John Linton Palmer - 1868 - Osterinsel - Die Insel der Toten

John Linton Palmer - 1868 - Osterinsel - Die Insel der Toten


John Linton Palmer - 1868 - Osterinsel - Die Insel der Toten


Moai Hoa-haka-nana-ia auf der Topaze beim TransportAls der britische Arzt J. Linton Palmer Anfang November 1868 mit dem Linienschiff "Topaze" die Osterinsel erreichte, lag ein großer dunkler Schatten auf der Insel und ihre Bewohner. 5 Jahre zuvor hatten Sklavenhändler einen Großteil der Inselbevölkerung zu den Guano-Abbauflächen nach Peru verschleppt, ein Jahr später hatten die zurückgebrachten 15 Rapanui die Blattern mit auf die Insel geschleppt und um 1868 grassierte unter den noch rund knapp 900 Menschen eine heftige und tödliche Pocken-Epedemie. "Island of dead" betitelte Palmer deshalb die Osterinsel: "Insel der Toten".

Palmer hatte im November 1868 um gerade einmal drei Monate den ersten Missionar verpasst, der bis dahin insgesamt fast drei Jahre auf der Insel gewirkt hatte; Missionar Eugéne Eyraud. Eyraud war 1867 selber an Tuberkulose erkrankt und daran am 23. August 1868 gestorben. Eyrauds Helfer Hippolite Roussel, Kaspar Zumbohm sowie Théodule Escolan waren bis dato noch auf der Insel und gaben dem archäologisch interessierten Arzt Palmer wertvolle Informationen über die Örtlichkeiten der Osterinsel sowie über die ursprüngliche Lebensweisen der alten Rapanui. Im Kreis der Ratgeber befand sich außerdem der Tahiti-Franzose Jean-Baptiste Dutrou-Bornier. Dutrou-Bornier war zu diesem Zeitpunkt gerade damit beschäftigt, den verbliebenen Rapanui systematisch Land abzunehmen, um aus der Osterinsel eine einzige Schaffarm zu machen.

Fischhaken der Rapanui aus Knochen oder SteinPalmer versucht, seinen Bericht mehr sachlich abzufassen und weniger persönliche Elemente mit einzubringen. So beschreibt er zunächst die geologischen Formationen der Insel, mit den wichtigsten Maßen, den schroffen Küsten, Vulkan-Kratern, dem vulkanischen Felsgestein in der Landschaft, sowie die Fauna und Flora. Palmer beschreibt die polynesische Ratte, die Haushühner, Fische die mit Steinhaken gefangen werden und einigen Schweinen die offenbar von Fremden eingeführt wurden. Seevögel werden erwähnt, zwei Schmetterlingsarten sowie überaus lästige Fliegen, keine Mücken und Flöhe in einer Grotte bei Anakena.

Wie auch andere Reisende zuvor beschreibt Palmer den Anbau von Zuckerrohr, Süßkartoffeln oder Yams, von Kokos-Palmen, wilden Kürbissen, Gräser, Schilfpflanzen, Eisenkraut und Büsche die in dem Klima lange brauchen um zu wachsen. TOP

Palmer beschreibt, dass es, entgegen den bisherigen Berichten, sehr wohl Trinkwasser auf der Insel gibt, und zwar in den zwei Kraterseen Rano Raraku und Rano Kau, sowie in unterirdischen Speichern, deren Wasserläufe entlang der Südküste in kleinen Brunnen zutage treten. Die Einwohner würden ihren Durst während ihrer Wanderungen allerdings überwiegend durch Saugen an den saftigen Zuckerrohrstanden stillen.

Auf Vermittlung der Missionare und des Schafzüchters erhält Palmer Einblicke in die Lebensgewohnheiten und die Kunst-Objekte der alten Rapanui-Kultur. Die Insulaner beschreibt er als ein Volk mit offensichtlich europäischem Einschlag, einige fast weiß mit roten Haaren, der überwiegende Teil aber doch offenbar polynesischer Abstammung, robust, gut gewachsen, freundlich, fröhlich, übermäßig träge aber sehr bemüht im Schmücken ihrer Körper. Sie seien sehr geschickt im Flechten und Bearbeiten von Holz mit Obsidian-Splitter, die sie ebenfalls als Rasiermesser aber auch als Speerspitzen benutzen. Mit diesen Splittern praktizierten sie auch Beschneidungen.

