Rapa Nui - Der Niedergang durch die Europäer 1800 bis 1899

Rapa Nui - Der Niedergang durch die Europäer 1800 bis 1899


Niedergang durch die Europäer


Landung auf der OsterinselNachdem die Osterinsel im 18. Jahrhundert durch Veröffentlichungen der ersten Entdecker weltweit bekannt geworden war, begannen im 19. Jahrhundert Freibeuter, Sklavenhändler und skrupellose Geschäftemacher sich an der Insel und ihre Bewohner schamlos zu bedienen. Die Folge dieser Ausbeutung war, dass die Einwohnerzahl der Rapa Nui von schätzungsweise 5.000 im Jahre 1800 auf traurige 111 Einwohner, davon nur 36 Ureinwohner, im Jahre 1877 reduziert wurde. Die Christianisierung durch die Katholische Kirche in den Jahren 1866 bis 1868 unter Pater Eugéne Eyraud war zudem dafür verantwortlich, dass fast die gesamten Schrifterzeugnisse und somit wertvolles Kulturgut für immer vernichtet wurde.

Hatte die Osterinsel aufgrund von Ausbeutung der natürlichen Ressourcen um 1680 bereits einen Kollaps und kompletten Zusammenbruch der ursprünglichen Kultur erleben müssen, so versetzten die Europäer den Rapa Nui zwischen 1800 und 1877 fast den Todesstoß. Damit aber noch nicht genug; im Jahre 1888 stellten sich die verbliebenen Rapa Nui unter Hoheit des chilenischen Staates weil sie sich im Gegenzug Schutz vor weiteren Plünderern erwarteten, doch Chile verpachtete die Insel 1895 an einen Viehzüchter. 1914 schlug Chile einen letzten Aufstand der Rapa Nui nieder und stellte die Insel bis 1967 unter Kriegsrecht. Yuri LisjanskijErst im Jahre 1974 begann Chile mit der stufenweisen Einführung der Osterinsel zur Eigenständigkeit, wobei 1984 der erste ethnische Rapa Nui zum Gouverneur der Osterinsel ernannt wurde. Seither haben die Rapa Nui wieder ein eingeschränktes Mitspracherecht, ihre Insel besitzen sie bis heute dennoch nicht.

Den Beginn der folgenreichen Stippvisiten im 19. Jahrhundert leitete 1804 ein russischer Leutnant unter Kapitän Yuri Lisjanskij von der Korvette-of-Krieg Neva ein; er geht mit einem Ruderboot und einigen Tauschgütern an Land und kommt mit einer schönen Sammlung alter Schnitzfiguren zurück, die er der Admiralität übergibt und im Admiralitätsmuseum landen. Ob die geschnitzten Figuren von den Rapa Nui tatsächlich freiwillig herausgegeben wurden, ist nicht überliefert.

1805: Amerikanische Sklavenhändler steuern mit dem Schoner Nancy aus New London zweimal die Insel an und führen die ersten Sklavenjagden durch. Sie verschleppen mehr 22 Rapa Nui (12 Männer, 10 Frauen) um sie als Arbeitskräfte für den Robbenfang auf den Juan-Fernandez-Inseln einzusetzen. Die Sklavenhändler fesselten die Insulaner, brachten sie unter Deck und ließen sie erst frei, als das Schiff schon drei Tage auf See war. Die männlichen Rapanui sprangen sofort von Bord, die Frauen konnten gerade noch zurückgehalten werden. Jegliche Versuche der Sklavenhändler die Insulaner wieder einzufangen, misslangen. Man überließ die Männer schließlich ihrem Schicksal und brachte die Frauen auf die "Más Afuera"-Insel (heute Alejandro Selkirk-Insel, die zweitgrößte Insel von den Juan-Fernánez-Inseln). Bei dieser Aktion rauben die Sklavenhändler zwei wertvolle Tapa-Figuren. TOP

Aufgrund dieser Erfahrung verschanzen sich die Insulaner und vertreiben fremde Ankömmlinge mit Steinschleudern. Historisch belegt sind vergebliche Anlandungsversuche der Kapitäne Adams (1806) und Windship (1809).

