Sebastian Englert - ein Missionar der sich ganz der Osterinsel widmete

Sebastian Englert - ein Missionar der sich ganz der Osterinsel widmete


Sebastian Englert


Pater Sebastian Englert auf der OsterinselEin Mann dessen Name wohl für immer mit der Osterinsel in Verbindung gebracht wird ist Franz Anton Englert, besser bekannt unter "Sebastian Englert". Franz Anton Englert, 1888 in Deutschland geboren, trat 1907 dem Kapuzinerorden bei, bekam dort den Vornamen seines Vaters (Sebastian) und empfing 1912 die Priesterweihe. Nachdem er im ersten Weltkrieg als Feldgeistlicher an den Fronten in Belgien und Frankreich Dienst getan hatte, wirkte er zunächst in München, ging dann aber als Missionar Pfarrer nach Chile. Während einer Forschungsreise zur Osterinsel im Jahre 1935/36, ließ er sich Ende 1937 dorthin versetzen und wirkte bis zum Tode im Jahre 1969 auf der Insel.

Für die Einheimischen war Pater Sebastian Englert ein Glücksfall, war er doch der erste Geistliche nach 65 Jahren der sich uneigennützig und nachhaltig um ihre Belange kümmerte. Zu dieser Zeit grassierte unter den wenigen dort noch lebenden Rapa Nui die Lepra und außer einem chilenischen Arzt (Alvaro Tejeda Lawrence) war niemand da, der sich um das Wohl der Kranken kümmerte. Die Lepra hatte sich seit 1903 massiv unter den Rapa Nui ausgebreitet, hatte 1920 den höchsten Krankenstand erreicht, doch die erste wirkliche Kontrolle zur Eindämmung der Krankheit führte erst Pater Englert ein. Nachdem der Arzt Lawrence 1938 das Amt des Militär-Gouverneurs übernommen hatte und 1939 mit der Unterschlagung von Spendengeldern für die Kranken in Verbindung gebracht und abgesetzt wurde, fühlte sich Englert für die Kranken alleine verantwortlich. In den Folgejahren forderte er immer wieder Hilfe von Ordensschwestern an, nahm aber auch gerne ärztliche Hilfe von Ärzten an, die sich beispielsweise während Forschungsreisen auf der Insel aufhielten.

Pater Sebastian Englert beim Verfassen seiner SchriftenSebastian Englerts BuchAls Sebastian Englert auf die Osterinsel kam richtete er zwar die erste Pfarrei ein und übernahm auch das Amt eines christlichen Pfarrers, doch vor allen versuchte er, die Kultur der Insulaner zu verstehen und wichtiger noch: sie zu bewahren. Er erlernte die Sprache der Einheimischen, erforschte die Sprache und Kulturgeschichte und publizierte dies in diversen Büchern und immer wieder in wissenschaftlichen Zeitschriften. Sein Hauptwerk trägt den Titel "La Tierra de Hotu Matu´a", zu Deutsch etwa "Die Erde des Hotu Matua"; es beschreibt seine Insel-Studien über die Geschichte, Sprache, Ethnologie und Archäologie.

Englert katalogisierte und nummerierte die Moai´s und setzte sich für den Erhalt dieser riesigen Steinkolosse ein. 1985 wird für die von Englert gesammelten Artefakte ein kleines Museum gegründet, das sogar mit "Anthropologisches Museum von Pater Sebastian Englert" den Namen Englerts trägt. In dem Museum wird auf Schautafeln, aber auch mit in Vitrinen ausgestellten Fundstücken über die Geschichte der Osterinsel informiert. Die Erläuterungen auf den Tafeln sind leider nur auf Spanisch, im Eingangsbereich gibt es aber Faltblätter auf Englisch, Französisch und Deutsch. Fotografiert werden darf dort leider nicht. TOP

Das Auge eines Moais aus KorallengesteinDas wohl wertvollste Artefakt dieses Museums dürfte das Auge eines Moais sein, das 1978 während einer Ausgrabung an der Zeremonie-Anlage "Ahu Nau Nau" gefunden wurde. Bis dahin hatte niemand etwas von der Existenz solcher Augen gewusst. Zwar zeigen die Gesichtspartien vieler Moai´s Aussparungen für spezielle Augen, doch zum Zeitpunkt der Entdeckung der Osterinsel durch die Europäer (1722) hatten die Ureinwohner die Augen aller Moai´s entfernt und zerstört; wenigstens wurde in keinem Bericht der ersten Entdecker etwas von diesen markanten Augen erwähnt.

1956 hatte der bekannte norwegische Forscher Thor Heyerdahl bei Ausgrabungsarbeiten an der Zeremonie-Anlage "Ahu Vinapu" bereits ein Stück eines derartigen Artefaktes gefunden, er hielt es jedoch für eine zerbrochene Schale aus Korallengestein, die zu Zeremonie Zwecken genutzt worden war. Zwischenzeitlich sind auch an anderen Ahu-Zeremonie-Stätten ähnliche Funde gemacht worden.

Kirche in Hanga RoaMaria, Madre de Rapa NuiNeben seiner Tätigkeit als Sprachforscher, Archäologe, Publizist oder helfender Missionar war Englert natürlich auch die Seelsorge seiner Mitmenschen sehr wichtig. Er trieb den Bau einer neuen Kirche voran, die 1964 nach zehnjähriger Bauzeit fertiggestellt werden konnte. Auch an und in der Kirche sieht man die Verbundenheit Englerts mit den Einheimischen Rapa Nui. Die Außenfassade der Kirche ist sowohl mit christlichen Symbolen als auch mit Rapa-Nui Motiven verziert. Wohl einmalig dürfte eine Statue im inneren der Kirche sein die einer Marienstatue mit Kind gleicht, aber eine Krone mit einem Vogelmann trägt. Diese Figur nennt sich "Maria, Madre de Rapa Nui" und wurde in den 1970er Jahren auf Beschluss des Ältestenrates von einer Künstlergruppe gefertigt.

Sebastian Englert verstarb am 8. Januar 1969 während einer Vortragsreise in den USA. Seine Urne wurde auf die Osterinsel verbracht und rechts neben der Kirche beigesetzt. Hier befindet sich übrigens auch das Grab des ersten Missionars Eugene Eyraud, der im Jahre 1868, sechs Tage nachdem er alle Rapa Nui getauft hatte, gestorben war. Zum Andenken hängt in der Kirche außerdem noch ein Bild von Englert. TOP

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