James Cook zeigte sich 1774 wenig begeistert von der Osterinsel

James Cook zeigte sich 1774 wenig begeistert von der Osterinsel


James Cook zeigte sich 1774 wenig begeistert von der Osterinsel


Kapitän James CookDer wohl berühmteste Forschungsreisende, der Osterinsel im 18. Jahrhundert besuchte, war James Cook. Cook, ein britischer Seefahrer und Entdecker, 1728 in Middlesbrough (England) geboren, unternahm in der Zeit von 1768 bis 1780 insgesamt drei Fahrten in den Pazifischen Ozean, wobei er zahlreiche Inseln entdeckte und kartographierte und somit wesentlich dazu beitrug, die weißen Flecken auf den damaligen Seekarten zu schließen.

James Cook mit der Resolution nach der Überquerung des südlichen Polarkreises im Jahre 1773Die Osterinsel besuchte Cook etwa in der Mitte seiner zweiten Südseereise (1772 bis 1775) in der Zeit vom 11. bis zum 17. März 1774. Cook hatte sich zuvor wieder einmal vergeblich auf der Suche nach dem Sagen umwobenen Terra australis gemacht und nach seinen vielen Entdeckungen lesen sich seine Logbucheinträge bezüglich der Osterinsel eher nüchtern.

So heißt es:
Samstag, 5. März:
Sah einige Vögel, hatte eine zunehmende Dünung aus Südwest, so dass keinerlei großes Land in dieser Gegend möglich sein kann, in Hinsicht der vielen Vögel jedoch welche wir sahen und welche normalerweise die Küsten des Landes bevölkern, gaben wir uns der Hoffnung hin, vielleicht das Davis-Land oder die Osterinsel zu finden.

Freitag, 11. März
Leichte Brise und freundliches Wetter. Hatten noch um Mitternacht Tageslicht, nahmen sodann Fahrt auf und sichteten wenig später das Land im Westen aus dem Mastkorb.

Cooks Schiffe, die Resolution und die AdventureSonntag, 13. März
Bei der Annäherung an das Land entdeckten wir Leute und eben dieselben Monumente oder Idole, welche von den Autoren von Roggeveens Reise ** erwähnt wurden, welcher Umstand uns keinen Raum für Zweifel daran ließ, dass es sich um die Osterinsel handele.
** = Carl-Friedrich Behrens sowie Felipe Gonzáles Ahedo

Der gesundheitlich angeschlagene James Cook im Jahre 1774Dienstag, 15. März
Nahm des Nachmittags einige wenige Fässer Wasser an Bord und handelte mit den Eingeborenen um einige Produkte des Eilandes, welche jedoch in keiner großen Menge erschienen, und das Wasser war von so schlechter Qualität, dass es nicht lohnte, es an Bord zu holen, und das Schiff nicht in Sicherheit:
All dies bewog mich, meinen Aufenthalt hier abzukürzen. Ergo entsandte ich die Leutnante Pickersgill und Edgcumb mit einer Gruppe von Leuten, begleitet von Mr. Forster und einigen anderen der Herren, das Land zu untersuchen. Ich selbst war noch nicht ausreichend genesen von einer leichteren Krankheit, an dieser Partie teilzunehmen. Beschäftigte mich auf dem Schiff durch die Beschaffung von Wasser und den Handel mit Eingeborenen. TOP

Donnerstag, 17. März
Dies ist unzweifelhaft dasselbe Eiland, welches von Roggeveen im April 1722 gesehen ward, wenn auch die Beschreibung, welche von ihm durch den Autor gegeben war, in keiner Weise dem entspricht, was selbige Insel heute darstellt; sie mag ebenfalls die gleiche sein wie jene, die von Captain Davis 1686 gesehen ward, jedoch ist all dies zusammen nicht so sicher.
Kurz gesagt: Sollte dies nicht die nämliche Insel sein und sollte dies ergo nicht seine Entdeckung sein, kann selbige nicht weit vom amerikanischen Kontinent entfernt liegen, scheint doch dieser Breitengrad zwischen dem 80. und dem 110. Meridian erforscht, Captain Carteret gar war noch sehr viel weiter gelangt, jedoch scheint seine Route etwas zu weit südlich gewesen zu sein.
So ich frisches Wasser auf dieser Insel gefunden hätte, hatte ich vor, diesen Punkt aufzuklären durch einen Besuch der niedrigen sandigen Insel, welche bei Wafer erwähnt ist; zumal ich jedoch keinen Erfolg hatte und auch noch einen langen Weg vor mir wusste, bevor ich sicher sein konnte, irgendetwas dieses köstlichen Nasses zu bekommen, und da ich weiter zu gleichen Zeit frischen Proviant benötigte, unterließ ich es, alldieweilen dies eine kleine Verzögerung übler Konsequenzen nach sich ziehen mochte.

