Georg Forster begleitet 1774 James Cook auf die Osterinsel

Georg Forster begleitet 1774 James Cook auf die Osterinsel


Georg Forster begleitet 1774 James Cook auf die Osterinsel


Georg Forster und die OsterinselGeorg Forster auf der Resolution 1774Der Deutsche Georg Forster, geboren am 27. November 1754, segelte als Wissenschaftlicher Assistent mit seinem Vater Johann Forster von 1772 bis 1775 unter James Cook auf der Resolution und besuchte dabei in der Zeit vom 13. bis 17. März 1774 unter anderem auch die Osterinsel. Zu diesem Zeitpunkt war der junge Georg Forster gerade einmal 19 Jahre alt.

Georg Forster, der so gut wie keine Schule besucht hat und ausschließlich von seinem Vater Johann unterrichtet worden war, verfasste 1777 seine Eindrücke und Erlebnisse in der Publikation A Voyage Round The World (zu Deutsch: Reise um die Welt) und gilt seither als Begründer der modernen Reiseliteratur. Selbst Goethe und Alexander von Humboldt zeigten sich begeistert von der Art und Weise seiner veröffentlichten Aufzeichnungen.

Auch die Zeit seines Aufenthaltes auf der Osterinsel hat Georg Forster sehr detailliert beschrieben (siehe hierzu Forsters Erlebnisse), zieht teilweise aber andere Schlüsse vom Leben der Rapanui als der junge Carl Friedrich Behrens, der 1722 als Korporal auf eines der Schiffe des Entdeckers Jacob Roggeveen seinen Dienst versah und ebenfalls einen sehr ausführlichen Bericht verfasst hatte.

Georg Forster - DDR-Briefmarke aus dem Jahre 1979Während Behrens beispielsweise berichtet, die Rapanui würden vor ihren Steinidolen Feuer angezündet haben und ehrfurchtsvoll durch Heben und Senken ihrer Arme, kniend den großen Figuren huldigen, berichtet Forster lediglich von Lagerfeuer in der Nähe der Ahu-Anlagen, an denen die Inselbewohner ihre Süßkartoffeln rösten. Während Behrend (allerdings nur als einziger) berichtete, die Insel sei bewaldet und die (vielen) Felder seien –"wie von einer Schnur gezogen" – voneinander getrennt, schreibt Forster, kein einziger Baum auf der ganzen Insel sei höher als 10 Fuß und von Abtrennung der einzelnen Felder gebe es keine Spuren. Während Behrens auch schreibt, die Rapanui seien groß, kräftig und hätten eine gesunde Ausstrahlung, schreibt Forster, die Rapanui seien eher klein, sie wirken mager und hätten hart und steife Muskeln. TOP

Um dieses Missverhältnis der Berichte gleich aufzuklären: Zwischen dem Besuch Behrens (1722) und dem Besuch Forsters (1774) lagen 52 Jahre. Es gab zwischenzeitlich Konflikte unter der Bevölkerung, die mit dem Verfall der Kultur und der Religion einhergingen. Die Rechtsordnung verwässerte, Tapu-Zeichen schützten kaum noch vor Diebstählen und Zerstörung. Die Erde auf der kleinen Insel war im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt, in kriegerischen Auseinandersetzungen schwächten sich die Inselbewohner selbst und immer Menschen hatten dadurch kaum noch keine Zeit und Gelegenheit, ihre Anbauflächen zu kultivieren, pflegen und zu bestellen, geschweige denn, ordentlich voneinander abzutrennen.

Allerdings hat Carl Friedrich Behrens in seinem Reisebericht Beobachtungen festgehalten, die in keinem anderen Reisebericht erwähnt werden und somit wohl falsch sein dürften. Behrens schreibt, die Insel sei voller Gehölz und Waldungen; Behrens schreibt auch, die Inselbewohner würden ihre Speisen, wie die Europäer, in Töpfen zubereiten.
Zweifelsfrei gibt es bereits seit Jahrhunderten keine Bäume mehr auf der Osterinsel. Als Thor Heyerdahl 1955/56 auf der Osterinsel forschte, zeigte er den Rapanui Tonscherben und bat sie, ihm ähnliche Stücke zu zeigen, sofern sich welche auf der Insel befinden würden. Heyerdahl beschrieb in seinem Buch "aku-aku - Das Geheimnis der Osterinsel", die Rapanui hätten ihm keine nennenswerten Tonscherben zeigen können und er selber hat auch keine gefunden. TOP

Aber zurück zu Georg Forster während seines Aufenthaltes auf der Osterinsel im Jahre 1774:

Sowohl er, als auch sein Vater Johann Forster und auch James Cook beschreiben, dass die Rapanui sich körperlich in einen sehr schlechten Zustand befanden. Alle schätzten, dass es zu dieser Zeit nicht mehr als 700 bis 900 Menschen auf der Osterinsel geben könne, wobei sie lediglich rund 30 Frauen zu Gesicht bekamen. Johann Forster beschreibt allerdings, dass er während seiner Erkundungstour für einen kurzen Moment den Eindruck gehabt hätte, aus einem mit Sträuchern abgedichteten Höhlen-Zugang Frauenstimmen gehört zu haben, die bei näherem Zuhören dann allerdings verstummt seien. Auffällig sei dabei gewesen, dass die Rapanui die Besucher in keines ihrer Höhlen gelassen hätten. Georg Forster spekuliert zwar, warum sie nur so wenige Frauen zu Gesicht bekommen hätten, eine Antwort darauf wollte er allerdings nicht formulieren.

