Ahu Tepeu - durch Heyerdahl-Expedition beschädigte Anlage
Ahu Tepeu
 Eine
durchaus interessante Zeremonie-Anlage ist der "Ahu Tepeu"
an der Westküste der Osterinsel.
Wer die Anlage besucht, wird allerdings nur Ruinen vorfinden und
das ist (heute) auch so gewollt. Die Anlage wurde ganz bewusst nicht
wieder restauriert um den Besuchern einen Eindruck zu vermitteln,
wie der überwiegende Teil aller Ahu´s
nach den Auseinandersetzungen zweier verfeindete Stämme gegen
Ende des 17. Jahrhunderts ausgesehen haben.
Mündliche Überlieferungen besagen, dass es auf der
Osterinsel zwei verschiedene Stämme gegeben hat, und zwar
die "Langohren"
und die "Kurzohren". Bei
den Langohren soll es sich um die geistige Elite gehandelt haben,
die die Osterinsel zu einer
Hochkultur geführt haben und dabei auch die religiösen
Führer waren. Sie sollen den Bau der Zeremonie-Plattformen
und die der Moai´s in Auftrag
gegeben haben und auch die religiösen Führer im Vogelmann-Kult
gewesen sein.
Durch den Bau der Anlagen und den Transport der Moai´s
sollen im Laufe von Jahrhunderten rund zehn Millionen Palmen abgeholzt
worden sein mit der Folge, dass letztlich das ganze
Ökosystem zusammengebrochen ist. Die Erde erodierte,
der Ackerbau brachte weniger Erträge; es fehlte das Holz
zum Bau von Booten, der Fischfang kam zum Erliegen; Hungersnöte
breiteten sich aus, es kam zum Bürgerkrieg. In einer entscheidenden
Schlacht um 1680 sollen die unzufriedenen Kurzohren dann so gut
wie alle Langohren (und damit die geistige Elite) ausgelöscht
haben. In dieser konfliktreichen Zeit sollen dann auch viele Altäre
(Ahu-Anlagen) zerstört und die darauf stehenden Moai´s
umgeworfen worden sein.
Für den heutigen Zustand der Anlage sind allerdings Menschen
im 20. Jahrhundert verantwortlich (siehe weiter unten). Als Alfred
Metraux diese Anlage im Jahre 1934 beschrieb meinte er, der Ahu
Te-Peu sei eines der am besten erhaltenen Monumente und möge
dazu dienen, eine Vorstellung von dem allgemeinen Charakter dieser
Grabanlagen zu geben.
Bei
der Anlage Tepeu handelt es sich eigentlich um zwei Ahu-Anlagen
mit einer Gesamtlänge von 71 Metern, auf denen jetzt vier
Moai´s liegen. Trotz der Ruinen kann man am nördlichen
Teil der Anlage noch sehr gut die Bauweise der hinteren Wand
erkennen;
sie besteht aus wunderbar nebeneinander aufgestellten Steinplatten.
Laut
Thor Heyerdahl erinnert die rückwärtige
Mauer in ihrer Bauweise stark an die Anlagen Vinapu und
Hanga-Poukura. Heyerdahl
sah in dieser Bauweise den Nachweis, dass
diese Anlage(n) von Einwanderern aus Südamerika aufgestellt
worden sein müssen, weil die Vor-Inka-Kultur in Peru ähnliche
Mauern errichtet hat. Diese These wird von Heyerdahls
Kritikern allerdings mit der Begründung bestritten,
dass es sich bei den zusammengefügten Steinen auf der
Osterinsel lediglich um schmale Einfassungen, und nicht wie
in Peru, um dicke
Mauern handelt.
Leider ist ein Teil der hinteren Stützmauer im 20. Jahrhundert
eingestürzt. Einheimische machen hierfür Thor
Heyerdahl verantwortlich, der im Rahmen seiner archäologischen
Expedition in den Jahren 1955/56 auch an dieser Anlage hat graben
lassen. Es heißt, die Archäologen hätten hier
etwas zu rücksichtslos gegraben.
Vor
und auch etwas nördlich der Anlage finden sich Fundamentsteine
von Paenga-Häusern, die
beachtliche Ausmaße aufweisen. Ein Fundament misst rund
40 Meter in der Länge und soll damit das größte
Hare-Paenga-Haus auf der ganzen Osterinsel gewesen sein. Forscher
meinen, dass in diesem Haus, das aussah wie ein umgedrehtes Kanu
in Großformat, mehr als 100 Personen geschlafen haben.
In der Nähe dieser Anlagen finden sich heute auch noch
die steinernen "Manavi´s", das sind runde Steinkreise
in denen zu früheren Zeiten Kulturpflanzen gehalten wurden.
In diesen Kreisen konnte die Erde nicht erodieren und hat sich
scheinbar auch die Feuchtigkeit gut halten können. Solche
Manavi´s finden sich über die gesamte Insel verstreut;
viele sind leider durch die Schafe während der Schafzucht
(1870 bis etwa 1960) zerstört worden.
Die Anlage Tepeu gehört zu etwa 15 bis 20 Ahu-Anlagen, die nach
astronomischen Gesichtspunkten ausgerichtet sind. Der US-amerikanische
Wissenschaftler William Liller ist der Meinung, dass die frühen
Baumeister damit die jeweilige Sonnenwende ermitteln konnten
oder dass die Ausrichtung möglicherweise auch als Hilfsmittel
zur Navigation auf dem Pazifik gediehnt hat.
Die Anlage Tepeu befindet sich an der Westküste der Osterinsel,
rund acht Kilometer nördlich von Hanga
Roa. Wer die Anlage besuchen möchte, sollte mit einem
Geländewagen fahren oder sich fahren lassen, oder zu Fuß
gehen oder (wer kann) mit einem geliehenen Pferd dorthin reiten,
denn einen für den Tourismus erschlossenen Weg gibt es zu
dieser Anlage nicht.
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