RAPANUI


Auf der für die restlichen Polynesier unbekannten Insel
„Te Pito o te Henua“
herrscht Frieden und die nachfolgenden Generationen leben ohne Angst vor möglichen Angreifern. Niemand wagt es, zu der mehr als 3000 Km entfernten alleingelegenen Insel zu segeln.

hist. KUPFERDRUCK

(Historischer Kupferdruck : Mann und Frau von der Osterinsel)

Das Land dieser Insel verteilt der Anführer Ariki Hotu Matua’a unter seine Söhne und es bilden sich im Verlauf der Zeit verschiedene, grössere Stämme, die von den aristokratischen Familien (der Söhne) regiert werden.
Die Noblen nennen sich „Hanau eepe“, im Gegensatz zu den unterklassigen Bauern und Fischern, die „Hanau momoko“ heissen.

hist. KUPFERDRUCK

(Historischer Kupferdruck : Mann von der Osterinsel)

Nach uralterTradition durchbohren sich einige der noblen Gesellschaft die Ohrläppchen und stecken aufgerollte Zuckerrohrblätter in die Öffnung. Das Loch vergrössert sich bis die ausgedehnten Ohrlappen zu den Schultern reichen. Bei den zahlreichen Festen werden Ornamente aus verziertem Holz in die Löcher gesteckt.

hist. KUPFERDRUCK

(Historischer Kupferdruck : Frau von der Osterinsel)

 

AHU
Zu Ehren der Verstorbenen
errichtet jede Familiengemeinschft auf der Osterinsel
nahe der Küstenfelsen einen Ahu,
eine rechteckige, zum Meer hin ansteigende Steinrampe.
Die Toten werden verbrannt, unsichtbar hinter den Ahu’s, in eingerichteten Krematorien.
Vor den Ahu’s entstehen grossflächige, teilweise gepflasterte Versammlungsplätze. In unmittelbarer Nähe werden behauene Steinquader in elliptischer Kreisform in die Erde eingegraben. In auf der Oberfläche gebohrte Löcher kommen dicke Äste gesteckt, die von beiden Seiten zu einem First zusammen gebunden werden. Blätter und Gras bilden eine wasserdichte Dachhaut.
In diesen bootsförmigen Hare Paenga, Gemeinschaftshäuser, finden die Menschen während den langen Zeremonien Unterschlupf.



MOAI
Aus nahen Lavabrocken entstehen die ersten Standbilder,
die sagenhaften Moai.
Augen aus weisser Koralle, lose in ausgeschlagene Augenlöcher gelegt,
wachen über die Dörfer und die Bewohner.
Die Bauwerke werden im Verlauf der Zeit immer aufwendiger.
Tonnenschwere Basaltquader werden von abgelegenen Steinbrüchen herangeschleppt. Im Südosten der Insel entdecken die dortigen Stämme am Kraterberg Rano raraku ein leicht zu bearbeitendes Tuffgestein aus gepresster Vulkanasche. Das weiche Material erlaubt den Bildhauern, innerhalb weniger Wochen mehrere Meter lange Statuen aus dem fast senkrecht aufsteigenden Felsen zu schlagen.

MOAI

Auf dem Rücken liegend rutschen die bis zu 150 Tonnen schweren Kollosse den steilen Berghang hinunter. Am Fusse des Berges werden sie in tiefen Gruben sicher abgestellt. Anschliessend werden die Steinriesen in einem ihrer Breite entsprechenden Graben vornüber auf den Bauch gekippt und ganze Dorfgemeinschaften ziehen ihre zukünftigen Standbilder zu den bis 25 Km entfernten Siedlungen.



PUKAO
Im westlichen Inselteil, beim Vulkanhügel Puna pau, entstehen aus ockerfarbenem Schlackegestein runde Pukao-Zylinder.
Diese leuchtend roten Pukaos thronen in schwindelerregender Höhe auf den Köpfen der Moai.



Ein plötzlicher Klimawechsel verursacht mehrjährige Missernten. Unaufhörliche Regenfälle schwemmen den fruchtbaren Humus ins Meer.
Die mächtigen Ariki’s, angeblich mit Mana, sogenannten übernatürlichen Kräften, regierend, werden für das Unheil verantwortlich gemacht.

