Osterinsel - Rapa Nui Schicksal  von 1900 bis 1999

Osterinsel - Rapa Nui Schicksal von 1900 bis 1999


Osterinsel - Rapa Nui Schicksal von 1900 bis 1999

Um 1900: Mithilfe des Laienpredigers Nikolas Pakarati haben einige Rapa Nui das europäische Alphabet erlernt und schreiben erstmalig ihre Mythen und Legenden nieder. Diese Niederschriften bilden bis heute eine wichtige Grundlage zur Erforschung der historischen Inselgeschichte.

1901: Der französische Frachter "La Durance" landet an der Osterinsel. Der französische Schiffsarzt Dr. Delabaude nimmt erste bescheidene Grabungsarbeiten vor.

1902: Der zwischenzeitliche Verwalter der Schaffarm Horace Cooper beschuldigt sechs Insulaner der Rebellion. Sie werden ins Exil nach Valparaíso geschickt. Von keinen dieser sechs Insulaner gibt es je wieder ein Lebenszeichen. Die Rapa Nui vermuten, dass sie bereits kurz nach ihrer Abreise einfach ins Meer geworfen wurden.

1903: breitet sich die Lepra unter der weiter Bevölkerung aus. Abseits von Hanga Roa wird von der Handelsgesellschaft eine Lepra-Kolonie eingerichtet.

1904: Alexander Aggasiz, Kommandant der "Albatros" und der "Mohican" führ die ersten geologischen Untersuchungen auf der Osterinsel durch.

1905: Das chilenische Schulschiff "General Baquedano" setzt auf der Osterinsel einige Gelehrten ab, darunter W. Knoche, E. Martinez, Calderon sowie F. Fuentes. Diese Wissenschaftler führen die ersten meterologischen und ethnographischen Forschungen durch und nehmen einen Moai mit.

Katherine Routledge1914: Am 29. März 1914 erreicht die britische Historikerin Katherine Routledge die Osterinsel und bleibt für eine privat finanzierte Expedition 17 Monate. Mit Routledge beginnt die erste ernsthaft durchgeführte Forschungsarbeit auf der Osterinsel. Insulaner berichten Routledge von geheimen Höhlen, sie können ihr aber nicht eine einzige zeigen.

Routledge kartographiert die gesamte Insel und lässt viele archäologisch interessanten Monumente zeichnen, sie führt allerdings keine weitreichenden Grabungen durch. Routledges Aufzeichnungen gelten bis heute als verschollen. Dennoch bildet ihr Reisebericht eine wertvolle Grundlage für spätere Forschungen.

Die Arbeit des Laienpredigers Nikolas Pakarati trägt Früchte, die in Hanga Roa lebenden Rapa Nui haben ihre bootsartigen Hütten verlassen und leben zwischenzeitlich in europäisch orientierten Holzhäusern. Sie schlafen allerdings weiterhin auf Schilfmatten und halten ihre Hühner mit im Haus. Alle Rapa Nui gehen sonntags regelmäßig in die christliche Kirche.

Die Seherin Maria Angata Pakomio 19141915 Unter Führung der als seherisch begabt geltende Maria Angata Pakomio bildet sich eine Art Sekte. Die Mitglieder glauben, die übrige Welt sei in einer Sintflut versunken, nur die Menschen auf Rapa Nui seien übrig und seien von Gott bestimmt, die Welt zu bevölkern. Nun wollen die Rapa Nui ihre Insel zurück. Als Maria Angata Pakomio behauptet, Gott hätte ihr gesagt sie und alle anderen seien immun gegen die Waffen des Inselverwalters kommt es zur Rebellion; der Konflikt eskaliert. Die Häuptlinge werden getötet, weitere Rapa Nui von Wachen der Schafsfarm. Mit Ankunft eines chilenischen Kriegsschiffes löst sich auch die Sekte auf. Die überlebenden Rapa Nui müssen erkennen, dass die übrige Welt doch nicht untergegangen ist. Der Kapitän des Kriegsschiffes macht die Zustände auf der Osterinsel öffentlich. TOP

1916: An den Küsten der Osterinsel tauchen sechs deutsche Kriegsschiffe auf und versenken das vor der Osterinsel liegende französische Kriegsschiff "Jean".

