Carl Friedrich Behrens -der erste
Europäer der 1722 die Osterinsel betritt?
Carl Friedrich Behrens -der erste Europäer der 1722 die
Osterinsel betritt?
Die
ersten Informationen über die Osterinsel
stammen von dem britischen Seeräuber William
Dampier um 1697 sowie von dem deutschen Carl-Friedrich Behrends
um 1727. Dampier hatte in seiner Publikation über den holländischen
Seeräuber Edward Davis berichtet,
der 1687 im Pazifik eine Insel sichtete, die er als Spitze des Kontinents
Terra australis deutete; Behrens war Korporal auf eines von Jacob
Roggeveens Schiffen, der seine Reiseerlebnisse über die Osterinsel
1727/29 in dem Buch "Der wohlversuchte Südländer"
veröffentlichte.
Seit
Dampiers Veröffentlichungen suchten Generationen von Seefahrern
nach dem Sagen umwobenen "Terra
australis" - oder auch "Davis
Land" zu finden und stießen an der besagten Position
doch nur auf die Osterinsel.
Die Reisebeschreibungen des ersten offiziellen Entdeckers der
Osterinsel, Jacob Roggeveen
wurden erst im 19. Jahrhundert veröffentlicht und deshalb
galt die Veröffentlichung von Carl-Friedrich Behrens bis
1770 als die einzige Quelle, die über eine Insel mit der
Bezeichnung Paaschen Eilandt (Easter Island - oder auch Osterinsel)
mit den so mysteriösen Steinidolen berichtete.
Carl
Friedrich Behrens, ein junger Korporal aus dem mecklenburgischen
Rostock, diente 1721/22 auf eines von Roggeveens Schiffen und
war zuständig für die einfachen Seesoldaten, die die
Expeditionsreisenden auf den fremden Kontinenten im Pazifischen
Raum absichern sollten. Behrens berichtete, dass Roggeveen davon
abging, im acht und zwanzigsten Grad der Breite und zwei hundert
und ein und fünfzig der Länge nach dem Davis Land zu
suchen und sich westwärts orientierte. Dann, am 6. April
1722 (tatsächlich war es der 5. April), wurde auf Höhe
des acht und zwanzigsten und einem halben Grad der Breite und
zwei hundert und neun und dreißig der Länge eine Insel
entdeckt, dem die Holländer den Namen Paaschen Eilandt
gaben.
 "Das
Eiland", so Behrens, "hat ungefähr sechzehn
Seemeilen im Umfange. Als man sich demselben genähert hatte,
so kam einer von den Einwohnern den Holländern bis auf zwei
Meilen in einem Kanu entgegen. Er machte keine Schwierigkeit,
in das Schiff zu steigen. Man gab ihm anfänglich ein Stück
Zeug, sich zu bedecken; denn er war ganz nackend. Man bot ihm
auch Korallen und andere Lapperenen an. Er hänget sie alle
nebst einem getrockneten Fisch an den Hals.
Sein Leib war mit allerhand Farben bemalt; er war braun.
Seine Ohren waren überaus lang und hingen bis auf die Schultern;
vermutlich hatte er Ohrenringen getragen, welche durch ihre Schwere
sie so lang gezogen hatten, wie man noch eben das unter den Schwarzen
im Lande des großen Mogols ausüben sieht.
Er war ziemlich groß, stark
und handfest, von einer guten Gesichtsbildung, lustig, lebhaft
und angenehm in Gebärden und wenn er redete. Man gab ihm
ein Glas Wein; er nahm es an, groß es aber, anstatt dass
er es trinken sollen, sich in die Augen, welches die Holländer
sehr Wunder nahm.
Man kleidete ihn darauf und setzte ihm einen Hut auf; man
sah aber wohl, dass er nicht dazu gewöhnet war; denn er führet
sich sehr ungeschickt darinnen auf. Man gab ihm auch zu Essen:
er wusste sich aber weder des Löffels noch der Gabel und
des Messers zu bedienen.