In der Bildhauer-Werkstatt am Rano raraku herrscht geheimnisvolle Ruhe.
Eine 20 Meter lange Statue ist fast fertigestellt, nur die Rückenfläche klebt noch am Felsen. Dutzende, auf Holzschlitten liegende Kolosse bleiben auf den Transportwegen stehen. Die vielen Dorfgemeinschaften verteidigen ihre Küstenabschnitte und um die wenigen fruchtbaren Anbauflächen wird gestritten. Aus hartem Obsidian werden scharfkantige Lanzen gefertigt. Die zahlreichen Stammesgebiete zerfallen und zwei rivalisierende Gruppen beherrschen Ost und West.

Die weissen Götter - ab 1722
Schiffe aus einer anderen Welt erreichen die Südsee.
Die Besatzungen, weisshäutige Europäer, werden wie Gottheiten empfangen. Weisse, von der Sonne ungebräunte Haut ist das Statussymbol der aristokratischen Inselgesellschaft. Die Fremden führen unbekannte Güter mit sich, Eisenäxte, Nägel, scharfgeschliffene Messer, reichverzierte Uniformen aus gewobenen Stoffen und knallende Kanonen.
Die mittelalterlichen Schiffsformen der unbekannten Besucher werden in Steinritzungen und Malereien dargestellt.
Die erste dokumentierte Flotte sichtet Te Pito o te Henua am Ostersonntag des Jahres 1722.
Der holländische Kapitän Jacob Roggeveen benennt das Eiland entsprechend des Entdeckungstages "OSTER-Insel".
Die drei Schiffe sind auf der Suche nach dem im Pazifik vermuteten Südkontinent. Schlechte See und stürmische Winde hindern die Besatzung einige Zeit an Land zu gehen. In der geschützten Anakena Bucht versucht eine Gruppe bewaffneter Seemänner die nähere Umgebung zu erkunden. Kaum den Inselboden betreten, schiessen die vermeintlichen „Götter“ mehrere Insulaner tot. Die Schiffe entfernen sich nach diesem Erlebnis auf die offene See und kehren nicht mehr zurück.
Erst ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 1770, wagt eine spanische Expedition unter der Leitung des Kommandanten Felipe González eine Erkundung der Osterinsel. Kanonenkugeln donnern an den Vulkanfelsen Parehe auf der Halbinsel Poike. Schwerbewaffnet marschieren die spanischen Soldaten über das von Lavabrocken übersäte Gelände. Mitreisende Priester stecken Holzkreuze in die Erde. Auf Anweisung des spanischen Königs San Carlos III. erhalten die Insulaner Geschenke und werden respektvoll behandelt. Auf einem Fetzen Papier bestätigen angebliche Inselhäuptlinge mit malerischen Zeichen die Zugehörigkeit zur spanischen Krone. Die Osterinsel heisst nun "Isla San Carlos".



Signatur der "ariki" unter dem Vertrag von 1770

1774, nur vier Jahre später, erreicht die Expedition unter Kapitän James Cook die Insel. Die mitfahrenden Wissenschafter Forster, Vater Reinhold und Sohn Georg, erkunden das baumlose Eiland auf ausgedehnten Wanderungen. Frauen sind nur vereinzelt zu sehen. Ein Zugang zu den vielen Höhlen und Grotten wird von den Männern strengstens verwehrt. Viele Statuen liegen vornübergestürzt und zerbrochen auf den Ahu-Rampen. Angebliche Stammesführer sind wenig respektiert. Die Gemeinschaftshäuser in unmittelbarer Nähe der Monumente finden sie unbewohnt vor. Land und Leute hinterlassen einen verkommenen Eindruck. Die San Carlos Insel wird in "Vaihu Island" umgetauft.
1786 ankern zwei Schiffe unter der Führung des französischen Kapitäns La Pérouse. Samen und Schafe werden den Insulanern übergeben. Ohne sich zu verabschieden segelt die Expedition über Nacht von der Insel weg.
Um die Jahrhundertwende zeigen sich die angeblichen weissen Götter als respektlose Barbaren. Amerikanische Walfischfänger entführen mehrere Insulaner unter Waffengewalt. In verbunkerten Höhlen versuchen die Überlebenden sich zu verstecken. Bis 1862 werden über 2000 Menschen gewaltsam von der Insel entführt und auf dem Sklavenmarkt in Peru verkauft. Nach internationalen Protesten kehrt eine kleine Gruppe mit dem französischen Missionar Eugène Eyraud zurück. An eingeschleppten Krankheiten sterben monatlich mehrere Dutzend der wenigen hundert verbliebenen Menschen.
1868 ernennt sich ein skrupelloser französischer Farmer, Jean Baptiste Dutrou Bornier, als neuer Inselkönig. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit diesem Potentaten verlassen 470 Insulaner mit den anwesenden Missionaren die unglückliche Insel Richtung Tahiti. Nur 110 Einwohner bleiben zurück.
1872 entdeckt der französische Pierre Loti am Kraterberg Rano Raraku die Fabrikationsstätte der legendären Moai. Vor den zerfallenen Monumenten beobachtet er „heidnische Bräuche“ der wenigen Einheimischen. In den folgenden Jahren durchwühlen Europäer Monumente und Höhlen auf der Suche nach verkäuflichen Artefakten.