Briefmarke zeigt James Cook bei seinen Zielen im Jahre 1774Immer wieder ist auch zu lesen, dass die Forsters als auch James Cook Parallelen zu den Polynesiern, speziell Tahiti, Neuseeland, den Sozitäts- sowie zu den Freundschaftsinseln ziehen konnten. Hierbei ging es um den Dialekt ihrer Sprache, bestimmte übereinstimmende Wortbezeichnungen oder auch um die Art und Weise ihrer Lebensgewohnheiten (Kochen in Erdöfen) bis hin zu den charakteristischen großen Ratten.

Szene, wie ein Rapanui einen Hut stiehltDie überaus groß geweiteten Ohrzipfel der Rapanui waren bei Georg Forster ebenso ein umfangreiches Thema wie auch der schlechte Zustand des offenbar einzigen Kanus der Insulaner. Ebenso beschreibt Georg Forster die Kleptomanie und insbesondere ihre Leidenschaft für Hüte, bzw. Kopfbedeckungen. Hierbei geht er allerdings ins Detail und schreibt, dass sich einige Expeditionsteilnehmer Brandblasen in der extrem starken Sonnenhitze zugezogen hätten und die Rapanui deshalb jede Möglichkeit nutzten, um ihre Kopfhaut zu schützen.

Forster beschreibt einige Exkursionen der Expeditionsteilnehmer über verschiedene Bereiche der Osterinsel und hierbei wird deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt noch so gut wie alle Ahu-Anlagen intakt waren. Lediglich einige Moais hätten nicht mehr gestanden. Forster beschreibt auch eine Ahu-Anlage (Tepeu?) und wundert sich über die exakt gearbeiteten Steinarbeiten an der Anlage sowie an den exakt bearbeiteten Kopfbedeckungen (Pukaos). Allerdings beschreibt er die "steinernen Säulen" als schlecht gearbeitet. Augen, Nase und Mund seien plump gearbeitet, der Hals sei unförmig, die Schultern und Arme nur wenig angedeutet. Forster meinte, die Insulaner würden ihre Idole nicht großartig huldigen, hätten dennoch Respekt vor den Anlagen, weil sie versucht hätten, die Europäer davon abzuhalten, direkt über die Ahu-Anlagen zu gehen bzw. die steinernen Anlagen zu besteigen. TOP

Leider ist auch bei diesem Aufenthalt ein Schuss aus einem Gewehr auf einen der Rapanui gefallen: In einem unbeobachteten Moment hatte ein Rapanui während einer Pause, den Beutel von Johann Forster entwendet, indem sich Tauschwaren wie Stoff oder Eisennägel befanden. Ein Leutnant schoss dem flüchtenden Dieb mit einem Schrotgewehr hinterher und streckte ihn somit nieder. Der Rapanui wurde zwar nicht tödlich getroffen, doch sank er zu Boden und wurde von anderen Bewohnern fortgetragen.

In seinem Bericht erwähnt Forster auch, dass sein tahitischer Begleiter "Maheine" mancherlei Kunstwerke eingetauscht habe, so unter anderem eine aus Holz geschnitzte Frauenhand, einige Holzfiguren (wohl Moai Kavakava sowie Moai Papa, vielleicht auch Moai Tangata), sowie diverse Federschmuck-Kopfbedeckungen.

Auf Georg Forsters Buch: "Reise um die Welt" liegt allerdings auch eine Tragödie:

Sir Joseph Banks im Jahre 1773 Die Britische Admiralität hatte Georgs Vater, Johann Reinhold Forster, und ihn für die zweite Cook-Expeditionsreise als wissenschaftliche Begleiter verpflichten können. Dafür hatte die Admiralität Cooks bisherigen Wissenschaftlichen Begleiter, Sir Joseph Banks, fallengelassen.

Banks, ein wohlhabender Spross der Englischen Aristokratie hatte Cooks erste Expedition mit der HMS Endeavour mit demselben Betrag unterstützt wie die Britische Krone und hatte sich damit auch seine Teilnahme an dieser Expedition erkauft. Während dieser Reise legte Banks mit einem Stab von 10 Personen seine erste umfangreiche Sammlung von Pflanzen und Tierarten und deren Beschreibungen an.

Bei der zweiten Expeditionsreise hatte Sir Joseph Banks (bezüglich seiner Person und seines wissenschaftlichen Beraterstabes) allerdings derart überzogene Forderungen an die Admiralität, dass diese sich für den als bescheiden geltenden Johann Reinhold Forster entschieden.

Bei der drei Jahre dauernden Expeditionsreise führten sowohl Georg als auch sein Vater Johann, unabhängig voneinander, Tagebuch. Während Johann Forster eine Fülle von Pflanzenpräparaten und naturkundlichen Sammelstücken zusammentrug, fertigte Sohn Georg insgesamt 271 zoologische und 301 botanische Abbildungen, viele davon koloriert. TOP

Johann Forster konnte seine Fähigkeiten und Qualifikationen Zeit seines Lebens allerdings nie in bare Münze umsetzen und war somit permanent in Geldnöten. So auch nach seiner Rückkehr im Jahre 1775, als die Britische Admiralität ihm den Auftrag zur Abfassung des offiziellen Reiseberichtes entzog und er nach und nach immer weitere Teile seiner Sammlung verkaufen musste; darunter auch die kolorieren Zeichnungen seines Sohnes.

Käufer war ausgerechnet Sir Joseph Banks und Banks hatte nichts Besseres zu tun, als Georg Forsters Zeichnungen für lange Zeit in seinen Archiven verschwinden zu lassen. Damit hat Banks nicht nur verhindert, dass den Forsters hinsichtlich der Entdeckung neuer Tier- und Pflanzenarten den ihnen gebührenden Ruhm zukommt, sondern auch, dass Georg Forster seine Zeichnungen in seinem Buch veröffentlichen konnte. TOP

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