Nachdem er bewirtet worden: so befahl man den Musikanten,
auf allerhand Instrumenten zu spielen. Die Musik machte ihn
sehr
lustig; und so oft man ihn bei der Hand nahm, so fing er an,
zu tanzen und zu springen. Man schickte ihn mit allen seinen
kleinen
Geschenken wieder nach Hause, damit die anderen erfahren könnten,
wie er wäre aufgenommen worden: er schien aber die Holländer
ungern zu verlassen. Er hob seine beiden Hände auf, wandte
die Augen nach der Insel und fing an mit großer Stärke
zu schreien, wobei er diese Worte hervorbrachte: Odor
roga! o dorroga! Es kam ihm sehr schwer an, ehe er sich entschloss, wieder in
sein Kanu zu gehen; und er gab zu verstehen, er wünschete,
dass man ihn in dem Schiffe ließe und hernach in keine
Insel aussetzete. Es hat das Ansehen, dass er bei Erhebung
dieses Geschreies
seinen Gott angerufen; weil man eine Menge Götzen an der
Küste aufgerichtet sah. "
Die
Schiffe und Besatzung blieben die ganze Nacht auf Reede und am
nächsten Morgen lief man gegen Südost in einen Meerbusen
ein, um dort zu ankern. "Viele tausend Insulaner",
so Behrend, "begaben sich dort hin. Viele brachten Hühner
mit, und auch Wurzeln, andere liefen "wie wilde Tiere"
von einem Ort zum anderen entlang der Küste. Sie kamen haufenweise,
das Schiff näher anzusehen, zündeten zu Füßen
ihrer Götzen Feuer an, um ihnen Opfer zu bringen, und sie
anzurufen. Man konnte indessen auch an diesem Tag nicht anlanden."
"Am anderen Morgen sah man, dass die Insulaner sich
mit dem Gesicht gegen den Sonnenaufgang gekehrt, nieder geworfen
und viele Feuer angezündet hatten; vermutlich um ihre Götzen
zum Morgenbrandopfer zu dienen.
Nun begangen auch auf den Schiffen die Vorbereitung zu Landung.
Doch noch bevor sich ein Boot zur Küste aufmachen konnte,
kam der Insulaner, der zwei Tage zuvor bereits an Bord gekommen
war, noch einmal in Begleitung vieler anderer dem Schiff entgegen.
Sie brachten eine große Menge an gebratenen Hühnern
und Wurzeln.
Unter ihnen war ein weißer Mann mit weißen Ohrringen,
so groß wie eine Hand. Er sah überaus andächtig
aus" und Behrens vermutete, es sei eines ihrer Priester.
Behrens berichtete dann von einem Vorfall, den Roggeveen in seinem
Logbuch nicht erwähnt. Behrens schreibt: "Einer
von diesen Insulanern, der in seinem Kanu war, wurde durch einen
Flintenschuss, ich weiß nicht wie, getötet. dieser
unglückliche Zufall breitete eine so große Bestürzung
unter sie aus, dass die meisten in das Meer sprangen, um durch
Schwimmen die Küste zu erreichen. Andere blieben in ihren
Schiffen und bemühten sich, sich durch rudern zu retten."
Behrens beschreibt danach den Moment der Landung auf
der Osterinsel. Er schreibt:
"Endlich tat man die so sehr verlangete Landung mit hundert
und fünfzig Mann, Soldaten und Matrosen. Unser Admiral befand
sich in Person dabei und gab mir die Anführung eines kleinen
Haufens. Ich war der erste, welcher den Fuß an das Land
setzte. Die Einwohner kamen uns folglich in so großer Anzahl
entgegen, dass man, unter weiter fort zu kommen, sich durchdringen,
und mit Gewalt einen Weg machen musste.
