Osterinsel - Thor Heyerdahl - Theorie der Dreifachbesiedlung
Osterinsel - Thor Heyerdahl - Theorie der Dreifachbesiedlung
Würde es Thor Heyerdahl nicht geben, so wäre sich die
Wissenschaft einig, die Osterinsel wurde von Polynesien aus besiedelt.
Aber, am 6. Oktober 1914 wurde der Norweger Thor Heyerdahl geboren,
der von 1937 an bis zu seinem Tod im Jahre 2002 alles versuchte
um zu beweisen, dass die Osterinsel von Südamerika aus besiedelt
worden sei.
Während seiner 1-jährigen "Hochzeitsreise" 1936
auf der polynesischen Insel Fatu Hiva hörte Heyerdahl erstmalig
die Legenden eines Volkes unter dem Gottkönig Tiki, das
von Osten her Inseln im polynesischen Raum besiedelte. Als er
dann feststellte, dass es in Südamerika Legenden um einen
Gott Kon-Tiki gab und dass der Wind und die Strömung mehr
oder weniger das ganze Jahr von Osten auf Polynesien zukamen
war er davon überzeugt, dass die Polynesischen Inseln (oder
einige davon) zunächst von Südamerika aus besiedelt
wurden. Seine Theorie war geboren, er forschte in Peru, er forschte
auf den Marquesas Inseln und 1947 wollte er mit seiner Kon-Tiki-Flosfahrt
sogar beweisen, dass auch die erste Einwanderungswelle auf der
Osterinsel direkt aus Südamerika gekommen sei.
Aus Sicht seiner Kritiker hatte die berühmte Kon-Tiki-Flosfahrt
allerdings bereits im Ansatz einen "Schönheitsfehler",
Heyerdahl ließ sein Boot nämlich von Callao aus, dem
Hafen von Lima (Peru), erst in den Humboldt-Strom ziehen, bevor
er die 8000 Kilometer mittels Strömung und Passatwinde zu
den Marquesas-Inseln schaffte. An der Osterinsel war er hunderte
von Seemeilen vorbei gesegelt und hatte seine Theorie somit nicht
beweisen können.
Aber Heyerdahl ließ sich nicht beirren und meinte nachgewiesen
zu haben, dass es für die frühen Peruaner mit einfachsten
Mitteln möglich war, die polynesischen Inseln und auch die
Osterinsel zu erreichen. Heyerdahl hatte für die Floßfahrt
gerade einmal 101 Tage benötigt, außerdem wies er
nach, dass ein Floß aus frischem Balsaholz rund zwei Jahre
im Wasser schwimmen kann.
1952 / 53 führte er auf den Galápagosinseln eine
archäologische Expedition durch und wies nach, dass die
zwischen 900 und 1.300 Kilometer entfernten Inseln von Peru aus
besiedelt worden waren; er wies zahlreiche Keramikscherben nach,
die von der Mochia-Kultur (300-800 n.Chr.) sowie von der Tiahuanoaco-Kultur
(540-900 n.Chr.) stammten. 1954 führte er Feldstudien an
den Ruinenstädten der Prä-Inkakulturen am Titicacasee
(Peru) und 1955 / 56 finanzierte er eine Archäologische
Expedition auf der Osterinsel.
Thor Heyerdahl meinte mit seiner experimental Archäologie
und seinen von ihm in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Ausgrabungen
bewiesen zu haben, dass die Osterinsel in drei Stufen besiedelt
wurde. Heyerdahl
war der Meinung, dass im 4. Jahrhundert n.Chr. und zwischen dem
11. und 13. Jahrhundert n.Chr. Einwanderer aus Amerika (erste
Welle Südamerika, zweite Welle Nordamerika) auf die Osterinsel
gekommen sind und erst im 14. Jahrhundert die
Polynesier.
Als
Beweis führte
er u.a. an:
- Auf den südamerikanischen Kontinent gibt es zahlreiche
große Steinstatuen die große Ähnlichkeiten
mit denen in Polynesien aufweisen.
- Auf dem südamerikanischen Kontinent gibt es Kulturplattformen,
die große Ähnlichkeiten mit denen auf der Osterinsel
aufweisen. Als Beispiel nannte er die Mauern von Vinapu
I,
Tepeu, Hanga Poukura (Osterinsel) und Tiahuanaco (Peru).
- In den Steinhäusern am Orongo-Zeremonieplatz finden
sich Wandmalereien, die peruanische Schilfboote zeigen.
- Das Sonnenobservatorium vom Orongo zeigt die Verwandtschaft
mit den Sonnenkulten der Andenvölker.
- In Tukume (Peru) wurden paddelähnliche Gegenstände
ausgegraben, die große Ähnlichkeiten mit den Ao-Paddeln
von der Osterinsel haben und in Polynesien nur auf der Osterinsel
bekannt sind.
- Der auf der Osterinsel praktizierte Vogelmann-Kult hat
große Ähnlichkeiten
mit der Vogelverehrung in Südamerika.
- Auf der Osterinsel gibt es die Süßwasser-Schilfpflanze
Totora, die es ursprünglich nur in Südamerika gab
und wie auf der Osterinsel zum Bau von Booten verwendet wurden.
- Auf der Osterinsel finden sich weitere Pflanzen, die
es ursprünglich nur in Südamerika gab, und zwar der
Toromiro-Baum, das Zypergras, die Vogelknöterich Pflanze "Polygonum
acuminatum", die Süßkartoffel, Flaschenkürbis,
Paprika und andere Pflanzen.
- Einzelne Rongorongo-Schriftzeichen ähneln Zeichen
der Bilderschrift der Cuma-Indianer.
- Das auf der Osterinsel verwendete Wort für Süßkartoffel "Kumara" hat
große Ähnlichkeiten mit dem Wort "Cumar",
mit dem die südamerikanischen Quechua-Indianer die Frucht
bezeichnen.
- Die Obsidian-Speerspitzen haben Ähnlichkeiten mit
Speerspitzen die in den Anden vorkamen.
Im Jahre 2011 wurde Thor Heyerdahls These allerdings teilweise
gestützt, und zwar von dem norwegischen Immunologen Erik Thorsby,
der auf einer Konferenz der Royal Society meinte: "Heyerdahl
hatte vermutlich Unrecht, aber nicht ganz". Im Blut von Insulanern
deren Vorfahren sich bis zum Jahr 1840 (vor der Versklavung) zurückverfolgen
ließen, lässt sich ein Antigen nachweisen, dessen Variante
es nur in Südamerika gibt.
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