Tapu oder auch Tabu - die religiösen Verbote der Rapa Nui
Tapu oder auch Tabu - die religiösen Verbote der Rapa Nui
Eine interessante religiöse Ausgestaltung des Glaubens der
Rapa Nui auf der Osterinsel, sind die so genannten Tapu´s
oder auch "Tabu´s". Während man in unserer
Kultur unter "Tabu´s" Dinge versteht, die man nicht
macht oder zur Sprache bringt, bedeuten "Tabu´s"
auf der Osterinsel Verbote,
deren Verletzung ganz üble Konsequenzen nach sich ziehen. Selbst
wenn man ungewollt ein Tabu "überschritten" hatte,
konnten sich andere in ihrer Ehre und Würde schwer verletzt
fühlen und zur Wiedergutmachung sogar eine Blutfehde anzetteln.
Hatte man ein Tabu überschritten, so konnten die allseits präsenten
Aku Aku´s den Tabu-Brecher mit
schweren Krankheiten oder auch mit dem Tode bestrafen.
Die Tabu´s regelten im Grunde das eigene und das Fremde
Eigentum. Neben Gegenstände der Normalsterblichen waren auch
religiöse Gegenstände wie die Statussymbole der arikis,
der Hohepriester oder des Vogelmannes
mit Tabu´s belegt, die für unautorisierte Personen
nicht zugänglich waren. Jeder Rapa Nui kannte die Tabu´s
um solche Objekte.
Das sichtbare Zeichen, ob ein Objekt, ein Weg, ein
Feld oder eine bestimmte Region mit einem Tabu belegt war, waren
zumeist drei runde Steine, die in pyramidenförmig aufeinander
gelegt wurden. Der oberste Stein erhielt zumeist einen weißen
oder hellen Anstrich, damit auch ja niemand das Tabu-Zeichen übersieht.
Die Tabu´s konnten von den Arikis (Königen), Priestern
aus königlichem Geschlecht, den Vogelmännern oder auch
von anderen wichtigen Personen ausgesprochen werden. Damit die
Tabu´s auch wirksam werden, mussten die Zeichen von den
Persönlichkeiten >>persönlich<< gesetzt
worden sein. Die Ernten lagen generell so lange einem königlichen
Tabu, bis dem ariki hiervon die erste Frucht bzw. eine Teilernte
gebracht worden war.
Bereits die ersten Seefahrer und Forscher berichteten von diesen
Zeichen. Oft befanden sie sich auch in der Nähe von Ahu-Anlagen
die als Begräbnisstätten genutzt wurden. Sahen die Eingeborenen
einen Europäer auf ein Tabu-Zeichen zulaufen, so fingen sie
wild an zu gestikulieren um mitzuteilen, dass hinter dem Zeichen
eine verbotene Zone liegt. In der Nähe des Toten und der
Tabu-Zone durfte kein Feuer entfacht werden. An den Stellen der
Küste, an denen sich eine Grabanlage befand, war der Fischfang
strengstens verboten. Die einzig mögliche Strafe bei einem
Vergehen war der Tod.
Generell lag sowieso während aller Monate des südlichen
Winters auf den Fischfang ein Tabu.
Die Häuptlinge waren durch eine Menge Tabu´s von
ihren Untertanen getrennt. Diese Tabu´s sollten einerseits
die göttliche Natur des ariki´s bekräftigen,
andererseits die üblichen Sterblichen vor der Berührung
mit seinem Mana schützen. Der Kopf des Königs stellte
den heiligsten Teil dar und war deshalb mit dem allerstrengsten
Tabu belegt. Der König trug sein Haar lang, denn kein Sterblicher
war heilig genug, um hieran Hand anzulegen.
Das Wort "Tabu" und ihre Bedeutung wurde übrigens
erst durch James
Cook in Europa bekannt gemacht. Wikipedia schreibt, Cook hätte
dieses Wort während eines Besuches in Tonga 1777 festgehalten.
In Deutschland kennt man das Wort seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
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