Ana Kai Tangata - Die Menschenfresser-Höhle
Die Menschenfresser-Höhle
 Wenn
Sie auch kein Freund von Höhlen sind, eine der Höhlen
die Sie als Besucher der Osterinsel bedenkenlos besichtigen können,
ist die Ana Kai Tangata Höhle südlich von Hanga Roa. In
der Sprache der Rapa Nui heißt Ana Kai Tangata etwa: "Höhle
in der Männer gegessen wurden". Einige Sprachforscher
sind allerdings der Meinung, "Ana Kai Tangata" meint vom
Sinn her "Höhle, in der Menschen essen" oder auch
"Höhle, die die Menschen ißt". Bei Ausgrabungen
im Jahre 1988 wurden in der Höhle Steinwerkzeuge, Fischhaken,
Nadeln aus Knochen und ein mit Ritzzeichnungen versehener Menschenschädel
gefunden, aber keine Nachweise für Kannibalismus. In den Reiseführern
wird diese Höhle dennoch gerne als "Menschenfresser-Höhle"
bezeichnet.
Die Ana Kai Tangata Höhle ist, anders wie
viele andere Höhlen auf der Osterinsel, kein Hohlraum aus einer Gasblase
während der erstarrenden Lavaströme, sondern ein vom
Pazifikwasser ausgewaschener Hohlraum. Der Höhlenboden liegt
nur unwesentlich höher als der Meeresspiegel und in stürmischen
Zeiten wird der Boden vom Meerwasser überspült. Somit
ist der Höhlenboden sehr oft feucht. Es besteht dann zwar
Rutschgefahr aber man kann die Höhle bedenkenlos besichtigen.
Zu
erreichen ist die Höhle auf einem halbstündigen Fußweg
von Hanga Roa. Eine auch für Touristen gut begehbare Steintreppe
führt den Hang hinunter zum Höhleneingang. Die Höhle
mit dem breiten Eingang ist überschaubar; sie ragt rund
15 Meter in den Fels hinein, ist etwa 9 Meter breit und
4,5 Meter
hoch. An
den schrägen Deckenflächen sind bunte Felszeichnungen
von Manutara-Vögel angebracht, die von der feuchten salzigen
Seeluft leider mehr und mehr verwittern. Unter einem dieser Vögel
entdeckte Katherine Routledge 1914 die Zeichnung eines Schiffes.
Heute lässt sich diese Darstellung nur noch erahnen, sie
ist sehr stark verwittert.
Interessant
ist die Höhle aber nicht nur wegen der schönen Zeichnungen,
sondern wegen einem wunderschönen Ausblick während eines
Sonnenunterganges und natürlich wegen ihrer mystisch klingenden
Vergangenheit. Hier sollen, wie gesagt, die Ureinwohner Menschen
verspeist haben. Nach der Menschenfresser-Version sollen die "Opfer"
Gefangene aus Stammesfehden gewesen sein. Hatte man während
der kriegerischen Auseinandersetzung gar einen Ariki (Häuptling)
gefangen genommen, so wurde dessen Gehirnmasse zusätzlich
noch im Feuer verbrannt; eine besonders schlimme Strafe, denn
damit wurde nach Glauben der Rapa Nui die jeweilige Seele getötet.
Kannibalismus soll es viel auf der Osterinsel gegeben haben,
besonders nach dem
Zusammenbruch der Hochkultur und der dann folgenden
Hungersnöte. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung gipfelte
immer wieder in kriegerischen Auseinandersetzungen, die von Vandalismus,
Brandschatzung, Gefangennahme der Gegner oder Umsturz der Moai´s an den Territorialgrenzen begleitet wurden.
Eine weitere Stelle an der Menschen gefangen gehalten und dann
während der Siegesfeierlichkeiten getötet und gegessen
wurden, ist der Moai-Steinbruch am Ranu
Raraku. Hier sollen,
so Erzählungen eines alten Rapanui-Mannes gegenüber
dem forschenden Wilhelm Geiseler (1882), die Gefangenen in einem
Paenga-Haus eingesperrt worden sein, bevor sie ihr Leben lassen
mussten.
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