Moai Tukuturi - der einzige Moai der Beine hat und kniet

Moai Tukuturi - der einzige Moai der Beine hat und kniet


Moai Tukuturi


Moai Tukuturi - der einzige Moai der knietRano rarakuNicht nur einmalig am Rano Raraku - Krater (der so genannten Moai Fabrik), sondern einmalig auf der Osterinsel ist der Moai "Tukuturi" (oder auch Tuturi). Im Gegensatz zu den sonstigen Steinkolossen ist er nicht nur bis zur Hüfte geformt und in einer stehenden Haltung abgebildet, sondern auf den Knien sitzend, wobei die Arme des Moai auf den Oberschenkeln liegen. Die Kopfform des Tukuturi ist exakt dem eines Menschen nachempfunden (also oval-rund) und einmalig auch: er trägt einen Kinnbart.

Moai Tukuturi während der AusgrabungsarbeitenDer Moai Tukuturi wurde 1955 von Thor Heyerdahl wieder ausgegraben. Als "kleiner unschuldiger Stein mit zwei Augen" beschrieb Heyerdahl den Fund in seinem Buch "aku-aku - Die Geheimnisse der Osertinsel", an dem tausende Besucher zuvor vorbeigegangen waren ohne zu ahnen, was sich hinter diesen Augen verbergen könne. "Die Augen gehören einem dicken Troll, der flach auf dem Rücken lag und seine zehn Tonnen unter der Erde verbarg", schreibt Thor Heyerdahl weiter. Der Koloss lag unter Steinschutt und "unmengen abgenutzter Steinbeile" aus dem verlassenen Steinbruch begraben.

Maoi Tukuturi während der AusgrabungsarbeitenHeyerdahl beschreibt:
"Dieser Steinmann war von allem bisher Bekannten so verschieden wie nur möglich; er besaß Unterleib und Beine, realistisch war die kniende Stellung wiedergegeben. Das breite Hinterteil ruhte auf den Fersen, die Hände lagen auf den Knien. Im Gegensatz zu den nackten Gefährten trug er einen kurzen Mantel oder Poncho mit einer viereckigen Öffnung für den Hals. Der Kopf war rund, mit Spitzbart und Kugelaugen, die kleinen Puipillen traten hervor und gaben ihm einen fremdartigen Ausdruck, wie ihn noch niemand auf der Osterinsel gesehen hatte."TOP

Zu finden ist der 3,70 Meter hohe und 10 Tonnen schwere Steinkoloss an der südöstlichen Flanke des Rano Raraku-Kraters, etwas abseits der übrigen Moais. Von seiner Position aus hat man einen guten Blick zur größten Ahu-Zeremonie-Anlage "Tongariki" in der Hotu-iti-Bucht. Standort Moai Tukuturi

Die Moai´s haben sich, wie man deutlich sieht, im Laufe der Jahrhunderte verändert. Während die Moai´s am Hang des Rano Raraku und in den Ebenen eindeutig mit dem Totenkult in Verbindung gebracht werden können (natürlich auch als Schutzheilige denen die Rapanui eine göttliche Macht zugeschrieben haben), steht die Frage nach der Bedeutung der Steinfiguren aus der Epoche des Moai Tukuturi noch aus. Es scheint fast so, als habe es eine vorzeitliche Kultur auf der Osterinsel gegeben und die Kultur um die Langohren und Kurzohren hätten die vorzeitlichen Figuren achtlos zur Seite getan.

eingemauerter Moai-Kopf in der Ahu-Anlage AnakenaWilhelm Geiseler erwähnt in seinem Forschungsbericht aus dem Jahre 1882, nach Aussage eines alten Rapanui-Mannes hätten alle Moai´s Namen und würden nach Ansicht der Rapanui (selbst auf dem Boden liegend) noch leben. Nur die Moai´s die umgestürzt und zerbrochen seien, seien gestorben und die zerbrochenen Stücke seien einfach nur noch Steine.

Thor Heyerdahl beschreibt in seinem Buch "aku-aku" eindrucksvoll, dass diese Aussage sich nur auf die "neuzeitlichen" Moai´s bezogen haben kann. Die Eingeborenen zu Zeiten Geiselers und Heyerdahls haben den alten Skupturen wohl keinerlei Bedeutung mehr begemessen, teilweise haben sie auch gar nicht mehr um deren Existenz gewusst.

So lässt sich vielleicht auch erklären, warum der vollständig intakte Moai Tukuturi unter Steinschutt vergraben lag und Bruchstücke anderer alter Steinskulpturen als Baumaterial für Ahu-Anlagen Verwendung fanden. Die Frage ist noch, ob der Tukuturi überhaupt als "Moai" bezeichnet werden kann oder möglicherweise gar nicht unter dieser Sinnbezeichnung fällt.

