Ao und Rapa – Rangabzeichen und Symbol für die Macht des Vogelmannes ?

Ao und Rapa – Rangabzeichen und Symbol für die Macht des Vogelmannes ?


Ao und Rapa


Ao und Rapa - TanzpaddelAo - Ritual-Paddel als Machtsymbol für den VogelmannDie Rapa Nui auf der Osterinsel nutzten bei Festen und Ritualtänzen so genannte Tanzpaddel, die sie "Ao" und "Rapa" nannten. Vom Substantiv her bedeutet "Ao" in der Sprache der Rapa Nui so viel wie "Person mit Macht, Einfluss und Befehlsgewalt". Vom Adjektiv her bedeutet "rapa" so viel wie "glänzend, scheinend, leuchtend". Entsprechend diesen Bezeichnungen wurden die Tanzpaddel auch wohl eingesetzt.

Ein Ao war das höchste Rangabzeichen von Priester die nach Glauben der Rapa Nui die Fähigkeit hatten, bei Trockenheit sogar Regen herbei zu beschwören. Die Ao´s kamen auch bei Ritualtänzen des Vogelmanns zum Einsatz, wurden aber vornehmlich als Zeichen der hohen Würde von ihren Besitzern in der Öffentlichkeit getragen. Nach Meinung des Geistlichen Sebastian Englert, der jahrzehntelang auf der Insel wirkte, war alleine das Halten des Ao Paddels für die Rapa Nui das sichtbare Zeichen dafür, dass dieser als Vogelmann, göttliche Macht (Mana) über alle Stämme der Insel ausüben konnte. Auf den noch erhaltenen RongoRongo-Schrifttafeln ist das Ao Tanzpaddel auch eines der häufigsten Schriftzeichen überhaupt. Auch Forscher sehen eine enge Verbundenheit des Ao Tanzpaddel mit dem Vogelmann-Kult. Dies wird mit den weiß-roten Farbstreifen begründet, die sowohl auf dem Ao als auch in den Steinhäusern am Orongo-Kultplatz gefunden wurden. TOP

Rapa - TanzpaddelVom Grundsatz her ist die dargestellte Symbolik auf beiden Paddeln gleich. Sowohl die Ao als auch die Rapa sehen (fast) aus wie Kanu-Paddel, nur wenn man genau hinsieht, erkennt man eine Menschengestalt vom Kopf bis zu den Lenden (ähnlich wie die Moais). Auf dem oberen Blatt (zu mindestens bei den Ao´s) ist beidseitig deutlich ein Gesicht mit Augenbrauen, Augen, Nase und langen Ohrläppchen zu erkennen (bei den Rapa´s sind diese Attribute nur stilistisch dargestellt). Das untere Blatt sieht aus wie ein wohl genährter Bauch. In der Fortführung dieses Blattes ist ein kleiner Fortsatz erkennbar der zunächst aussieht als sei es eine kleine Verlängerung zum Schutz beim Hinstellen der Reliquie. Bei diesem Fortsatz könnte es sich aber auch um einen angedeuteten Penis handeln, dies wird bei den kleinen Rapa Paddel noch deutlicher. Hier zeigt sich ein etwa sieben Zentimeter langer runder Fortsatz um den ein ringförmig geschnitztes Band gelegt ist, also möglicherweise tatsächlich die Darstellung eines erigierten Penisses.

Die Deutung als Penis wird durch einen Bericht des Schweizer Ethnologen Alfred Métraux untermauert. Hier heißt es, sein Gewährsmann Tepano habe Osterinsulaner bei Ritualtänzen gesehen, die die kleineren Rapa-Paddel während des Tanzes zwischen den Beinen hin und her schwangen und dabei eindeutige obszöne Bewegungen vollzogen haben. Briefmarke zum Thema Ao TanzpaddelBei Wikipedia heißt es aber auch, die Rapa-Paddel waren Attribute der "timo ika", die Verantwortlichen für Begräbniszeremonien. Diese hatten die Aufgabe, verstorbene Würdenträger für die Aufnahme in der Begräbniskammern der Ahu´s vorzubereiten. Hier ging es unter anderem dann um die Abwehr und Verbannung böser Geister. Laut Wikipedia sollen die Rapa-Paddel auch bei Begräbnissen von im Kampf getöteten Krieger verwendet worden sein.

Es scheint fast so, als seien die Rapa-Paddel nur Abbildungen von den Ao Paddeln oder symbolische Macht-Darstellungen als Werkzeug zur Verstärkung der Ritualtänze. Dies zeigt sich auch in der Ausarbeitung der Paddel. Nur die Ao´s wurden bemalt und erhielten Augen aus Knochenplättchen als Augapfel und Pupillen aus schwarzem Obsidian-Stein. Die Rapa-Paddel zeigen dagegen nur stilistische Darstellungen und sind ausnahmslos farblos hochglänzend poliert.

Die Ao-Paddel sind auch wesentlich größer als die Rapa-Paddel und dies liegt sicherlich in ihrer jeweiligen Bedeutung. Während die Ao´s bis zu 2,20 Meter lang sein konnten, hatten die Rapa lediglich eine Länge von etwa 70 Zentimeter. Beide Objekte wurden aus dem relativ seltenen Toromiro-Holz gefertigt, eine Baumart, die bereits auf der Osterinsel als ausgestorben galt und nur durch einen glücklichen Umstand erhalten und wieder zurückgebracht werden konnte. TOP

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