Rei Miro, die Palmer beschreibtBeide Geschlechter seien tätowiert, die Frauen allerdings vollständiger als die Männer; Frauen würden ihr Haar auch wie zu einer Krone auf dem Kopf zusammendrehen. Beide Geschlechter schmückten ihre Ohren durch Durchbohren und Weiten ihrer Ohrläppchen. Bei ihren Tänzen trugen sie Kränze aus Federn, die älteren trugen flache Diademe als Halsschmuck aus stark gekrümmten Hölzern. Offensichtlich als Statussymbole besaßen einige paddelähnliche Gegenstände, auf der einen Seite bemalt mit einem Gesicht, auf der anderen Seite verlängert mit einer kurzen Phallus-Darstellung. Ua Stab des arikiAn Waffen besaßen sie Speere, Keulen die aussahen wie ... Der Häuptling trug einen langen Stab so dick wie das Handgelenk, oben mit einem Kopf verziert. Kriegerische Gruppen hätte er allerdings nicht gesehen. TOP

Die Insulaner erzählten von drei Hauptfesten während des Jahres: Im Frühling (September) sei das wichtigste Fest eine große Versammlung am Mataveri. Die Menschen kleideten sich in ihren besten Gewändern, während dieser Zeit würden Ausscheidungskämpfe ausausgetragen. Während des Sommers gebe es die so genannten Paina-Feste. Hierbei gehe es vornehmlich um das Zubereiten von Speisen in Erdöfen und eine anschließende Zeremonie, bei dem die Zweige, die zuvor das Essen während des Garens im Erdofen abgedeckt hatten, zu einer Art Säule (Paina) aufeinandergestapelt würden. Wie andere Besucher auch berichtet Palmer darüber dass die Hühner nicht geschlachtet, sondern erstickt werden und ohne sie ausbluten zu lassen, in Erdöfen gedünstet werden. Im Winter dann (Juni, Juli), treffe sich die Gemeinschaft zum Bau eines großen Paenga-Hauses. Hierbei würden die Menschen dann tanzen und über ihre Legenden singen.

Palmer berichtet auch vom Kannibalismus, ohne es selber gesehen zu haben; er schreibt nur von Spaniern, die "vor vier oder sechs Jahren" während religiöser Rieten geopfert wurden.

Paenga-HütteIn gleicher Weise wie auch alle anderen vorherigen Besucher der Osterinsel beschreibt Plamer die Paenga-Häuser, allerdings seien diese Häuser nicht mehr so lang gewesen wie sie noch von James Cook beschrieben worden waren. Er beschreibt, dass die Hitze und der Geruch in diesen Häusern unerträglich gewesen seien. Einige massive, viereckige Gebäude aus aufgeschichteten Steinen habe er gesehen, die ihm als Häuser für die Hühner beschrieben wurden. Allerdings befanden sich an den Gebäuden Pyramieden aus weiß getünchten Steinen, weil sie nun als Begräbnisstätten genutzt würden. Die Stein-Pyramiden beschreibt Plamer als Tapu-Zeichen. TOP

Leichname würden sich als Ballen aus Schilfmatten und Gras zusammengeschnürt an vielen Orten finden. Palmers Führer meinte an der Begräbnisstätte Mataveri: "Viele, viele Tote gibt es hier". Die Inselbewohner sahen auch keinen Sinn darin, ihre Toten auf die für sie so fremd wirkende Weise der Missionare zu bestatten. Ihm wurde von einer Frau erzählt, dessen Kind auf christliche Art bestattet worden war und sie des Nachts ihr Kind ausgegraben und mitgenommen habe.

Sehr ausführlich beschreibt Palmer auch die Ahu-Anlagen, insbesondere die Anlage Vinapu sowie die Anlage Tongariki in der Hotu-iti-Bucht, aber auch entlang der Südküste allgemein. Keines der Anlagen war mehr intakt. An vielen dieser Ahu-Anlagen fand er Menschenknochen; einige Schädel nahm er mit und übergab sie später dem Britischen Museum.

