Rebellion auf der Osterinsel und Niedergang der Kultur

Rebellion auf der Osterinsel und Niedergang der Kultur


Osterinsel - Niedergang der Kultur


erstaunte Europäer und die OsterinselAls im Jahre 1722 die Osterinsel von den Holländern unter Admiral Jakob Roggeveen entdeckt wurde, fanden die Europäer eine 179,85 * Quadratkilometer große Insel im Pazifischen Ozean vor, die so ganz anders war als die übrigen Inseln im Pazifik: auf der kompletten Osterinsel wuchs keine einzige Palme sondern stand lediglich niedriges Strauchwerk. Die Kanus der Insulaner zeigten sich in einem "erbärmlichen Zustand"; die Inselbevölkerung verfügte über keinerlei technischer Hilfsmittel und doch standen über die ganze Insel verstreut bis zu 10 Meter hohe Steinmonumente. Die ersten Europäer standen zunächst vor einem Rätsel. Rapa Nui achtlos bei dei Moai´sNiemand konnte sich erklären, wie diese "nackten Wilden" ohne technisches Gerät Steinkolosse von 40 Tonnen und mehr quer über die Insel bewegt und aufgestellt haben konnten?

Welches Schicksal den Osterinsulanern vor den Europäern ereilte, wird heute wohl niemand mehr mit letzter Gewissheit sagen können. Die einmalige Kultur der Osterinsulaner war bereits versunken als die ersten Europäer das Eiland betraten; die verbliebenen Relikte aus denen man die Geschichte hätte rekonstruieren können, wurden von den Europäern gestohlen oder vernichtet; die Zeitzeugen (also die Inselbevölkerung) wurden ermordet, versklavt oder durch europäische Krankheiten fast ausgerottet.

Ein Mythos wird wohl für immer die Frage um die Besiedlung der Insel bleiben. Auch die Katholische Kirche darf sich rühmen, am Niedergang der alten Kultur nicht unwesentlich beteiligt gewesen zu sein. Unter Pater Eyraud und seine Helfer wurden zwischen den Jahren 1866 und 1868 so gut wie alle Rongorongo-Schrifttafeln vernichtet und die verbliebene Inselbevölkerung wurde auf eine westliche Lebensweise umgestellt. Es ist allerdings nicht ganz sicher, ob die Texte auf den Tafeln überhaupt etwas über die Besiedlung der Insel ausgesagt hätten. Insgesamt sind 26 Objekte mit etwa 14.000 Rongoronog-Schriftzeichen erhalten geblieben. Kryptogen wie Thomas Barthel gehen davon aus, dass es sich bei den Rongorongo-Aufzeichnungen lediglich um Gedächtnisvorlagen zum Rezitieren von religiösen Mythen handelt und weniger um die Dokumentationen früherer Ereignisse. TOP

Rapa Nui im KanuAuch wenn es selbst heute immer noch unterschiedliche Theorien über die Besiedlung der Osterinsel gibt, sind sich die meisten Forscher und Wissenschaftler doch einig, dass die Insel in mehreren Schüben durch verschiedene Bevölkerungsgruppen besiedelt wurde. Es heißt, einerseits sei die Osterinsel aus Polynesien besiedelt worden, andererseits aus Südamerika, konkret von Peruanischen Seefahrern. Wann die Besiedlung durch welche Bevölkerungsgruppen tatsächlich erfolgte verliert sich in den unterschiedlichen Theorien. Thor Heyerdahl beispielsweise vertrat die Theorie, dass nicht nur die Osterinsel sondern auch andere Polynesischen Inseln durch südamerikanische Seefahrer besiedelt wurden und später eine polynesische Gruppe zur Osterinsel kam. Andere Theorien besagen, die Osterinsel sei (um 400 bis 500 n.Chr.) zunächst von den Polynesiern besiedelt und viel später (zwischen 900 und 1100 n.Chr.) durch eine Gruppe die dann relativ schnell die Macht über die Insel erlangen konnte (Thor Heyerdahl spricht hier sogar von Nordamerikanern).

