Jean Francois Galoup La Pérouse dokumentierte als letzter eine intakte Rapanui Kultur

Jean Francois Galoup La Pérouse dokumentierte als letzter eine intakte Rapanui Kultur


Jean Francois Galoup La Pérouse besucht 1786 für einen Tag die Osterinsel


La Pérouse besucht 1786 die OsterinselDer Franzose Jean Francois Galoup La Pérouse besuchte mit seiner Expeditionsmannschaft am 10. April 1786 für einen Tag die Osterinsel und doch ist dieser Tag für die Geschichtsschreibung außerordentlich interessant. La Pérouse ist nämlich der letzte Reisende, der mehr oder weniger noch eine intakte Kultur der Osterinsulaner gesehen und darüber berichtet hat.

Rapanui stiehlt Hut, Zeichnung von La Pérouses SchiffszeichnerAus La Pérouses Aufzeichnungen wird zwar deutlich, dass die Rapanui ihre Leidenschaft für Hüte und andere Kopfbedeckungen auch bei seinem Besuch noch nicht abgelegt hatten, es wird aber auch deutlich, dass sich die Bevölkerung auf der Osterinsel, nach dem Besuch von James Cook im Jahre 1774, offensichtlich wieder erholt hatte und vor allem, dass die meisten Ahu-Anlagen noch intakt waren. Spätere Aufzeichnungen berichten von Sklavenhändler (1805), aggressive Rapanui die Landungsversuche zurückweisen (1806, 1809, 1816, 1825) sowie von zerstörten Ahu-Anlagen.

Jean-François de La Pérouse, geboren am 23. August 1741 entstammte einer wohl situierten Patrizierfamilie aus Südwest Frankreich. Bereits im Alter von 15 Jahren schlug er eine Laufbahn bei der französischen Marine ein. Inspiriert von dem Weltumsegler Louis Antoine de Bougainville und dessen Reisebericht begibt sich La Pérouse später ebenfalls auf Forschungsreisen, zuerst im indischen Ozean von 1772 bis 1776. Wegen seiner besonderen Verdienste aus dieser Zeit wird er nach seiner Rückkehr geadelt und befördert. TOP

Als James Cooks Erfolge während seiner ersten und zweiten Weltumsegelung bekannt werden, möchte der Französische König Ludwig XVI eine ähnlich prestigeträchtige Reise unternehmen lassen und lässt hierzu zwei Schiffe (die Astrolabe und die Boussole) aufrüsten. La Pérouse wird mit einem ganzen Stab von Spezialisten (Astronomie, Geologie, Mineralogie, Botanik usw.) beauftragt, den Pazifik genau zu erforschen und Handelsmöglichkeiten auszumachen. Beide Schiffe stechen am 1. August 1785 von Brest aus in See. TOP

Über Kap Horn erreichen die Schiffe in der Nacht vom 8. zum 9. April 1786 die Osterinsel. Am frühen Morgen des 9. April versuchen die Kapitäne beider Schiffe, in der Cook-Bay zu ankern, finden aber zunächst keinen geeigneten Ankergrund und müssen ihre Versuche durch Lichten der Anker, Abdrehen und Wenden wiederholen. Während dieser Aktionen schwimmen den Franzosen Insulaner entgegen, um ohne Scheu auf die Schiffe gehievt zu werden. TOP

La Pérouse zeigt sich von den Schwimmkünsten der Insulaner beeindruckt und auch von ihrer scheinbar naiven Offenherzigkeit. Aus der Tatsache, dass sich die Insulaner während der Wendemanöver in keiner Weise beunruhigt zeigten schließt er auf ihre Friedwertigkeit. Er beschenkte sie großzügig mit Stoffen, Glasperlen, Nägel und Messer, doch noch begieriger zeigten sie sich nach Hüten. La Pérouse bedauert, nicht mehr davon an Bord übrig zu haben. Gegen Abend werden die Insulaner wieder zur Insel geschickt und dabei wird ihnen signalisiert, dass man sie am nächsten Tag besuchen wolle.

Briefmarke von La Pérouse La Pérouse kennt die Berichte von Roogeveen, Behrens, Cook und Forster und will auf keinen Fall als Aggressor in Erscheinung treten. Er gibt deshalb den Befehl aus, auf keinen Fall auf die Insulaner zu schießen und sie auch nicht mit dem Gewehrkolben niederzustrecken. Er hofft auf die Friedfertigkeit aller Inselbewohner, zumal er die Besucher am Schiff großzügig beschenkt hat. Dennoch will er sich gleich bei der Landung Respekt verschaffen und lässt seinen Besuch mit "kriegerischem Pomp" inszenieren: Mit vier Booten und einem Gefolge von 70 Personen, die von 12 bewaffneten Soldaten flankiert werden, setzt er an Land.

