Wilhelm Geiseler erforscht 1882 die Lebensgewohnheiten der Rapa Nui

Wilhelm Geiseler erforscht 1882 die Lebensgewohnheiten der Rapa Nui


Wilhelm Geiseler


Nachdem die Osterinsel von den Europäern im Jahre 1722 entdeckt worden war, gab es in den folgenden 150 Jahren mit Carl Friedrich Behrens (1722), Reinhold und Georg Forster (1744) oder dem Missionar Kaspar Zumbohm (1866-71) zwar deutsche Besucher auf der Osterinsel, jedoch keinen deutschen Vertreter, der für deutsche Museen wissenschaftlich fundierte Berichte und Relikte mitgebracht hatte. Deutsches Kanonenboot Hyäne mit Wilhelm Geiseler an BordAus diesem Grund wurde bat der Direktor der Ethnologischen Abteilung der Königlichen Museen, Professor Bastian 1882 die Marine um Unterstützung und Aussendung einer Gruppe Forscher auf die Osterinsel.

Die Königliche Marine beauftragte daraufhin den Kommandanten des Kanonenbootes S.M.S "Hyäne", Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler, bei seiner Fahrt von Valparaiso nach den Samoa-Inseln für einige Tage an der Osterinsel anzulegen, um dort entsprechende Forschungen durchführen zu lassen. Da sich an Bord seines Schiffes kein Forscher befand der den Auftrag hätte fach- und sachgerecht ausführen können, bekam er und sein Zahlmeisteraspirant "Weißer" den "Befehl", auf der Osterinsel "... die dort noch vorhandenen Reste einer früheren Kultur zu erforschen und für die Ethnologische Abteilung der Königlichen Museen nach Kräften tätig zu werden."

Angesichts dieser Voraussetzungen hat Geiseler erstaunliche Ergebnisse nach Berlin geschickt. In den fünf Tagen, die sich Geiseler im September 1822 auf der Insel aufhielt, sammelte er für die königlichen Museen in Berlin insgesamt 87 unterschiedliche Artefakte ein, die von ganz seltenen Ao Tanzpaddeln bis hin zu einfachen Fischernetzen oder Farbproben reichen. Abzeichnung eines Rei-Miros während der Geiseler-Expedition im Jahre 1882Er untersuchte die Kultsätte Orongo, besuchte den Vulkankrater am Rano Raraku, besichtigte die Insel, führte Ausgrabungen durch und machte ethnographische Untersuchungen an der Bevölkerung. Geiseler berichtet über Rasse und Typen der Rapa Nui, Sprache, Schrift, Zahlen oder auch über Sitten und Gebräuche wie Begrüßung, Gastfreundschaft, Tabus, Blutrache, Diebstahl, Ehe, Totenkult bis hin zum Kanibalismus. Er sammelte Informationen über den Glauben, die Religion, Behandlung kranker Personen, Kleidung, Schmuck, Bemalung, Tätowierung, Haar- und Barttracht, Waffen und Geräte, Nahrung, Unterkünfte, Lebensweise bis hin zu einer Auflistung von Vokalen der Rapanui-Sprache. Darüber hinaus fertigte die Geiseler-Expedition diverse Zeichnungen an, darunter eine Abzeichnung eines alten, offensichtlich beschädigten Rei-Miros. TOP

Die Gründe, warum Geiseler in nur einer Woche Forschungsergebnisse in einem Umfang abliefern konnte wofür andere möglicherweise Monate benötigen waren:

1.) Geiseler wurde auf der Osterinsel von Alexander Salomon jr. empfangen und betreut. Salomon war ein Halbtahitianer, stammte mütterlich aus einer tahitianischen Königsfamilie und war Erbe des Salomon / Branders Unternehmen, wozu auch große Teile der Osterinsel gehörten. Salomon war ab 1877 regelmäßig auf der Osterinsel um die dortige Schaffarm zu leiten; er konnte die Rapanui-Sprache und fungierte Geiseler als Dolmetscher.