Weil einige unter ihnen sich unterstanden, unser Gewehr anzurühren:
So gab man Feuer auf sie, welches sie erschreckete und auf einmal
zerstreuete. Einige Augenblicke danach aber kamen sie wieder zusammen;
indessen näherten sie sich uns doch nicht mehr so nahe, als
vorher. Sie blieben stets auf zehn Schritte entfernt, in der Meinung,
sie wären in dieser Entfernung gedeckt, und vor der Wirkung
unserer Flinten sicher.
Zum Unglück hatte das Feuer, welches wir auf sie gegeben,
ihrer viele getötet, unter welchen sich aud derjenige befand,
der uns zuerst entgegen gekommen, welches uns sehr leid tat. Diese
guten Leute brachten, um die toten Leichname zu erhalten, uns
von neuem allerhand Lebensmittel. Ihre Bestürzung war übrigens
sehr groß; sie erhoben ein jämmerliches Geschrei und
große Wehklagen.
Alle,
Männer, Weiber und Kinder, die uns entgegen gingen, trugen
Palmzweige und eine Art von einer roten und weißen Fahne.
Ihre Geschenke bestanden aus indianischen Feigen, Nüssen,
Zuckerrohr, Wurzeln, Hühnern. Sie fielen auf die Knie, pflanzeten
ihre Fahnen vor uns, und überreichten uns ihre Palmzweige
zum Zeichen des Friedens. Sie bezeugten uns durch ihre alldemütigsten
Stellungen, wie sehr sie wünschten, unsere Freundschaft zu
haben."
Während die Insulaner den Ankömmlingen bis dahin ihre
jungen Frauen vorenthalten hatten, zeigten sich diese nun und
boten sich den Europäern mit eindeutigen Gesten an. Behrens
schreibt, sie seien von derart demütigen Gesten so gerührt,
dass man ihnen Stoffe, Korallen (wohl Glasperlen), kleine Spiegeln
und anderes in
dieser Form schenkte, um auch die friedliche Absicht zu bekunden.
Im Gegenzug brachten die Insulaner weitere Lebensmittel, darunter
500 lebende Hühner, einige hundert Stück Zuckerrohr,
roten und weiße Wurzeln sowie Erdäpfel (wohl Bataten)
die wie Brot schmeckten. Behrens beschreibt die Hühner
wie die Hühner
aus Europa. Außerdem vermutete er im Landesinneren andere
Tiere, weil der Rapanui der sie auf dem Schiff besucht hatte,
sich in keiner Weise von den Schweinen im Schiff beeindruckt
zeigte.
Anders als Roggeveen und alle andere nachfolgenden
Besucher schreibt Behrens, die Inselbewohner würden, wie
die Europäer, ihre Speisen in Töpfen zubereiten. Anders
auch als alle anderen Berichte schreibt Behrens die Insel sei
voller Gehölz und Waldungen. Die Erde würde sich für
den Getreideanbau eignen, Berghänge zum Anlegen von Weinreben.
Identisch mit Roggeveens Bericht beschreibt Behrens, die Insulaner
hätten ihre Äcker und Felder mit Sorgfalt bearbeitet
und würden ihren Unterhalt gänzlich von den Früchten
aus der Erde bestreiten. Zur Zeit ihres Besuches
stünden alle Früchte in voller Reife, "die
Felder und Bäume waren reichlich damit bedeckt",
die Äcker seien mit viel Sorgfalt voneinander getrennt und
die Grenzen wirkten wie nach einer Schnur gezogen.
Behrens beschreibt die Rapanui wie folgt:
"Diese Insulaner sind überhaupt lebhaft, wohlgebildet,
munter, ziemlich klein und wissen mit vieler Geschwindigkeit zu
laufen. Sie haben ein sanftes, angenehmes, findsames und untertäniges
Wesen, und sind überaus schüchtern und furchtsam. So
oft sie uns einigen Vorrat brachten, es möchten Hühner
oder Früchte oder andere Sachen sein, so warfen sie solches
eiligst zu unseren Füßen, und kehreten in dem Augenblicke
zurück, so geschwind sie gekommen.
