Eugéne Eyraud - Missionar auf der Osterinsel

Eugéne Eyraud - Missionar auf der Osterinsel


Eugéne Eyraud - Missionar auf der Osterinsel


Der Missionar Pater Eugéne EyraudEugéne Eyraud war der erste Europäer und Missionar, der sich für längere Zeit auf der Osterinsel aufhielt. Er scheiterte zwar im Jahr 1864 nach 10 Monaten Aufenthalt, kam aber eineinhalb Jahre später wieder (März 1866) und blieb bis zu seinem Tod im August 1868. Eugéne Eyraud hat es leider zu verantworten, dass die meisten der Rongorongo Schrifttafeln vernichtet wurden und somit sehr wertvolles Kulturgut für immer verloren ging. Zwar konnten Eyrauds Helfer kurz vor seinem Tod die Taufe aller Rapanui zum Christentum vermelden, doch diese Christianisierung war nur von kurzer Dauer. Schon in den 1870er Jahren waren die auf der Osterinsel verbliebenen Rapanui wieder in ihre alten Riten, Götterwelten und Lebensarten zurückgefallen.

Eugène Eyraud, 1820 in Frankreich (Saint-Bomet) geboren, ging als gelernter Mechaniker zunächst nach Bolivien, um dort im Bergbau zu arbeiten. Inspiriert von seinem Bruder der in China als Missionar tätig war, ließ er sich vom Orden des heiligen Herzens als Laien-Mönch ausbilden, um dann nach Tahiti zu gehen. Gerührt von dem Schicksal der Osterinsulaner fasst er den Gedanken, vier Rapanui, die aus der peruanischen Sklaverei befreit worden waren, sowie eine Frau mit Kind zur Osterinsel zurückzuführen und dort als Missionar zu arbeiten. Die Erlaubnis wird ihm erteilt allerdings unter der Bedingung, dass er in Tahiti wartet, bis ein Priester zur Verfügung steht, der mit ihm gehen kann. Als sich nach sechs Monaten immer noch kein geeigneter Priester gefunden hatte erlaubt man ihm, die Arbeit in eigener Verantwortung und auf eigene Kosten aufzunehmen.

Als Eyraud am 4. Januar 1864 die Osterinsel betritt, geht er einer ungesicherten Zukunft entgegen, denn die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war für Besucher der Osterinsel ein lebensgefährliches Unterfangen. So hatten bereits Otto von Kotzebue 1816 oder F.W. Beechey 1825 vergeblich versucht, die Osterinsel für einige Tage zu besuchen; sie waren von den Insulanern derart bedrängt worden, dass sie noch am Tag ihrer Ankunft wieder weitersegeln mussten. Historisch belegt sind auch vergebliche Anlandungsversuche der Kapitäne Adams (1806) sowie Windship (1809); sie waren mit Steinschleudern derart attackiert worden, dass auch sie sich zurückziehen mussten. Noch schlimmer erging es 1843 Bischoff E. Rouchouze mit 24 Mönchen und Nonnen, die die Insel betreten hatten und seither als verschollen gelten. J. Hamilton hatte 1855 lediglich die Reste eines Bootes der Missionare entdecken können und auch seine Crew wurde von den Insulanern angegriffen. Zwei Boote wurden dabei zum Kentern gebracht, der Mannschaft wurden sämtliche Kleider geraubt; der zweite Offizier wurde sogar getötet.TOP

Der Grund für die Feindseligkeiten der Osterinsulaner waren brutale Übergriffe von Besuchern die die Osterinsel seit Anfang des 19. Jahrhunderts immer wieder aufgesucht hatten. So hatten beispielsweise 1805 Amerikanische Sklavenhändler von dem Schoner Nancy 22 Rapanui entführt und zwei wertvolle Tapa-Figuren geraubt. 1811 verschleppten Matrosen von dem amerikanischen Walfangschiff Pindos mehre Frauen auf ihr Schiff um sie zu vergewaltigen. Später wurden sie über Bord geworfen; eine Insulanerin wurde im Wasser schwimmend erschossen, die anderen flüchtenden Frauen waren bei der Vergewaltigung mit Syphilis infiziert worden.

Anfang 1864 stand die Inselbevölkerung zudem gerade unter den schlimmsten traumatischen Erlebnissen ihrer gesamten Geschichte. 1859/60 sowie 1862/63 hatten peruanische Sklavenhändler mehr als 2000 Rapanui von der Insel verschleppt, um sie als Sklaven an peruanische Unternehmen für den Guano-Abbau auf den Chincha-Inseln zu verkaufen. Die Sklavenhändler waren dabei mit äußerste Gewalt vorgegangen; Menschen die Widerstand leisteten wurden erschossen; ansonsten wurden alle verschleppt die von den Jägern entdeckt wurden, darunter auch Frauen, Kinder, Hohepriester sowie der Inselkönig und sein Sohn. Damit war die Inselbevölkerung Anfang 1863 auf rund 1200 Einwohner dezimiert worden; der Großteil der alten Inselkultur ging damit für immer verloren.