1916: Aufgrund der bekannt gewordenen Zustände auf der Osterinsel besucht der chilenische Militärbischof Edwards** im Auftrag der chilenischen Regierung die Insel und zeigt sich über die Unterdrückung der Insulaner schockiert. Edwards berichtet über die Zustände und wird fortan Vorsitzender einer Osterinselkommission. Außer einer Verlagerung der Zuständigkeiten innerhalb der chilenischen Verwaltung ändert sich für die Rapa Nui nichts. ** Bischof Edwards war der Urgroßonkel von Edmundo Edwards. Edmundo Edwards arbeitete 1960 als Volontär unter Professor William Mulloy, der zu dieser Zeit auf der Osterinsel verweilte und die Ahu-Anlage Akivi restaurierte. Später (1977) war Edwards u.a. Mitbegründer des Instituts für Osterinselstudien an der Universität Chile.

1917: Die Marineverwaltung auf der Osterinsel verlängert den 1895 mit dem französischen Viehzüchter Enrique Merlet geschlossenen Pachtvertrag für die Schaffarm, um weitere 20 Jahre. Dieser Pachtvertrag schließt die gesamte Insel, mit Ausnahme von 2000 Hektar rund um Hanga Roa ein.

1920 erreicht die Lepra den höchsten Krankenstand in der Geschichte der Osterinsel.

1923: Der Neuseeländer Mc Millian Brown führt einige Studien auf der Osterinsel durch.

1929: Die chilenische Regierung kündigt den Pachtvertrag mit Merlet; dieser Beschluss wird allerdings nicht vollstreckt.

1930 besteht nur noch ein Viertel der Bevölkerung aus Rapa Nui. TOP

1930: Der schwedische Botaniker Skottsberg führt einige Studien auf der Osterinsel durch.

1932: Das US-amerikanische Botanische Museum entsendet mit der Jacht "Zuca" eine Expedition unter Leitung von Tempelton Crockes zu Forschungszwecken auf die Osterinsel.

1933 verspricht die chilenische Regierung den Rapa Nui das Recht auf Bildung und die Einhaltung von geregelten Arbeitszeiten sowie eine soziale Mindesversorgung. Umgesetzt wird davon allerdings nichts.

Tapa FigurTapa Figur1934 kommen die, für die Osterinsel-Forschung später so bedeutsamen, Forscher Henri Lavachery sowie Alfred Metraux auf die Insel. Der französische Archäologe Lavachery und der belgische Ethnologe kümmern sich weniger um die sichtbaren Kulturerzeugnisse wie die Moai´s oder die Ahu-Plattformen, sondern beginnen ihre Forschung an der Basis. Erstmalig sammeln sie alte Überlieferungen, analysieren Körperbemalungen und Tätowierungsmuster und widmen sich erstmalig intensiv den Petroglyphen. Das von Lavachery 1939 veröffentlichte Werk über Petroglyphen ist so detailliert, dass bis in den 1990er Jahren keine weitere Erfassung weiterer Petroglyphen erfolgte. Alfred Metraux findet und beschreibt unter anderem vier Meter große Paina-Figuren aus Totora Schilf die mit Rindenstoff (Tapa) überzogen und so fest sind, dass man darauf stehen konnte. Weltweit ist heute leider keine einzige Paina-Figur mehr erhalten.

Ende 1935 trifft der Kapuziner-Mönch Pater Sebastian Englert für eine Forschungsreise auf die Osterinsel ein. Englert findet mit seiner unkonventionellen Art schnell Zugang zu den Insulanern und beschließt, länger zu bleiben. 1937 wird er als Missionspriester auf die Insel versetzt und wirkt dort bis zu seinem Tod im Jahre 1969. Pater Sebastian EnglertEnglert hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Eindämmung und den Stillstand der Lepra-Krankheit, er sorgt für die Sicherung und den Erhalt der alten Kultur, soweit dies noch möglich ist. Später beginnt er, die vielen Moai´s in ein Verzeichnis aufzunehmen, schreibt Bücher und hält Vorträge.

1935 wird von Chile aus ein "Nationalpark Osterinsel" gegründet und die gesamte Insel zum "Nationalen Historischen Monument" erklärt.