Thor Heyerdahls Ausgrabungen haben nachgewiesen, dass diese Steinskulpturen eindeutig aus einer früheren Epoche stammten und eher selten aus dem Vulkangestein des Rano Raraku gefertigt wurden. Heyerdahl schreibt: "Im Mauerwerk von mehreren Ahu-Plattformen verborgen, fanden sich eine große Anzahl ungewöhnlicher Statuen, die man zum Teil in Stücke geschlagen und als Füllmaterial verwendet hatte." TOP

Pater Englert zeigte Heyerdahl weitere mannshohe Figuren aus hartem schwarzem Stein, von denen eine noch als Grundstein in einer Ahu-Anlage vermauert war und ein weiterer mitten in Hanga Roa lag. Heyerdahl schreibt: "Pater Sebastian half uns mit seinen Eingeborenen, diesen stämmigen Burschen auf die Füße zu stellen. Er erwies sich als einem primitiven Typ zugehörig, den man bisher noch nie gesehen hatte, und bestand aus demselben roten Felsgestein wie die kopflose Figur in Vinapu." … "Es zeigte sich, dass jene Meister, die die schönen Inkamauern der ersten Periode errichtet hatten, nicht auch die Schöpfer der gewaltigen Halbfiguren waren, die die Osterinsel so berühmt gemacht haben. Sie stellten eine Reihe einfacherer Statuen mit rundem Schädel und Glotzaugen her, manchmal aus rotem Tuff und manchmal aus schwarzem Basalt, verwendeten aber auch schon das gelbgraue vulkanische Gestein, das in der nächsten Periode so beliebt wurde."

Briefmarke mit dem Moai TukuturiUntersuchungen haben ergeben, dass der Moai Tukuturi etwa um 1.100 n.Chr. erstellt wurde. Die Quellen die sich mit der Frage des Zeitpunktes der ersten Besiedlung der Osterinsel beschäftigen reichen von 350 n.Chr. bis 900 n.Chr. , viele Quellen sprechen vom 4. oder 5. Jahrhundert n.Chr.

Beachtet man die Forschungsergebnisse Thor Heyerdahls, dann könnten die ersten Siedler bereits im 3. Jahrhundert n.Chr. auf der Osterinsel gewesen sein. Thor Heyerdahl beschreibt in seinem Buch "aku-aku" u.a. die Ausgrabungsarbeiten am so genannten "Ikos Graben", bekannt auch als Poike-Graben. Heyerdahl fand nicht nur diesen Graben, er fand auch ein kunstvoll ausgehobenes Bollwerk von vier Meter Tiefe, zwölf Meter Breite und zwei Kilometer Länge mit einer künstlich angehäuften Wallanlage zur Innenseite hin. In der untersten Sedimentschicht des Grabens befanden sich verkohlte Sträucher, deren Alter sich auf etwa 400 n.Chr. bestimmen ließen. Da sich ein derartiges Bollwerk nicht innerhalb weniger Jahre von einer Kanu-Mannschaft Seefahrern erstellen lässt, müssen die ersten Siedler schon im 3. wenn nicht sogar im 2. Jahrhundert auf der Insel gewesen sein.

Als "Little Tukuturi" bezeichnet die Website http://www.eisp.org/1197/ übrigens noch ein anderes Moai-Fragment, das sich ebenfalls an der Außenseite des Rano Raraku befindet. Dieser Moai hat zwar auch sehr runde Formen, doch erkennbar keine Beine. TOP

Karten:
- Sehenswürdigkeiten
- Übersicht Hanga Roa
- Lageplan Rano Raraku

Pazifik:
- Robinson Crusoe
- Meuterei auf der Bounty

Navigation:
- Home

- Inselbeschreibung
- Geschichte
- Personen
- Kultstätten
- Moai´s
... Sinn der Moai
... Moai - Heyerdahl Experimente
... Moai´s im Landesinneren
... Der sehende Moai
... Hoa-Haka-Nana-Ia
... El-Gigante
... fast fertig
... Ko Kona He Roa
... PiroPiro
... Hinariru
... Re Carved
... Tukuturi
... Tattoo-Moai
... The Traveling Moai
... 1. wiederaufgestellter Moai

... Pukao

- Kunst
- Vulkane und Nebenkrater
- Höhlen
- RongoRongo Schrift
- Rapanui Sprache

- Impressum

- Reisen zur Osterinsel
- Reiseinformationen
- Hotels + Pensionen
- Tourismus + Umwelt


Bookmark and Share

www.osterinsel.de | © Moai Tukuturi - der einzige Moai der Beine hat und kniet