Paina-Figur - die drei Meter hohe rituelle Strohpuppen

Paina-Figur - die drei Meter hohe rituelle Strohpuppen


Paina Figur


Paina FigurPaina FigurNeben den vielfältigen Holzschnitzarbeiten der Rapa Nui auf der Osterinsel fertigten die Osterinsulaner noch eine etwa drei Meter große "Paina"-Figur, die wir wohl als eine Art "Strohpuppe" bezeichnen würden, nur dass diese Puppen neben Holz (elastischen Zweigen), aus Totora Schilf und Tapa-Rindenbaststoff gefertigt wurden. Aufgrund des vergänglichen Materials ist heute kein einziges Exemplar mehr erhalten. Der Missionar Pater Eugène Eyraud, der sich zwei Jahre auf der Insel aufhielt und 1868 sogar in Hanga Roa starb berichtete, die Puppen wurden unter anderem aus den Schilfhalmen gefertigt, die zuvor zum Abdecken von Speisen für ein Fest benutzt worden waren.

Der Schweizer Ethnologe Alfred Métraux hat der Nachwelt aber eine gute Beschreibung dieser Puppen geliefert, der sich von Juli 1934 bis Januar 1935 auf der Osterinsel aufhielt, um dort an einer Expedition des Pariser Musée de l'Homme teilzunehmen.

Laut Métraux´s Beschreibungen bestanden die Paina-Figuren aus einem Holzgerüst und Totora-Schilf um das Tapa-Rindenbaststoff in Form einer Puppe gezogen war. Die Puppe wurde mit schwarzer, gelber und roter Farbe bemalt, auf dem Kopf trugen die Puppen einen Haarkranz aus Federn des Fregattvogels, die Augenbrauen bestanden ebenfalls aus Federn. Die Augäpfel bestanden aus Knochenscheiben menschlicher Schädel, die Pupillen aus schwarzen Muschelschalen. Der Mund war geöffnet. Die Puppen waren so groß, dass Tänzer in die Puppe einsteigen und durch den Mund nach außen sehen konnten. TOP

Paina Figur von der OsterinselPaina-Puppe von der OsterinselVon den Paina-Puppen gab es laut Métraux männliche und weibliche Darstellungen. Die männlichen Puppen waren mit anderen Tätowierungen bemalt als die weiblichen und waren somit gut zu unterscheiden. Unter anderem trugen die männlichen Statuetten senkrechte Linien am Hals, die weiblichen Statuetten dagegen Punkte auf der Stirn sowie schwarze Dreiecke auf den Wangen.

Don Felipe Gonzáles de Haedo der sich 1770 auf der Osterinsel aufhielt berichtet ebenfalls von diesen Puppen und erwähnt, dass sie auch Arme und Beine besaßen, dass die Augen nur grob gefertigt waren und dass der Haarschopf aus schwarz gefärbten Binsen bestand die so lang waren, dass sie der Puppe zur Hälfte am Rücken herunter hingen.

Der französische Entdecker und Weltenbummler Jean-François de La Pérouse berichtet über die Paina-Figuren die er anlässlich seines Aufenthaltes im April 1786 gesehen hatte. de La Pérouse berichtet, er habe auf einer Ahu-Zeremonie-Plattform, auf der nicht mehr alle Moai´s aufrecht standen, eine etwa 3,20 Meter große Paina-Puppe aber auch eine etwa 70 Zentimeter kleine Paina-Puppe gesehen, die dort abgelegt bzw. abgestellt waren. Die Figuren seien hell eingefärbt, die Köpfe hätten die Größe eines Menschenkopfes, die im Verhältnis zu den Körpern wohl proportionierten Beine seien abnehmbar gewesen. Um den Hals hätte man den Paina-Figuren ein Netz gehangen das wie ein Körbchen geformt und "mit weißem Zeuge" überzogen war. Für de La Pérouse sah es so aus, als hätten in dem Körbchen Kräuter gelegen. Die Puppen sahen aus, als seien sie noch nicht sehr alt gewesen. TOP

Die britische Historikerin Katherine Routledge berichtet, die Paina sei eine große Figur aus verflochtenen Ruten gewesen, in der ein Träger hineinschlüpfen und durch den Mund nach außen sehen konnte. Laut Routledge waren an den Köpfen der Paina lange Ohren angebracht.