Die Rapanui hatten auf den Guano-Abbauflächen unter unmenschlichen Bedingungen ihre Arbeit zu verrichten; so gut wie alle wurden sofort mit Pocken oder Tuberkulose infiziert. Im November 1663 lebten von den Verschleppten Rapanui nur noch 100 und von diesen verstarben bei der Rückführung noch einmal 85. Lediglich 15 Rapanui erreichten die Osterinsel Ende 1663 lebend, doch diese waren ebenfalls mit Pocken infiziert und im Laufe der kommenden vier Jahre verstarben weitere 400 Einwohner.

Briefmarke zu Ehren des Missionars Pater Eugéne EyraudDas Schiff mit Pater Eyraud und seinen Schützlingen erreichte die Osterinsel am 4. Januar 1864 auf Höhe der Anakena-Bucht. Die Eltern des jüngsten der vier zurückgebrachten Rapanui lebten dort und dort sollte auch der Junge an Land gebracht werden. Der Kapitän jedoch fürchtete, mit Piraten verwechselt zu werden und schlug vor, zunächst nur die Rapanui vorzuschicken. Eyraud weigerte sich, er wollte gemeinsam mit den Rapanui ausgeschifft werden. Der Kapitän ließ das Schiff daraufhin von Anakena nach Hanga Roa bringen und schickte zunächst seinen zweiten Offizier auf die Insel. Dieser kam jedoch sofort zurück und berichtete, er habe Menschen gesehen die fürchterlich ausgesehen hätten. Sie waren total nackt, hatten ihn bedroht und schrien, über die ganze Insel sei die Blattern-Krankheit ausgebrochen, die die 15 Heimkehrer aus Peru eingeschleppt hätten. Nur in Anakena wären noch alle gesund. TOP

Der zweite Offizier empfahl nach Tahiti zurückzusegeln, doch Eyraud weigerte sich und meinte, die Zustände auf der Osterinsel seien auch vorher bekannt gewesen. Man einigte sich, Eyraud mit seinen Leuten bei Hanga Roa an Land zu bringen. Eyrauds Gepäck sollte in Anakena ausgeschifft werden und Eyraud sollte dann mit dem Jungen dorthin wandern um seine Sachen in Empfang zu nehmen. Eyrauds Dolmetscher weigerte sich, unter diesen Umständen die Insel überhaupt zu betreten.

Die von Eyraud zurückgebrachten Rapanui wurden freudig empfangen und gefeiert und auch Eyraud wurde freundlich behandelt. Eyraud wollte dann sofort nach Anakena wandern, doch er wird zurückgehalten und soll zunächst die für ihn gekochten Kartoffeln essen. In einer Höhle wird deshalb Rast gemacht und erst am nächsten Tag machen sich er und sein junger Begleiter auf den Weg nach Anakena. Dort berichteten die Einwohner, dass das Schiff wieder weggesegelt sei, ohne die Fracht abzuladen. Eyraud machte sich daraufhin erneut auf den Weg nach Hanga Roa und hatte Sorge, fortan auf seine Gebetsbücher verzichten zu müssen.

Mit einem verstauchten Knie und Blasen an den Füßen erreichte er Hanga Roa. Die geretteten Rapanui boten ihm eine Trage an, auf die er verzichtet, das Angebot auf eine warme Mahlzeit (Süßkartoffeln) nahm er aber dankend an. Hier erfuhr er, dass der Kapitän sein Gepäck im Hafen abgeladen hatte und von Einheimischen bewacht wurde. Von Eyrauds Habseligkeiten, darunter seine Kleidung, Mehl, Bibeln, Gebetsbücher, eine Glocke, fünf Schafe, Setzlinge für Bäume sowie Bauholz für eine Hütte, fehlten trotz Bewachung schon einige Gegenstände; unter anderem trugt einer der Wächter seinen Mantel, an anderer seinen Hut.

