Ahu Nau Nau - Fundort des Moai-Auges

Ahu Nau Nau - Fundort des Moai-Auges


Anakena Bucht - Ruhesitz der Könige?


Ahu Nau Nau in der Anakena BuchtLage des Ahu Nau NauDie Zeremonie-Anlage Ahu Nau Nau an der Nordküste der Osterinsel ist wohl die schönste Zeremonie-Anlage auf der ganzen Osterinsel. Auf der 60 Meter langen und 12 Meter breiten Anlage stehen insgesamt sieben Moai´s, fünf davon sind vollständig intakt; von zwei Moai´s sind nur Stümpfe aufgestellt. Die Anlage Ahu Nau Nau ist aber nicht nur die schönste Anlage auf der Osterinsel, sie bietet rundherum auch interessante und einmalige Informationen.

Die auf der Anlage aufgestellten Moais sind (im Verhältnis zu vielen anderen Moai´s) in einem sehr guten Zustand. Dies liegt unter anderem daran, dass sie für lange Zeit unter einer Sandschicht lagen und somit nicht verwittern konnten. Vier der fünf intakten Moai´s tragen einen Pukao (Hut oder Haarschopf - da ist sich die Wissenschaft nicht ganz sicher), die von ihrer Bauweise alle unterschiedlich sind.

Anakena SandstrandAhu Nau NauDie Anlage befindet sich in der Anakena-Bucht, den einzigen nennenswerten Sandstrand auf der ganzen Osterinsel. Nur hier kann der Tourist so etwas wie Südsee-Feeling tanken, denn im Gegensatz zur übrigen Insel (Ausnahme der kleine Ovahe Strand) verläuft dieser Strand mit weißem Sand sanft in den Pazifik und bricht nicht mit schwarzem Lavagestein ins Meer hinunter. Nur in diesem Abschnitt wurden im nennenswertem Umfang Palmen gepflanzt, die sich zwischenzeitlich zu einem kleinen Palmenhain entwickelt haben und die Schönheit und die Idylle der Ahu-Anlage noch unterstreichen. TOP

Der Franzose Alfred Métraux, der sich 1934 mit den Mythen und Legenden, die Lebenswelt und das Sozialleben sowie das Handwerk und die Kunst der Ureinwohner beschäftigte schreibt in seinem Buch, die alten Könige kehrten nach Anakena zurück, um hier ihren Lebensabend nach ihrer Abdankung zu verbringen. Nach Sitte und Brauch hatte der König sein Amt nämlich an seinen ältesten Sohn abzugeben, sobald dieser das Alter und die Reife hatte, die Königswürde zu übernehmen. Thomas Barthel schreibt, hier in der Anakena-Bucht hätten sich einmal im Jahr (während des letzten Mondviertels oder bei Neumond) alle Träger der Rongorongo Schreib- und Rezitationskunst "tangata rongorongo" in Gegenwart des Königs zum größten Fest der Insel getroffen. Während dieser Zeit mussten selbst kriegerische Auseinandersetzungen der Stämme eingestellt werden. Die "tangata rongorongo" rekrutierten sich überwiegend aus Familien der Häuptlinge und Adeligen, jedoch konnten sich scheinbar auch Personen der unteren Klassen in der Schreibkunst und der Kunst des Rezitierens ausbilden lassen. Hierbei soll auch das KAI-KAI-Fadenspiel als Gedächtnisstützen zum Memorieren von Tafelgesängen eine große Rolle gespielt haben. Der letzte große Schriftgelehrte (vor dem Zusammenbruch der alten Kultur) soll König Ngaara gewesen sein. Dessen Bibliothek umfasste einige hundert Rongorongo-Schrifttafeln; er wurde auf drei Schrifttafeln zu Grabe getragen.

Sergio A. Rapu mit dem Moai-AugeRestauriert wurde der Ahu 1978 unter Anleitung des Archäologen Sergio A. Rapu. Sergio A. Rapu ist Osterinsulaner, der in der Eigenschaft als Angestellter des Sebastian Englert Museum den Archäologen William Mulloy kennengelernt hat und durch ihn animiert wurde, Archäologie zu studieren. Im Rahmen seines Studiums hat Sergio A. Rapu 1978 dann die Ausgrabungsarbeiten und Restaurierung des Ahu Nau Nau geleitet und dabei einen sensationellen Fund gemacht: Am Ahu Nau Nau fanden sich zwei Fragmente aus weißem Korallenkalk, die Sergio A. Rapu als Moai-Auge identifizieren konnte. Thor Heyerdahl hatte 1955 / 56 ähnliche Fragmente an der Anlage Vinapu gefunden, sie jedoch als Reste von Zeremonie-Schalen gedeutet. TOP

Der ältere Bruder von Sergio A. Rapu, Alfonso Rapu, war übrigens einer der ersten Rapa Nui der (1957) auf dem chilenischen Festland in eine weitergehende Schule gehen durfte und dort als Lehrer ausgebildet wurde. Alfonso Rapu wurde 1964 in der Eigenschaft als Dorfschullehrer zum Sprecher der Rapa Nui, sollte wegen seiner (für Chile) unbequemen Wahrheiten gefangengenommen werden, musste sich auf der Insel verstecken und hat in dieser Situation die Verhältnisse der Rapa Nui in einem offenen Brief in der New York Times öffentlich gemacht. Unter dem Druck dieser Veröffentlichung hat Chile 1966 letztendlich das Kriegsrecht aufgehoben und den Rapa Nui endgültig mehr Freiheiten eingeräumt.