Die ersten Osterinsulaner werden vielleicht keinen Zweifel daran gehabt haben, dass die späteren Neuankömmlinge göttlichen Ursprungs gewesen sein müssen, brachten sie doch so fremdartiges Wissen mit auf die Insel und vor allem die Süßkartoffel, die auf so einfache Art und Weise den Magen füllte und ein Gefühl des Wohlstandes mit sich brachte.

Auf Wikipedia ist zu lesen, auf der Osterinsel "... entwickelte sich eine streng stratifizierte Gesellschaft mit 10 unabhängigen Stämmen (máta), die mit verschiedenen Teilen der Insel assoziiert waren, obwohl es keine definierten Grenzen gab...".

Beachtet man allerdings die mündlichen Überlieferungen, so kann diese Aussage so nicht stimmen: TOP

nackte Wilde ?Es heißt, und dies wird von der Fachwissenschaft auch nicht bestritten, um das Jahr 1680 habe es auf der Osterinsel einen Konflikt zwischen den "Kurzohren" und den "Langohren" gegeben, wobei die Langohren dann komplett ausgelöscht wurden. Betrachtet man die Berichte und Einschätzungen der ersten Entdecker, "... die Insulaner seien nackte Wilde, die offensichtlich keine technischen Hilfsmittel besaßen und deren Boote in einem schlechten Zustand seien..." wird klar, die "Kurzohren" müssen zum Zeitpunkt der Entdeckung führerlos gewesen sein. Es mag sein, dass es (so wie auf Wikipedia zu lesen ist) auf der Osterinsel 10 verschiedene Stämme gegeben hat, aber ganz sicherlich nicht "unabhängige". Sämtliche Stämme werden von einer Führungselite regiert worden sein, die alle der gleichen Kaste, nämlich die der "Langohren" angehört haben und diese Kaste muss sich insgesamt hierarchisch gegliedert haben.

Deutlich wird dies am Bau der Moai-Statuen und den Ahu-Zeremonie-Anlagen:
Hinter derartigen Steinkolossen und Anlagen steckt eine hoch geistige und disziplinierte Logistik, die geplant und organisiert gewesen sein will. Nicht nur die Moai´s mussten aus dem Stein geschlagen werden, es waren Fragen zu klären, wer die Werkzeuge erstellt, wer das Holz zum Transport der Steinmonumente schlägt, wer die Arbeiter und die Bevölkerung mit Nahrung versorgt, oder wer den gesamten Ablauf überwacht und koordiniert. Hätte es auf der Osterinsel mehrere unabhängige Stämme gegeben, so hätte sich kein derartiger Kollaps ereignen können und sich die gebündelte Wut nicht auf die gesamte Führungselite bezogen. TOP

Entdecker am Rano Raraku VulkankegelIn vielen Niederschriften werden der Rano Raraku Vulkankegel als "Moai-Fabrik" und der Puna Pao Kegel als "Pukao-Fabrik" betitelt. Noch heute wirkt der Rano Raraku-Steinbruch, als hätten die Steinmetze ihre Arbeit von einem Tag zum anderen niedergelegt. Thor Heyerdahl berichtete, der Rano Raraku Steinbruch sei noch im Jahre 1955 mit Steinwerkzeugen übersäht gewesen. Niemand wird nach diesen Gegebenheiten bestreiten, dass die Moai-Produktion offensichtlich abrupt eingestellt wurde und dieser Fakt lässt, unabhängig von allen Besiedlungstheorien, eigentlich nur einen Schluss zu: zu mindestens die Moai-Produktion muss von einem zentralen Punkt gesteuert gewesen sein.