Die Rapanui hatten kein Unrechtsbewusstsein dass man nach europäischen Maßstäben messen könnte. Immer wieder kam es zu Diebstählen, nicht nur gegenüber Fremden sondern auch unter den Einwohnern selbst. Eyrauds Arbeit gestaltete sich deshalb auch als sehr schwer. Auf seinen Dolmetscher konnte er nicht zurückgreifen und so kam es zu Sprach- und Verständigungsproblemen. Eyraud kannte lediglich einige Wörter die er von dem jungen Rapanui auf dem Schiff gelernt hatte. TOP

Missionar Pater Eugéne EyraudBesonders zu leiden hatte Eyraud unter seinem selbst ernannten "Beschützer" Torometi. Dieser Torometi hatte unter einen Teil der Rapanui eine besondere Stellung, aber Eyraud wusste nicht, ob diese Stellung von seiner Gewaltbereitschaft her rührte oder er eine Stellung ähnlich eines Arikis (Häuptling, Stammesführer) hatte. Torometi nutzte seine Stellung auf jeden Fall, um Eyraud mehr und mehr von seinem Eigentum zu entwenden; zunächst fragte er noch, später nahm er sich Gegenstände mit Gewalt. Aufgrund der Verständigungsprobleme kam es zu einem schweren Missverständnis, dem Eyraud fast das Leben gekostete:
Eyraud wollte Torometi darauf hinweisen, dass er in einem anderen Leben über seine zahlreichen Sünden würde Rechenschaft ablegen müssen und ihn daher daran erinnern, dass er sterblich sei. Eyraud bediente sich dabei der Worte E pohe oe - "Du wirst sterben!"
Kaum hatte Eyraud diese Worte ausgesprochen, wurde Torometi wie vom Blitz getroffen Leichen blass und er begann zu zittern. Seine Bewegungen verrieten das größte Entsetzen, das mit einer immer mehr zunehmenden Wut verbunden war. Nur mit größter Mühe konnte Eyraud Torometi und auch die anderen Bewohner beruhigen, die über die Brutalität dieses Fluches entsetzt waren.

Die Übergriffe der Rapanui auf Eyraud wurden mit der Zeit immer heftiger und gipfelten letztlich darin, dass man ihm auf offener Straße sogar die Kleider vom Leib riss und die Bibel von einer aufgebrachten Menschenmenge zerrissen wurde. Auch Torometi war dabei Ziel von heftigen Anfeindungen; er hatte zuvor einen Teil der von Eyraud gestohlenen Sachen zurückgebracht, doch der Mop brach die Hütte des Missionars auf und entwendete auch noch die letzten Gegenstände. Eyraud fürchtete um sein Leben, zog sich aus Hanga Roa zurück und versuchte, in Vaihu seine Missionarsarbeit fortzuführen. Eine Woche später berichteten die Einheimischen, in Anakena sei ein Schiff vor Anker gegangen und es handele sich dabei nicht um Piratenschiff. Von Valparaiso aus hatte man Pater Pacome Olivier entsandt, um den zwischenzeitlich völlig mittellosen Eugéne Eyraud wieder zurückzuholen.

Nach seinem Noviziat in Chile wurde Eyraud am 6. Mai 1865 zum Priester geweiht und nun war der Orden bereit, ihn mit Sach und Geldmittel auszustatten, und um zu versuchen, gemeinsam mit anderen Missionaren die Bewohner der Osterinsel zu zivilisieren. Anfang 1866 ging er gemeinsam mit Pater Roussel nach Tahiti, um dann erneut zur Osterinsel zu reisen und dort eine dauerhafte Mission zu errichten. TOP

Briefmarke zu Ehren der Missionare von der OsterinselIm März 1866 erreichte Pater Eyraud erneut die Osterinsel und dieses Mal hatte er sich drei Helfer aus Mangareva sowie den Mönch Hippolite Roussel mitgebracht. Einige Monate später waren auch die Missionare Kaspar Zumbohm sowie Théodule Escolan zur Osterinsel entsandt worden. Eyraud und Roussel gründen in ihrer Mission in Hanga Roa eine Schule, Zumbohm und Escolan eine weitere Missionsaussenstelle mit Schule in Vaihu. Am 22. Dezember 1866 schrieb Eyraud: die kulturelle Ordnung der Rapanui sei nach der Versklavung vieler Insulaner weitgehend zerstört, aber er sehe gute Voraussetzung dafür, dass die Missionierungsarbeit nun von Erfolg gekrönt sein würde.

Die Rapanui waren durch die zuvor erlittene Versklavung sowie die von den Europäern eingeschleppten Krankheiten zwischenzeitlich derart dezimiert und geschwächt, dass sie den Fremden zunächst nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Die Einwohner befolgten die Anordnung der Mönche, verbrannten die Rongorongo Schrifttafeln und ließen sich nach der christlichen Lehre taufen. Am 14.August 1868 konnte die Mission vermelden, dass nun alle 800 Rapanui getauft seien. Eyraud selbst, der sich 1867 mit Tuberkulose infiziert hatte, starb neun Tage später. Sein Grab befindet sich direkt an der katholischen Kirche in Hanga Roa. Seinen Besitz hinterließ Eyraud der Mission für den Kauf einer Herde Schafe.