Sämtliche Moais die Palmer zu Gesicht bekam lagen auf und an den Ahu-Anlagen oder auch im Gras verstreut, außer am Rano Raraku. Gerne hätte Palmer die Anzahl der Moais erfasst, doch er schreibt, die Anzahl war so hoch, es wäre eine verlorene Zeit gewesen um sie alle erfassen zu wollen. Am Rano Raraku seien viele der Moais eingegraben gewesen, jedoch auch eine Vielzahl noch unvollkommen im Lavagestein. Palmer schreibt, innerhalb des Rano Raraku Kraters seien die Monumente offenbar älter als außerhalb am Hang, denn die äußeren seien von der Kopfform wesentlich schlanker und zeigten sich zudem noch in einem besseren Zustand. TOP

Palmer-Zeichnung vom Kraterinneren des Rano RarakuDie Moais innerhalb des Rano Raraku Kraters seien von bedeutender Größe aber verwittert, dennoch seien die ältesten der Insel wohl die vielen umgeworfenen auf den Anlagen. Das Gesicht dieser Monumente sei zumeist quadratisch, massig und streng mit verächtlichen Ausdrücken. Ihr Blick sei immer etwas nach oben gerichtet. Ein Merkmal sei auch die extreme Kürze der Oberlippe oder der Auftrieb des unteren, die so gut wie immer das gleiche Aussehen erzeugen würden. Die Augenhöhlen seien tief, dicht unter den Augenbrauen; er vermutete, dass sich darin Augäpfel aus Obsidian befunden hätten. Sie hätten allerdings nicht das Glück gehabt, welche zu finden. Palmer lag mit dieser Vermutung schon ganz richtig: Steinwerkzeuge der Rapa-NuiDie Existenz von eingesetzten Augen machte der der Archäologe Sergio A. Rapu 1978 bekannt.

Durch Palmers Zeichnungen von den Moais am Rano Raraku wurde der Rano Raraku der Öffentlichkeit erst richtig bekannt gemacht. Einige Jahre später (1872) folgten die Zeichnungen von Pierre Loti. Die Welt war faziniert von den Skizzen, die in Zeitungen sowie in Büchern veröffentlicht wurden.

Die Moais wurden mit einfachsten Steinwerkzeugen hergestellt, zumeist mit Steinmeißel aus Kiesel die sich an der Küste finden und aussehen wie große Schneidezähne. Die Moais auf den "Begräbnisstätten" seien in ihrer Größe sehr unterschiedlich. Von den 15 Moais an der Anlage Tongariki seien fünf geradezu Zwerge im Vergleich zu den übrigen. Jeden der Moais konnten die Einheimischen mit Namen benennen. TOP

Am Vulkankrater des Rano Kau besucht Palmer den Kultort "Orongo", ohne diesen so zu nennen. Er schreibt:
" Am südwestlichen Ende der Insel, am Kraterrand des Rano Kau, gibt es eine Reihe, sagen wir 80 oder mehr, Häuser von hohem Alter, jetzt ungenutzt, meist in guter Erhaltung. Steinhäuser am Orongo-KultplatzSie stehen in einer unregelmäßigen Linie und sind gebaut wie es der Boden gerade zulässt; die Eingänge zeigen alle zum Meer und haben die Größe wie die in den Grashütten. Jedes Haus ist länglich oval und aufgebaut aus Schichten von unregelmäßigen Steinplatten. Nach oben hin verengen sich die Platten, so dass sich die Überschneidungen allmehlig wölben und das Dach durch größere Platten zugedeckt werden kann."

Palmer beschreibt bemalte Steinplatten, die an den rückwärtigen Fronten der Räume aufgestellt sind, oder auch quadratische Einlassungen im gepflasterten Boden vor den Eingängen, die nach Auskunft seiner Führer als Erdöfen für das Fleisch der geopferten Menschen gedient hätten. Sowohl die Steinhäuser als auch die Petroglyphen schätzt Palmer als sehr alt ein. Von den vielen Petroglyphen hätte er gerne einige skizziert, doch dazu bleibt ihm keine Zeit.

