Ahu Vinapu - verblüffende Ähnlichkeit mit Mauern aus der Prä-Inka-Zeit?

Ahu Vinapu - verblüffende Ähnlichkeit mit Mauern aus der Prä-Inka-Zeit?


Ahu Vinapu I und Ahu Vinapu II


Ahu Vinapu I + IIStandort Ahu Vinapu I + IIEtwa 5,5 Kilometer südlich von Hanga Roa, (dort wo die Landebahn zu Ende geht und die großen Kerosintanks aufgestellt sind), befindet sich die Zeremonie-Anlage "Ahu Vinapu O Tahiri". Diese Anlage besteht aus einer Doppel-Anlage, die allgemein mit "Vinapu I" und "Vinapu II" betitelt wird.

Wann die Anlage errichtet wurde, ist nicht ganz sicher. Als gesichert gilt, dass die Anlage II älter ist als die Anlage I. Beim Ahu Vinapu II werden die ersten Bauarbeiten zwischen 600 n.Chr. und 897 n.Chr. genannt. Sofern Vinapu II bereits um 600 n.Chr. gegründet wurde, wäre sie neben der Anlage Tahai die älteste Ahu-Anlage auf der ganzen Osterinsel. Ahu Vinapu I soll etwa um 1200 n.Chr. entstanden sein.

gesamte Ahu Anlage Vinapu I + II an der Südküste der Osterinsel

Diese Anlage spielt hinsichtlich der Besiedlungstheorien eine sehr wichtige Rolle. Thor Heyerdahl meint, in den millimetergenauen aufeinanderliegenden Steinen des Ahu Vinapu I (aber auch in den Mauern der Ahu-Anlagen Tepeu und Hanga-Poukura) den Beweis gefunden zu haben, dass die Baumeister dieser Anlage(n) aus dem südamerikanischen Peru kommen müssen. Ahu Vinapu - exakt geschlagene Steine - wie in PeruDie Gegner seiner Theorie sind der Meinung, bei den Steinen am Vinapu I handelt es sich nur um dünne Verblendsteine, während es sich, bei den als Beweis angeführten, Steinen in Tiahuanoco (Peru) um dicke Steinblöcke als Mauer handeln.

exakt geschlagene Steine am Ahu Vinapu Der Ahu Vinapu I ist rund 80 Meter lang und 12 Meter breit. Die durchschnittliche Größe der Steinblöcke sind 1,80 x 2,50 Meter und wiegen hochgerechnet beachtliche sieben Tonnen. Die Steine wurden mit nichts anderem als Steinmeißel aus dem Basalt-Fels geschlagen und dennoch so exakt gearbeitet, dass kein Blatt Papier zwischen den Fugen geschoben werden kann. Selbst kleinere Steine die mehr oder weniger nur als Füllsteine zur Vervollständigung einer glatten Front Zeichnung von Thomson 1886, Ahu-Anlage Vinapudienten, wurden absolut exakt angepasst und eingefügt (siehe Foto). Hinter diesen Steinen befindet sich (zur Auffüllung der Altar-Plattform) allerdings nur unbearbeitetes Geröll und Felsgestein. 1886 hat William Thomson (Zahlmeister auf dem US-amerikanischen Schiff Mohican) während seines Aufenthaltes auf der Osterinsel mit Schießpulver ein Loch in der Vinapu-Mauer sprengen lassen, weil er meinte, er würde dahinter eine Grabanlage mit wertvollen Fundstücken vorfinden. Wie man heute noch erkennen kann, hat er nur eine Steinverfüllung vorgefunden.

exakt eingepasste Steine am Ahu Vinapu###exakt eingepasste Steine am Ahu Vinapu

Beide Anlagen sind insgesamt 160 Meter lang. Die gesamte Anlage wurde aber zu allen Zeiten benutzt und erweitert. Nach Meinung der Archäologen wurden sämtliche Fundamente am Ahu Vinapu II in der ersten Periode der Moai-Schaffung gelegt, die darüber liegenden Bauten sollen aus der mittleren Bauperiode stammen.Hohlräume unter den umgeworfenen Moai´s des Ahu Vinapu Hohlräume unter den Moai´s wurden teilweise zugemauert und als Begräbnisstätten genutztAuf der Anlage befinden sich insgesamt sechs Moai´s, die vornüber umgeworfen wurden. Diese Moai´s haben ursprünglich auch Pukao´s (Hüte oder Haarschöpfe, da ist sich die Wissenschaft nicht sicher) getragen. Bislang hat man die umgestürzten Moai´s so belassen, wie sie zu Zeiten ihrer Zerstörung zu liegen gekommen sind. Die Hohlräume die sich unter den umgestürzten Moai´s gebildet haben, wurden nach 1680 (Zusammenbruch der Hochkultur) als Begräbnisstätten genutzt. Man sieht deutlich, wie Teile an den liegenden Moai´s mit Felsgestein zugemauert wurde um geschützte Hohlräume zu schaffen.

weiblicher Moai am Ahu Vinapu - ursprünglich mit zwei KöpfenWilliam Mulloy 1956 am Vinapu mit Moai der zwei Köpfe hatteEtwas abseits der Ahu Anlage Vinapu steht eine ursprünglich 3,50 Meter hohe Säule aus rotem Tuffgestein, die zunächst an einen Phallus erinnert. Tatsächlich aber handelt es sich bei diesem Stein nicht um Phallus, sondern um eine Frauenfigur.