Dutroux-BornierAber auch diese Missionierungsversuche waren nicht von Erfolg gekrönt, denn zwischenzeitlich war der Glücksritter Jean Onésime Dutroux-Bornier auf die Insel gekommen und war dabei, den Insulanern mehr und mehr Land abzunehmen, um aus der Osterinsel eine Schaffarm zu machen. Bis 1870 hatte Dutroux-Bornier durch Terror und Brandschatzung sämtliche Rapanu in ein Reservat um Hanga Roa vertrieben. Dutroux-Bornier ließ 1870 sogar die Missionen zerstören und zwang damit die Missionare Escolan und Roussel mit 168 Rapanui nach Tahiti zu fliehen.

Die noch auf der Insel verbliebenen Rapanui fielen in ihre alten Gewohnheiten und Riten zurück. Der Kapitän "I.L.Gana" vom chilenischen Schiff "O´Higgins" berichtete 1870, er habe die Rapa Nui bei einer heidnischen Zeremonie beobachten können, wobei sowohl Männer als auch Frauen in der Öffentlichkeit nackt getanzt und dabei unanständige Bewegungen vorgeführt hätten.

1887 versuchten verschiedene Mönche vom Johanniter-Orden, wieder auf der Insel Fuß zu fassen, doch die meisten blieben nur wenige Tage. Mit kurzzeitigen Unterbrechungen übernahm noch im Jahre 1887 der Laienprediger Nikolas Pakarati das Amt des Inselgeistlichen und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1927. Sehr viel missionieren konnte er jedoch nicht; die Rapa Nui ließen sich nicht von ihrem Glauben abbringen; im Jahre 1890 berichtete der US-Amerikaner V.S. Frank, er habe eine Zeremonie beobachten können, in deren Verlauf es unter den Rapa Nui zu kannibalischen Handlungen gekommen sei. Lange noch holten die Ureinwohner ihre Toten wieder aus den christlichen Gräbern und bestatteten sie in ihren eigenen Höhlen.

Aus einem Brief, den Eyraud im Dezember 1864 an den Leiter "des Ordens des Heiligen Herzens von Jesus und Maria" nach Paris schickte sind der Nachwelt Eyrauds erste Eindrücke erhalten:

Eyraud schriebt (frei aus verschiedenen Quellen übersetzt): Die Osterinsulaner ähneln den Marquesas; ihre Haut ist etwas Kupfern, eine große Zahl der Einwohner haben eine weiße Hautfarbe. Die Gesichter und auch die Körper sind mit sehr unterschiedlichen Figuren bemalt und tätowiert. Die Frauen verwenden bei der Bemalung vornehmlich rot, die Männer sämtliche verfügbaren Farben. Alle Einwohner besitzen die gleiche Bekleidung, nämlich ein Band aus Papyrus, das mit einem Seil aus Haar um die Hüfte gebunden wird. Einige haben ein zweites Bekleidungsstück das über die Schulter geworfen und um den Hals gelegt wird. Die Frauen haben ihre Haare wie zu einem Stachel zusammengebunden. TOP

Das Land besteht aus Vulkangestein, überall liegen spitze Steine im Gras, die Pfade sind kaum erkennbar und so schmal, dass man die Füße hintereinander setzen muss. Die Häuser haben die Form einer umgedrehten Muschel. Rahmen und Dächer sind mit Stroh umwickelt und der Eingang ist so niedrig, dass man nur in kriechender Position hindurch kommt. Die Oster-Insulaner benutzen diese Häuser nur zum Schlafen, dabei liegen sie abwechselnd Kopf und Beine dicht nebeneinander. Nur in der Mitte und am Eingang bleibt Platz um rein oder raus zu kommen. Die Luft in diesen Wohnhäusern ist warm und stickig; die Hygiene nicht besonders gut, denn es gib viel Ungeziefer. Der Hausgott ist eine Holzfigur die die Leute aber nicht beachteten.