Sie sind insgemein braun, so wie die Spanier, indessen findet
man doch einige, welche ziemlich schwarz, und andere, welche ganz
weiß sind. Es gibt noch einige deren Gesichtsfarbe rötlich
ist, als wenn sie von der Sonne verbrannt wären; die Ohren
hingen ihnen bis auf die Schultern, und einige trugen zwei weiße
Kugeln darinnen, als ein Zeichen eines Großen Schmuckes.
Ihr Leib ist mit allerhand Figuren von Vögeln und andern
Tieren bemalet, einige schöner, als die anderen.
Ihre Weiber sind insgemein mit einem sehr lebhaften Rot geschminkt,
welches das einige weit übertrifft, was wir kennen. Wir haben
nicht entdecken können, wovon diese Insulaner eine so schöne
Farbe machen. sie bedecken sich mit roten und weißen Decken,
und tragen einen kleinen Hut, der von Schilfe oder Rohre gemacht
ist. Sie setzten sich oft zu uns und kleideten sich lächelnd
aus, wobei sie uns durch allerhand Gebärden reizeten. Andere,
welche in ihren Häusern blieben, riefen uns und macheten
uns Zeichen wir sollten zu ihnen kommen.
Die
Einwohner dieser Insel führen kein Gewehr; wenigstens haben
wir keines gesehen. Ich habe aber bemerket, dass sich diese armen
Leute, bei einem Angriffe, gänzlich auf den Beistand ihrer
Götzen verließen, die in Menge auf den Küsten
errichtet waren. Diese Bildsäulen waren alle von Steinen
in Menschengestalt mit großen Ohren. Der Kopf war mit einer
Krone geziert, und alles nach den Regeln der Kunst gemacht, und
abgemessen, worüber wir uns sehr verwunderten.
Um diese Götzen herum, zwanzig bis dreißig Schritte
in der Runde, war ein Gehege von weißen Steinen gemacht.
viele Einwohner dieneten den Götzen fleißiger, und
mit mehr Andacht und Eifer; welches uns glauben ließ, dies
wären Priester; und das umso vielmehr, weil man an ihnen
unterscheidende Merkmale sah. Es hingen nicht allein große
Kugeln an ihren Ohren, sondern sie hatten auch einen ganz geschorenen
Kopf. sie trugen eine von weißen und schwarzen Federn gemachte
Mütze, und diese Federn sahen den Schwanenfedern vollkommen
ähnlich.
Übrigens konnten wir nicht erfahren, ob diese Insulaner
einen Oberhaupt oder Fürsten unterworfen wären. Sie
sahen und sprachen ohne Unterschied mit einander. die ältesten
unter ihnen trugen auf ihrem Kopfe federn wie Straußenfedern,
und einen Stab in ihrer Hand. Man konnte bemerken, dass in jedem
Hause oder in jeder Familie der älteste regieret und befehle
gab."
Von den Paenga-Häusern schreibt Behrens:
"Es
schien uns, als wenn jede Familie ihr Dörfchen für sich
hätten, von den anderen abgesondert. Ihre Hütten
sind vierzig bis sechzig Fuß tief, sechs bis acht breit
und bestehen aus einer großen Anzahl Stangen, die durch
eine fette Erde oder Art von Leinen verschmiert und mit Plambaumblättern
bedeckt sind. In ihren Häusern befand sich wenig Gerät,
das nichts wert war, außer einiger roten und weißen
Decken, welche ihnen bald zur Kleidern und bald zu Matratzen dieneten.
Das Zeug war so sanft anzufühlen, als sei es Seide, und es
scheint, dass sie Weberstühle haben, solchen zu verfertigen."
Wie Roggeveen schreibt Behrens, es sei der Mannschaft unmöglich
gewesen, das Landesinnere der Insel zu erforschen, weil sich ein
derartiger Westwind erhoben hatte, dass sich die Schiffe bereits
von zwei Ankern losgerissen hatten. Damit endet der Bericht in
Bezug auf den Besuch der Osterinsel.
|