1811 verschleppen Matrosen des amerikanischen Walfangschiffes "Pindos" mehrere Insulanerinnen auf die Pindos, vergewaltigen sie und werfen sie dann wieder über Bord. Zum Spaß erschießen sie eine der Frauen, die übrigen Frauen bringen die Syphilis auf die Insel; eine Krankheit, die unter den Insulanern schrecklich wütete.

1816 Der deutsche Kapitän Otto von Kotzebue besucht im März 1816 mit dem Schiff "Rurik" seiner russischen Crew die Osterinsel. Es handelt sich um den Teil einer Forschungsreise im Auftrag Russlands im pazifischen Raum. Die Rurik umsegelte zunächst Kap Hoorn, um auch nach dem legendären Davis-Land zu suchen, vor allem aber um polynesische Inseln zu kartographieren. Versuche, die Osterinsel zu erforschen scheitern, weil die Mannschaft von von Kotzebue von den Einheimischen zu sehr bedrängt werden. Die Rapanui zeigen sich ängstlich, wollten teilweise mit Gewalt Alteisen eintauschen und werfen in Scharen Steine nach Kotzebue und seiner Mannschaft. Um die unübersichtliche Lage nicht eskalieren zu lassen zieht von Kotzebue sich noch am selben Tag zurück. Aus der Ferne meint er, an der Südküste noch aufrecht stehende Moais sichten zu können.

1825 Der Engländer F.W. Beechey unternimmt zwischen 1825 bis 1828 mit seinem Forschungsschiff HMS Blossom eine Expedition in den Pazifik, die Beringstraße und in das arktische Nordamerika. Die HMS Blossom näherte sich dabei im November 1825 der Osterinsel. Wie beim Landungsversuch Otto von Kotzebue werden auch die ausgesetzten Boote der HMS Blossom von den Insulanern derart attackiert, dass Beechey sich mit seiner Mannschaft zurückziehen muss. Die aufgebrachten Insulaner bombardieren die Fremden mit Steinwürfen; Beechey lässt scharf schießen; ein Würdenträger der Insulaner wird getroffen. Beechey sieht keine Möglichkeit, die Osterinsel zu erforschen. TOP

1838 steuert Admiral Abel du Petit-Thouars mit seinem Schiff die Insel an, ankert auch, wagt aber keinen Landeversuch. Einige Inselbewohner besuchen das Schiff mit einem Schilfboot, bieten und tauschen eine Januskopffigur aus Holz. Abel du Petit-Thouars läßt das Schilfboot abzeichnen.

Schiff Margaret RaitRapa Nui Kunst, die vom Walfangschiff Margaret Rait von der Osterinsel mitgenommen wurden1843 läuft das Walfangschiff "Margaret Rait" unter Führung des Kapitäns Coffin die Insel an, es werden wertvolle Tapa-Figuren gestohlen.

1843 segelt Bischoff E. Rouchouze mit 24 Mönchen und Nonnen zur Osterinsel um die Ureinwohner zu missionieren. Seither gilt die gesamte Gruppe als verschollen. In einigen Quellen wird die Vermutung geäußert, die Missionare seien in den Kochtöpfen der Insulaner gewandert.

1855 J. Hamilton entdeckt Überreste europäischer Boote die von den verschollenen Missionaren um Bischoff E. Rouchouze stammen. Auch die Crew von Hamilton wird von den Insulanern angegriffen; das Landungsboot wird von den Rapa Nui zum Kentern gebracht, der zweite Offizier wird getötet; der übrigen Mannschaft werden die Kleider vom Leib gerissen und gestohlen. TOP

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Zeitalter der Sklavenverschleppung aus Afrika vorbei und die Großgrundbesitzer in Südamerika suchten nach neuen Ressourcen im Pazifik. Guano-Abbau in PeruIm Dezember 1859 tauchen brutale Sklavenjäger an der Osterinsel auf und verschleppen rund 500 Insulaner als Arbeiter zu den peruanischen Guano-Abbaugebieten auf den Chincha-Inseln. 1862/63 verschleppen die Sklavenjäger weitere 2.225 Insulaner nach Peru. Sie machen dabei weder Halt vor den obersten Stammesfürsten, noch vor Frauen oder Kinder, sie nehmen alle gefangen die nicht rechtzeitig fliehen konnten. Die Menschen die sich wehren, werden sogar erschossen.

