Rongorongo - Zeichen 400-499 - Kopf in Seitenansicht auf diversen Körperformen und Gestalten mit Pantomimik

Rongorongo - Zeichen 400-499 - Kopf in Seitenansicht auf diversen Körperformen und Gestalten mit Pantomimik


Rongorongo Zeichen 400-499

siehe auch die Fachseiten von Dr. Thomas Barthel
Beschreibung siehe --> hier!

Rongorongo - Zeichen 400-499 - Kopf in Seitenansicht auf diversen Körperformen und Gestalten mit Pantomimik

Thomas Barthel - Beschreibung aus KAPITEL 3 - Die Wiedergabe der Schriftzeichen durch Kennziffern: TOP

Die Texte auf den Schrifttafeln von der Osterinsel bestehen aus langen Reihen einzelner oder miteinander verbundener Zeichen. Geometrische und figürliche Formen folgen in reichen Abwandlungen, und Einzelelemente werden zu neuen Gestalten verschmolzen.

Eine Fülle graphischer Erscheinungen galt es zu sichten und zu ordnen, wobei bloße Schreibvarianten auf ihren traditionellen Grundtypus zurückgeführt werden mußten. Diese Aufgabe war für die geometrischen Formen leichter zu lösen als für anthropomorphe oder zoomorphe Figuren. Um die Bauelemente der Osterinselschrift zu erfassen, wurden zunächst sämtliche Einzelzeichen kopiert und nach der äußeren Ähnlichkeit gruppiert. Von hier aus ließen sich dann fast ausnahmslos die Komponenten solcher Bauformen ermitteln, in denen zwei oder mehr Einzelzeichen miteinander verbunden auftraten. Bis auf einen verschwindend kleinen Rest konnte der Zeichenbestand nach vergleichend-formenkundlichen Gesichtspunkten geordnet werden. Es gelang, die nachweislichen Variationsbreiten der einzelnen Schreiber soweit abzustimmen, daß alle wesentlichen Merkmale der graphischen Elemente zutage traten. Aus den individuellen Erscheinungsformen und Abwandlungen jedes Bauelementes wurde so der zugehörige Grundtypus erarbeitet.

Die Vielzahl an graphischen Formen muß nun nicht nur durch stilisierte Grundtypen bewältigt werden, sondern auch in ihrer Benennung klar und eindeutig faßbar sein. Eine Deskription der einzelnen Bauelemente mit Hilfe der Sprache erweist sich als überaus schwerfällig und umständlich. Setzt man jedoch für Zeichen mit unbekannten Bedeutungsinhalten Symbole in Gestalt von Kennziffern, so wird die weitere Behandlung in einen neutralen Raum verlegt. Die numerische Wiedergabe von Schriftelementen hat sich in der Geschichte der Entzifferungen mehrfach bewährt, und Ansätze in dieser Richtung liegen auch für die Osterinselschrift bereits vor 1).

1) Vgl. hierzu auch Barthel 1958

Allerdings beschränken sich alle bisherigen Versuche auf die Bearbeitung von Teilmaterialien. Sie können auf zwei verschiedene Ausgangspunkte zurück verfolgt werden.

a) Wolff (1945 und 1948) und nach ihm in erweiterter Form Lanyon-Orgill (1953) benutzten die nach dem Tode von Bischof Jaussen veröffentlichte Zeichenliste aus dem Jahre 1893, um Tafeltexte ganz oder auszugsweise durch Kennziffern wiederzugeben. Gegen die Anwendung einer solchen Methode müssen jedoch ernsthafte Einwände erhoben werden:

  1. Die "Jaussen-Liste" ist unvollständig. Sie enthält nicht einmal alle Formen, die sich auf den vier von Metoro besungenen Tafeln befinden. Der tatsächliche Zeichenbestand der Osterinselschrift wird also damit nicht ausgeschöpft.
  2. Die Abbildungen in der "Jaussen-Liste" geben die Zeichen häufig ungenau wieder und reichen oft für eine sichere Bestimmung nicht aus. Typische Merkmale werden nicht standardisiert und charakteristische Einzelheiten sind vernachlässigt. Dadurch ist das Auffinden bestimmter Formen erheblich erschwert. TOP
  3. Die "Jaussen-Liste" gruppiert vielfach unter einer gemeinsamen Bedeutung ganz verschiedene Formen. Von solchen Fällen abgeleitete Bezifferungen sind mithin mehrdeutig und müssen zu einer Quelle von Irrtümern und Mißverständnissen in der numerischen Textumschrift werden.
  4. Andererseits führt die "Jaussen-Liste" gleiche Zeichen unter mehreren Bedeutungen auf. Die Folge davon ist, daß ganz verschiedene Kennziffern für dieselbe graphische Form gesetzt werden können.
  5. Die "Jaussen-Liste" enthält sowohl einfache wie zusammengesetzte Zeichen. Gerade die Kombinationsfähigkeit von Einzelelementen spielt nun bei der Erforschung der Osterinselschrift eine hervorragende heuristische Rolle und muß deshalb bereits auf der Stufe einfacher technischer Vorarbeiten berücksichtigt werden. Bei einer durchlaufenden Nummerierung der "Jaussen-Liste" geht dieser wesentliche Unterschied verloren.
  6. Die schwersten Bedenken sind grundsätzlicher Art. Sie gelten dem Umstand, daß sich die "Jaussen-Liste" auf Deutungen baut, deren Berechtigung im Einzelnen umstritten oder überhaupt erst noch durch ein kritisches Quellenstudium zu erweisen ist. Wenn bereits im ersten Stadium einer Analyse subjektive Bewertungen eingeführt werden, dann bilden sich leicht verhängnisvolle Voreingenommenheiten, die der sachlichen Aufhellung nicht förderlich sind. Prinzipiell muß eine Umschrift auch für jede spätere Deutung geeignet sein und nicht nur für eine historisch gebundene, wie das bei der "Jaussen-Liste" der Fall wäre. Eine Wiedergabe der Schriftzeichen durch neutrale Kennziffern muß notwendigerweise von den graphischen Elementen ausgehen und nicht von irgendwelchen vermuteten Inhalten.


b) Im Jahre 1925 stellte Piotrowski die Zeichen auf den beiden Tafeln von Leningrad ("P" + "Q") in einer Liste von 227 Formen zusammen. Für die Tafel "Atua-mata-riri" untersuchte Ross 1940 den Zeichenschatz und fand 163 verschiedene (einfache und zusammengesetzte) Formen. Anstelle der graphischen Einheiten setzte er dann Kennziffern zwischen 1 und 163 ein und konnte so den Text durch eine Zahlenfolge darstellen. Zur gleichen Zeit wandte Métraux ein subtileres Verfahren für die Tafel "Aruku-Kurenga" an. Die Koppelung von Zahlen mit Buchstaben sollte helfen, formenkundliche Untergruppen abzugrenzen. Das System von Métraux enthält aber den Mangel, daß in ihm identische Kombinationen verschieden bezeichnet werden 1). Die ungenügende Differenzierung menschenförmiger Zeichen nach Körperhaltung und Handstellung erklärt sich aus Métraux's Konzeption hinsichtlich solcher Details, die er als mehr oder minder ornamental betrachtete. TOP

1) Doppelbenennungen für die gleiche zusammengesetzte Form treten beispielsweise auf bei: 1d = 22h; 1f =39b; 3b = 79b;
    22g = 88b etc. Vgl. 1940, fig. 58.

Alle Vorläufer hatten sich mit Ausschnitten des erhaltenen Schriftgutes begnügt. Ein zutreffendes Bild läßt sich aber nur unter Berücksichtigung aller Inschriften gewinnen. Mit den eingangs geschilderten "Grundtypen" wurde deshalb ein umfassendes System von Kennziffern aufgebaut. Die Formentafeln 1–8 stellen das Ergebnis dar. Auf einen Spielraum der Ziffern von 1 bis 799 verteilen sich die erkannten Schriftzeichen. Ihre Formen sind leicht stilisiert und nur dort, wo es angemessen erschien, durch häufige oder besonders charakteristische Varianten ergänzt. Es kam vor allem darauf an, die Grundzüge des Formenschatzes aufzudecken. Seltene und atypische Zeichen mögen mitunter später anders beurteilt oder weiter zergliedert werden; für die praktische Arbeit entscheidend sind die sich häufiger wiederholenden graphischen Elemente. Das System ist bewußt offen gehalten, um Ergänzungen zu ermöglichen, mit denen beim Auftauchen neuer Schriftdenkmäler immer- gerechnet werden muß. Von den 799 Positionen sind bisher 603 belegt, davon 322 mit solchen Zeichen, die wenigstens dreimal in den Texten vorkommen.

Für Zuordnung und Verteilung auf die acht Tafeln waren teils statistische, teils formenkundliche Erwägungen maßgebend.

Die ein- und zweistelligen Kennziffern umfassen die häufigeren geometrischen Zeichen.