2.) Als Geiseler auf die Insel kam, standen die Rapa Nui quasi vor ihrer völligen Auflösung. Durch Einschleppung von Krankheiten wie Syphilis und Pocken sowie Versklavung hatten die Europäer die Anzahl der Inselbewohner von ursprünglich mehr als 5.000 Einwohnern auf 150 dezimiert, wobei hiervon noch 20 Tahitier waren.

Chilenische und tahitische Jesuiten, die unter Leitung des französischen Paters Eugéne Eyraud auf der Insel das Christentum verbreiten wollten, hatten davon allerdings um 1870/71 (Geiseler spricht von) rund 400 Rapa Nui zur Mission auf den Gambier-Inseln bringen lassen. Eine gleiche Anzahl an Rapa Nui hatte das Brander Unternehmen als Arbeiter auf seine Plantagen auf Tahiti und Eimeo bringen lassen.

Man hatte den Rapa Nui ihrer Könige und Häuptlinge beraubt (sie waren auf den peruanischen Guano-Abbauflächen - Chincha-Inseln - gestorben) und zu Geiselers Zeit hatten die verbliebenen Ureinwohner niemandem mehr etwas entgegenzusetzen. Geiseler konnte von den Rapa Nui für wenige Dollar oder Tauschgüter wie Hosen so gut wie alles bekommen. TOP


Tabuzeichen auf der OsterinselGeiseler schreibt in seinem Bericht, am ersten Tag seien sie in der Huarewa-Bucht an Land gegangen und hätten etwa 15 Plattformen besichtigt die entlang Küste standen. Diese Plattformen bildeten zu dieser Zeit noch Begräbnisstätten der Eingeborenen und seien allesamt mit Tabu-Zeichen gekennzeichnet, so dass man dort keine Ausgrabungen vornehmen konnte. Die Tabu-Zeichen die Geiseler in seinem Bericht öfter erwähnt, bestanden aus vier rundlich geformten Steinen die Pyramidenartig aufgestellt wurden. Drei Steine lagen unten, ein Stein oben, wobei der obere Stein zumeist hell eingefärbt war, um dieses Tabu-Zeichen auf keinen Fall zu übersehen.

Nach Aussage eines alten Rapanui-Mannes hätten alle Steinidole Namen und er könne auch sämtliche Namen aller Moai´s nennen. Die Moai´s die umgestürzt und zerbrochen seien, wären allerdings nicht mehr am Leben. Als Geiseler von einem umgestürzten 7,50 Meter langen Moai´s ein Stück Ohr abschlagen wollte, gestikulierte der alte Rapanui-Mann, dass dieser Moai´ mit einem Tabu belegt sei und er ihn nicht beschädigen dürfe. Ein Tahitier erklärte, dass die "Kanacken" sonst weinen würden und machte sich darüber dann lustig, worüber der alte Rapanui-Mann sich lange nicht beruhigen wollte.

Anhand der Verwitterungszustände der Moai´s ordnete Geiseler die Steinmonumente in drei verschiedene Zeitepochen ein, wobei er die Moai´s in der Ebene und an der Küste der ältesten Epoche zuordnete. Nach Einschätzung Geiselers befinden sich die jüngsten Moai´s allesamt an der Außenseite des Vulkankraters Rano Raraku; die im inneren Krater befindlichen Moai´s seien bereits wieder wesentlich älter. Die älteren Moai´s würden sich auch grundlegend von den jüngeren Moai´s unterscheiden. Während die älteren Moai´s einen mehr rundlichen Kopf besitzen und auch zum Tragen von Hüten konzipiert sind, seien die Köpfe der Moai´s am äußeren Rano Raraku-Krater länglich und schlank. TOP

Fundamente von Paenga Häuser - Benutzt als Gefängnisse?Am Rano Raraku-Krater (der so genannten Moai-Fabrik) beschreibt Geiseler die von ihm freigelegten Steinfundamente eines so genannten Paenga-Hauses. Der alte Rapanui-Mann der auch bei dieser Untersuchung anwesend war zeigte sich in keiner überrascht und erklärte, in diesen Häusern hätte man Gefangene geschleppt um sie " ... dann gelegentlich einer nach dem anderem..." herauszuholen um "...abgeschlachtet zu werden ...".