In Peru hatten die Rapa Nui auf den Guano-Flächen unter fürchterlichen Bedingungen ihre Zwangsarbeit zu leisten. In den Lagern grassierten Krankheiten gegen die die Rapa Nui nicht immun waren. Nur ein ganz kleiner Teil der Gefangenen durften als Landarbeiter arbeiten und waren den tödlichen Gefahren nicht ausgesetzt.

Bekannt werden diese Verbrechen erst, als ein ähnlicher Versuch der Sklavenhändler auf der Insel Rapa (Tubuai-Archipel) scheitert. Den Inselbewohnern geling es, das Piratenschiff zu kapern und die Besatzung als Gefangene nach Tahiti zu bringen. Hierdurch erfährt der örtliche Bischof Joussen auch von den Verbrechen auf der Osterinsel und macht dies bekannt. Die Franzosen, unterstützt von den Engländern, Amerikanern und Chilenen protestieren aufs heftigste mit dem Ergebnis, dass die peruanische Regierung die Freilassung aller Sklaven verfügt. Zu spät wie sich dann herausstellte. Von den auf den Guano-Flächen eingesetzten Rapa Nui sind keine 100 Menschen mehr am Leben. Und auch der Rücktransport zur Osterinsel erweist sich als nicht gerade schonend: Von den 100 Menschen sollten gerade mal 15 Rapa Nui ihre Heimat wieder sehen und diese bringen eine weitere Geißel mit auf die Insel: Pocken. TOP

Pater Eyraud im Jahre 1864Im Januar 1864 kommt der französische Missionar Pater Eugéne Eyraud mit einigen Schafen, Saatgut und seiner Bibel auf die Osterinsel. Die Insulaner lassen Pater Eyraud nur deshalb auf die Insel, weil er vier aus peruanischer Sklaverei befreite Osterinsulaner sowie eine Frau mit Kind von Tahiti aus mitgenommen hat. Eyrauds Helfer aus Mangareva der als Dolmetscher fungieren soll weigert sich mit an Land zu gehen; er erkennt die feindliche Abneigung der Ureinwohner gegenüber Fremden.

In seinen Berichten an den Bischof Joussen in Tahiti erwähnt er Rongorongo Schrifttafeln, die sich in jeder Hütte finden, die Inselbewohner diese Schrift aber offensichtlich nicht lesen können. Er beschreibt 30 Zentimeter große Steinfiguren in den Behausungen der Insulaner, die offensichtlich als Götter verehrt werden und er berichtet erstmals über einen Vogelmann-Kult, den er in Mataveri miterleben durfte.

Nach und nach muss Pater Eyraud aber leidvoll erfahren, dass die Inselbewohner ihm nicht wohlgesonnen sind: nach zehn Monaten muss er fliehen, weil die Insulaner zu aufdringlich werden und er um sein Leben fürchtet. TOP

Im März 1866 kommt Pater Eyraud allerdings wieder zurück, diesesmal in Begleitung dreier Eingeborenen aus Mangareva sowie den Mönch, Pater Hippolite Roussel. Pater Eyraud und Pater Roussel gründen die erste Missionarstation auf der Osterinsel und beginnen mit der Christianisierung. Briefmarke zu Ehren der Missionare auf der OsterinselZur Untersützung kommen kurze Zeit später noch zwei weitere Missionare auf die Insel, nämlich Pater Kapsar Zumbohlen sowie Pater Theodul Escolan. Etwas später lassen die Missionare eine Schiffsladung Tiere mit auf die Insel bringen, darunter 200 Schafe, 7 Rinder, 1 Pferd, 4 Schweine und einige Katzen, Hasen und Tauben.