Die einstelligen Kennziffern bilden den Ausgangspunkt für eine ungefähre Gruppierung der zweistelligen Kennziffern nach der äußeren Form der Schriftzeichen. (Tafel 1)

Die dreistelligen Kennziffern verteilen sich auf:

100–199: seltene geometrische Formen und Personifizierungen (Tafel 2)
200–299: anthropomorphe Figuren mit Kopf in Vorderansicht (Tafel 3)
300–399: anthropomorphe Figuren mit Kopf in Seitenansicht (Tafel 4) TOP

Innerhalb der Kennziffern für die Gruppe menschenförmiger Gestalten (200–279, 300–379) liefert die Zehnerstelle den Hinweis auf die charakteristische Körperhaltung:

0 = stehend; stehend mit erhobenem Arm
1 = stehend; beide Arme erhoben
2 = laufend; laufend mit erhobenem Arm
3 = kniend
4 = sitzend in Vorderansicht, (mit erhobenem Arm)
5 = sitzend in Vorderansicht, beide Arme erhoben
6 = "Schneidersitz"
7 = sitzend in Seitenansicht, mit Adnexen

Die jeweilige Handform ist aus der Einerstelle zu entnehmen: 1 vgl. Zeichen 61

2 vgl. Zeichen 62
3 vgl. Zeichen 63
4 vgl. Zeichen 64
5 vgl. Zeichen 10
6 vgl. Zeichen 6

Die weiteren Tafeln sind besetzt mit:

400–499: Kopf in Seitenansicht auf diversen Körperformen und Gestalten mit Pantomimik (Tafel 5)
500–599: Besondere Kopfformen (Tafel 6)
600–699: Vogel-Gestalten (Tafel 7)
700–799: Sonstige Tierformen (Tafel 8) TOP

Durch kleine Zusatzbuchstaben zu den jeweiligen Kennziffern lassen sich gewisse Eigentümlichkeiten der Zeichen beschreiben:

a–e sind Varianten vorbehalten
f Umriß der Normalform ganz oder teilweise mit kleinen Strichen (Fäden, Federn oder Haaren) besetzt
s Schmuckelement hängt herab vom Ellenbogen
x Zeichen gegenüber Normalposition auf den Kopf gestellt
y Blickrichtung entgegengesetzt zur Normalposition

Mitunter werden Zeichen nicht in ihrer normalen Größe geschrieben, sondern auf die Hälfte oder ein Drittel reduziert.
Verkleinerungsformen, die "hochgestellt" 1) werden, erhalten nach der Kennziffer "h" als Zusatzbuchstaben; bei "Tiefstellung" 2) "t" als Zusatzbuchstaben.

1) Oberes Zeichenende reicht bis an die obere Zeilenbegrenzung.
2) Unteres Zeichenende berührt untere Zeilenbegrenzung.

Varianten vom Grundtypus können nach Bedarf durch den Großbuchstaben "V" (Variante) vor der Kennziffer unterschieden werden. In gewissen Fällen lassen sich Zeichen nur teilweise identifizieren, entweder weil sie beschädigt sind, oder weil sie ungewöhnliche Ligaturen eingehen, die sich noch nicht befriedigend aufschlüsseln lassen. Soweit ein typisches Merkmal zu erkennen ist, kann der Großbuchstabe "D" (Derivat) vor die mutmaßlich zugehörige Kennziffer gesetzt werden. Zeichen fraglicher Lesart erhalten ein Fragezeichen nach der Kennziffer; ist eine Entscheidung über die Zuordnung graphischer Formen nicht eindeutig, so werden vermutete Kennziffern mit nachgestellten Fragezeichen gesetzt und durch einen Schrägstrich abgetrennt. Ist ein Zeichen derartig verstümmelt, daß es sich nicht mehr identifizieren läßt, so stehen drei Punkte.

Das gilt auch für singuläre Formen, bei denen die Einordnung in die Typentafeln zurückgestellt wurde. Größere Textlücken können durch längere Punktreihen markiert werden. Relativ häufig sind im Text zwei oder mehr Zeichen miteinander verbunden. Derartige Formen können auf Kursivschreibung beruhen oder echte Ligaturen darstellen. Um solche handelt es sich, wenn die an ihrem Aufbau beteiligten Einzelzeichen damit eine konstant nachweisbare Vergesellschaftung erfahren. In der Regel werden Zeichen horizontal verbunden, was in der Umschrift durch einen Punkt zwischen den jeweiligen Kennziffern ausgedrückt wird. Für die selteneren Fälle, in denen Zeichen übereinander angeordnet sind, steht ein Doppelpunkt.

Die Wiedergabe von Texten der klassischen Osterinselschrift durch ein System von Kennziffern ermöglicht eine systematische und lückenlose Erforschung. Die Tafeln sind jedoch nicht nur ein nützliches Werkzeug bei der Transkription, sondern enthalten bereits in übersichtlicher Form Reihen und Gruppierungen thematischer Natur. TOP

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