."
Eine der heutigen Schulen trägt übrigens
den Namen des Lehrers Lorenzo Baeza Vega. Lorenzo Baeza Vega kam
während eines Schulausfluges 1956 ums Leben, als er mit Schulkindern
in einem kleinen Boot zurück auf das Schiff von Thor Heyerdahl
wollte und dieses Boot in einer großen Welle kenterte. Thor
Heyerdahl hat diese Begebenheit ausführlich in seinem Buch
"aku-aku" beschrieben.
|