Rano Raraku - die Moai-Fabrik auf der Osterinsel

Rano Raraku - die Moai-Fabrik auf der Osterinsel


Rano Raraku


Rano Raraku - Moai Steinbruch auf der OsterinselStandort Rano RarakuSeit die Osterinsel im Jahre 1722 von dem holländischen Admiral Jakob Roggeveen gesichtet wurde, wird in fast allen Reiseberichten ein Ort immer wieder genannt, nämlich der Vulkan-Kegel Rano Raraku. Geologisch gesehen ist der Rano Raraku nicht besonders spektakulär und der Rano Raraku ist mit seinen etwa 150 Metern Höhe auch eher einer der kleineren Erhebungen auf der Osterinsel. Doch am Rano Raraku findet sich massenweise das was die Osterinsel so bekannt gemacht hat, nämlich die Moai-Steinmonumente.

Briefmarke Osterinsel - Motiv - Moai´s am Rano RarakuDer Rano Raraku befindet sich im östlichen Teil der Osterinsel, etwa einen Kilometer von der südlichen Küstenlinie, und 20 Kilometer von der westlich gelegenen Stadt Hanga Roa entfernt. Obwohl sich der Rano Raraku in relativer Nähe zum Poike-Vulkan befindet, gehört der Rano Raraku als erloschener Schlacke Kegel zum größten Vulkan der Insel, dem 507 Meter hohen Maunga Terevaka, der vor etwa 240.000 Jahren die zwei älteren Vulkane Poike im Osten und Rano Kao im Südwesten zu der heutigen Insel verschmolz. Briefmarke Osterinsel - Motiv - Moai´s am Rano RarakuDer Rano Raraku erhebt sich meerseitig übergangslos aus einer grasbewachsenen Ebene und bricht am Südosthang teilweise steil ab. Hier befindet sich auch der äußere Steinbruch für die Moai´s. Bei dem Gestein handelt es sich um gelbliches Tuffgestein mit zahlreichen Einschlüssen von hartem Granitgestein.

Der Moai Piropiro scheint einen Buckel zu habenDer Rano Raraku wurde über die Jahrhunderte unter anderem deshalb immer wieder genannt, weil es mehr als 150 Jahre die einzige Stelle auf der Osterinsel war, an dem Moai´s noch aufrecht standen (wenn auch bis zur Brust im Sediment vergraben). Besonders der, von den Rapa Nui "Piropiro" genannte Moai wird wohl jedem Besucher in Erinnerung geblieben sein, ragt er doch immerhin mehr als sechs Meter aus dem Boden und soll mit 11 Metern Länge der größte jemals aus dem Stein geschlagener und aufgestellter Moai sein.

Briefmarke Moais von der OsterinselDer Rano Raraku ist aber sonst auch in vielerlei Hinsicht ein sehr interessanter und mysteriöser Ort: Am und im Rano Raraku befinden sich unter anderem 397 Moais, von denen nur ein Viertel komplett bearbeitet und aus dem Stein geschlagen sind.

In vielen Abhandlungen ist zu lesen, die fertigen Moai´s am Rano Raraku würden lediglich auf ihren Abtransport warten. Liest man sich aber die Berichte früherer Forscher durch, so kamen zu mindestens einige zu einem anderen Ergebnis:

Der deutsche Wilhelm Geiseler beispielsweise stellte 1882 anhand der Verwitterung, des Aussehens und des Verfalls der Moais die These auf, dass man die Moai´s wohl in drei Zeitepochen einzuordnen hat. Er meint, die (auch nach dem Verwitterungs- und Verfallsgrad) am ältesten Moai´s befänden sich in den Ebenen, entlang der Küstenregionen. Diese Moai´s hätten einen mehr eckigen bzw. runden Kopf, von denen viele ursprünglich auch einen Hut getragen hätten.

