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SCHRIFT

RONGO RONGO
Entwickelten die Polynesier auf Rapa nui eine eigene Schrift?
Oder sind die Kenntnisse mit den ersten Besiedlern mitgebracht worden? Wahrscheinlich wird es für immer ein Rätsel bleiben, wie, wo und wann die ersten Rongo Rongo Schrifttafeln entstanden. Heute lassen sich die Schriften gelegentlich auch im Alltag finden, zum Beispiel als Dekorationsobjekte für das eigene Heim oder Schriftzüge auf Textilien. Zum Teil tragen auch originelle Werbepräsente die historischen Schriftzeichen. Doch nur die wenigsten Menschen können sie als polynesische Schrift erkennen und wissen, auf welch lange Geschichte diese zurückblicken kann.
1864 beschrieb der Missionar Eugène Eyraud erstmals längliche, rechteckige Holztafeln, die fast in jedem Haus der Insulaner streng gehütet aufbewahrt würden. 1868 gelangte eine mit 16 Meter geflochtenem Frauenhaar umwickelte Kohau Rongo Rongo, Holzbrett mit Schriftzeichen, nach Tahiti. Der dortige Bischof Jaussen entdeckte unter der Haarschnur fremdartige, linienförmig eingeritzte Zeichen: Fische, Palmen, Schildkröten, Menschen, grafische und phallische Symbole.
Viele Forscher zerbrachen sich den Kopf und füllten ganze Bibliotheken mit spekulativen Teilerkenntnissen. Bis heute bleibt die unentzifferte Osterinsel-Schrift noch immer ein Mysterium.



Gemäss den umfangreichen Forschungen des Deutschen Schriftgelehrten Thomas Bartel war das Einritzen aneinandergereihter Symbole auf Holztafeln auch auf anderen polynesischen Inseln Tradition. Der Begriff Rongo Rongo ist neben Rapa nui ebenso auf den Inseln Mangareva und Rapa iti bekannt. Auf den Marquesas-Inseln wird das Wort “Rongo Rongo” mit dem Fehlen der Konsonanten r und g im Sprachgebrauch als “Ono Ono” ausgesprochen. Überlieferungen belegen, dass mit dem Anführer Ariki Hotu matua’a und den Erstbesiedlern 67 Schrifttafeln mitgebracht wurden. Bei jährlich veranstalteten Zeremonien am Anakena-Strand, wo die Ankömmlinge erstmals Osterinselboden betraten, sollen Eingeweihte, Tangata Rongo Rongo genannt, die eingeritzten Texte rezitiert haben. 1882 erklärten Insulaner dem Deutschen Kapitän Geisseler, dass es sich um verschiedenartige, geschichtliche Aufzeichnungen handele.
Niemand war jedoch in der Lage, die Texte zu übersetzten.
Wahrscheinlich sind die letzten Tangata Rongo Rongo 1862 von Sklavenjägern nach Peru verschleppt worden.
Heute sind 21 Kohau Rongo Rongo in verschiedenen Museen über den ganzen Globus verteilt.
Auf der Osterinsel ist kein einziges Original geblieben. Jede der übriggebliebenen 21 Tafeln ist benannt worden. Die Grösste, die sogenannte “Tahua”, ist 91x11.5x2.16 cm gross und zählt 1825 Symbole.
Ein 126x6.5 cm langer, runder Holzstab zählt 2300 Zeichen. Auf einer fischförmig geschnitzten Tafel sind ca. 230 Symbole eingeritzt. Im Ganzen sind 14.000 Zeichen gezählt worden, wovon rund 3.000 wiederholt vorkommen.

1770 unterzeichneten Häuptlinge mit ähnlichen Symbolen ein von der spanischen Expedition vorgelegtes Vertragspapier, das die Unterwerfung zur spanischen Krone bestätigte. Spottend wird behauptet, die Insulaner hätten die linienförmige Schreibweise den Spaniern abgeguckt.
Die Rongo Rongo Schriftzeichen sind jedoch nicht in nachfolgend aufrechten Zeilen zu lesen, sondern abwechselnd aufrecht und auf dem Kopf stehend. Aufgeklappt würde ein langes Schriftband entstehen. Die Annahme, die Schrift sei nur 200 Jahre alt weil einige Tafeln aus europäischem Holz geschnitzt sind, ist nicht stichhaltig. Die Texte können auch periodisch aktualisiert worden sein, ähnlich Neudrucken historischer Geschichtsbücher.
Die neuesten und umfangreichsten Daten zum Thema Rongo Rongo sind im 736 Seiten umfassenden Werk:
Rongorongo,
The Easter Island Script, History, Traditions, Texts
Steven Roger Fischer
Director of the Institute of Polynesian Languages and Literatures, Auckland, New Zealand
Oxford University Press, 1997 Oxford
ISBN: 0-19-823710-3