Petroglyphen am Ahu Nau NauAber zurück zur Anakena-Bucht und zum Ahu Nau Nau:
Die Anlage Nau Nau liegt wie gesagt in der Anakena-Bucht und wird wegen ihrer Attraktivität zwischenzeitlich in vielen Reiseführern auch als "Ahu Anakena" angepriesen. Nach den archäologischen Untersuchungen kam der Ahu Nau Nau seit 800 n.Chr. in mindestens sechs Bauphasen zu seiner jetzigen Form. Diese Entwicklung ist vor allem an der, der Seeseite zugewandten, rückwärtigen Frontmauer zu sehen. In dieser Mauer finden sich verschiedene Fragmente früherer Bauten, darunter ein alter Moai-Kopf oder ein alter Frontstein, der mit einem Petroglyphen verziert ist und den Gott "Tane" darstellt (ein menschen- oder affenähnliches Wesen, siehe Foto).

Im März 2008 gab es einen traurigen Tag für die Anlage Nau Nau: Ein finnischer Tourist musste gerade von einem dieser Moai´s ein Stück Ohr abschlagen, um es als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Das abgeschlagene Ohrläppchen fiel herunter und zerbrach in mehreren Teilen. Ein Teil davon entwendete der 26jährige. Glücklicherweise wurde dieser Vorgang von anderen Touristen beobachtet, so dass der 26-jährige gefasst werden konnte. TOP

Ahu Ature HukiEtwas abseits des Ahu Nau Nau befindet sich eine weitere Ahu-Anlage mit der Bezeichnung "Ature Huki" und auch diese Anlage hat eine besondere Geschichte zu erzählen: Der Moai auf dem Ahu Ature Huki war 1956 der erste Moai, der nach 1836 wieder aufrecht über die Osterinsel schauen konnte. In einem Experiment von Thor Heyerdahl haben 12 Rapa Nui diesen Moai in nur 18 Tagen aufstellen können. Eine kleine Gedenktafel an dem Ahu erinnert an diese Begebenheit; Thor Heyerdahl hat dieses Experiment aber auch ausführlich in seinem Buch "aku-aku - Das Geheimnis der Osterinsel" beschrieben.

In Strandnähe befinden sich die Überreste einiger älterer Ahu-Anlagen, allerdings ohne Moai´s. Oberhalb der Bucht sind im teilweise überwucherten Felsgestein Petroglyphen eingeschlagen, eines davon der wie ein Octopus-ähnliche Seeungeheuer aussieht. TOP

Am Ahu Nau Nau - Petroglyphen - Octopus-ähnliche Seeungeheuer?Petroglyphen am Ahu Nau Nau - Eine Delphin-AbbildungIn dieser Bucht fanden Archäologen 1987 in Erdschicht die auf ca. 1200 n.Chr. datiert wurde, eine Harpune aus Knochen. Diese Harpune ist die einzige ihrer Art auf der ganzen Osterinsel. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Harpune zum Fang von Delphinen eingesetzt wurde. Die Annahme wird damit begründet, dass in der Nähe Petroglyphen mit Delphin-Abbildungen gefunden wurden.

In der Anakena-Bucht soll der Überlieferung nach, auch der Gründervater der Rapa Nui "Hotu Matuá" mit seinem Gefolge angelandet sein. In der Nähe der Ahu-Anlage Nau Nau fand der Thor Heyerdahl Archäologe Arne Skjölsvold 1955 Fundamentsteine eines großen Paenga-Hauses, allerdings nur einseitig. Die Archäologen um Thor Heyerdahl gingen deshalb davon aus, dass es sich bei diesem Fundament zwar um ein König würdiges Haus hätte handeln können, dieses Haus aber wohl niemals fertiggestellt worden ist. Etwa 200 Meter südwestlich befindet sich eine Höhlenwohnung in der Hotu Matua so lange gewohnt haben soll, bis sein Gefolge würdige Unterkünfte errichtet hatten. Auch diese Höhle wurde von Arne Skjölsvold untersucht. Briefmarke Osterinsel. Es zeigt die Anakena-Bucht und die Ahu-Anlage Nau NauEs ist eine etwa 6 Meter tiefe Höhle, deren Eingang mit Steinschichtungen künstlich verengt wurde. In dieser Höhle fand Skjölsvold eine Speerspitze aus Obsidian sowie Siedlungsspuren aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

In dieser Bucht hatte auch Thor Heyerdahl 1955/56 sein Camp aufgeschlagen und in dieser Bucht sind während der Thor Heyerdahl-Expedition zwei Kinder und der Lehrer bei einem Schulausfluges ertrunken. Diese Begebenheit kann man in dem Buch "aku-aku - Das Geheimnis der Osterinsel" nachlesen. Die Grundschule auf der Osterinsel trägt bis heute den Namen des ertrunkenen Lehrers.

Ebenfalls an der Nordküste (etwas weiter südlich) befindet sich die Ahu-Anlage Ra'ai. Dort in der Nähe befindet sich die Anlage "Papa Vaka", ein Feld mit 501 Petroglyphen, 222 davon sind Darstellungen von Fischhaken, 87 Darstellungenn von Kanus und auch eine Darstellung von einem Octopus. TOP

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