Tapu oder auch Tabu - die religiösen Verbote der Rapa Nui

Tapu oder auch Tabu - die religiösen Verbote der Rapa Nui


Tapu oder auch Tabu - die religiösen Verbote der Rapa Nui


Eine interessante religiöse Ausgestaltung des Glaubens der Rapa Nui auf der Osterinsel, sind die so genannten Tapu´s oder auch "Tabu´s". Während man in unserer Kultur unter "Tabu´s" Dinge versteht, die man nicht macht oder zur Sprache bringt, bedeuten "Tabu´s" auf der Osterinsel Verbote, deren Verletzung ganz üble Konsequenzen nach sich ziehen. Selbst wenn man ungewollt ein Tabu "überschritten" hatte, konnten sich andere in ihrer Ehre und Würde schwer verletzt fühlen und zur Wiedergutmachung sogar eine Blutfehde anzetteln. Hatte man ein Tabu überschritten, so konnten die allseits präsenten Aku Aku´s den Tabu-Brecher mit schweren Krankheiten oder auch mit dem Tode bestrafen.

Die Tabu´s regelten im Grunde das eigene und das Fremde Eigentum. Neben Gegenstände der Normalsterblichen waren auch religiöse Gegenstände wie die Statussymbole der arikis, der Hohepriester oder des Vogelmannes mit Tabu´s belegt, die für unautorisierte Personen nicht zugänglich waren. Jeder Rapa Nui kannte die Tabu´s um solche Objekte.

Das sichtbare Zeichen, ob ein Objekt, ein Weg, ein Feld oder eine bestimmte Region mit einem Tabu belegt war, waren zumeist drei runde Steine, die in pyramidenförmig aufeinander gelegt wurden. Der oberste Stein erhielt zumeist einen weißen oder hellen Anstrich, damit auch ja niemand das Tabu-Zeichen übersieht.

Die Tabu´s konnten von den Arikis (Königen), Priestern aus königlichem Geschlecht, den Vogelmännern oder auch von anderen wichtigen Personen ausgesprochen werden. Damit die Tabu´s auch wirksam werden, mussten die Zeichen von den Persönlichkeiten >>persönlich<< gesetzt worden sein. Die Ernten lagen generell so lange einem königlichen Tabu, bis dem ariki hiervon die erste Frucht bzw. eine Teilernte gebracht worden war.

Tabu oder Tapu - Zeichen der RapanuiBereits die ersten Seefahrer und Forscher berichteten von diesen Zeichen. Wilhelm Geiseler beispielsweise schreibt in seinen Forschungsbericht (1882), er sei am ersten Tag in der Huarewa-Bucht an Land gegangen und hätten insgesamt 15 Plattformen besichtigt, die von den Rapanui mit Tabu-Zeichen (vier zu einer Pyramide aufgestapelten und weiß bestrichenen Steinen) belegt waren. Er hätte deswegen dort keine Ausgrabungen vornehmen können.

Oft befanden sie sich auch in der Nähe von Ahu-Anlagen die als Begräbnisstätten genutzt wurden. Sahen die Eingeborenen einen Europäer auf ein Tabu-Zeichen zulaufen, so fingen sie wild an zu gestikulieren um mitzuteilen, dass hinter dem Zeichen eine verbotene Zone liegt. In der Nähe des Toten und der Tabu-Zone durfte kein Feuer entfacht werden. An den Stellen der Küste, an denen sich eine Grabanlage befand, war der Fischfang strengstens verboten. Die einzig mögliche Strafe bei einem Vergehen war der Tod.

Generell lag sowieso während aller Monate des südlichen Winters auf den Fischfang ein Tabu.

Thomas Barthel schreibt in seiner Habilitationsschrift von 1958 (Kapitel 14), dass in den Rongorongo Schrifttafeln Hinweise zu lesen sind, wonach in früheren Zeiten die hölzernen Gerüste der auf den Ahu-Anlagen aufgebahrten Ariki wohl auch mit weißer Farbe bestrichen waren und dies als "tapu"-Zeichen galt.

Die Häuptlinge waren durch eine Menge Tabu´s von ihren Untertanen getrennt. Diese Tabu´s sollten einerseits die göttliche Natur des ariki´s bekräftigen, andererseits die üblichen Sterblichen vor der Berührung mit seinem Mana schützen. Der Kopf des Königs stellte den heiligsten Teil dar und war deshalb mit dem allerstrengsten Tabu belegt. Der König trug sein Haar lang, denn kein Sterblicher war heilig genug, um hieran Hand anzulegen.

Das Wort "Tabu" und ihre Bedeutung wurde übrigens erst durch James Cook in Europa bekannt gemacht. Wikipedia schreibt, Cook hätte dieses Wort während eines Besuches in Tonga 1777 festgehalten. In Deutschland kennt man das Wort seit Anfang des 20. Jahrhunderts. TOP

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