Es wird eine Kapelle errichtet in dem rund 100 Personen Platz finden, die Ureinwohner verlassen ihre Hütten und ziehen in einfache Wohnhäuser im europäischen Stil. Leider wurden im Zuge der Christianisierung dann auch fast alle RongoRongo Schrifttafeln vernichtet. Am 14. August des Jahres 1868 verkündete Pater Eyraud stolz, alle 800 noch auf der Insel lebenden Rapa Nui seien dem christlichen Glauben übergetreten und hätten sich taufen lassen. Neun Tage später stirbt Eyraud an Tuberkulose. TOP

Dutroux-Bornier 1866Mit den zwei Missionaren Kaspar Zumbohm und Theodore Escolan kommt 1866 eine weitere Geißel zur Osterinsel, nämlich der Tahiti-Franzose Jean Onésime Dutroux-Bornier der als Schiffseigner des Schoners Tampico Personen und Güter von Tahiti zur Osterinsel gebracht hatte. Dutroux-Bornier erkennt im Laufe der kommenden drei Jahre seine Möglichkeiten auf der Insel. Er heiratet eine Rapa Nui Frau, übernimmt sukzessive Ländereien von den Rapa Nui und ernennt sich dann selber zum Insel-König. Gemeinsam mit seinem britischen Geschäftspartner John Brander sollen fortan Schafe auf der Insel gezüchtet werden, dazu kaufen sie 400 Schafe aus Australien ein.

Moai aus Basalt - jetzt im Britischen Museum1868 besucht der archäologisch interessierte Arzt J. L. Palmer aus England die Insel. Palmer kann die Insulaner überreden, ihm alte Kultgegenstände zu zeigen. Als erster berichtet er unter anderem über kunstvoll gefertigte Angelhaken aus Knochen, die die Inselbewohner ihm gezeigt hätten. Auf der Zeremonie-Anlage und Vogelmann-Kultstätte "Orongo" erblickt Palmer in einigen Steinhäusern bemalte Steinplatten, die von nachfolgenden Inselbesuchern zum Teil entwendet wurden. Im Haus Steinhaus R-13 findet Palmer einen 2,42 Meter großen Kult-Moai, den die Rapa Nui "Hoa-haka-nana-ia" nennen. Er lässt die 4 Tonnen schwere Statue nach London ins Britische Museum bringen.

Auf dem Rücken des "Hoa-haka-nana-ia" sind einzigartige Petroglyphen angebracht, darunter zwei Ao-Paddel, eine Vogel, zwei Vogelmenschen sowie mehrere Vulva-Symbole. Sogar am Ohr sind Ao-Paddel und Vulva-Symbole angebracht. Der "Hoa-haka-nana-ia" ist einer der wenigen Moais, der auf dem Rücken einen dreilinigen Grütel mit einer "M"-Darstellung trägt. Hierbei soll es sich nach einer mündlichen Überlieferung der Ureinwohner um die Darstellung eines Regenbogens sowie Regen handeln. (Den gleichen Gürtel tragen beispielsweise auch die Moais "RR-001-156" sowie "RR-001-157" im Vulkankrater des Rano Raraku, wobei sich am Gürtel des RR-001-156 sogar ein Doppelkreis befindet. Auf dem Rücken beider Moais befinden sich auch Petroglyphen, allerdings nicht vom Vogelmann-Kult) TOP

Der "Hoa-haka-nana-ia" ist eine der wenigen Moai´s der nicht aus dem weichen Tuffgestein des Rano Raraku gefertigt wurde, sondern aus hartem Basalt. Man nimmt an, dass er aus dem Vulkangestein des Rano Kau (rund um den Kultplatz Orongo) geschlagen wurde. Dieser Moai soll nach Meinung vieler Forscher eines der bedeutendsten Kultgegenstände auf der Osterinsel gewesen sein und als Vorlage der Moais der mittleren Periode gedient haben.

1869: Dutroux-Bornier möchte weiter expandieren, vertreibt die Inselbewohner aus ihren Dörfern in den Ort Hanga Roa und lässt diesen mit Stacheldraht einzäunen.

