Otto von Kotzebue bricht 1816 Forschungsauftrag auf der Osterinsel ab

Otto von Kotzebue bricht 1816 Forschungsauftrag auf der Osterinsel ab


Otto von Kotzebue bricht 1816 Forschungsauftrag auf der Osterinsel ab


Otto von KotzebueOtto von Kotzebue war ein russischer Offizier deutscher Herkunft, dem 1815 vom russischen Außenminister die Brigg "Rurik" für eine Expedition zur Erforschung der Nordwestpassage anvertraut wurde. Die Rurik umsegelte zunächst Kap Hoorn, um auch nach dem legendären Davis-Land zu suchen, vor allem aber um polynesische Inseln zu kartographieren. Kotzebues ethnografische Beobachtungen bilden bis heute den Grundbestand des volkskundlichen Wissens von diesen Inseln; nach Ende seiner Reise im Jahre 1818 hatte er insgesamt 400 Inseln kartographiert.

Die Rurik erreichte die Osterinsel am frühen Morgen des 28. März 1816, der Kapitän segelte allerdings nach einem ereignisreichen Tag noch am gleichen Tag weiter. Otto von Kotzebue kannte die Osterinsel lediglich aus dem Bericht des Franzosen La Pèrouse´s, der die Oster-Insulaner zwar als diebisches Volk, aber als offene liebenswürdige Menschen beschrieben hatte. Umso erstaunter zeigte Kotzebue sich in seinem Bericht, dass er auf ängstliche Menschen gestoßen war, die Fremden gegenüber offenbar misstrauisch und feindselig eingestellt waren.

Nach dem Bericht Otto von Kotzebues näherte sich die Rurik der Osterinsel am 28. März um drei Uhr morgens bis auf fünfzehn Meilen; mit Tagesanbruch hatten sie die Südspitze der Insel erreicht und versuchten zunächst in der Cook-Bay zu ankern. Die Insulaner hatten bereits Feuer angezündet um sich mittels Rauchsäulen gegenseitig zu informieren, dass ein fremdes Schiff gesichtet worden war.

Einen Landungsversuch wollte von Kotzebue zunächst noch nicht befehligen, weil die Rurik noch keinen geeigneten Ankerplatz gefunden hatte. Doch schon sahen sie zwei Boote mit jeweils zwei Insulaner auf sich zu rudern, die sich allerdings "bis auf einen Flintenschuss" der Rurik nicht weiter nähern wollten. Sie zeigten aus dieser Entfernung einige Wurzeln, waren dennoch nicht zu bewegen, näher ans Schiff zu kommen. Als von Kotzebue den Befehl gab das Schiff wieder unter segeln zu setzen um nicht an die Küste getrieben zu werden, flüchteten die Insulaner sogar in Richtung Strand. von Kotzebue urteilte, scheinbar hätten die Insulaner Angst vor den Schiffen, nicht aber vor den Matrosen selbst, denn die wurden beim späteren Landeversuch stark bedrängt und umringt. TOP

Das erste Boot das von Kotzebue aussetzen ließ um nach einem geeigneten Ankerplatz zu loten, wurde gleich schon von schwimmenden Insulanern bedrängt. Sie hatten Tarro-Wurzeln, Jams und Bananen dabei, um diese gegen Eisenstücke von alten Fassbändern zu tauschen. Während einige durchaus ehrlich tauschen wollten, wollte ein anderer sich die Tauschobjekte mit Gewalt aneignen. Er musste mit einem Schuss aus einer Schrotflinte abgewehrt werden doch selbst hiervon ließen sich die übrigen nicht davon abbringen, weiter ihre kleine "Räuberkünste" auszuüben.

