Makemake - Der Schöpfergott im Glauben der alten Rapa Nui

Makemake - Der Schöpfergott im Glauben der alten Rapa Nui


Makemake


Makemake Darstellung am OrongoDen Schöpfergott "Makemake" gab es nur auf der Osterinsel und wurde im Rahmen des Vogelmann-Kults als Hauptgott verehrt. Er stand für die Schöpfung der Welt, die Sonne, den Mond und die Sterne sowie für die Fruchtbarkeit und trat in den Ritualen der Rapa Nui fast immer mit seinem Begleiter "Haua" (der Hüter der Vogeleier) in Erscheinung. Sein Abbild zeigt sich auf der Osterinsel in vielen Petroglyphen, zumeist in Form eines runden Gesichtes mit großen runden Augen. Wie eigentlich für alle Legenden und Mythen der Osterinsel gibt es auch für Makemake verschiedene Versionen in den Überlieferungen.

Alfred Metraux schreibt zur Herkunft des Gottes Makemake:

"Eine Priesterin befand sich auf einem Felsen an der Bucht von Tongariki, auf dem sie über einem Schädel wachte. Eines Tages trug eine gewaltige Woge diesen Schädel auf die offene See hinaus, und die Frau warf sich in die Wellen, um ihn zurückzuholen. Der Schädel verschwand schnell auf das Meer hinaus. So schwamm sie hinter ihm her, um ihn wieder zu packen. Nachdem sie mehrere Tage lang geschwommen war, landete sie auf der kleinen Insel "Motiro-hiva". Da erschien ihr der Gott Haua und fragte sie: "Woher kommst Du?". "Ich bin auf der Suche nach meinem Schädel", antwortete sie. Haua tat ihr kund, dass dieser Schädel nichts anderes als der Gott Makemake war.

Die Priesterin blieb mit Makemake und Haua auf der Insel. Die Götter brachten ihr den Ertrag ihrer Fischzüge.

Make Make DarstellungEines Tages sprach Makemake zu Haua: "Ich bin auf der Suche nach Vögeln hierhergekommen! Wie wäre es, wenn wir sie bis zur Osterinsel vor uns herjagen würden?" Haua antwortete: "Es ist gut! Befiehl der alten Priesterin, sich zu rüsten, da wir zur Osterinsel aufbrechen wollen. Dort wird sie den Bewohnern unsere Namen offenbaren und sie den Kult lehren, den sie uns darbringen sollen."

Die beiden Götter zeigten nun der Priesterin die Riten, deren Kenntnis sie den Bewohnern der Insel vermitteln wollten.

Dann sprach Makemake zu Haua: "Nun müssen wir fort!" Sie brachen auf und jagten die Vögel vor sich her, wobei sie nach einem Ort ausschauten, der den Vögeln zum Aufenthalt dienen konnte. Drei Jahre verweilten sie mit ihren Vögeln in Kauhanga, doch war dieser Platz schlecht gewählt, denn die Leute entdeckten die Eier und verzehrten sie. Da schafften sie die Vögel nach Vaiatare, aber auch hier holten die Einwohner die Eier aus den Nestern, um sie zu essen. Schließlich sagten sich Makemake und Haua: "Wir werden nur dort Frieden haben, wo die Menschen uns nicht erreichen können!" Sie ließen ihre Vögel auf den kleinen Inseln Motu Nui und Motu Iti.

Während dieser Zeit eilte die alte Priesterin über die Insel, um die Bevölkerung in den Kult der Götter Makemake und Haua einzuweihen. Sie sagte zu den Leuten: "Bevor ihr eine Mahlzeit beginnt, legt - wenn ihr die Gerichte aus dem Ofen holt - den Anteil der Götter zur Seite und bringt ihnen das Opfer dar, indem ihr diese Worte sprecht: >>>Makemake und Haua, dieses ist für Euch!<<< Tut ein Gleiches, wenn ihr euch anschickt, Zuckerrohr, Fische, Thunfische und Aale zu essen. Vergesst niemals den Anteil der Götter!" TOP

Make Make Darstellung am Kultplatz OrongoAlfred Metraux schreibt weiter:
" Wurde Makemake durch einen Schädel symbolisiert, so wurde er daneben auch als Mensch mit einem Vogelkopf dargestellt, dem bekannten "Vogelmann" der Osterinsel-Kunst. In seiner Eigenschaft als Gott der "Bewohner der Luft" und als Beschützer der Vögel auf den kleinen Inseln Motu Nui und Motu Iti, wurde Makemake während der Feste für den Vogelmann verehrt, die jedes Jahr gefeiert wurden."

Metraux meint: "Unter dem Namen Makemake verbirgt sich ohne Zweifel der alte Tane Neu-Seelands, der Gott der Wälder und der Freunde der Vögel. Wie Tane und Tiki verkörpert auch Makemake die Fruchtbarkeit der Natur. Er gilt als Schöpfer der Menschheit trotz der Schwierigkeiten, denen er bei diesem Werk begegnet." (siehe Hinweis von Thomas Barthel).