1870 besucht der Kapitän Don José Anacleto Gana vom chilenischen Schiff "O´Higgins" die Osterinsel und bringt drei unversehrte Rongorongo Schrifttafeln mit an Bord. Kapitän Gana berichtet, trotz der Christianisierung habe er eine heidnische Zeremonie beobachten können. Er schreibt: "Männer und Frauen tanzen nackt in der Öffentlichkeit, während sie gleichzeitig unanständige und unmoralische Bewegungen vollführen."

Dutroux-Bornier übt weiter Druck auf die Rapa Nui aus und lässt sogar die Mission zerstören. Aufgrund der unhaltbaren Zustände verlassen die Missionare Escolan und Roussel unter Protest mit 168 Einwohnern die Insel und fliehen auf die französisch regierte Insel Tahiti.

1871
fängt Dutroux-Bornier an, im großen Stil Schafe und Rinder zu züchten, holt fremde Arbeitskräfte auf die Insel, deportiert weitere 247 Insulaner als Plantagenarbeiter nach Tahiti und behandelt die verbliebenen Rapa Nui nun wie Sträflinge. Dutroux-Bornier lässt Häuser der Rapa Nui abbrennen und dreimal die Kartoffelernte vernichten. TOP

1872 steuert das französische Kriegsschiff "La Flore" die Insel an. Mit an Bord der Matrose und späteren Schriftsteller sowie exellenten Zeichner "Piere Loti". Loti berichtet von einer absoluten Rückkehr der Rapa Nui zu ihren alten Sitten und Gebräuchen. Die Insulaner haben die europäischen Holzhäuser verlassen und leben wieder in ihren Hütten, vor den Eingängen waren wieder die alten Kultfiguren als Wächter aufgestellt. Loti hat der Nachwelt viele authentische Zeichnungen hinterlassen. Die Mannschaft des "La Flore" scheitert bei einem Versuch einen Moai an Bord zu bringen; daraufhin wird der Kopf abgesägt, mit an Bord genommen und später dem französichen Museum übergeben. Das französische Marine-Ministerium lehnt eine Bitte der Insulaner ab, die Insel unter französischem Schutz zu stellen.

1875: Das chilenische Schiff "O´Higgins" steuert nach fünf Jahren erneut die Osterinsel an, dieses Mal unter dem Kommando des Kapitäns Lopez, um die 1870 begonnene Sammlung von Steinsklupturen zu vervollständigen.

Im Jahre 1876 eskalieren die Spannungen zwischen dem zum Tyrann mutierten Dutroux-Bornier und einigen Inselbewohnern mit der Folge, dass Dutroux-Bornier erschlagen wird.

Als Adolphe Pinart 1877 mit dem französischen Kriegsschiff "Le Seignely" auf die Osterinsel kommt und nach Dutroux-Bornier fragt wird ihm erzählt, Dutroux-Bornier sei vom Pferd gefallen und tödlich verunglückt. Pinart findet aber Hinweise, dass Dutroux-Bornier wohl nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, zumal auch seine Frau Pua nicht mehr lebt. Adolphe Pinart zählt in diesem Jahr lediglich 111 Menschen die auf der Osterinsel leben, darunter 36 Rapa Nui, die länger als eine Generation auf der Insel gelebt hatten. TOP

Im selben Jahr verstirbt Dutroux-Bornier´s Partner John Brander eines natürlichen Todes; die Brander-Erben klagen vor französischen Gerichten die Osterinsel als ihren Besitz ein.

Alexander Salomon jr. , Erbe der Schaffarm auf der Osterinsel im Jahre 18781878 kommt John Branders Neffe (Alexander Salomon jr.) auf die Insel um die Geschäfte auf der Schaffarm fortzuführen. Er ist der Erbe des Salomon / Branders Unternehmen, wozu auch die Ländereien auf der Osterinsel gehören. 1878 kommt auch Pater Roussel auf die Insel zurück und versucht, das Leben der Rapa Nui nach westlichen Vorstellungen wieder zu organisieren.