1936 wird der Pachtvertrag mit der Schaffarm um weitere 20 Jahre verlängert. Die Osterinsel wird unter der Oberaufsicht der Handelsmarine gestellt. In diesem Zug werden die Rechte der Ureinwohner durch ein Dekret des Verteidigungsministeriums verbessert. Die Insulaner erhalten die gleichen Rechte wie die Festland-Chilenen; Chile muss ab sofort für den Schulunterricht der Kinder und für die Erhaltung der Familienstrukturen sorgen. Außerdem kann sich die Inselbevölkerung auf Antrag frei auf der Schafsfarm bewegen, um dort tierische Brennstoffe zu sammeln. Die Schaffarm muss die Arbeitsverträge der dort arbeitenden Rapa Nui einmal jährlich erneuern und dabei einen vorgeschriebenen Mindestlohn zahlen. TOP

1939: Pater Englert wird für elf Monate seines Amtes enthoben und durch den deutschen Pater Melchior Schwarzmüller abgelöst. Englert war bei dem Versuch gescheitert, eine Kirchensteuer einzuführen sowie den Rapa Nui ein größeres westlich orientiertes Leben abzuverlangen.

Ab 1943 wollen mehr und mehr Insulaner aus ihrer unfreiwilligen Isolation heraus und versuchen von der Insel zu fliehen. Sieben Insulaner wollen als blinde Passagiere mit einem Versorgungsschiff nach Chile, werden aber entdeckt und wieder auf die Insel geschickt.

1944 kapern fünf Rapa Nui ein sieben Meter langes Beiboot eines Versorgungsschiffes und versuchen damit nach Chile zu kommen. Nach 24 Tagen auf See werden sie von einem US-Amerikanischen Schiff, vollkommen entkräftet, aus dem im Pazifik treibenden Boot gezogen und ans chilenische Festland gebracht. Dieser Fluchtversuch greift die Presse auf und macht die Zustände auf der Osterinsel noch einmal öffentlich.

1947 wird von Festland-Chilenen der Verein "Los Amigos de Isla de Pascua" gegründet. Der Verein setzt sich zum Ziel, Mittel für den Ausbau der Lepra-Station zu sammeln sowie Patenfamilien zu finden, die lernwillige Rapa Nui für die Zeit eines Schulaufenthaltes in Chile aufnehmen. Auf der Osterinsel wird bekannt, dass es einem Forscher namens Thor Heyerdahl gelungen ist, mit einem Boot aus Balsaholz, 8000 Kilometer über den Pazifik von Peru aus zu den Marquesas Inseln zu segeln. In den kommenden Jahren gibt es insgesamt neun Fluchtversuche von Insulanern, drei Boote stranden auf polynesischen Inseln, eines an der chilenischen Küste, von den übrigen verliert sich jede Spur. TOP

1948 gelingt es eine sechsköpfige Familie von der Osterinsel zu fliehen und nach Tahiti zu segeln.

Manu Tara - erstes Flugzeug, dass auf die Osterinsel landete1951 steuert ersmals ein Flugzeug die Osterinsel an. Es ist ein Wasserflugzeug das man speziell für diesen Flug auf den Namen "Manu Tara" (Vogel des Glücks) getauft hat. Es startet vom Flughafen der chilenischen Stadt La Serena und landet nach 19 1/2 Stunden auf einer provisorischen Landepiste. Bei der Rückreise stürzt das Flugzeug zunächst ins Meer, kann aber wieder an Land gezogen werden. Der Pilot Hauptmann Roberto Parragué Singer wird aufgrund des nicht genehmigten Fluges von der chilenischen Luftwaffe degardiert und strafversetzt.

1952 kündigt Chile endgültig den Pachtvertrag mit der Schaffarm. Den Rapa Nui wird ein Wahlrecht eingeräumt.

1953 übernimmt die chilenische Armee im Namen des staatlichen Unternehmens C.O.R.F.O. mit einer Dependance auf der Osterinsel die Verwaltung der Schaffarm. Die rund 100.000 Schafe werden im Laufe der nächsten 10 Jahre zum größten Teil geschlachtet; eine unbekannte Zahl von Schafen verendet auch aufgrund fehlender Betreuung. Bei angesetzten Wahlen werden ein Ehrenbürgermeister sowie ein Laienrichter bestellt; die Insulaner ignorieren ihr Wahlrecht; die Ehrenämter werden durch das Militärpersonal besetzt. Der chilenische Arzt Dr. Valenzuela macht erneut die unhaltbaren Zustände der Rapa Nui öffentlich und berichtet, dass die meisten Rapa Nui am liebsten nach Tahiti auswandern würden.TOP

1954 wird eine erneute Flucht von drei Insulanern bekannt, die mit einem sieben Meter langen Boot und einem selbst gebastelten Segel nach 3.830 Kilometer auf Hauehi im Tuamotu-Archipel stranden. Weitere Fluchtversuche werden von der chilenischen Regierung verboten; die Inselverwaltung hat fortan Wachen aufzustellen. Teilweise fliehen ernannte Wachen danach mit von der Insel.