Auch die Schöpfungsgeschichte gibt es in verschiedenen Versionen:

Metraux schreibt:
" Makemake fand eine Kalebasse voll Wasser. Er befleckte sich selbst und ließ seinen Samen in das Wasser spritzen. Fleisch erschien auf dem Wasser, doch war es nicht gut. Makemake vereinigte sich mit den Steinen, die noch heute die Löcher zeigen, die der Gott in sie hineinbohrte. Er stieß sein Glied in die Töpfererde und befleckte sich selbst. Auf diese Weise wurden Rive, Rorai, Hova und die adlige Frau Arangi-ko-te-kote geboren."

Eine abgewandelte Version besagt:
Makemake hat zunächst die Erde erschaffen, dann hauchte er seinem Spiegelbild, das er zuvor an der Wasseroberfläche einer Kalebasse (Wasserkrug) gesehen hatte, als Erstgeborener Leben ein. Da sich zuvor auf seinen Schultern aber ein Vogel gesetzt hatte, sah er im Spiegelbild sein Gesicht mit einem Schnabel und mit Flügeln und so entstand der Vogelmann. Dann wollte er ein Wesen erschaffen das Reden konnte und hauchte dem Meer Leben in Form eines Fisches ein. Mit dieser Schöpfung war er aber nicht zufrieden und so hauchte er einem Stein an Land Leben ein; es wurde ein Mann. Er sah dass der Mann einsam war und erschuf noch eine Frau und beiden gab Makemake das Land Rapa Nui. Da die Menschen auf Rapa Nui die Eier der dort lebenden Vögel aßen, vertrieben Makemake und Haua die Vögel von der Insel, die sich dann auf vorgelagerten Felseninsel Moto Nui niederließen. Um Makemake und Haua zu ehren, führten die Menschen fortan eine jährliche Zeremonie durch, bei dem lediglich ein unversehrtes Ei zurückgebracht wurde um zu entscheiden, wen Makemake als nächsten Vogelmann auserkoren hatte.

Auch Metraux vermutete:
"Wahrscheinlich war Makemake der wichtigste Gott in der Religion der Oster-Insulaner. Er ist der einzige, von dem die ersten Missionare sprechen hörten, als sie sich nach den heidnischen Gottheiten erkundigten. Er war der atua in Idealform und galt als der Schöpfer des Weltalls."

Thomas Barthel ist anderer Meinung. Er schreibt in seiner Habilitationsschrift von 1958:
"Eine besondere Überraschung brachte die Erkenntnis, dass an der Spitze des Pantheons in der alten Osterinsel-Kultur der Gott Tane gestanden haben muss. Über diesen großen Gott der "Palaeo-Polynesier" fehlten Angaben für die Osterinsel bisher ganz. Wahrscheinlich ist das Schweigen der mündlichen Überlieferung daraus zu erklären, dass Tane als eine ausgesprochene Priestergottheit vor dem einfachen Volke geheim gehalten wurde. Gegenüber Tane tritt sogar die bekannte Gestalt des Makemake zurück, jenes Gottes, der als lokale Erscheinungsform für den ersten Menschen "Tiki" verstanden werden kann."

Makemake, Haua und die anderen Götter empfingen als Opfer Hühner, Fische, süße Bataten und Stoffstücke aus Tapa. Diese Gaben wurden den Priestern überreicht, die es übernahmen, sie der Gottheit zu übergeben. Der Gott Makemake forderte Menschenfleisch. Man opferte ihm Kinder, die ihren Eltern von den Priestern gestohlen wurden, Kriegsgefangene oder Leute, die sich den Zorn der ariki zugezogen hatten. Die französischen Missionare berichteten, zu Beginn ihres Aufenthaltes auf der Insel seien Frauen zu ihnen gekommen, um ihnen dafür zu danken, dass sie das Leben ihrer Kinder gerettet hätten, die ohne ihr Einschreiten dem Gott geopfert worden wären.

Nach dem Schöpfergott Makemake wurde übrigens ein erst 2005 entdeckter Zwergplanet benannt, der jenseits des bisher bekannten Zwergplaneten "Pluto" unsere Sonne umkreist. Genau genommen wurde der Planet am 31.März 2005 von Mike Brown, Chad Trujillo und David Rabinowitz entdeckt und erhielt zunächst die inoffizielle Arbeitsbezeichnung "Easterbunny" (Osterhase). 2008 erhielt der Planet dann den offiziellen Namen "Makemake" in Anlehnung an die Schöpfergottheit der Kultur der Osterinsel.

Der Planet Makemake hat die Form einer leicht abgeflachten Kugel mit einem Durchmesser von 1502 x 1430 Kilometer. Der Himmelskörper bewegt sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne und benötigt für einen Umlauf 309 Jahre. Makemake ist eine Eiswüste und reflektiert rund 77 Prozent des einfallenden Sonnenlichtes, mehr als Pluto aber weniger als der noch weiter entfernte Zergplanet Eris.TOP

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