Entdeckt wurde diese Figur erst (wieder) im Jahre 1956 durch William Mulloy während der archäologischen Forschungs- und Ausgrabungsarbeiten unter Thor Heyerdahl. Heyerdahl hat diese Begebenheit ausführlich in seinem Buch "aku-aku - Das Geheimnis der Osterinsel" beschrieben. Heyerdahl schreibt:

"Die Eingeborenen strömten unablässig herbei, um sich die Ausgrabungen in Vinapu anzusehen, wo Bill (William Mulloy) eben die Rückwand des Ahu abdecken ließ, so dass die Schichten der drei Bauperioden für jedermann deutlich sichtbar wurden. Während das alles geschah, stolperte Bill eines Tages über einen ungewöhnlich roten Stein am Hang hinter der Grabungsstelle. Er ließ mich rufen und fragte mich, ob ich nicht auch den Eindruck habe, der Stein besitze Hände mit Fingern. Es war ein langer, tiefroter Block in Form einer vierkantigen Säule. Nur eine Seite rate aus dem Boden hervor, und weder Form noch Material erinnerten an die gewohnten Statuen. Er stammte sicherlich nicht vom Rano Raraku. Auch die Streifen, die wie Finger aussahen, waren nicht so weit unten angebracht wie auf allen anderen sechshundert Figuren der Osterinsel. Die Eingeborenen erklärten uns lachend, das sei bloß ein gewöhnlicher Hani-hani, eben ein roter Stein.

Das erste, was mir in die Augen sprang, war, dass das Stück auf dem Boden vor uns auffallend an die roten, säulenartigen Statuen der Vor-Inkas in den Anden gemahnte. Das bärtige Gesicht für das Segel des >>Kon-Tiki<<-Floßes hatte ich von einem Pfeiler aus rotem, grobkörnigen Stein abgezeichnet, der genau dem glich, der hier vor meinen Füßen lag.

Zwei, vier, fünf - das konnten Finger sein! Aber es waren weder ein Kopf noch sonst irgendwelche menschliche Züge zu erkennen.

>>Bill<<, sagte ich, >>wir müssen nachgraben. Ich habe solche vierkantige rote Steinstelen am Ufer des Titicacasees gesehen!<<

Pater Sebastian war einmal vor diesem block stehengeblieben, als er mit Eroria seine Runde über die Insel machte und auf alle stehenden oder liegenden Steinfiguren Nummern malte. Eroria hatte ihm die seltsamen Streifen gezeigt, aber Pater Sebastian hatte nur den Kopf geschüttelt und war mit seinem Farbtopf weitergezogen. Alle Statuen auf der Osterinsel gehörten zu einem einzigen Typ, und keine sah aus wie dieser rote, vierkantige Stein hier am Hang.

Vorsichtig schaufelten wir eine weite und tiefe Grube in den harten Boden rund um den Stein. Mit Maurerkelle und Fingern arbeiteten wir uns langsam an die Wand der Säule heran. Waren das nun wirklich Finger, oder handelte es sich nur um einen Felsbrocken mit ein paar zufälligen Furchen? Ich hielt den Atem an, als ich die erste lange Erdscholle entfernte, die das zudeckte, was eigentlich eine Hand sein musste. Und wirklich, es war eine Hand! Unterarm und Oberarm wurden an der einen Seitenwand des Steins sichtbar, ebenso an der anderen. Wir hatten eine Statue eines bisher auf der Osterinsel ganz unbekannten Typs gefunden! Nur den Kopf hatte man abgeschlagen und an der Stelle des Herzens ein tiefes Loch in den Brustkasten gebohrt. Die Figur hatte sogar kurze Beinstümpfe.

Wir klopften Bill auf die Schulter und schüttelten ihm die Hand. Pater Sebastian, als Befehlshaber der uralten, stummen Osterinselgarde, war von diesem Zuwachs in Gestalt eines vierkantigen, roten Soldaten mehr erschüttert als irgendein anderer.