Um drei Uhr nachmittags ließ von Kotzebue zwei Boote mit sich und 17 Mann ins Wasser, um die Inseln zu erforschen. Otto von Kotzebue schreibt: "Eine große Menge Wilder hatte sich am Strand versammelt; sie schrien, tanzten und machten die sonderbarsten Bewegungen und schienen unsere Ankunft mit Ungeduld zu erwarten." Allerdings zeigten sie keine Bereitschaft, den Landeplatz zu räumen. Unter lachen und Scherzen zwangen die beiden Boote, die Küstenstelle wieder zu verlassen. Ganze Horden stiegen nun ins Wasser, folgten den Booten, um Bananen und Zuckerrohr im Tausch gegen altes Eisen anzubieten. von Kotzebue schreibt: "Dabei machten sie einen ganz unerträglichen Lärm, alle sprachen mit einer großen Lebhaftigkeit und ein allgemein furchtbar lautes Gelächter". TOP

1816: Oster-Insulaner werfen mit SteinenDie an Land gebliebenen Einwohner fingen plötzlich an, die beiden Boote mit Steinen zu bombardieren. von Kotzebue ließ einige Flintenschüsse in die Luft abgeben, worauf die Insulaner im Wasser und an Land zurückschreckten und das Ufer frei gaben. Als die ersten Matrosen jedoch die Osterinsel betraten, wurden sie noch heftiger bedrängt. Viele Insulaner hatten ihre Gesichter rot, weiß und schwarz bemalt, "... was ihnen ein fürchterliches Aussehen gab, sie tanzten unter den lächerlichsten Bewegungen und Verdrehungen des Körpers, und machten einen so entsetzlichen Lärm, dass wir uns laut in die Ohren schreien mussten, um einander verständlich zu werden ...."

Um die drängenden Insulaner etwas auf Abstand zu halten, ließ von Kotzebue einige Messer in die Menge werfen, doch selbst in dieser Situation wurden noch Steine geworfen und erst weitere Flintenschüsse erlaubten von Kotzebue, selbst an Land treten zu können.

von Kotzebue berichtet, dass sich die Frauen, ganz anders in den Berichten seiner Vorgänger, nur von weiter Entfernung zeigten und dass er an seinem Landeplatz (Hanga Roa) keine intakten Zeremonie Plätze vorfand, sondern lediglich unversehrte Fundamente mit einem zerstückelten Steinhaufen eines dieser merkwürdigen Statuen. Alle übrigen Statuen (?) waren verschwunden und er vermutete angesichts des erlebten Durcheinanders, dass wohl Europäer dafür verantwortlich gewesen seien.

Weiter ins Landesinnere kam die Mannschaft um von Kotzebue allerdings nicht; die Umstände ihres Besuches mit den aufdringlichen und unberechenbaren Rapanui ließ von Kotzebue zu den Entschluss kommen, die Expedition auf der Osterinsel abzubrechen. Die Rapanui mussten erneut mit Flintenschüssen eingeschüchtert werden, damit sie den Weg zu den Booten freigaben. Die noch im Boot befindlichen Eisenbänder ließen sie an Land zurück. Als die Rapanui merkten, dass die Fremden wieder zum Schiff zurückrudern wollten, hagelte es unter lautem Geschrei wieder Steine.

Osterinsel 1816: Otto von Kotzebue kann nur vom Schiff aus beobachtenWas Otto von Kotzebue blieb, war eine Beurteilung aus der Ferne. von Kotzebue hatte danach den Eindruck, dass die Insulaner trotz ihrer Lage keine Not leiden würden. Dies schloss er aus der Menge an Tauschwaren wie Bananen, Jams, Zuckerrohr oder Kartoffeln die ihnen als Tauschobjekte angeboten worden waren und aus der Tatsache, dass die von der Bucht aus sichtbaren Hänge der Berge verschiedene Grünfarben mit scheinbar fruchtbaren Feldern zeigten. Tiere oder auch Früchte von Sämlingen die La Pèrouse auf der Insel zurückgelassen hatte bekam er nicht zu Gesicht. An der Südküste konnte von Kotzebue auch noch einige Statuen erkennen.

Weshalb die Oster-Insulaner ihm gegenüber so feindlich aufgetreten war, erfuhr von Kotzebue erst auf den Sandwitch-Inseln durch Alexander Adams. Adams erzählte von Kotzebue von dem Schoner Nancy Anfang des 19. Jahrhunderts, deren Besatzung 22 Rapanui entführt und dabei (nicht nur auf der Osterinsel) eine Blutspur hinterlassen hatten. Adams selber hätte 1806 vergeblich versucht, auf der Osterinsel anzulanden, ebenso der Kapitän Windship im Jahre 1809 mit der Albertros. TOP

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