Thor Heyerdahl auf der Osterinsel1955/56 kommt der Norweger Thor Heyerdahl für archäologische Forschungs- und Ausgrabungsarbeiten auf die Osterinsel. Mit der späteren Veröffentlichung seines Buches aku-aku weckt er ein weltweites Interesse an die Osterinsel. Heyerdahl beschreibt in seinem Buch aku-aku eine Familie namens "Atan", die die letzten direkten Abkömmlinge der "Langohren" sein sollen. Die Hauptperson in seinem Buch spielt der älteste von vier Brüdern "Pedro Atan", der sich Thor Heyerdahl als Bürgermeister vorstellt und das Amt (1955) bereits 28 Jahre inne haben will. Pedro Adam wird in dem Buch mehr oder weniger als "Dummschwätzer" hingestellt, der allerdings die besten Plagiate herstellen kann und Heyerdahl in seinen Fähigkeiten beim Aufstellen eines Moai´s über die Maßen verblüfft. 12 Rapa Nui stellen in einem Heyerdahl-Experiment den Moai auf der Ahu-Anlage Ature Huki wieder auf.

1956 darf erstmalig eine Gruppe Rapa Nui nach Chile reisen um dort eine schulische Ausbildung zu beginnen. TOP

Dr. Thomas Barthel1957 kommt der Tübinger Universitätsprofessor und Völkerkundler, Dr. Thomas Barthel für sechs Monate auf die Osterinsel und widmet sich der Rongorongo Schrift sowie den mündlich überlieferten Legenden. Barthel avanciert später zum bedeutendsten Fachwissenschaftler zur Entschlüsselung der Rongorongo Schrift. In dem Buch "Grundlagen zur Entzifferung der Osterinselschrift", erschienen 1958, erfasst erstmals den (zum damaligen Zeitpunkt bekannten) vollständigen Bestand der vorhandenen Rongorongo Schrifttafeln und Zeichen. Er bereites die Glyphen statistisch auf und ordnet sie in ein von ihm entwickeltes System dreistelliger Codezahlen ein. Dieses System wird im Wesentlichen heute noch verwendet, wenn auch inzwischen erweitert und ergänzt.

1957 reist eine weitere Gruppe junger Rapa Nui nach Chile um dort eine schulische Ausbildung zu beginnen. Darunter auch der 15-jährige Alfonso Rapu, der sich zum Lehrer ausbilden lässt und in der Eigenschaft als Lehrer und Bürgermeister später einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Osterinsel nehmen sollte.

1958 wird die neue Pfarrkirche von Hanga Roa eingeweiht.

1959 trifft eine sowjetische wissenschaftliche Expedition auf der Osterinsel ein.

1960 rollt ein über sechs Meter hohe Tsunami auf die Osterinsel zu und zerstört dabei die bedeutendste Zeremonie-Anlage Tongariki in der Hotu-iti-Bucht . Die mächtige Anlage mit einer Länge von rund 150 Metern und 15 Moai´s wird hunderte Meter ins Landesinnere gespült. Es werden erste Flächen für den 1935 gegründeten Nationalpark festgelegt. Professor William Mulloy und sein chilenischer Kollege Gonzalo Figuerosa restaurieren die Anlage Ahu Akivi und stellen alle 7 Moais wieder auf. TOP

Erinnerungsbriefmarke anlässlich der kanadischen Medical Expedition zur Osterinsel im Jahre 19641964 macht der Franzose Francis Maziere erneut die unhaltbaren Zustände auf der Osterinsel öffentlich. Unter anderem ist es den Kindern verboten, ihre eigene Sprache zu sprechen. 90 Prozent der Inselfläche gehören immer noch den Schafen. Die Rapa Nui verlangen, den Dorfschullehrer Alfonso Rapu als Bürgermeister einzusetzen. Der Gouverneur will mithilfe des Militärs Alfonso Rapu verhaften lassen, doch dieser kann sich der Verhaftung entziehen indem er von den Inselbewohnern versteckt wird.