Moais auf der Osterinsel, gezeichnet von William Hodges 1774Keine Nation wird je für die Ehre kämpfen, die Osterinsel erforscht zu haben, zumal es kaum ein anderes Eiland in jenem Meer gibt, welches weniger Erfrischungen bietet und Annehmlichkeiten für die Schifffahrt denn dieses. Die Natur hat es kaum mit irgendetwas ausgestattet, was für den Menschen zu essen oder zu trinken gut sein könnte, und da der Eingeborenen nur wenige sind und man von ihnen annehmen darf, dass sie nicht mehr pflanzen, denn für sie selbst vonnöten ist, können sie nicht sehr viel haben, es mit Neuankömmlingen zu teilen.

Die Produkte sind vornehmlich Kartoffeln, Wurzeln, Taro (ägyptische Nährwurzel), Paradiesfeigen und Zuckerrohr, alle exzellent in ihrer Art, die Kartoffeln sind die besten dieser Art, die ich je kostete; gleichfalls verfügen sie über Kürbisse und dieselbe Art der Baumwollpflanze wie die anderen Inseln, jedoch nicht in solcher Menge; TOP

Paenga-Häuser und Hühner auf der OsterinselHähne und Hennen gleich den unseren, welche klein sind und nur in geringer Anzahl vorhanden und dies sind die einzigen Haustiere, die wir unter ihnen entdecken konnten; auch sahen wir keinerlei Vierfüßer, lediglich Ratten, welche sie, wie ich glaube, essen, zumal ich einen Mann sah, der einige von ihnen in seiner Hand hielt und nicht gewillt schien, sie zu teilen.

Wir sahen kaum Landvögel und Seevögel, lediglich einige wenige.

Die See erscheint wie von Fischen befreit, konnten wir doch nicht einen einzigen fangen, wiewohl wir es auch an den verschiedensten Plätzen mit Haken und Leine versuchten, und es waren auch nur sehr wenige, welche wir bei den Eingeborenen entdeckten. Dieses also sind nur die Produkte der Osterinsel, welche auf 27°6´südlicher Breite und 109° 51´40 ´´ westlicher Länge liegt. Sie misst 10 Meilen im Umfang und bietet ein hügeliges, felsiges Bild, die Hügel waren von solcher Höhe, dass man sie auf 15 oder 16 Meilen noch sehen konnte ...

Rapanui Mann, so wie sie James Cook 1774 gesehen hatRapanui Frau, so wie sie James Cook 1774 gesehen hatDie Einwohner dieses Eilandes zählen, soweit wir dies sehen konnten, nicht mehr denn sechs- oder siebenhundert Seelen, und mehr denn zwei Drittel dieser sind Männer, entweder haben sie nur so wenige Weiber unter ihnen, oder aber einer gleich großer Anzahl war es nicht gestattet zu erscheinen, welch Letztere Wahrscheinlichkeit wohl größer ist.

Sicherlich sind sie von selber Rasse wie die Neuseeländer und die anderen Insulaner, die Ähnlichkeit von Sprache, Hautfarbe und einigen ihrer Gebräuche, all dies scheint dies zu beweisen; ich halte sie für ähnlicher den Einwohnern von Amsterdam und Neuseeland, denn jenen der weiter im Norden liegenden Eilande, welcher Umstand es möglich macht, dass hier ein Kranz von Inseln auf oder unter diesem Parallelkreis liegt, von denen einige zu verschiedenen Zeiten gesichtet worden sind ... TOP

sie haben enorme Höhlen in ihren Ohren; was jedoch ihr Hauptohrenschmuck ist, ich kann es nicht sagen. Einige sah ich mit einem Ring, befestigt in der Höhlung im Ohr, ohne es herunterzuziehen, desgleichen andere mit Ringen, welche gemacht schienen aus irgendeiner elastischen Substanz, aufgedreht ähnlich der Zugfeder einer Uhr: Dies scheint der Ausweitung der Vergrößerung der Höhlung zu dienen.

Ihre Waffen sind hölzerne Schilde und Keulen, sehr ähnlich jenen auf Neufundland, und Spieße von etwa 6 oder 8 Fuß Länge, und an einem Ende mit Stücken schwarzen Feuersteins angespitzt.

