Die Legende um König Hotu Matuá und seine Herkunft

Die Legende um König Hotu Matuá und seine Herkunft


König Hotu Matuá


König Hotu Matua und die Legenden um seine HerkunftAnkunft König Hotu MatuáWissenschaftler und Forscher haben die auf der Osterinsel verbliebenen Abkömmlinge der Ureinwohner immer wieder nach Legenden um den Ursprung ihrer Ahnen befragt und dabei kamen ebenso viele verschiedene Versionen zutage. In allen Legendenversionen aber wird immer wieder ein Name genannt, nämlich der von König Hotu Matuá, dem Gründervater der Osterinsulaner.

Inwieweit die Legenden mit der Wahrheit übereinstimmen, kann heute niemand mehr sagen. Die Inselbewohner entwickelten zwar eine Schrift, doch die wenigen (Rongorongo) Schrifttafeln lassen sich nur schwer entziffern.

Zwischenzeitlich geht man davon aus, dass die Osterinsel von verschiedenen Gruppen bevölkert worden sein muss. Die ersten Einwanderer sollen um 380 bis 500 n. Chr. aus dem Westen (Polynesien) gekommen sein; weitere Gruppen um 1300 n.Chr. aus dem Osten (Nordamerika und/oder Südamerika) sowie Westen - aus Polynesien. Unter den Siedlern um 1300 n.Chr. soll sich auch der legendäre Hotu Matua befunden haben.

Der Forscher Thor Heyerdahl stellte die These nach Erstsiedlern aus Amerika auf, und zwar von Südamerika (Peru) aber auch vom nordamerikanischen Kontinent. Heyerdahl begründet seine These vornehmlich mit Steinmetzarbeiten am Ahu Vinapu, deren Arbeiten in Form und Gestaltung den Steinmetzarbeiten der Prä-Inka-Kultur in Peru gleichen. Heyerdahl-Kritiker halten zwar dagegen, bei den Steinen am Ahu Vinapu handele es sich lediglich um schmale Verblendsteine und nicht um ein dickes festes Mauerwerk, doch wirklich widerlegen konnten sie Heyerdahls These nicht.

In den Legenden der Ureinwohner werden zudem zwei Bevölkerungsgruppen genannt, nämlich die so genannten Langohren und die Kurzohren. Was genau mit "Langohren" und "Kurzohren" gemeint ist, wird dabei nicht ganz klar, denn als der holländische Admiral Jacob Roggeveen 1722 die Osterinsel entdeckte, trugen alle Einwohner bis auf ihren Schultern verlängerte Ohrläppchen. Vermutlich lag die Ohrenbezeichnung in dem jeweiligen Status der Menschen begründet.

Auf jeden Fall geht man heute davon aus, dass die so genannten Langohren die Herrschaft über die Insel hatten und diese (Einwanderungs)-gruppe auch die Herrschaft über die ersten Ureinwohner erlangen konnten. Die Langohren sollen auch für den exzessiven Bau der Moais und letztlich für die komplette Abholzung der Insel verantwortlich gewesen sein. Als mehr oder weniger gesichert gilt, dass die Kurzohren sich im 17. Jahrhundert (um 1620 oder 1650 oder 1680) gegen die Herrschaft der Langohren aufgelehnt und diese während eines Aufstandes so gut wie komplett ausgelöscht haben. TOP

Wer aber war König Hotu Matuá und wo liegen seine Wurzeln?

In den Legenden heißt es, Hotu Matuá sei der Sohn eines mächtigen Königs gewesen, der über das Land Hiva regierte. Wo genau sich Hiva befinden soll, konnte man bis heute nicht klären. Hotu Matuá soll allerdings nicht der königlichen Linie entstammen; der Legende nach soll er von der Frau des Königs und eines ihrer Leibwächter gezeugt worden sein. Der mächtige König von Hiva soll davon gewusst haben; das Kind Hotu Matuá durfte am Hof aufwachsen, musste allerdings nach seiner Heirat das Königreich verlassen.

Ab hier gehen die Legendenversionen auseinander.

In der ersten Version heißt es, der mächtige König habe für Hotu Matuá ein Boot bauen lassen, eine zuverlässige Begleitung zusammengestellt und ihn dann aufgefordert, das Königreich mit seinem Gefolge zu verlassen. In dieser Legendenversion heißt es Hotu Matuá habe als vorsichtiger Mann zunächst einen Priester um Rat gefragt. Dieser habe sich in Trance versetzt und seine Seele ostwärts übers Meer entlang von sieben unbewohnbaren Inseln geschickt. Erst an der achten Insel habe seine Seele ein Paradies vorgefunden; ein Paradies mit drei vorgelagerten Felsen. In diesen drei kleinen Felseninseln habe der Priester seine verschollenen Enkel wieder erkannt, die die Namen "Nui", "Iti" sowie "Kaokao" trugen.