Die ganze Herrscherstruktur um die Langohren war scheinbar nichts anderes als eine mächtige Dynastie die den Einwohnern suggerieren konnte, sie hätten in ihren Ahnenlinien mächtige Krieger, arikis und (möglicherweise auch) Vogelmänner gehabt, die die göttliche Macht (auf Erden) in sich vereinigten und daher auch den Führungsanspruch über die Geschicke der Insel haben. So lange diese Führungsschicht ihren Untertanen ein "gesättigtes" Leben bieten konnte, wurde ihre Autorität sicherlich auch nicht angezweifelt. Als dann jedoch die Versorgung der Bevölkerung ausblieb und der Hunger kam, gab es in letzter Konsequenz wohl die schicksalhafte Rebellion. TOP

In einer der mündlich überlieferten Legenden wird von einer Frau mit magischen Fähigkeiten gesprochen, die den Arbeitern am Rano Raraku das Essen zubereitete. Eines guten Tages hatte sie eine Languste (Sinnbild für Nahrung die satt macht) zubereitet, diese den Arbeitern aber nicht gegeben weil sie ihren Bruder besucht hat. Den Arbeitern aber plagte der Hunger und aßen, ohne auf die Frau zu warten, die Languste komplett auf. Als die Frau zurückkam und ebenfalls etwas von der Languste essen wollte war nichts mehr da. Böse erhob sie ihre Stimme, belegte mit ihrer magischen Kraft "Mana" Rano Raraku mit einem Tabu und prophezeite, bald werden auch alle Moai´s fallen. Diese Legende klingt nach der aufkommenden Unzufriedenheit der arbeitenden Bevölkerung gegenüber der Herrscherschicht, die offensichtlich gut lebte. Der Konflikt eskalierte.

In einer anderen mündlichen Überlieferungen wird berichtet, dass die Langohren sich auf der Halbinsel Poike zurückgezogen haben, nur ganz sicherlich nicht nur kurz vor ihrem Konflikt mit den Kurzohren; dort war sicherlich auch ihr Machtzentrum. Betrachtet man nämlich die Landschaft östlich des so genannten Poike-Grabens so sind die Berghänge vollkommen von herumliegenden Lava-Gesteinsbrocken befreit, während westlich des Grabens die schwarzen Lavasteine überall in der Landschaft zu finden sind. Es muss eine Mammut-Arbeit und eine große Schinderei gewesen sein, den Berghang von diesen Steinen zu befreien. Dies ist nicht in einer kurzen Zeit zu schaffen und schon gar nicht während eines drohenden Konfliktes mit anderen Volksstämmen. Thor Heyerdahl hat bei Ausgrabungen im Jahre 1955 das Vorhandensein eines zwei Kilometer langen, 12 Meter breiten sowie vier Meter tiefen Grabens quer über die Poike-Halbinsel nachgewiesen, deren Ursprung durch Radiokarbonuntersuchungen auf etwa 400 n.Chr. datiert wurde. TOP

Rapa Nui in Einfachheit und EinsamkeitBetrachtet man die Kunstgegenstände von der Osterinsel, so war mit Ausnahme einiger ganz weniger nicht zuordenbarer Einzelstücke alles auf den Glauben ausgerichtet. Kunst der Schönheit Willen gab es nicht, jedes Kunstwerk hatte einen tieferen religiösen Sinn. Noch während und nach der Rebellion um 1680 konnten die Rapa Nui nicht von ihrem tiefen Glauben zum Schöpfergott Make Make und seinem erstgeborenen Sohn, dem Vogelmann, lassen; es wurden lediglich die Moais umgeworfen, deren irdische Vertreter sich als nicht mehr würdig gezeigt hatten. Man entriss den Moais die Augen, und damit ihre "Mana" und stürzte die großen Monumente als seelenlose Steinkolosse zu Boden. Andere Moai´s blieben stehen, vielleicht weil niemand mehr ihre irdischen Vertreter kannte.

Was nach der Rebellion blieb waren führungslose Menschen auf verbranntem Boden die selber nicht fähig waren, ihre Situation zu analysieren um entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Offenbar konnte auch niemand mehr die RongoRongo Schriftzeichen deuten und somit gab es auch niemand mehr, der die Kultur im Sinne der alten Führungselite wieder aufgreifen und fortführen konnte. TOP

* Die bisher bekannt gegebene Größe von 166 QM wurde durch das Nationale Chilenische Büro für Grenzen korrigiert.

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