Unter Freudengeschrei kommen ihnen etwa 500 (zumeist) nackte und tätowierte Inselbewohner entgegen und helfen den Fremden an Land. La Pérouse schreibt, die Inselbewohner kämen ihm bei weitem nicht so unglücklich vor, wie es Kapitän Cook sowie der Deutsche Forster beschrieben hätten. Auf seine Anweisung bilden die bewaffneten Soldaten einen Kreis; den Insulanern gibt man zu verstehen, dass dieser Kreis für sie Tabu sei. Im Kreis wird ein Zelt aufgeschlagen, um darin dann die Geschenke für die Insulaner zu lagern. TOP

Da La Pérouse nicht vorhat, die Insel großartig zu erforschen, bleibt er lediglich einen Tag. Er überlässt den Insulanern einige Ziegen, Schafe und Schweine sowie verschiedene Sämlinge von Nutzpflanzen. Die Expedition findet die Bevölkerung relativ gesund und gut genährt vor, La Pérouse schätzt die Einwohnerzahl auf rund 2000 (James Cook sowie Georg Forster hatten die Einwohnerzahl im Jahre 1774 auf zwischen 700 und 900 geschätzt).

Die Insulaner lassen sich nicht von dem "Pomp" beeindrucken. Immer mehr Insulaner (La Pérouse schreibt bis zu 800) kommen auf die Tabu-Grenze zu; die Männer bieten den Soldaten und auch La Pérouses Gefolge ihre Frauen an. La Pérouse schreibt: "Während uns die Weiber mit ihren Liebkosungen heimsuchten, wurden uns die Hüte von den Köpfen und die Schnupftücher aus den Taschen gestohlen."

Die angeordnete Zurückhaltung der Franzosen führt lediglich zu noch mehr Aufdringlichkeit der Insulaner, doch La Pérouse bleibt bei seiner Order, auf keinen Fall Gewalt anzuwenden. Er verspricht seinen Leuten, ihnen die gestohlenen Güter zu ersetzen und so macht sich unter den Besuchern eine allgemeine Belustigung über die Kleptomanie der Insulaner breit.

Die gezeichneten Rapanui wirken hager und ausgemergeltLa Pérouses Schiffsmaler Duché de Vancy hält in seinen Zeichnungen fest, wie die Frauen die französischen Besucher ablenken und die Männer ihnen die Hüte stehlen. Auf einigen dieser Zeichnungen wirken die Rapanui dabei gar nicht gesund. Teilweise sind hagere und ausgemergelte Menschen abgebildet. Die erhöhte Zahl der der Menschen (rd. 2000) könnte sich damit begründen, dass sich während des La Pérouse-Besuches auch die Frauen gezeigt haben. TOP

Um die kurze Zeit des Aufenthaltes zu nutzen bildet La Pérouse zwei Gruppen, die die Insel, soweit es geht, erforschen sollen. Die eine Gruppe soll eine möglichst weite Strecke ins Landesinnere zurücklegen, dabei an jedem geeigneten Ort die mitgeführten Samenkörner einpflanzen, sowie die vorgefundenen Böden, Gärten, Pflanzen und auch die Denkmäler untersuchen. Die zweite Gruppe, zu der sich auch La Pérouse selber gesellt, begnügt sich damit, die Denkmäler, Sockel, Häuser und Pflanzungen in einer "Gehstunde-Entfernung" zum Zeltlager in Augenschein zu nehmen.

La Pérouse erhält dabei die Möglichkeit, die Höhlen, die der Cook-Expedition stets verwehrt wurden, in Augenschein zu nehmen. Er schreibt: "Diese Höhlen sind unterirdische Wohnungen; sie sind nicht anders geformt als diejenigen, die ich sogleich beschreiben werde und in denen wir kleine Bündel Reiserholz fanden. Warum die Inselbewohner ihre Frauen und Kinder hier verbargen, als Kapitän Cook sie im Jahre 1772 besuchte, kann ich nicht erklären. Tapu-Zeichen auf den Ahu-AnlagenIch habe alle Ursachen zu vermuten, dass das Vertrauen, das uns die Inselbewohner entgegenbrachten und das uns gestattete, sie gründlicher zu studieren, das Resultat von Cooks Diplomatie und Großzügigkeit war."

La Pérouse stellt fest, dass die "Denkmäler" (Ahu-Anlagen) als Kultplätze ihrer Toten genutzt werden und die dort errichteten Moais wohl älteren Datums sein müssen. Die neueren Zeichen zur Huldigung ihrer Toten beschreibt La Pérouse als kleine pyramidenförmige Steinhaufen, deren Spitzen mit einer Art Kalkwasser angestrichen werden. Was La Pérouse zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, bei diesen aufgehäuften Stein-Pyramiden handelte es sich um "Tapu"-Zeichen um allen Bewohnern zu zeigen, dass die so gekennzeichnete Regionen nicht betreten werden dürfen.