Die kanadische Expedition METEI stellt die medizinische Situation auf der Insel fest; es wird erstmals ein kleines Krankenhaus eingerichtet. METEI macht die Umstände um den, von der Bevölkerung gewählten und vom Gouverneur abgelehnten Bürgermeister, Alfonso Rapu bekannt.

Die US-Amerikaner nehmen Kontakt mit Chile bezüglich Bau einer geheimen Militärbasis der Amerikaner zur Überwachung von russischen Aktivitäten auf. 80 US-amerikanische Bauarbeiter beginnen mit den Vorbereitungen zum Bau einer ersten befestigten Fluglandepiste und zerstören dabei die Ahu-Anlage "Mahave". TOP

1965: Briefmarken zum Gedenken an die Billigung des Gesetzes zur Verbesserung der Rapanui auf der Osterinsel durch den chilenischen Kongress1965 Alfonso Rapu verfasst einen öffentlichen Brief an den chilenischen Präsidenten Frei, in dem die Zustände auf der Osterinsel angeprangert werden. Dieser Brief wird der New York Times zugespielt und dort veröffentlicht. Der öffentliche Druck veranlasst Chile dazu, den Zaun um Hanga Roa entfernen zu lassen und die Militärverwaltung durch eine zivile Verwaltung zu ersetzen. Chilenische Firmen erstellen die erste Landepiste auf der Osterinsel. Die Kosten hierfür werden von den USA getragen.

1966 erhält die Osterinsel den Status einer chilenischen Provinz. Damit werden die Rapa Nui endgültig den Festland-Chilenen gleichgestellt. Fortan gelten keine Militärgesetze mehr sondern das chilenische Zivilrecht. Die Rapa Nui erhalten das volle Stimmrecht, Hanga Roa wird eine Gemeinde mit eigener Gerichtsbarkeit; eine öffentliche Verwaltung wird eingerichtet. Die Bewohner der Osterinsel werden von der chilenischen Steuerpflicht befreit. Der Dorfschullehrer Alfonso Rapu wird er erste ethnisch gewählte Bürgermeister. Sechs weitere Rapa Nui bilden die Gemeinschaft eines Gemeinderates.

Mit Fertigstellung des Flughafens Mataveri wird 1967 der Flughafen für den kommerziellen Betrieb geöffnet. Damit ist die Osterinsel auch an den Rest der Welt angeschlossen. Außer Militärmaschinen fliegen 1967 allerdings nur drei zivile DC-6 Maschinen die Osterinsel an.

1968: Unter Anleitung des US-amerikanischen Professors William Mulloy wird die Ahu-Anlage Kio'e restauriert. Die Restauration an dem Ahu-Komplex Tahai wird unter Mulloys Leitung fortgeführt.

1969: Pater Sebastian Englert stirbt während einer Vortragsreise in New Orleans / USA. Sein Leichnam wird auf die Osterinsel zurückgebracht und neben der Kirche beigesetzt. TOP

1970 beginnen die US-amerikanischen Archäologen William Ayres und Patrick McCoy mit der Erstellung eines archäologischen Inselverzeichnisses, das ab 1976 vom Inselmuseum weitergeführt wird und zwischenzeitlich mehr als 17.000 Eintragungen enthält. Der neue Präsident Salvador Allende gründet ein Büro für die nationale Planung, dabei auch ein Büro für die Belange der Osterinsel. Allende verbietet den Amerikanern die Nutzung des Flughafens.

Briefmarke zur Aufnahme des regelmäßigen Flugbetriebs auf der Osterinsel1971 baut die USA auf der Osterinsel eine Satellitenbeobachtungsstation. Die staatliche Fluggesellschaft LAN Chile nimmt den regulären Flugbetrieb "Santiago - Osterinsel - Tahiti" auf. Sergio A. Rapu, der jüngere Bruder des Bürgermeisters Alfonso Rapu wird als "Kurator" vom kleinen Museum angestellt. In dieser Eigenschaft lernt Sergio A. Rapu den amerikanischen Archäologen William Mulloy kennen.