Bei Nachgrabungen im Schutt der angefangenen Moai´s fand Geiseler zwei Steinmeißel. Der alte Rapanui-Mann konnte bei den in der Bearbeitung am vorgeschrittenen Moai´s bereits die Namen nennen. Auf dem Kraterrand beschreibt Geiseler mehrere 1 m tiefe und 1 m im Durchmesser gearbeitete runde Löcher. Diese setzten sich bis zur äußeren Spitze fort und dienten nach Auskunft des alten Rapanui-Mannes als Hilfsmittel beim Herablassen der fertigen Moai´s. In diesen Löchern wurden wohl Haltebolzen aus Holz gestellt, um die lange Taue zu den abzusenkenden Moai´s führten. Für die im südlichen Teil des Kraters stehenden Moai´s sei es allerdings wohl unmöglich gewesen, diese über den Kraterrand nach aussen zu schaffen.

Mithilfe des Übersetzers Salomon erzählten die alten Rapanui Geiseler, dass es bei ihren Vorfahren eine bestimmte Kaste gegeben hätte, die diese Steinidole hergestellt hätten. Diese Kaste betrieb das Handwerk gewerbsmäßig und wurde von den Bewohnern als "Idolmacher" bezeichnet. Die Idolmacher wie auch die Bootsmacher genossen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung und erfüllten selbst die Nachkommen noch mit großem Stolz. Die Rapanui berichteten, von einem Idolmacher wurden mehrere Idole zeitgleich angefangen und zu Lebzeiten konnte er lediglich ein oder zwei komplett fertigstellen. TOP

Bei einem Rundgang um den inneren Krater fand Geiseler einige alte Lanzenspitzen aus Obsidian, weitere an der Ostseite des Rano Raraku. In der Ebene östlich des Rano Raraku "bis zur Hügelkette" (gemeint ist wohl die Poike-Halbinsel) und südlich bis zur Küste fand Geiseler ausgedehnte Fundamente der Paenga-Häuser und diagnostizierte, "...dass hier der Hauptsitz der früheren Geschlechter der Insel gewesen sein muss...". Hier fanden sich auf den Grabmählern zumeist auch die Tabu-Zeichen. Für einige Dollars konnte Geiseler sich hier aber eine Grabung erkaufen und förderte Schädel zutage, die er in einer Kiste mit nach Berlin schickte.

Grabmal mit Löcher zum Entweichen der SeelenHier untersuchte er auch 2 Meter hohe, 3 bis 4 Meter lange und 1 1/2 Meter breite "Steinhaufen" (Grabmäler für Häuptlinge), die bis auf zwei faustgroße Löcher komplett zu waren. Nach Auskunft des alten Rapanui-Mannes hatten die Löcher den Zweck, dass die Seelen der Häuptlinge für den Fall daraus entweichen könnten, falls der Schöpfergott Make Make käme um sie zu töten. In solchen Gräbern wurden nur Häuptlinge und Fürsten bestattet, das gemeine Volk der Rapa Nui wurde einfach an den Begräbnisstätten niedergelegt. Hierbei hätten die Seelen der Körper ausreichend Gelegenheit zu entfliehen, falls Make Make aus ihnen einen bösen Geist machen wollte.

In den Steinhäusern der Kultstätte Orongo am Rano Kau entdeckte Geiseler verschiedene Wandbilder von Darstellungen europäischer Segelschiffe und Boote. Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Segelschiffe sowie eine Darstellung von Besuchern die in Booten sitzen oder stehen. Wann Schiffe gezeichnet wurden, also vor, während oder nach der Entdeckung durch die Holländer am 5. April 1722, ist nicht bekannt. TOP

Steinplatten mit Gott Make Make und einem europäischen SegelschiffMöglicherweise handelt es sich bei der ersten Darstellung um das Schiff "Bachelor´s Delight", das im Jahre 1687 lediglich an der Insel vorbei fuhr; es zeigt ein voll besegeltes Schiff, augenscheinlich mit Luken für Kanonen. In dem Steinhaus im dem Geiseler diese Platte fand, stand eine weitere Platte mit der Darstellung einer Gottheit. Die Rapa Nui werden das so fremdartig anmutende Schiff sicher mit ihren Göttern in Verbindung gebracht haben. Wilhelm Geiseler schreibt dazu in seinem Bericht:

"Gerade gegenüber den Eingängen (er meint das Steinhaus) befinden sich im Innern an der Wand zwei größere Steinplatten, auf deren einer die auf Tafel 7 abgezeichnete, mit Erdfarbe gemalte Figur zu sehen war. Die Platte war 0,94 m hoch, oben 0,34 m und unten 0,25 m breit. Das Bild auf der nebenan befindlichen Platte zeigte ein Schiff in rohen Umrissen mit hohem Hinterkastell, wie sie die Schiffe früherer Zeiten hatten."

Steinplatten auf denen die Ankunft der Europäer im Jahre 1722 dargestellt sind?Auf weiteren Steinplatten die Geiseler am Orongo gefunden hat, ist möglicherweise die Ankunft der europäischen Seemänner um Admiral Jakob Roggeveen im Jahre 1722 dargestellt. Diese Platten wurden gemeinsam in einem Steinhaus aufgefunden und zeigen einerseits den Schöpfergott Make Make, andererseits Boote von Fremden , die offensichtlich an Land rudern. In einem großen Boot sind relativ viele Menschen dargestellt.
(Admiral Jacob Roggeveen hat 1722 rund 150 Mann an Land gehen lassen.) Wilhelm Geiseler schreibt dazu in seinem Bericht:

"Wenige Schritte von diesem Steinhause öffnet sich der dicht mit Farnkraut bewachsene Eingang einer 2 m breiten, 2,50 m hohen und 3 m tiefen Höhle, ebenfalls aus Steinplatten errichtet. Von hier aus wurde zur Rechten durch Herausbrechen einer eine Seitenwand bildenden großen Steinplatte in eine verschüttete Wohnung eingedrungen, in welcher gleichfalls zwei auf Steinplatten gemalte Figuren sich befanden. Die Steinplatten fanden sich in derselben Anordnung an der Hinterwand in der Mitte nebeneinander." TOP

Die auf den Platten befindlichen beiden Figuren sind auf Tafel 12 und 13 dargestellt. Die größte derselben zeigt hiernach den Kopf einer Gottheit, die andere Boote mit Personen auf der See. ..."


Zwei Steintafeln am Orongo. sie zeigen eine Darstellung vom Voglemann und ein europäisches SegelschiffIn einem dritten Steinaus fand Geiseler zwei weitere Steintafeln, die ebenfalls auf die ersten Besucher hinzweisen scheinen. Möglicherweise handelt es sich hierbei ebenfalls um ein Segelschiff vom holländischen Admiral Jakob Roggeveen aus dem Jahre 1722. Die Rapa Nui glaubten bei den ersten Europäern, es handele sich um die Ankunft ihrer Götter. Wilhelm Geiseler schreibt dazu in seinem Bericht:

" In einem anderen Steinhause wurden hierauf die auf Tafel 14 und 15 befindlichen Malereien auf den Steinplatten gefunden, von denen die eine ein Schiff in rohen Umrissen, die andere den Gott der Eier bei den Seevögel, von dem später Erwähnung geschehen wird, darstellt."

Über die Rapa Nui selbst schrieb Geiseler, die Inselbewohner lebten vornehmlich vom Anbau von Taro, Yams, Bananen, süße Kartoffeln oder Zuckerrohr; er hätte wilde Schweine gesehen, Hühner, Fische und auch Schildkröten. Besondere Berufsbezeichnungen gebe es nicht mehr; die als Häuptlinge bezeichneten Rapanui hätten weder Macht noch würde man ihnen einen besonderen Respekt entgegenbringen. Die Rapanui Leute seien ohne jeden politischen Halt und jeder sei auf sich gestellt. Alles zeige sich in Auflösung begriffen wie dies in ganz Polynesien nicht zu finden sei. TOP

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