1881 reist eine Delegation von den Rapa Nui nach Tahiti um Frankreich um Schutz für die Osterinsel zu bitten. Die Vertreter Frankreichs lehnen ab.

1882 strandet ein Holzfrachter mit Fichtenholz an der Osterinsel. Die Insulaner fertigen aus den Brettern (unter Anleitung Alexander Salomons) einfache Holzhäuser nach europäischem Stil und verlassen ihre einfachen Wohnhütten.

1882 zählt der Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler insgesamt 150 Einwohner auf der Insel, 100 in Mataveri und 50 in Hanga Roa, und zwar 67 Männer, 39 Frauen und 44 Kinder, darunter 20 Tahitier. Geiseler ist im Auftrag der königlichen Marine auf der Insel um für die königlichen Museen die Reste der Rapa Nui Kultur zu dokumentieren. Hierbei wird er von Alexander Salomon als Dolmetscher unterstützt und kann innerhalb von fünf Tagen eine erstaunlich große Sammlung an Artefakten zusammentragen und dem königlichen Museum übergeben. Auch sein Bericht an die Admiralität ist sehr aufschlussreich. TOP

1883: Pater Roussel ernennt Atamu Tekena zum Chef der Rapa Nui und stellt ihm zwei Räte und zwei Richter zur Seite. Eine Volkszählung ergibt eine Einwohnerzahl von 157.

Salomon jr. expandiert ab 1885 hinsichtlich Export seiner Schafswolle, fördert aber auch den Tourismus auf der Insel. Er ermutigt die Rapa Nui die alte Schnitzkunst der Vorfahren wieder aufzunehmen und diese Plagiate an kaufkräftige Touristen zu verkaufen.

Thomson Expedition 1886 am Orongo1886:
Im Jahre 1886 besucht der Zahlmeister vom Schiff US Mohican", W.J. Thomson, die Osterinsel für 14 Tage. Thomson ist der erste, der von der Osterinsel Fotografien macht. Die US Mohican ist das letzte Entdeckerschiff das die Osterinsel anläuft.

W.J. Thomson versucht sich als Archäologe, schildert, dass die Flora durch die vielen Schafe mehr oder weniger vernichtet ist und schreibt die Legende nieder, dass die Vorväter der Ureinwohner mit gewaltigen Schiffen nach einer 60-tägigen Fahrt von Osten auf der Osterinsel gelandet seien. Außerdem erstellt ein Verzeichnis von 555 Moais sowie 113 Ahu-Anlagen.

Thomson kann den Ureinwohnern zwei Rongorongo Schrifttafeln abhandeln. Mithilfe des Schaffarmers Alexander Salomon versucht er, diese Schrifttafeln durch einen alten Inselbewohner von Rapanui ins Englische zu übersetzen. Nach mehrmaligem Lesen muss Thomson feststellen, dass die Wiedergabe unterschiedlich und somit fehlerhaft ist. Thomson öffnet leider auch Steinhäuser am Orongo-Kultplatz auf und reißt wertvolle Steine mit Wandmalereien aus den Wänden; einige davon befinden sich heute im Besitz der Smithsonain Institution in Washington DC. Diese Steine wurden im späten 20. Jahrhundert teilweise wieder zurückgegeben.

1887 versuchen verschiedene Mönche vom Johanniter-Orden auf der Insel Fuß zu fassen. Die Besuche unter den 187 Bewohnern dauern zumeist nur wenige Tage. Lediglich Pater Albert Montiton bleibt für einige Monate. Noch im Jahre 1887 übernimmt der Laienprediger Nikolas Pakarati das Amt des Inselgeistlichen und bleibt (mit wenigen kurzen Unterbrechungen) bis zu seinem Tod im Jahre 1927. TOP

Policarpo Toro, der Mann, der die Osterinsel an Chile vermittelteregelmäßig erscheinen Briefmarken zum Gedenken an die Inbesitznahme der Osterinsel - hier zum 100. JahrestagAm 2. Januar 1888 verkauft Salomon seine Farm und die Ländereien für 6.500 Gold-Pfund an die chilenische Regierung und tritt damit sämtliche Rechte an Chile ab. Chile nimmt durch den Korvettenkapitän Policarpo Toro mit dem neuen Rapa Nui König Tekena Kontakt auf und bietet den Rapa Nui Schutz durch Chile an. Am 9.9.1888 wird ein Vertrag in spanischer und polynesischer Sprache geschlossen, den Toro und 20 Stammeshäuptlinge an Bord des Kriegsschiffes Angamos unterzeichnen.