1972 kommen erstmalig mehr als 6000 Touristen auf die Osterinsel.

1973 wird Chiles Präsident Salvador Allende durch einen Militärpusch von Augusto Pinochet abgelöst. Die Osterinsel wird wieder unter einer Militärregierung gestellt, der Entwicklungsrat und alle Kooperativen werden aufgelöst, außerdem wird ein linientreuer Bürgermeister eingesetzt. Der Tourismus bricht zusammen. William Mulloy wird Sergio A. Rapus Mentor und holt ihn an die Universität Wyoming. Hier macht Rapu seinen Bachelor in Archäologie, später seinen Master für polynesische Kultur und Archäologie an der Universität von Hawaii.

1974 beginnt der Linienflugverkehr mit Düsenjets; der chilenische Staatspräsident Augusto Pinochet besucht die Insel und möchte die Entwicklung fördern.
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1976 wird ein erster Management-Plan erstellt, der das Nationalpark-Gebiet in mehrere Zonen mit unterschiedlichen Betreuungsarten aufteilt. 1976 wird auch ein Schulplan speziell für die Osterinsel aufgestellt. Mit dem bis dahin gültigen chilenischen Schulsystem kamen die Rapa Nui nicht zurecht.

1978 wird zur Stärkung des Einflusses von Einheimischen der so genannte Ältestenrat gegründet. Sergio A. Rapu findet ein Moai-AugeSergio A. Rapu macht bei archäologischen Ausgrabungsarbeiten an der Zeremonie-Stätte "Nau Nau" einen sensationellen Fund in Form eines Moai-Auges aus weißem Korallenkalk. Niemand hatte bis dahin die Existenz derartiger Augen in Betracht gezogen, selbst Thor Heyerdahl nicht, der 1955 ähnliche Funde gemacht hatte, sie aber nicht zuordnen konnte.

1979 erlässt Chile ein Gesetz zur Regelung von Grundeigentum auf der Osterinsel. Hiernach kann jeder Chilene Grund und Boden erwerben, der entweder auf der Osterinsel geboren wurde oder seit mindestens fünf Jahren dort einen Wohnsitz nachweisen kann.

1980 erläßt Chile ein Gesetz, das es den Rapa Nui fortan verbietet, ihre Muttersprache zu sprechen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bestraft. Der chilenische Staatspräsident Augusto Pinochet besucht zum zweiten Mal die Osterinsel.

1981 beginnt die US-Amerikanierin Georgia Lee im Rahmen eines 5-jährigen Forschungsprojektes ihre Arbeit an der systematischen Erfassung und Untersuchung der Petroglyphen.

1982: Augusto Pinochet erlaubt Großbritannien einen Stützpunkt auf der Osterinsel einzurichten, um von dort aus ihre Operationen im Falkland-Krieg zu koordinieren. TOP

1984: Augusto Pinochet beruft Sergio A. Rapu in das Amt des Inselgouverneurs. Damit macht sich Sergio A. Rapu auf der Insel sehr unbeliebt. Sergio A. Rapu hat mit seiner Ernennung zum Gouverneur als Rapa Nui die Interessen Chiles zu vertreten und durchzusetzen. Die Inselverwaltung und der Gouverneur blockieren sich bei Entscheidungen gegenseitig.

1984 wird das Schulsystem noch einmal reformiert. Ab jetzt werden die Rapanui Sprache und lokale Folklore zu Pflichtfächern. Von den USA wird der Flugplatz Mataveri auf 3,4 Kilometer Länge ausgebaut. Diese Landebahn soll als möglicher Notfalllandebahn für das Space Shuttle Programm dienen. Damit erhält die Osterinsel die längste Fluglandebahn Südamerikas.

1986 erstellt die US-Amerikanierin Georgia Lee nach 5-jähriger Forschungsarbeit ein umfangreiches Verzeichnis der bisher bekannten Petroglyphen; 1992 veröffentlicht sie ihre Ergebnisse auch in einem Buch. Nach Öffnung der neuen Fluglandebahn mit einer Länge von 3,4 Kilometer können auch Großraumflugzeuge die Osterinsel anfliegen.

1987 besucht der chilenische Staatspräsident Augusto Pinochet zum dritten Mal die Osterinsel.

