Tahonga - ein wertvolles Kleinod aus Holz
Tahonga
Unter den verschiedenen Holzfiguren der Rapa Nui Glaubenskultur
findet sich ein Objekt mit der Bezeichnung "Tahonga".
Hierbei handelt es sich um eine etwa faustgroße Holzkugel
mit einem Loch zum Einfädeln einer Schnur, um sich dieses
Objekt dann wie eine Kette um den Hals zu hängen oder über
die Schulter zu halftern. Die Tahongas gelten auch als weiblicher
Schmuck für Frauen mit hohem Rang. Vielleicht waren es sogar
die Frauen, für die spätere Generationen dann die so
genannten "Moai-Papas" gefertigt haben. Die einzige bildliche
Dokumentation vom Gebrauch der Tahongas ist eine Zeichnung von
William Hodges, auf der eine Frau von der Osterinsel abgebildet
ist, die einen Tahonga um den Hals trägt. Hodges war Schiffszeichner
bei James
Cook, der die Osterinsel im Jahre 1774 besuchte.
Die Wortbeschreibung "Tahonga" oder auch "Taonga" kommt
im polynesischen Raum öfter vor und bedeutet sinngemäß so
viel wie "Kleinod" oder auch "kostbarer Besitz".
So gesehen könnte man meinen, es sei lediglich wertvoller
Schmuck, so, wie auch viele Anhänger und Ketten in unserer
modernen Zeit ähnlich gewertet werden. Da aber alle Kunstgegenstände
auf der Osterinsel ausschließlich nur für rituelle
Handlungen oder göttliche Symbolik hergestellt wurden ist
anzunehmen, dass es sich bei dem Tahonga ebenfalls um einen Ritualgegenstand
handelt.
Die
(wie gesagt etwa faustgroßen) Objekte haben zumeist
eine etwas ovale (eiförmige) Form, deren Bohrungen für
die Schnur auch in aufgesetzten Wülstungen wie Köpfe
oder Doppelköpfe umkleidet wurden. So zeigen sich beispielsweise
Köpfe von Menschen oder auch von Vögeln (Hühner)
in denen zumeist wieder Augen aus Knochenscheiben als Augapfel
und Obsidian-Steine als Iris eingearbeitet sind. Die Unterseite
des kugelförmigen Objektes ist etwas spitz ausgearbeitet,
so dass der Eindruck einer Ovalform (oder auch eines Ei´s)
entsteht.
Wikipedia sieht die Tahonga´s als Gegenstand an, der Ähnlichkeiten
mit einer Kokosnuss aufweist. Dies wird unter anderem damit begründet,
dass die Oberfläche der meisten Objekte in vier Zonen aufgeteilt
sind und somit einer geschälten Kokosnuss ähneln. Dies
sei umso bemerkenswerter als dass es auf der Osterinsel keine
Kokosnüsse gab. Hier zieht Wikipedia wiederum den Schluss,
dass die Form der Tahonga als eines der ältesten Motive
der Osterinsel über mehrere Jahrhunderte aus der Zeit der
Initialbesiedlung überliefert sei.
Die
britische Historikerin Katherine
Maria Scoresby Routledge berichtet
von einem Ritual innerhalb des Vogelmann-Kultes, bei
dem acht oder neun Kinder mit Tahonga dekoriert von Priestern
zur Orongo-Kultstätte geführt wurden. Dort wurden den
Kindern im Rahmen von Opferzeremonien, Gesängen und Tänzen,
Hühnereier überreicht. Wikipedia schreibt, die genaue
Bedeutung dieser Zeremonie ist nicht überliefert, das Ei
deute jedoch auf einen Fruchtbarkeitsritus.
Schaut man sich die Tahonga´s an, so könnte es sich
bei allen Exemplaren tatsächlich um Eier handeln. Anstelle
des Ei´s könnte man in den Tahonga´s auch einen
Schwangerschaftsbauch (oder auch Uterus) von Ariki-Gefährtinnen
sehen, aus dem Kinder wachsen sollten die später vom Schöpfergott
Make Make zu bedeutenden Vogelmänner auserkohren werden.
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