2006 - Briefmarke aus Chile, die Moais am Rano RarakuDie vom Typus her schlankeren Moai´s am Rano Raraku Krater seien nach dem Verwitterungsgrad wesentlich jünger als die aus der Ebene, wobei die jüngsten Moai´s wohl am Aussenhang und die älteren im inneren des Kraters stehen. Sowohl die äußeren Moai´s als auch die im Kraterinneren befindlichen Moai´s seien wohl nicht für den Transport in die Ebenen bestimmt gewesen, so Geiseler. Er begründet seine These damit, dass einerseits die Köpfe der dort stehenden Moai´s viel zu schlank seien als dass sie einen dieser schweren Hüte hätten tragen können und andererseits sich im Krater 11 Moai´s befänden, die sich aufgrund ihrer Position wohl schwer aus dem Krater hätten abtransportieren lassen.

Auch der deutsche Ethnologe Hans Schmidt kommt 1927 zu dem Schluss, dass die Moai´s am und im Rano Raraku Krater nicht für den Weitertransport bestimmt waren und auch Schmidt begründet seine These mit der Tatsache, dass die (er schreibt 20) Moai´s im Krater an Stellen aus dem Gestein geschlagen wurden, die einen Weitertransport so gut wie unmöglich gemacht hätten.

Moai Hinariru scheint zu flirtenDie US-amerikanischen Archäologen John Flenley und Paul Bahn sehen in den Rano Raraku Moai´s eine Art "Billig-Version" des jeweiligen Auftraggebers. Flenley und Bahn vertreten dabei die Ansicht, die Auftraggeber seien ebenfalls Stammesfürsten gewesen, allerdings nicht so mächtige wie die Fürsten, die beispielsweise die Ahu-Anlage Tongariki in der Hotu iti Bucht in Auftrag geben konnten.Der Moai Re-carved - ein nach gearbeiteter Moai?

Schaut man sich die Rano Raraku Moai´s etwas näher an, so scheinen auch viele der Moai´s nicht so schablonenhaft geformt zu sein wie die Moais , die auf der Insel verteilt sind. Viele Moai´s am Rano Raraku haben eine individuelle Körperhaltung und damit auch Austrahlung. So hat beispielsweise der Piropiro Moai eine sehr spitze Nase und eine leichte Fehlhaltung (man könnte auch sagen Buckel). Der "Hinariru" Moai hat seinen Kopf leicht nach rechts gedreht und der "Re-carved" Moai scheint auf dem ersten Blick ein verunglückter Moai gewesen zu sein, den man nachbearbeitet hat. Das Gesicht wurde komplett aus der ursprünglichen Stirnpartie geformt, die ursprüngliche Nase zeigt sich jetzt als rundlicher Bauch des Moai´s.

Die hier stehenden Moai´s scheinen (wenigstens zum Teil) nicht mehr unbedingt Vorfahren oder Götter repräsentiert zu haben. Die Rano Raraku Moai´s haben auch keine Augenhöhlen (und es waren auch keine vorgesehen); ihnen wurden also keine Augen eingesetzt und somit auch keine "Mana" eingehaucht. Es gab somit auch keinen Grund, diese Moai´s umzuwerfen. Der Moai Re-carved beispielsweise steht vor den Fundamentsteinen eines Paenga-Hauses, in der früher Gefangenen aus kriegerischen Auseinandersetzungen gehalten und später "abgeschlachtet" und verspeist wurden.

Tattoo Moai am Rano RarakuUnweit des Moai Re-carved findet sich ein tätowierter Moai. Er besitzt eine Halskrause mit typischen wellenartigen Verzierungen so wie die Rapa Nui sich am Hals haben tätowieren lassen. Forscher haben an der Halskrause auch Farbpigmente sicherstellen können. Es scheint so, als hätten die Rapa Nui die Gravur an diesem Moai durch die Farbe noch verstärkt. Außerdem besitzt der Moai an der linken Schulter eine Darstellung des Schöpfergottes Make Make.