Zu den Sitten und Gebräuchen der Inselbewohner bezieht er sich mehr auf die Reiseberichte seiner Vorgänger und fügt hinzu: "Auf der Insel wird kaum der zehnte Teil des Bodens bearbeitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Indianer nur drei Tage zu arbeiten braucht, um sich alles das zu verschaffen, was er das ganze Jahr hindurch für seinen Lebensunterhalt nötig hat. Die Leichtigkeit, mit der hier jeder seine Bedürfnisse befriedigen kann, lässt mich vermuten, dass die Insulaner die Produkte der Erde unter sich aufteilen, wie ich auch fast mit Gewissheit annehme, dass sie - mindestens in ihrem Dorf oder ihrem Distrikt - in Gemeinschaftshäusern leben." TOP

Paenga Langhaus von den RapanuiDie Paenga-Häuser beschreibt La Pérouse mit dreihundertzehn Fuß lang, zehn Fuß breit und in der Mitte zehn Fuß hoch. Das Aussehen vergleicht er mit einer "umgestülpten Piroge", mit zwei Türen, die lediglich zwei Fuß hoch seien, so dass man mit Händen und Füßen hineinkriechen müsse. Diese Häuser könnten allerdings rund 200 Menschen beherbergen. Sie enthielten allerdings keinerlei Gerätschaften. Neben diesen Häusern erwähnt er noch andere Hütten aus Binsen und schließt daraus die Vermutung, dass es auf der Insel sumpfige Gegende geben müsse. Die Binsen seien sehr künstlerisch geflochten und seien als Regenschutz sehr gut geeignet.

Bei der Rückkehr zum Zeltlager stellt La Pérouse fest, dass fast alle, am Zeltplatz zurückgebliebenen Wachmänner, keine Hüte und keine Schnupftücher mehr besitzen. Er schreibt, selbst ihm hätte man seinen Hut gestohlen. Kurz nach Mittag läßt er sich zurück an Bord bringen, um auch anderen noch die Gelegenheit zu geben, die Insel kurz zu besuchen. Doch kurz darauf wird er durch zwei Offizieren darüber informiert, dass die Insulaner abermals einen Diebstahl begangen hätten und es hierbei zu einem Zwischenfall gekommen sei.

Einige Einwohner waren zu einem Boot, das zur Astrolabe gehört, getaucht und hatten unterhalb des Wassers das Tau vom Anker durchtrennt und seien samt des Ankers geflüchtet. Die Diebe wurden mit ihrem Diebesgut erst an Land beobachtet und von zwei Offizieren sowie einigen Soldaten verfolgt. Sie wurden dann jedoch mit Steinen beworfen und zunächst abgewehrt. Nachdem die Diebe sich durch einen Warnschuss nicht beeindrucken ließen, sah sich das Kommando gezwungen, mit Schrot auf die Insulaner zu feuern. Einer der Insulaner wurde scheinbar getroffen, denn der Steinregen hörte auf und die Soldaten konnten unbehelligt wieder zum Lagerplatz zurück. Die Diebe konnten mit ihrem Diebesgut entwischen.

Gegen Abend waren dann alle unversehrt wieder eingeschifft und die Boote wieder an Bord gehievt. Die zweite Gruppe berichtete ihm nach der Rückkehr, sie hätten einem Inselbewohner einen Bock und eine Ziege geschenkt und als der Insulaner die Tiere mit der einen Hand in Empfang nahm, stahl er mit der anderen Hand gleich auch noch ein Schnupftuch. TOP

La Pérouse räumt ein, er sei bezüglich der Diebereien ganz sicher zu nachsichtig gewesen und hätte sich dadurch nur Ärger eingehandelt. Er schreibt: "Ich halte sie für so verdorben, wie sie in Anbetracht ihrer Lebensumstände nur sein können. Die abgefeimsten Gauner bei uns in Europa sind keine so argen Heuchler wie die Bewohner der Osterinsel."

Als "Strafaktion" ordnet La Pérouse an, sich in der Morgendämmerung des kommenden Tages ohne Abschied zu entfernen, um die Insulaner bezüglich ihrer "Missetaten" zum Nachdenken zu bringen. Diese Begebenheit dokumentiert La Pérouse allerdings auch mit einem gewissen ironischen Unterton.

Gedenk-Briefmarke für La PérouseBriefmarke von La Pérouse zum Gedenken an den 200. Jahrestages seines VerschollenseinsLa Pérouse sollte seine Heimat niemals wiedersehen; das letzte Lebenszeichen war eine Depesche vom Februar 1788 in der er berichtet, er beabsichtige über Tonga, Neukaledonien und den Salomonen nach Neuguinea segeln zu wollen. Seitdem gelten beide Segelschiffe als verschollen. Erst im Jahre 1828 werden Wrackteile von La Pérouse Schiffen auf der kleinen Insel Vanikoro (Salomonen) gefunden. Es wird vermutet, dass die Schiffe in einen tropischen Wirbelsturm geraten und gesunken sind. TOP

Die Tatsache, dass es Aufzeichnungen vom Besuch der Osterinsel gibt, ist dem Dolmetscher Jean Baptiste Barthélemy de Lesseps zu verdanken. de Lesseps ging am 29. September 1787 mit den ersten Reiseaufzeichnungen La Pérouses in Petropawlowsk-Kamtschatski von Bord, durchquerte Kamtschatka und Sibirien und erreichte nach einem Jahr über Ochotsk, Irkutsk und Sankt Petersburg im Oktober 1788 Paris. La Pérouses und seine Mannschaft waren zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon gar nicht mehr am Leben.


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