Hotu Matuá schickte hieraufhin sieben Kundschafter (andere Quellen sagen sechs) aus die prüfen sollten, ob die Visionen des Priesters stimmten. Einige der Kundschafter kamen mit der frohen Botschaft zurück, sie hätten die besagte Insel gefunden und Hotu Matuá machte sich mit zwei Booten (andere Quellen sprechen von einem Doppelrumpf-Kanu) auf den Weg. Hotu Matuá bestieg mit seiner Frau und seinen Gefolgsleuten das erste Boot, samt Proviant, Wasser, Pflanzen und Tiere. Auf dem zweiten Boot soll sich Hotu Matuás Schwester Avareipua mit ihrem Mann Tuu-ko-ihu befunden haben.

Strandabschnitt Anakena auf der Osterinsel - Hier soll König Hotu Matua gelandet seinAls sie die Insel Rapa Nui erreichten, teilten sich die Boote, um die Insel in entgegengesetzter Richtung einmal zu umschiffen. Als die Boote wieder aufeinander trafen, fanden sie auf dieser Höhe den Strand Anakena, eine geeignete Anlandestelle. Hotus Frau gebar bereits am nächsten Tag ihren ersten Sohn Tuu Maheke; fortan nannten Hotus Getreuen ihren König "Hotu Matu´a", übersetzt etwa "Vater Hotu". Zeitgleich gebar Hotus Schwester ein Mädchen und dies war der Anfang aller Stämme auf der Osterinsel. TOP

In einer anderen Legendenversion soll Hotu Matuá in der Nähe des Königreiches auf einer Insel namens Marerenga gelebt haben und ein Traum veranlasste ihn, diese Insel zu verlassen um Rapa Nui zu suchen. In einer abgewandelten Version soll Hotu Matuá seine alte Heimat verlassen haben weil er merkte, dass die Insel mehr und mehr im Meer versank. In einer weiteren Version musste Hotu Matuá seine Heimat verlassen, weil es zum Streit mit seinem Bruder Oroi kam; es heißt, Hotu Matuá habe eine Affäre mit seiner Frau gehabt. Oroi segelte später dem flüchtenden Bruder hinterher, tötete Hotu Matuá Sohn Matuas, worauf Hotu Matuá in einem langen Kampf seinen Bruder Oroi tötete.

In allen Legendenversionen um Hotu Matua soll der Gründerkönig aber am Anakena-Strand an Land gegangen sein, ist diese Bucht doch der einzig nennenswerte Sandstrand von der gesamten Osterinsel. In der Anakena-Bucht finden sich auch zwei archäologisch fassbare Stellen, die mit dem Gründerkönig in Verbindung gebracht werden könnten, nämlich eine rund 6 Meter tiefe Höhle, etwa 200 Meter südwestlich der Anakena-Bucht sowie Fundamentsteine eines ehemaligen Paenga-Hauses in der Nähe der Ahu-Anlage Nau Nau. Arne Skjölsvold, einer der Heyerdahl-Archäologen, hat 1955/56 sowohl die Höhle als auch die Steine des Paenga-Haus Fundamentes am Ahu Nau Nau untersucht. In der Höhle fanden sich lediglich eine Speerspitze aus Obsidian sowie einige Überreste europäischer Handelsprodukte aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Fundamentsteine des Pangea-Hauses deuten zwar auf ein außergewöhnlich großes Gebäude hin, doch es fand sich nur ein halbfertiges Fundament und keinerlei Relikte aus Haushaltsmüll. Arne Skjölsvold ging davon aus, dass dieses Gebäude möglicherweise niemals fertig gestellt und somit niemals bewohnt wurde.