>>Dr. Mulloy, das ist der wichtigste Fund, den man in unserer Zeit auf der Osterinsel gemacht hat. Diese Figur gehört nicht hierher, die ist in Südamerika zu Hause!<<

>>Aber sie ist hier gefunden worden<<, lachte Bill, >>und darauf kommt es an!<<

Mit Flaschenzügen und Hebekränen zogen zwanzig Mann den roten Riesen hoch und versenkten seine kurzen Klumpfüße in eine rasch geschaufelte Grube. Die Eingeborenen, die mitgearbeitet hatten, wunderten sich maßlos. Es war also nicht bloß ein Hani-hani; aber woher um alles in der Welt konnten wir Fremden das wissen?...."

Die endgültigen Ausgrabungsergebnisse des Dr. Mulloy lesen sich heute allerdings etwas anders als sie von Thor Heyerdahl in seinem Buch beschrieben wurden:

abgeschnittener Kopf eines anderen Moai´s ?Es handelt sich nicht um einen roten "Soldaten" sondern um eine weibliche Statue an der auch noch Brüste zu erkennen sind. Die "kurzen Klumpfüße" wie Thor Heyerdahl schreibt, sind Beinstümpfe. Dr. William Mulloy erfuhr aus mündlichen Überlieferungen der Rapa Nui, dass diese Figur noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Köpfe getragen hat. Ein Expeditionsteam zwischen 1868 und 1870 soll sich für diese Figur interessiert haben. Damals, so die Überlieferungen, waren allerdings die Besitzverhältnisse um die Ahu-Anlage Vinapu unter den Einheimischen nicht geklärt mit der Folge, dass letztlich der Doppelkopf abgeschlagen wurde und seither verschwunden ist. Ob der Kopf von dem Expeditionsteam mitgenommen, oder (wie die Stele) im Sediment verscharrt oder ins Meer geworfen wurde, ist bis heute nicht geklärt. ***

Bei dem Expeditionsteam handelt es sich wahrscheinlich um den archäologische interessierten Schiffsarzt Palmer, der 1868 auch die 4 Tonnen schwere und 2,40 Meter hohe Moai-Statue "Hoa-haka-nana-ia" vom Orongo-Kultplatz auf das britische Schiff Topaz hat bringen lassen. Eine weitere Möglichkeit wäre die HMS Canticleer, die Ende 1870 auf der Insel war und wertvolle Artefakte mitgenommen hat.

In den Zeittafeln wird von einem abgeschnittenen Moai-Kopf berichtet, und zwar aus dem Jahre 1872. Zu dieser Zeit steuerte das französische Kriegsschiff "La Flore" die Osterinsel an, um fürs französische Museum einen Moai nach Frankreich zu bringen. Da die Mannschaft es nicht schaffte, eines der schweren Kolosse aufs Schiff zu bringen, wurde kurzerhand einem Moai der Kopf abgeschnitten. Dieser Kopf steht heute im "musée du quai Branly" in Paris, ist aber nicht der Kopf vom Moai am Ahu Vinapu.

Moai-Kopf ragt aus dem Sedimentboden des Ahu VinapuInteressant an der Anlage ist noch ein Moai, der bis zum Hals im Sedimentgestein versunken ist und er somit noch in den Himmel schauen kann. Dieser Moai befindet sich auf der Seeseite vor der exakt aufgestellten Mauer des Vinapu I. Wie tief dieser Moai im Sediment steckt ist nicht bekannt. Warum die Einheimischen diesen Moai während der kriegerischen Auseinandersetzungen haben stehen lassen, ist ebenso wenig bekannt.

Die Front des Ahu Vinapu ist genau in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Es ist also anzunehmen, dass auch diese Anlage, zu mindestens zeitweise, astronomischen Zwecken gedient hat. Die Nord-Süd-Ausrichtung deutet auf den Zeitpunkt der Sommersonnenwende hin.

*** Thor Heyerdahl beschreibt in seinem Buch "aku-aku" noch weitere außergewöhnliche Moai´s, wie beispielsweise den Moai "Tukuturi" am Hang des Rano Raraku, aber auch eine weitere Statue, die dem der roten Stele am Vinapu ähnelt. Heyerdahl schreibt: "Pater Sebastian erinnerte sich plötzlich an ein paar mannshohe Figuren aus hartem, schwarzem Stein. Die eine hatte er als Grundstein in der Fassade eines alten Ahu eingemauert gesehen, nur der Rücken ragte noch heraus. Die andere lag mitten im Dorfgelände. Pater Sebastian half uns mit seinen Eingeborenen, diesen stämmigen Burschen auf die Füße zu stellen. Er erwies sich als einem primitiven Typ zugehörig, den man bisher noch nie gesehen hatte, und bestand aus demselben roten Felsgestein wie die kopflose Figur in Vinapu."

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