Katherine Routledge berichtet, die Paina-Figuren wurden Verwandten als Beweis ihrer Wertschätzung gewidmet und dabei wurde nicht unterschieden, ob diese Personen noch lebten oder schon verstorben seien. Die Ritualgesten seien allerdings von einem hochrangigen Priester (Ivi-Atua) fest vorgeschrieben.

Während Pater Eugène Eyraud im Jahre 1867 berichtete, die Paina-Figuren seien in Zusammenhang mit einem mehrtägigen Fest während der Sommerzeit (sicherlich Festlichkeiten um den Vogelmann-Kult) zum Einsatz gekommen, berichtet Katherine Routledge (1914/15), man hätte die Paina´s unter anderem an Orten errichtet, an dem das Puppen-Pedant ermordet worden war. Üblicherweise aber wurden die Paina´s in der Nähe von Ahu-Zeremonie-Plattformen aufgestellt, sie selber habe noch Löcher in den Pflasterungen oder im Gras gesehen, wo einst Paina´s gestanden hätten. Die Paina´s, so Routledge, hätte man mit vier Seilen befestigt, wobei ein Seil über die Ahu-Plattform geführt wurde.

Weltweit sind wie gesagt keine kompletten Paina´s mehr erhalten. Im Ulster-Museum in Belfast befindet sich ein etwa 40 Zentimeter langer Arm eines Paina´s mit einer Füllung aus Binsen. Geht man von den Proportionen aus, so müsste die gesamte Figur eine Größe von etwa 120 Zentimeter gehabt haben. An der Hand befinden sich Fingernägel in der Form von Hundeklauen. Da es vor der Entdeckung der Osterinsel durch die Europäer außer Ratten keine Säugetiere auf der Insel gab, muss die dazugehörige Figur nach 1722 entstanden sein. Der Paina-Arm gelangte 1836 in den Besitz des Museums und war ein Geschenk vom Weltreisenden und Sammler Augustus Thomso. Wie Thomso zu diesem Arm kam, ist nicht dokumentiert und daher ist nicht 100-prozentig sicher, dass der Arm auch tatsächlich von der Osterinsel stammt. TOP

Im Peabody Museum of Archaeology and Ethnology der Harvard Universität finden sich zudem zwei 40 und 48 Zentimeter große Nachbildungen aus Holzstäben, Totora-Schilf und Tapa-Rindenbaststoff, die 1850 aus der Privatsammlung des Kunstmäzens David P. Kimball aus Boston an das Museum gegeben wurden. Unter welchen Umständen Kimball in den Besitz dieser Figuren kam, ist nicht dokumentiert.

200 Pesos-Münze mit einer Paina-Abbildung auf der Rückseite500 Pesos Münze mit einer Paina-Abbildung auf der RückseiteEs gibt übrigens zwei Pesos-Münzen (aus einer Sammler-Edition) auf die das Abbild einer Paina-Figur angebracht sind. Zu finden sind sie auf den Rückseiten der 200 Pesos- und 500 Pesos-Münzen. Dies ist insofern eine Besonderheit, als dass alle anderen Münzen auf der Rückseite das Abbild eines Moai-Kopfes tragen. Auf der Vorderseite der 200 Pesos Münze befindet sich ein Hammerhai, eine Anspielung auf den für die frühen Osterinsulaner so wichtigen Fischfang. Sie ist die einzige Pesos-Münze, auf der kein Moai abgebildet ist.

Auf der Vorderseite der 500 Pesos Münze sind Moais auf einem Ahu abgebildet. Es sieht so aus, als handele es sich um die Ahu-Anlage Akivi, eines der wenigen Ahu-Anlagen im inneren der Insel, auf dem auch Moais aufgestellt wurden. Es heißt, die sieben Moais auf der Ahu-Anlage Akivi stehen für die sieben Kundschafter, die der Legende nach der Gründerkönig Hotu Matua einst ausgesandt hat, um für ihn eine neue Heimat zu finden. TOP

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