Paenga - Nicht nur ein  Haus für die religiöse und politische Elite

Paenga - Nicht nur ein Haus für die religiöse und politische Elite


Paenga


Paenga-Haus für ArikiLange Zeit hat man vermutet, die so genannten Paenga-Häuser seien lediglich für die Mitglieder der religiösen und politischen Elite der Rapa Nui bestimmt; so in etwa wurde es wenigstens von den ersten Europäern in ihren Berichten überliefert. Die Paenga-Häuser scheinen allerdings nicht ausschließlich von den Häuptlingen und Priestern genutzt worden zu sein. Aus dem Forschungsbericht des Kapitänleutnants Wilhelm Geiseler von 1882 geht beispielsweise hervor, Paenga-Häuser am Rano Raraku Krater seien auch als Gefangenenhäuser genutzt worden.

Paenga-Haus - FundamentsteineEin Paenga-Haus war in der Regel nicht größer als zehn bis 15 Meter Länge, 1,5 bis zwei Meter Breite und drei Meter Höhe. Die Paenga-Häuser hatten die Form eines langgezogenen Iglus. Das Fundament des Paenga-Hauses bestand aus Basaltsteinen (ähnlich wie die heutigen Bordsteine), die in Form einer langgezogenen Ellipse in den Boden eingelassen waren. Die Oberseite dieser Steine wiesen einige Bohrungen auf, in denen dünne Stangen aus Toromiro-Holz gesteckt wurden. So aufgestellt bildete sich ein Körper in der Form eines umgedrehten Bootskörpers. Die Holzstangenwurden dann mehrschichtig eingedeckt. Zunächst schnürte man auf den Stangen geflochtene Matten aus Totora-Schilf, darüber kam eine Lage Palm- oder Zuckerrohrblätter und zum Abschluss wurde das Ganze dann noch mit Grasbündel eingedeckt.

Etwa in der Mitte einer der länglichen Ellipsenseiten wurde, ähnlich wie bei einem Iglu, ein Eingang gelassen, der lediglich eine Höhe und Breite von einem Meter hatte und die Bewohner somit hineinkriechen mussten. Fenster gab es nicht. Am Eingang wurde auf beiden Seiten ein "Moko" aufgestellt um böse Geister fern zu halten. An dieser Seite der Ellipse befand sich auch ein halbrunder Vorplatz, auf dem sich vornehmlich das Leben abspielte. Der Innenraum wurde offensichtlich nur zum Schlafen benutzt. Er war nicht unterteilt und hatte außer geflochtenen Schlafmatten und Kalebasse (Gefäße zum Aufbewahren von Trinkwasser) kein Mobiliar.

Paenga - LanghausDie Paenga-Häuser standen in unmittelbarer Nähe zu den Zeremonie-Plätzen und waren überwiegend den geistig und politisch hochgestellten Persönlichkeiten vorbehalten. Bei den größeren Siedlungen gab es zudem ein Versammlungshaus, das zwischen 40 bis 100 Meter lang sein konnte und ähnlich wie ein Paenga-Haus gebaut war. Die einfache Dorfbevölkerung lebte in kleineren Hütten etwas abseits der Anlage, die mehr oder weniger direkt in den umliegenden Anbaugebieten standen und für die ersten Entdecker nicht sichtbar waren.

Im Steinbruch des Kraters Rano Raraku finden sich die Fundamentsteine von insgesamt 13 Paenga-Häusern, die scheinbar nicht (immer) als Wohn- und Schlafstätte der Elite genutzt wurden, sondern (wenigstens teilweise) als Unterkunft für Gefangene. So berichtet Wilhelm Geiseler im Jahre 1882, er habe am Rano Raraku zufällig die Fundamentsteine eines Hauses entdeckt und ein ihm begleitender alter Rapanui-Mann zeigte sich in keiner Weise überrascht. Er wusste um die Existenz dieser Häuser und suggerierte Geiseler, in diesen Häusern wurden Kriegsgefangene festgehalten, die während der Siegesfeierlichkeiten "nach und nach" herausgeholt, geschlachtet und gegessen wurden. TOP

Nach einem Bericht der englischen Forscherin Katherine Routledge, die 1914/15 für 17 Monate auf der Osterinsel wohnte, wurden die bedeutenden Häuser mit einem speziellen Ritual eingeweit. Katherine Routledge berichtet 1919 über den letzten Häuptling des Miru-Clans, der (allerdings weit vor Routledges Zeit) jedes dieser Paenga-Häuser selbst noch eingeweiht hatte. Hölzerne Eidechsen - die Moro´sHierbei wurden zwei "hölzerne Eidechsen" (Moko´s) zu beiden Seiten des Eingangs,..."dem Vorplatz zugewandt"... in den Boden gesteckt. Der Ariki (Häuptling) und ein Priester von hohem Rang waren die ersten, die das Haus betreten durften und dort eine Mahlzeit einnahmen.

Bei den von Katherine Routledge erwähnten "hölzernen Eidechsen" handelt es sich um geschnitzte Statuetten und haben den Kopf und den Körper einer Eidechse, allerdings besitzen diese Statuetten auch menschliche Attribute wie ein Rückgrat, Rippen, Arme und Hände, oft auch mit einer Vagina oder Penis versehen. Der Eidechsenschwanz ist überproportional verlängert und diente als Spitze zum Einstecken in den Boden. TOP

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