MOAI

Rätselhafte Steinriesen,
geheimnisvolle Götter, stumme Götzen, mysteriöse Monumente...

Das sind nur einige der vielen Interpretationen über die Statuen-Images auf Rapa nui. Standbilder gibt es nicht nur auf der Osterinsel.
Auf den Marquesas-Inseln stehen bis zu 3 Meter hohe, fein verzierte Basalt-Statuen, sogenannte Tiki’s. Auf den Vanuatu-Inseln gibt es mehrere Meter hohe Holzstatuen aus dem tropischen Baumfarn geschnitzt. Auf Sumatra wurden ganze Reihen menschen-grosse Steinstatuen nebeneinader aufgerichtet. Auf Niaus, westlich Sumatra’s, stehen mehere hundert Tonnen schwere Steinkolosse. Auch auf Madagaskar stehen bis zu 10 Meter hohe Steinsäulen in ganzen Gruppen beieinander. Die Bedeutung dieser unterschiedlich aussehenden Images ist im ganzen Pazifik die Gleiche.

MOAI

Es sind Ruhestätten der verstorbenen Stammesführer.
Aus den Standbildern strömt Mana, die Führungskraft der toten Oberhäupter. Die Osterinsel-Statuen hatten alle einen Namen. Heute sind nur noch wenige bekannt. Ko te Riku, Paro, Piro Piro, Hiave, etc. Vielfach wurde den Besuchern im 18. und 19. Jahrhundert bezüglich der Moai’s, das Wort Ariki genannt. Ariki bedeutet Häuptling oder König. Die Beschreibung „Götter“ ist also falsch.

Moai historische Darstellung

Moai - historischer Kupferdruck

Auf der kleinen Osterinsel sind annähernd 1.000 Statuen in verschieden Grössen bekannt. Aufsehen erregen aber nur die Giganten, der grösste von ihnen misst 20.65 Meter und wird auf 250 Tonnen Gewicht geschätzt! Er liegt noch, mit dem Fels verbunden, am Aussenhang des Kraterberges Rano raraku. Wer die Stelle kennt, erblickt ihn schon aus weiter Entfernung.
In unmittelbarer Nähe liegen weitere 395 angefangene, fast fertiggestellte oder zum Abtransport bereitgestellte Steinkolosse. Staunend wandern die Turisten durch das anscheinende Durcheinander einer ehemals hektischen Massenfabrikationsstätte. Das Gelände war übersät mit liegengelassen Basalt-Steinfäusteln, mit denen die Bildhauer dem weichen Aschentuff die einer Büste ähnlichen Form abrangen.
Angedeutete Ohrpflöcke in den aufgeschlitzten Ohrläppchen und überlange Finger unter dem Bauchnabel angelegt, verleihen den Moai einen unverwechselbaren, aristokratischen Ausdruck. Es ist so imposant wie die Heiligtümer der ägyptischen Pharaonen.

MOAI

Ko te Riku
ein Moai im Bereich des Ahus Tahai, ist 4.75 Meter hoch und steht mit 20 Tonnen Gewicht auf einem 20 x 4 Meter messenden Ahu. Auf dem Kopf trohnt ein tonnenschwerer, rot schimmernder Pukao.
Schon aus Entfernung leuchten die aus weisser Koralle eingelegten Augen der Statue. Sie ist die einzige „Sehende“ auf der Insel.


Am Bergfuss stecken rund 70 in Transportrichtung „schauende“ Images bis zur Brust eingegraben, in vorbereiteten Gruben. Die Satue Nr. 15, nach einer Legende den Kriegsführer Hiave darstellend, misst 12.40 Meter, rund die Hälfte ragt über den Erdboden hinaus.
Nur knapp ein Drittel der produzierten Moai’s kam auf die ihnen zugedachten Steinplattformen, den sogenannten Ahu, zu stehen. Kopf in Zielrichtung und das Gesicht in die Erde gedrückt, sind Dutzende auf dem Transport liegengeblieben. Sie haben noch keine ausgeschlagenen Augenhöhlen. Erst auf ihren Steinfundamenten aufgerichtet „erwachten“ sie, indem aus geschliffener Koralle geferigte Augen mit glänzenden Obsidianpupillen in die ovalen Vertiefungen gelegt wurden. Stumm starrten einst etwa 700 Mata (Auge) über die gepflästeren Zeremonieflächen inseleinwärts zu den Siedlungen.

Der längste aufgerichtete Moai auf dem Ahu Te Pito Kura an der Nordküste misst knapp 10 Meter und ist mindestens 80 Tonnen schwer. 1838 stand er noch als einer der letzten. Spätere Besucher fanden alle Statuen gestürzt, die meisten vornüber auf dem Bauch liegend, viele zerbrochen.
Warum die Osterinsulaner immer grössere Satuen produzierten, ist nicht bekannt. Nachgewiesen ist, dass die frühen Images menschlichere Züge hatten und sich im Laufe der Zeit eine standardiserte, fast geometrische Form entwickelte.

MOAI

Mit wenigen Ausnahmen sind alle Statuen aus dem weichen Lapilli-Tuff gefertigt, der nur an einer Stelle der Insel, am Vulkankrater Rano raraku vorkommt. 54 eher kleinere Figuren sind aus hartem Basalt, einem rötlichen Schlackengestein oder Trachyt geschlagen worden.

Rano raraku

Die ersten Standbilder sind mühsam aus in der näheren Umgebung der Dörfer stammenden Felsen hergestellt. Ab ca. 1000 n.Chr. wurde das weiche Gestein vom Rano raraku bevorzugt. Die grosse Zahl der in den Steinbrüchen des Rano raraku zurückgebliebenen Statuen beweist möglicherweise, dass die Produktion viel einfacher war als der beschwerliche, bis über 20 Kilometer lange Transport. Das einzige Dokument über den Transport oder das Aufstellen einer Statue stammt von der holländischen Expedition mit Kapitän Jacob Roggeveen aus dem Jahre 1722. Es zeigt einen auf einer flachen Steinplatte stehenden Felsblock mit eingeritztem Löwengesicht, umringt von einer Gruppe gestikulierender Insulaner.

Heute stehen 43 Statuen wieder auf ihrem ursprünglichen Standort. 12 Monumente sind mit einem Kostenaufwand von z.T. weit über 1 Million US.$ restauriert worden. Das imposanteste Objekt ist Tongariki mit 15 bis zu 8.90 Meter hohen Moai auf einem 180 Meter langen, aus über 20.000 m3 Lavagestein aufgeschichteten Ahu. Es ist das grösste in prähistorischer Zeit errichtete Bauwerk in Polynesien.

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