Schutz gewährt Chile den Insulanern allerdings nicht. Toros Bruder Pablo wird zum Verwalter der Farm berufen. Chile verspricht sich mit der Annektierung der Osterinsel einen strategischen Seefahrerstützpunkt im Pazifik. Der Panamakanal ist im Bau und soll vorbeifahrende Schiffe mit Kohle beliefern. Dieser Plan muss allerdings verworfen werden, nachdem die für den Bau des Kanals verantwortliche Firma ein Jahr später in Konkurs geht.

1889: Züchter Salomon verlässt die Insel mit einer großen Sammlung echter und unechter Gegenstände; die Schaffarm wird an die englische Gesellschaft Williamson und Balfour verpachtet. Die bis zu 60.000 Schafe fressen die gesamte Insel derart kahl, dass die Erosion unaufhaltsam fortschreitet. Mit der Farm beginnt allerdings auch ein regelmäßiger Linienverkehr durch Schiffe von und nach Chile.

1890: Für die Rapa Nui ändert sich wenig. Der Inselgeistliche Nikolas Pakarati kann nicht verhindern, dass die Rapa Nui in ihre alten Rituale zurückfallen. Der US-Amerikaner V.S. Frank berichtet von einer Zeremonie in deren Verlauf es zu kannibalischen Handlungen an peruanische Seefahrer und Einheimische gekommen sein soll. TOP

1895 verpachtet Chile die Osterinsel für 20 Jahre an den französischen Viehzüchter Enrique Merlet, später wird eine Handelsgesellschaft zu Ausbeutung der Insel gegründet und bis 1953 im großen Stil Schafzucht betrieben; die gesamte Insel wird in eine Schaffarm umgewandelt.

Prediger Nikolas Pakarati1896: Die chilenische Regierung erklärt die Osterinsel zu einer Marinedependance. Chile schickt Alberto Sanchez Manterola als staatlichen Inselchef auf die Insel. Die Rechte der Schaffarm bleiben davon unberührt. Das Betreten der Weideflächen ist für die Rapa Nui fortan nur noch mit einer Sondergenehmigung des Militärgouverneurs möglich.

1896:
Der chilenische Pater Albert Montilon unternimmt einen weiteren Versuch zur Christianisierung der Insulaner. Nachdem die Insulaner christlich beerdigte Rapa Nui sofort wieder aus ihren Gräbern entfernen und die Körper in versteckten Höhlen beisetzen, übergibt er die seelsorgerischen Pflichten wieder an den Laienprediger Nikolas Pakarati und verlässt die Insel.

1898:
Es kommt zwischen den Rapa Nui und dem Verwalter der Schaffarm zu Streitigkeiten bezüglich der Bezahlung der Arbeiter; die Rapa Nui treten in Streik. Infolge dieser Zwistigkeiten werden die Insulaner komplett entrechtet. Pächter Merlet lässt die Tiere der Rapa Nui konfiszieren und eine Mauer um das etwa tausend Hektar große Areal um Hanga Roa bauen. Sämtliche Männer und Frauen über 14 müssen fortan unentgeltlich für die Farm arbeiten. Die Flagge der Rapa Nui wird verboten; niemand darf ohne Erlaubnis das Gebiet von Rapa Nui verlassen. Rapa Nui König Riro bewirkt eine Audienz beim Pächter Merlet in Valparaíso, kommt dort allerdings nicht lebend an. Die von Merlet ausgegebenen Vorschriften gelten bis 1953. TOP

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