Holzobjekte und Schnitzereien von der Osterinsel
Holzschnitzereien von der Osterinsel
Obwohl die Rapa Nui eine Reihe von herausragenden
Kunstobjekten geschaffen haben scheint es fast so, als hätten
die Osterinsulaner so etwas wie eine darstellende Kunst nur der
Schönheit
Willen nicht gekannt. So gut wie alle Objekte die aus der alten
Kultur der Rapa Nui stammen, hatten einen religiösen Hintergrund.
So gibt es beispielsweise eine Reihe von Moai-Holzdarstellungen,
wie die Moai Kavakava, Moai Tangata, Moai Papa oder den Moai Tangata
Manu mit einer besonderen Aussagekraft und Symbolik.
Bei dem Moai
Kavakava handelte es sich nach Einschätzung
der Fachwissenschaft um Darstellungen von Ahnen die zu Lebzeiten
herausragende Persönlichkeiten waren wie beispielsweise
hohe Priester und Fürsten mit königlichem Status die
wohl ein gottgleiches Ansehen hatten. Bei den Moai Tangata handelte
es sich Darstellungen von männlichen Ahnen, die zu Lebzeiten
ebenfalls einen besonderen Status gehabt haben müssen um
dargestellt zu werden; ebenso wie die Moai Papa Figuren, eine
ausnahmslos weibliche Variante der Ahnendarstellungen. Bei den
Moai Tangata Manu handelt es sich um Holzdarstellungen vom Vogelmann,
nach Glauben der Rapa Nui der erstgeborene Sohn des Schöpfergottes
Make Make; in der christlichen Lehre würde man den Vogelmann
wohl mit Jesus Christus vergleichen können.
Dem Bereich der Geister kann man die so genannten "Moko"-Figuren
zuordnen, Holzdarstellungen eines Mischwesens aus einer auf der
Insel lebenden (12 Zentimeter langen) Echsenart mit menschlichen
Attributen wie Rückgrat, Rippen, Arme, Hände, Nase
sowie mit einem Penis oder einer Vulva. Diese Figuren wurden
zum Schutz bzw. Abwendung böser Geister eingesetzt und waren
quasi das Handwerkzeug der hohen Priester.
Eine etwa faustgroße (etwas eiförmige) Holzkugel
nennt sich "Tahonga" und sollte wohl ein Fruchtbarkeitssymbol
darstellen, das ausnahmslos von Frauen oder besonders ausgewählten
Kindern zumeist um den Hals getragen wurde. Die Fachwissenschaft
ist sich nicht ganz einig, wie man diese Kugel einzuordnen hat. "Tahonga" heißt
in der polynesischen Sprache in etwa "Kleinod" oder "kleine
Kostbarkeit". Aus der Tahonga schauen oft zwei kleine Köpfe,
so als würden gerade Nachkommen schlüpfen.
Als Schmuck und Rangabzeichen können wohl die mondsichelartigen "Rei
Miro" eingeordnet werden. Nach Meinung der Fachwissenschaft
galten die Rei Miro als Attribute der besonderen Macht und Autorität
der Häuptlinge. Die ersten europäischen Entdecker berichten,
dass dieses Artefakt von ihren Besitzern während eines Festes
getragen wurden oder auch von den zu diesen Häuptlingen
gehörenden Frauen; vielleicht um zu dokumentieren, dass
sie von Geburt einen hohen Status erworben haben oder auch um
zu dokumentieren, welche Würde das Familienoberhaupt hatte, ähnlich
den Meistergürteln heutiger Boxweltmeister.
 Ebenfalls als Rangabzeichen werden die so genannten Tanz-Paddel "Ao" und "Rapa" gewertet.
Die Fachwissenschaft geht sogar davon aus, dass die "Ao" Tanz-Paddel
das Symbol für die absolute Macht schlechthin gewesen ist.
Dieser Paddel hatte eine Größe von bis zu 2,20 Metern
und wurde nur von dem höchsten Priester bzw. Häuptling
getragen. Obwohl die Ao und Rapa die Form von Kanu-Paddeln haben,
erkennt man bei genauerem Hinsehen doch die stilistische Form
eines Menschen; ein Schild als Kopf, das zweite Schild als wohlgenährter
Bauch mit einem Penis. Die wesentlich kleinere Rapa wurde bei
Fruchtbarkeitstänzen eingesetzt, so wenigstens die Beschreibungen
der ersten europäischen Entdecker.
Als weiteres Symbol des Standes und der Macht waren die so genannten
Ua-Stäbe, andere sagen auch Ua-Keulen. Hierbei handelte
es sich um stock- oder keulenartige Objekte mit einer Größe
von bis zu 180 Zentimeter, als Knauf ein geschnitzter Menschenkopf
der ohne Hals in den Stab überging. Thor Heyerdahl meinte,
bei den Ua´s handelte es sich um Kriegswaffen, die Fachwissenschaft
ist allerdings der Meinung, es seien Symbole für den Rang
ihrer Besitzer.
Nicht als Kunst sondern als Dokumentation kann man wohl die
so genannten RongoRongo Schrifttafeln werten. Hierbei handelt
es sich um Holztafeln mit Piktogrammen die als anthropomorphe
Figuren, Pflanzen, Körperteile, Tiere, grafische und astronomische
Symbole dargestellt sind. Leider sind von diesen Objekten nur
25 sicher dokumentierten Tafeln erhalten geblieben. Aufgrund
ihrer Seltenheit und Einzigartigkeit konnten die Zeichen bisher
nicht entziffert werden. Man nimmt an, es werden religiöse
Anweisungen, Berichte oder Geschichten beschrieben.
Es sind noch einige wenige andere Holzobjekte von der Osterinsel
dokumentiert, die sich nicht einordnen lassen und offenbar auch
nicht häufig dupliziert wurden. Unter anderem handelt es
sich um heterogene menschliche Figuren oder auch Körperteile
aber auch um tierische Darstellungen von Tintenfischen, Meeresschildkröten,
Vögeln (u.a. ein Hahnenkopf), Schnecken oder Fischdarstellungen.
Einige dieser Objekte haben Ösen zum Einfädeln von
Bändern, wohl um diese Objekte als eine Art Kettenanhänger
tragen zu können.
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