Moai Hoa-haka-nana-ia, heute im Britischen MuseumIm Haus Steinhaus R-13 zeigt man ihm einen 2,42 Meter großen Kult-Moai, den die Rapa Nui "Hoa-haka-nana-ia" nennen. "Hoa hakanani'a" heißt in der Ursprache der Rapanui "gestohlener- oder versteckter Freund". Er war bis zur Taille im Erdreich eingegraben und hatte keine "Krone" (Pukao). Sein Gesicht wandte sich, wie auch die übrigen Moais auf der Insel, der Landseite zu. TOP

Der zweite von Palmer mitgenommener Moai "Hava"Nach der Überlieferung soll der Hoa-haka-nana-ia am Orongo versteckt worden sein und somit die Auseinandersetzung um 1680 unbeschadet überstanden haben. Dieser Moai ist allerdings auch unter dem Namen "Breaker of Waves" bekannt, was so viel heißt wie "Wellenbrecher" und soll eine Anspielung auf einen Schutzheiligen für die "hopus" sein, die für den zukünftigen Vogelmann von der Osterinsel zu dem 1,5 KM entfernten Plateau "Motu Nui" zu schwimmen hatten, um von dort ein Rußseeschwalben-Ei zu holen.

Die Gravuren auf der Rückseite des Hoa-haka-nana-ia gelten als einmalig auf der ganzen Osterinsel. Am Hinterkopf und an einem Ohr sind insgesamt drei Ao-Paddel dargestellt. Dazu ein Vogel sowie zwei Vogelmenschen und mehrere Vulva-Symbole. Eher selten ist auch der dreilinige Gürtel, ein Symbol für die Nähe zum Himmel; ein Regenbogen ***. Ursprünglich waren die Augenhöhlen mit weißem Korallengestein gefüllt und mit Pupillen aus Obsidian-Glas versehen. Der Körper war rot und weiß bemalt. Die Farbe ging allerdings auf der Seereise nach Großbritannien so gut wie komplett verloren; Palmer hat den Moai auch ohne Augen vorgefunden. Am Friedhof von Mataveri fand sich eine weitere kleine Statue mit Namen "Hoa Hava". Anders als der überwiegende Teil aller Moais seien diese Statuen, aus hartem Basaltgestein. *** = Im Vulkankrater des Rano Raraku befinden sich die Moais "RR-001-156" und "RR-001-157", die sowohl Petroglyphen auf den Rücken, als auch einen dreilinigen Gürtel haben.

Tattoo auf dem Unterarm eines Rapanui. Es zeigt den Transport des Moai Hoa-haka-nana-ia, durch Palmer veranlasst.Palmer veranlasst, dass diese Moais auf die Topaze verfrachtet und nach Großbritannien ins Britische Museum gebracht werden. 300 Matrosen sowie 200 Rapanui sollen sich daran beteiligt haben, die bis zu vier Tonnen schweren Kolosse aufs Schiff zu verfrachten. Diese Begebenheit war bei den Rapanui offenbar so einschneidend, dass einer der Insulaner sich davon ein Bild auf seinen Unterarm tätowieren ließ. TOP

Die Inselbewohner zeigten Palmer noch eine Reihe von alten Kultgegenständen aus Holz, die diese in Rindenbaststoff gehüllt in ihren Hütten aufbewahrt hatten. Logbücher der Topaze um 1868Palmer hört auch von Steinfiguren, die im Gegensatz zu den Moais, keine langen Ohren haben sollen, bekommt sie aber nicht zu Gesicht. Er fragt auch nach den Rongorongo Schrifttafeln, doch die Inselbewohner können ihm weder welche zeigen noch geben. Der Missionar Eugéne Eyraud hatte ein Jahr zuvor angeordnet, dass die Rapanui diese Tafeln als heidnische Objekte verbrennen.
Allerdings: Thomas Barthel schreibt in seiner Habilitationsschrift von 1958 (Kapitel 2), aus einer Diskussionsbemerkung von (dem Museumsdirektor von Liverpool) H. O. Forbes über den Schiffsarzt J. L. Palmer ginge hervor, dass dem Museum von den Palmer-Erben einst eine größere Anzahl von Schrifttafeln angeboten wurde, sein Treuhänder den Ankauf allerdings abgelehnt hätte.
Barthels hegt deshalb die Hoffnung, dass sich eines Tages noch weitere Rongorongo Schrifttafeln finden werden.

Auf den Logbüchern der HMS Topaze aus der Zeit von 1866 bis 1869 befinden sich gezeichnete Abbildungen des Schiffes. Obwohl sich Palmer nicht besonders als Maler hervor getan hat gibt es Stimmen die behaupten, Palmer habe diese Bilder gefertigt.

Schiffsdarstellung der Topaze, gezeichnet von Palmer?####Schiffsdarstellung der Topaze, gezeichnet von Palmer?
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