Isla de Pascua - ab 1888
1888 kauft der chilenische Kommandant Policarpo Toro von der katholischen Mission in Tahiti die verwahrloste Insel. Das chilenische Interesse dauert jedoch nur wenige Jahre.
Die nun genannte „Isla de Pascua“ wird an eine “Compañia Explotadora” vermietet. Das gesamte Inselgebiet wird für die Schafzucht genützt. Die Bewohner müssen sich in der Dorfzone Hanga roa ansiedeln. Leprakranke werden in einem abgelegenen Leprosarium isoliert.
1914 führt die Engländerin Katherine Routledge während 14 Monaten umfangreiche etnologische und archäologische Studien durch. Von den rund 250 Personen erfährt sie aber nur wenig Konkretes über die legendäre Vergangenheit.
1935 wird die Insel zum Nationalpark erklärt.
Der deutsche Kapuzinerpater Sebastian Englert weilt 14 Monate auf der Insel. Ab Ende 1937 missioniert und forscht er unermüdlich auf dem isolierten Eiland bis zu seinem Tod am 8. Januar 1969. Klosterfrauen betreuen die Leprakranken und versuchen, einen regelmässigen Schulunterricht einzuführen.
1951 landet das erste Flugzeug auf einer in Dorfnähe hergerichteten Piste. 1953 übernimmt die chilenische Marine die Inselverwaltung. Mit einem nächtlichen Ausgehverbot sollen die Dorfbewohner diszipliniert werden. Mehrere Fluchtversuche verzweifelter junger Männer enden auf über 4000 Kilometer entfernten Inseln.
1955 ankert Thor Heyerdahl mit der Kon Tiki Expedition in der Anakena Bucht. Das erste Auto fährt über holpriges Gelände. Mit Hilfe einer Gruppe Insulaner wird der erste Moai wieder aufgerichtet. Sein Buch Aku Aku wird ein Bestseller und macht die Osterinsel weltberühmt.
Eine Gruppe junger, in Chile ausgebildeter Lehrer protestieren in einem an den Staatspräsidenten verfassten Brief gegen die Unterdrückung der Inselbevölkerung. Ein im Jahre 1966 inkrafttretendes Gesetz garantiert den Osterinsulanern die gleichen Rechte wie den chilenischen Bewohnern auf dem Festland. Ein Einheimischer wird erster Bürgermeister. Amerikaner bauen eine befestigte Landebahn. Wasserversorgung, elektrischer Strom, das Krankenhaus, ein neues Schulgebäude und die erste Touristenunterkunft entstehen.
1967 fliegt die Airline Lan Chile regelmässig von Santiago de Chile zur Osterinsel. Die Flugzeit dauert über 9 Stunden.
1993 repräsentieren die Insulaner als Statisten ihre Vorfahren in einer gigantischen Hollywoodverfilmung.
Direktes Fernsehen via Satellit flimmert in die Inselstuben.
1999... das Dorf Hanga roa zählt über 3000 Einwohner. 4 wöchentliche Flüge bringen rund 20.000 Besucher jährlich zur Osterinsel. Ein grosser Teil der Dorfstrassen ist gepflastert. Annähernd tausend Fahrzeuge ersetzen das Pferd als Transportmittel. In der Dorfschule erhalten die Kinder Computerunterricht.
Ab 1.1.1999 ist Rapa nui mit der www.osterinsel.de via Internet mit der ganzen Welt verbunden. Ohne elektronische Datenübertragung wäre die Präsentation der Osterinsel im Worl Wide Web nicht Realität geworden.
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