Die Insulaner haben wenig zu tun. Lediglich die Tage an denen die Kartoffeln geerntet werden, sind mit Arbeit erfüllt. Zur Pflanzzeit werden die Kartoffeln einfach in ein kleines Loch gelegt, das zuvor mit einem spitzen Stock gestochen wird. Den Boden zu lockern oder die Setzlinge zu gießen kommt ihnen nicht in den Sinn. Süßkartoffeln werden jeden Tag gegessen, dazu gibt es ab und an ein Huhn und hin und wieder auch Fisch. Die Speisen werden in einem Erdofen gedünstet. Die Rapanui sind genügsam und begabt, richtige Handwerker mit speziellen Fähigkeiten gibt es nicht. Europäische Werkzeuge sind den Rapanui nicht bekannt. Zum Herstellen von Gegenständen nutzen sie ihre Hände oder Steine. Gürtel werden aus Stroh geflochten, Fasern der Purau-Planze finden bei der Herstellung der Hütten Verwendung und aus der aufgeschlagenen Rinde des Mahute-Baumes werden Bekleidungsstücke hergestellt. TOP

Ansonsten sitzen die Einwohner nur rum, besuchen sich gegenseitig, schlafen und richten unermüdlich Feste mit großen Zusammenkünften aus. Im Frühling nennen sich die Feste Mataveri, im Sommer gibt es die Paina Feste und im Herbst und Winter die Areauti Feste. Ist ein Fest zu Ende so beginnt das nächste Fest an anderer Stelle. Im Sommer bringt jeder Teilnehmer ausreichend Essen mit zum Fest. Dieses Essen wird an einer Stelle gesammelt und mit Zweigen bedeckt. Beginnt das Fest, stürzen sich alle auf das Essen (vornehmlich Süßkartoffeln). Aus den Zweigen die das Essen abgedeckt hatten, werden in einer Art Säule aufeinander gestapelt, die so genannte "Paina". Einem solchen Fest fielen auch die mitgebrachten Schafe zum Opfer. In der kalten Jahreszeit geht es bei den Versammlungen vornehmlich um das Bauen großer Häuser; während der Zusammenkünfte in diesen Häusern wird gemeinschaftlich gesungen. Die Verse sind primitiv und monoton, es geht vornehmlich um die Blattern, aber auch um andere Erlebnisse wie beispielsweise die geschlachteten Schafe.

Zum Höhepunkt des jeweiligen Festes erscheinen die Menschen in ihrer schönsten Tracht. Jeder präsentiert dabei seine wertvollsten Besitztümer. Die Frauen fangen schon früh am Tag an, sich herzurichten. Ihre Ohrläppchen weiten sie mit einem Holzpflock. Dieser wird nach und nach mit immer mehr Rinde umwickelt, so dass sich die Ohrläppchen bis auf die Schultern hinab weiten. Besonders interessant finden die Rapanui Kopfschmuck, und zwar in jeder erdenklichen Kreation. Der Fantasie für diesen Kopfschmuck sind keine Grenzen gesetzt, ob nun ein Hut mit angenähten Knöpfen, eine Kalebasse, ein halber Kürbis, ein aufgeschnittener Seevogel, ja sogar zusammengebundene Wassereimer oder die Stiefel eines Peruaners, der einem Kannibalen Festmahl zum Opfer gefallen war. Die Männer tragen zum Fest auch gerne mal erbeutete Frauenkleider. Ein bestimmter Pflanzensaft mit dem sich die Rapanui einreiben wirkt auf die Einheimischen aromatisierend, während dieser für Europäer als unangenehm stinkend empfunden wird.

Eyraud vermittelt in seinem Brief den Eindruck, als würde die alte Religion keine große Rolle mehr spielen. In jeder Hütte hängen viele Holzfiguren wie Männer, Fische oder Vögel und ohne Zweifel Abbilder von Götzen darstellten. Zeremonien um diese Figuren sind jedoch nicht zu beobachten. Nur während der Feste werden sie von einigen in die Hand genommen, Eyraud schreibt: "Ich denke, die wissen nicht, warum sie das machen." Auch bei den vielen Todesfällen kann er keine Rituale beobachten. Die Behandlung der Kranken besteht darin, diese bei Tag aus der Hütte zu tragen und sie für die Nacht wieder hineinzutragen. Tote werden mit Stroh umwickelt, zugebunden und vor den Häusern entlang der Küste auf Steinen oder Holzgerüste abgelegt. Die Sterberate ist so hoch, dass sich entlang der Küste viele ausgetrocknete Leichen finden.

Eyraud berichtet auch von den Rongorongo Schrifttafeln: In jeder Hütte finden sich Tafeln aus Holz, die über und über mit Schriftzeichen bedeckt sind. Die mit diesen Zeichen dargestellten Tiere existieren nicht auf der Insel. Jedes dieser Symbole hat zwar einen Namen, doch die Insulaner können diese Zeichen weder lesen noch schreiben; die Zeichen werden nach Eyrauds Eindruck lediglich noch kopiert. TOP

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