Fundamentsteine eines Paenga-Hauses am  Rano RarakuAuf der Außenanlage des Rano Raraku finden sind die Fundamente von insgesamt 13 Paenga-Häuser. Ob die Zahl "13" eine Bedeutung hat ist nicht bekannt; die Anordnung und die Standorte der Paenga-Häuser scheinen auch mehr nach den örtlichen Gegebenheiten und zufällig gewählt worden zu sein. In den einzelnen Dörfern waren diese Häuser ausschließlich geweihte Wohnstätten von der geistigen und / oder politischen Elite. Möglicherweise waren die Häuser am Rano Raraku neben einer Art Gefängnis auch Unterkünfte der im Steinbruch verantwortlichen Aufseher und Disponenten. Die höchsten religiösen Würdenträger werden sich hier wohl weniger aufgehalten haben.

Moai Tukuturi am Rano RarakuAm Rano Raraku gibt es aber noch andere interessante Details zu entdecken, die man als Besucher auf keinen Fall verpassen sollte:

So steht beispielsweise südöstlich am Rano Raraku der einzige Moai, der sich von seiner Form und Gestaltung komplett von denen der übrigen Moais unterscheidet. Dieser Moai mit dem Namen "Tukuturi" (oder auch Tuturi) hat Beine und kniet. Die Unterarme liegen auf den Oberschenkeln, der Kopf ist rund und er trägt einen Kinnbart.Moai El-Gigante oder auch Te Kokanga

Gut sichtbar am Felsrand des Aussenkraters sieht man den Steinriesen "Te Tokanga" (oder auch Ko Teto Kena), der noch halbfertig im Fels eingebettet ist. Dieser Steinriese ist mit 21,6 Metern der größte Moai, der jemals aus dem Tuffgestein geschlagen werden sollte. Von Besuchern und Touristen wird dieser Steinriese "El Gigante" genannt.

Oft ist zu lesen, die Arbeiten an den unfertigen Moai´s hätten allesamt abrupt ein Ende gefunden, nämlich um 1680. Andere behaupten, die Steinmetze hätten zu mindestens einige Moai´s unfertig liegen lassen, weil das im Tuffstein eingeschlossene Basaltgestein einfach zu hart gewesen sei.

Moai Ko Kona He Hoa - der einzige Moai mit einer Segelschiff-GravurIn dem Wust der vielen fertigen und unfertigen Moais am Rano Raraku schwer zu finden ist der Moai "Ko Kona He Roa". Der "Ko Kona He Roa" trägt auf der Brust eine Verzierung in Form eines Segelschiffes. Interessant dabei, offensichtlich ein europäisches Segelschiff mit drei Masten. Vom Schiff aus führt eine Schnur zu einer Riesenschildkröte; es sieht so aus, als würde die Schildkröte das Schiff ziehen oder es den Weg zur Insel zeigen. der fast fertige Moai am Rano Raraku

Auf jeden Fall ansehen sollte man sich noch einen weiteren Moai, der sich oberhalb des El Gigante befindet. Dieser Moai ist nämlich fast fertig aus dem Felsgestein geschlagen und vermittelt einen Eindruck, wie die Steinmetze am Rano Raraku ihre Moai´s zum Abtransport vorbereitet haben.

Direkt auf dem Kraterrand sind runde Vertiefungen von bis zu einem Meter Durchmesser und einem Meter Tiefe zu erkennen. Diese Löcher wurden zum ersten Mal von dem deutschen Wilhelm Geiseler erwähnt. Ein alter Rapa Nui hatte ihm 1882 erzählt, dass in diesen Löchern Baumstämme gestellt wurden an denen dann Taue zum Hochziehen und Herablassen der Moais entlang liefen.

Kratersee im Vulkankegel des Rano Raraku

Interessant ist auch einfach der Weg in den Krater des Rano Raraku. Dieser Weg schimmert gelblich rot und schlängelt sich an vielen Ausbuchtungen vorbei, aus denen vor Jahrhunderten die Moai´s gemeißelt worden sind. Über diesen Weg gelangt man auch an den Kratersee. In dem rund 350 x 280 Meter ovalen Kratersee befindet sich Süßwasser, in dem das so genannte Totora-Schilfgras wächst. Das Wasser wurde weit ins 20. Jahrhundert von den Insulanern noch als Trinkwasser genutzt. Das Totora-Schilfgras diente den Rapa Nui als Baumaterial für Hüttendächer, Tanzkleider oder Schwimmhilfen.

Krater vom Rano Raraku

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