Paenga-Haus der RapanuiIhre Häuser sind niedrig, lang und schmal und haben in vielem das Erscheinungsbild eines großen umgekippten Bootes, dessen Kiel gerundet oder verbogen ist; das längste von ihnen, welches ich sah maß 60 Fuß in der Länge, 8 oder 9 in der Höhe und im Mittelteil und 3 oder 4 an jedem Ende, ihre Breite indes war nahezu überall gleich; die Tür befand sich inmitten der einen Seite, gebaut gleich einer Veranda, so niedrig und eng, dass es gerade einem einzigen Mann möglich war, auf allen Vieren hindurchzukriechen. Die Wände bestehen aus kleinen Zweigen und die Deckung der Dächer aus Zuckerrohr und Feigenblättern und reich von den Grundfesten bis zum Dach, sodass sie kein Licht haben, außer jenem, welches der kleine Eingang gestattet.

Über ihre Religion, Regierungsform etc. können wir nichts mit Sicherheit aussagen. Die stupiden Steinstatuen, so an verschiedenen Plätzen entlang der Küste errichtet, sind sicherlich keinerlei Abbildung irgendeiner Gottheit oder gar Orte des Gottesdienstes; dagegen höchstwahrscheinlich Grabstätten einzelner Sippen oder Familien. Ich selber sah ein menschliches Skelett in den Fundamenten des einen, welchselbes kaum mit Steinen bedeckt war; das, was ich ein Fundament nenne, ist ein längliches Geviert von etwa 20 oder 30 Fuß zu 10 oder 12, errichtet und bedeckt mit behauenen Steinen von erheblicher Größe, errichtet in einer so meisterlichen Art, dass dies hinlänglich die Genialität des Zeitalters zeigte, in welchem sie errichtet waren ....

Einige Stücke Schnitzwerkes wurden unter diesen Leuten gefunden, welche weder schlecht entworfen noch ausgeführt waren. Sie haben keine anderen Werkzeuge denn solche, die aus Steinen, Knochen, Muscheln etc. gemacht sind. Sie legen nur geringen Wert auf Eisen, obwohl sie dessen Gebrauch kannten; vielleicht erlangten sie ihre Kenntnis dieses Metalls von den Spaniern, welche dies Eiland 1769 besuchten und von denen sich unter ihnen noch Zeugnisse fanden, als da sind Kleidungsstücke etc. TOP

James Cooks Expedition war die erste, dessen Mitglieder nachweislich Holzschnitzfiguren von der Osterinsel mitnahmen; sie befinden sich heute in verschiedenen Völkerkundemuseen. Der Maler William Hodges, der die Cook-Expedition begleitete, zeichnete eine Frau, die eine Tahonga um den Hals trägt, andere sagen, es sei eine große Muschel (siehe Bild oben).

typische Landungs-Szene von James Cook im Jahre 1774 mit Karte und Schiff typische Landungs-Szene von James Cook, setzt mit einem Boot an Land der Ureinwohner typische Landungs-Szene von James Cook 1774 - Hier William Hodges, der Bordmaler

Wenn Cook auch eine recht lange Beschreibung der Insel gab, so beeilte er sich doch, weiterzukommen, da er Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Frischwasser und Proviant hatte. Cook war immer noch gesundheitlich angeschlagen. Georg Forster schreibt in seinem Bericht die Begebenheit nach der Abreise von der Osterinsel. Er schreibt für den 18. März 1774: "Das Wetter war schwül und Kapitän Cook bekam einen Rückfall seines Gallenfiebers, weil er in den Stunden der heftigen Mittagshitze sich am Lande zu stark angegriffen hatte. Alle diejenigen, welche ihn auf dem langen beschwerlichen Marsch quer über die Insel begleitet hatten, hatten von der Sonnenhitze Blasen im Gesicht bekommen, die täglich empfindlicher wurden, je mehr die Haut sich abschälte.

Cook wurde auf seiner zweiten Südseereise unter anderem von dem deutschen Naturforscher Johann Reinhold Forster und seinem Sohn Georg Adam Forster begleitet, die der Nachwelt wesentliche Erkenntnisse über die geologische Beschaffenheit der Osterinsel sowie die Vegetation, der Bevölkerung und der Moais hinterlassen haben. Georg Forster fertigte auch erste Skizzen der Moais, die, als Kupferstiche veröffentlicht, in den Salons der feineren Gesellschaft sehr viel Aufsehen erregten. Darüber hinaus war der klassizistische Maler William Hodges an Bord, wie auch auf jedem Schiff ein Astronomen, die sich um die Kontrolle der neuen "time keeper" (eine Längenuhr) zu kümmern hatten. TOP

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