Nach den Legenden der Rapa Nui soll sich König Hotu Matuá in den letzten Jahren seines Lebens am östlichen Abhang des Rano-Kau-Kraters aufgehalten haben. Diese Stelle nennt sich "Vai Atare" und wird von den Touristen mehr oder weniger kaum beachtet. Als eines seiner letzten Hinterlassenschaften soll Hotu Matuá hier eine Steinsäule aufgestellt haben, die von den Insulanern "Mare Hono" genannt wird. Die Säule steht an der westlichen Seite der Zufahrtstraße zum Orongo-Kultplatz. Archäologen fanden an dieser Stelle auch die Reste mehrerer Steinhäuser. Neben weiteren Petroglyphen finden sich hier auch noch die Reste zweier kleiner Ahu´s sowie Moai´s. Anfang der 1990er Jahre sollte an dieser Stelle ein Leuchtturm errichtet werden; bisher konnten sich die Einheimischen dagegen erfolgreich wehren. TOP

Als König Hotu Matuá im hohen Alter bemerkte dass er nicht mehr lange leben würde, ging er der Legende nach zur schmalen Orongo Klippe an der Südwestspitze der Insel, an dem der Felsen rund 300 Meter zum Meer abfällt und blickte gen Westen in seine ursprüngliche Heimat. Nach seinem Tod soll Hotu Matua in einem Königsgrab bei Akahanga beigesetzt worden sein; archäologische Funde hierfür gibt es allerdings nicht. Seine Kinder sollen die Gründerväter sämtlicher (Haupt)-Stämme auf der Osterinsel gewesen sein.

Eine Briefmarke zu Ehren der sieben Kundschafter des Königs Hotu MatuaZu Ehren der sieben Kundschafter, die die Insel endeckten, sollen im Landesinneren die sieben Moais am Ahu Akivi aufgestellt worden sein, die ebenfalls in westlicher Richtung schauen. Sie gehören zu den wenigen Moai´s die im Landesinneren innerhalb einer Zeremonie-Anlage aufgestellt wurden. Östlich von Hanga Roa befindet sich noch eine Anlage mit dem Namen Ahu Huri A Urenga; es ist ein einzelner Moai, an dem zwei Paar Hände zu finden sind. Diese Ahu-Anlage wird aber nicht mit Hotu Matua in Verbindung gebracht. Der vierhändige Moai schaut zur Wintersonnenwende exakt zum Sonnenaufgang. Einige Einkerbungen am Moai deuten darauf hin, dass dieser als Observatorium genutzt worden ist.

1886 wurde von W.J. Thomson erstmals eine Ahnenreihe aller Könige von der Osterinsel festgehalten, und zwar beginnend vom 1. König "Hotu Matua" bis zum letzten König "Maurata", der 1864 von Sklavenjägern nach Peru zu den Guano-Abbaufeldern (Chincha-Inseln) verschleppt wurde und dort gestorben ist. Danach gab es folgende Könige: TOP
  1. Hotu Matua.
  2. Tuumaeheke.
  3. Nuku.
  4. Miru.
  5. Hinariru.
  6. Aturaugi.
  7. Raa.
  8. Atarauga.
  9. Hakapuna.
  10. Oihu.
  11. Ruhoi.
  12. Tukauga te Mamaru.
  13. Takahita.
  14. Ouaraa.
  15. Koroharua.
  16. Mahuta Ariiki. 1
  17. Atua Ure Raugi.
  18. Teriri Turkura.
  19. Korua-Rougo.
  20. Tiki-Tehatu.
  21. Urukenu.
  22. Teruruatiki um Hatu.
  23. Nan Ta Mahiki.
  24. Terika Tee.
  25. Teria Kautahito.
  26. Kotepu Ite Toki.
  27. Kote Hiti Ruauea.
  28. Turua Ki Keua.
  29. Tuterkimanara.
  30. Kote Kura Tahoua.
  31. Taoraha Kaihahauga.
  32. Tukuma.
  33. Tekahui te Hunga.
  34. Tetun Hunga Nui.
  35. Tetun Hunga Rea.
  36. Tetu Hunga Mare Kapeau. 2
  37. Toati Rangi HAHE. 2
  38. Tagaroa Tatarara.
  39. Hariui Koro.
  40. Punahako.
  41. Puna Ate Tuu.
  42. Puna Kai te Vaua.
  43. Teriri Katea.
  44. Haumoana.
  45. Tupaarii Ki.
  46. Mahiki Tapuakiti.
  47. Tun Koiho.
  48. Anekena.
  49. Nui Tupahotu.
  50. Re Kauu.
  51. Terävä Rara.
  52. Tehitehuke.
  53. Terahai.
  54. Kaimokoi.
  55. Ngaara.
  56. Kaimakoi Iti.
  57. Maurata.

 

Die Mehrheit der heutigen Wissenschaftler geht davon aus, dass es sich bei Hotu Matua lediglich um eine Legende und weniger um eine reale Person gehandelt hat. Es finden sich weder Bauten die nachweislich mit dem Gründerkönig in Verbindung gebracht werden können, noch existiert ein Abbild (Moai) des Legendenkönigs. TOP

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