1988 bringt der Ältestenrat mit Unterstützung von insgesamt 700 Bewohnern eine Klage gegen die chilenische Regierung ein; es ist der 100. Jahrestag zur Annektion durch Chile. Eine Volkszählung ergibt, dass auf der Osterinsel 1.938 Menschen leben.

1990 fordern die Rapa Nui von der neuen chilenischen Regierung unter Patricio Alwyn mehr Rechte auf Selbstbestimmung. TOP

1992 protestieren die Rapa Nui gegen chilenische Pläne, an der Kultstätte Orongo einen Leuchturm aufstellen zu lassen. Außerdem demonstrieren die Rapa Nui gegen drastische Flugpreiserhöhungen und blockieren drei Tage lang das Flugfeld. Archäologen beginnen damit, die bedeutenste Zeremonie-Anlage Ahu Tongariki zu rekonstruieren und aufzubauen. Diese Anlage war 1960 durch einen Tsunami komplett zerstört worden.

1993: Die kritischen Stimmen aus dem Bürgermeisteramt gegenüber der chilenischen Politik gehen den Mitgliedern im Ältestenrat nicht weit genug. Nachdem Chile ein Gesetz für die Rechte indigener Minderheiten verabschiedet, wird symbolisch der Kirchenvorplatz besetzt und für die vollständige Rückgabe der Insel an die Rapa Nui demonstriert. (Die Besetzung geht von 1994 bis 1998 und wird 2001 von der chilenischen Regierung beendet, indem zwei illegal errichtete Gebäude zwangsweise eingerissen werden.)

1993 wird die "Toromiro Management Group" gegründet. Zu den Mitgliedern gehören die Botanischen Gärten göteborg und Bonn sowie der Kew Garden bei London und die chilenische Forstverwaltung. Ziel dieser Vereinigung ist es, den Toromiro Baum wieder auf die Osterinsel anzusiedeln.

1994 - Kevin Costner dreht auf der Osterinsel einen Kino-Film mit dem Titel Rapa Nui - Aufstand im Paradies1993 trifft der Schwerlastkran zum Aufstellen der Moai´s am Ahu Tongariki auf der Osterinsel ein. Dieser Kran im Wert von 800.000 US-Dollar war von der japanischen Firma Tadano aus Tokio gespendet worden.

1994 wird auf der Osterinsel der Film "Rapa Nui - Rebellion im Paradies" von Kevin Costner produziert. Der 20 Million Dollar Film wird ein Flop, doch die Rapa Nui lieben diesen Film, er wird regelmäßig auf der Insel in drei Sprachen gezeigt.

1995 erhält die chilenische Forstverwaltung von den Botanischen Gärten Göteborg sowie Bonn insgesamt 180 Toromiro-Setzlinge für eine Wiederanpflanzung des Baumes auf der Osterinsel. Während der Quarantänezeit in der Forstverwaltung gehen die Setzlinge an einer Pilzerkrankung ein. Seither soll das einzige Exemplar eines Toromiro-Baumes auf der Osterinsel im Garten des Gouverneurs wachsen. TOP

1995: Die Osterinsel wird als "Nationalpark Rapa Nui" Teil des UNESCO-Welterbes.

1997: Die chilenische Regierung gibt jeder Rapa Nui-Familie 5 Hektar Land "zurück". Die Flächen werden aus dem Nationalpark ausgegliedert. Die Behörden versprechen sich dadurch eine Stärkung der Landwirtschaft und insbesondere eine Verbesserung der Eigenversorgung der Bevölkerung.

1997/98 wird vom staatlichen Fernsehen Chile eine Seifenoper mit dem Titel "Iorana, Bienvenido al Amor" mit Handlung auf der Osterinsel gedreht. Seit Ausstrahlung dieser Serie hat sich die Zahl der chilenischen Touristen vervielfacht.

Die Ereignisse ab 2000 entnehmen Sie bitte anderen Internet-Veröffentlichungen. So gibt es beispielsweise von der Website http://www.osterinsel-freunde.de eine Presse-Seite oder auch ein virtuelles Osterinselarchiv auf http://osterinselarchiv.blogspot.com/ mit den unterschiedlichsten Beiträgen über die Osterinsel aus verschiedenen Zeitepochen und Anlässen. TOP

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