Pitcairn und die Meuterei auf der
Bounty
Pitcairn
Wenn man eine zusammenfassende Beschreibung über die Osterinsel liest, dann wird ganz sicher auch die geographische Lage der Insel
beschrieben. Dabei wird erzählt, dass die Insel zu Chile gehört
und etwa 3.800 Kilometer westlich von Chile im Pazifischen Ozean
liegt. Man wird lesen, dass die Juan-Fernández-Inseln zu
Chile gehören und dass es sich bei einer dieser Inseln um die
Robinson Crusoe Insel handelt. Es ist aber auch zu lesen, dass die
nächste bewohnte Insel von der Osterinsel weitere 2.073 Kilometer
in westlicher Richtung entfernt ist und diese den Namen "Pitcairn"
trägt.
Wenn unbestritten schon die Geschichten um die Robinson
Crusoe Insel und die Osterinsel sehr interessant sind, so ist die Geschichte
um Pitcairn ebenso interessant. Pitcairn war nämlich das
Ziel der Meuterer von der berühmten Bounty im Jahre 1790.
Von der Bounty, der Meuterei und von der Insel Pitcairn soll deshalb
diese Seite handeln.
Pitcairn:
Die 4,5 Quadratkilometer große Insel Pitcairn ist die Hauptinsel
der so genannten "Pitcairninseln" und liegt rund 5.700
Kilometer vor der südamerikanischen Küste einsam im
Pazifischen Ozean. Bis nach Neuseeland in westlicher Richtung
sind es weitere 5.000 Kilometer. Pitcairn ist von dieser Inselgruppe
die einzige Insel die bewohnt ist. Zu den unbewohnten Inseln gehören
Oeno mit dem dazugehörigen winzigen Sandy Island, Henderson
und das Atoll Ducie.
Pitcairn
wurde 1767 von dem Seekadetten Robert Pitcairn, Sohn des Marineoffiziers
John Pitcairn entdeckt. John Pitcairn stand unter anderem als
Major der Marinestation in Boston vor und befehligte am 19. April
1775 die ersten Schüsse in der Schlacht von Lexington und
Concord, die den Ausbruch des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges
(1775 bis 1783) zu Folge hatten.
Als Pitcairn 1767 im Pazifik entdeckt wurde, kannte man bereits
45 Jahre die Lage der Osterinsel, sie war 1722 vom holländischen
Admiral
Jakob Roggeveen entdeckt worden. Im Gegensatz zur Osterinsel
war die kleine Insel Pitcairn allerdings unbewohnt, es zeigten
sich aber Spuren einer früheren Besiedlung. Als die späteren
Bounty-Meuterer die Insel am 18. Januar 1790 betraten, fanden
sie unter anderem Steinwerkzeuge aus schwarzem Basaltgestein und
grob aus rotem Lavagestein geschlagene Steinbilder mit einer Größe
von bis zu zwei Metern. Spätere Forscher berichteten, dass
die Art und Weise der Bildnisse die der Bildwerke von den Inseln
Marquesas und der Osterinsel gleichen.
Alle sprechen allerdings nur von einer einzigen Anlage. Katherine
Routledge beispielsweise beschrieb diese Anlage als einen rechteckigen
Erdhügel von 4 Meter Höhe, davor eine 11 Meter lange
Anhöhe die mit Steinkieseln verkleidet war. Diese Bauart
gleicht doch stark den Ahu-Zeremonie-Stätten auf der Osterinsel.
Nun aber zur Bounty, ihren Meuterern und die Geschichte um die
Insel Pitcairn:
Durch den US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg konnten
die nordamerikanischen Kolonien Englands die Zuckerrohrplantagen
auf Jamaika nicht mehr mit Getreide beliefern, wobei in den Jahren
1780 bis 1787 rund 15.000 Menschen (vorwiegend Sklaven) ums Leben
gekommen waren. Die Plantagenbesitzer forderten deshalb eine ständig
verfügbare Nahrungsmittelquelle in Form von Brotfrucht-Bäumen
für ihre Sklaven und erwirkten die Finanzierung, Beschaffung
und Lieferung durch die britische Krone. König Georg III
erließ daraufhin eine entsprechende Order an seine Admiralität.
Diese erwarb für den Transport die "Bethia" (bis
dahin ein ziviler Kohletransporter), ließ das Schiff auf
der Werft Deptford Yasrd bei Chatham umbauen und auf den Namen
"Bounty" in Betrieb nehmen.
D ie
Bounty war ein relativ kleines Schiff von gerade einmal 27,7 Meter
Länge und 7,3 Meter Breite mit einem Fassungsvermögen
von 215 Tonnen. Das Kommando auf der Bounty erhielt der 33-jährige
Kapitänleutnant William Bligh, der bereits unter James Cook
als Steuermann gedient hatte. Die für die Bounty angeheuerte
Mannschaft von 20 Matrosen und die mitreisenden 25 Männer
bestehend aus Offizieren, Unteroffizieren, Seekadetten und Protegés
standen in ihrer Zusammenstellung unter keinem guten Stern. Noch
in England (Spithead) desertierten 14 Matrosen und mussten kurzfristig
durch andere ersetzt werden.
Befohlen war eine Seereise einmal rund um die Erde, und zwar
von England durch den Atlantik um die südamerikanische Spitze
Kap Hoorn in den Pazifischen Ozean Richtung Tahiti, später
durch die Torres-Straße bei Australien in den Indischen
Ozean, über das Kap der Guten Hoffnung an der afrikanischen
Südspitze zu den Antillen in die Karibik und dann wieder
zurück nach England. Doch auch die Schiffsreise stand unter
keinem guten Stern. Noch bei England musste die Reise wegen Unwetter
kurzfristig abgebrochen werden, bis es am 23. Dezember 1787 endlich
losgehen konnte. Durch den Zeitverlust traf die Bounty erst am
23. März 1788 auf die südamerikanische Spitze bei Kap
Hoorn, musste dann aber wegen schweren Seegangs diese Route abbrechen
und segelte die Alternativ-Route Richtung Afrika und den Indischen
Ozean.
Immer wieder gab es zwischen dem Kapitän und der Mannschaft
Spannungen, speziell mit dem späteren Rädelsführer
der Meuterei Fletcher Christian. Immer wieder ging es um unhaltbare
Zustände auf dem Schiff und Blighs Führungsstil gegenüber
der Mannschaft.
Die Bounty erreichte am 25. Oktober 1788 Tahiti, konnte aber
erst nach fünf Monaten die Stecklinge der Brotfruchtbäume
laden, da diese nicht früher gezogen werden konnten. In diesen
Monaten genossen sowohl der Kapitän als auch die Mannschaft
den Aufenthalt, insbesondere im Zusammenleben mit den einheimischen
Frauen, einige Männer gingen sogar langfristige Beziehungen
ein. Drei Matrosen wollten in dieser Zeit desertieren, wurden
aber gefangen genommen und mit Peitschenhieben bestraft. Am 4.
April 1789 verließ die Bounty Tahiti mit 1015 Jungpflanzen
Richtung Australien.
Während eines Zwischenstopps in Nomuka (Tongainseln) stahlen
Einheimische Ausrüstungsgegenstände von der Bounty wofür
Bligh den dritten Wachführer Christian verantwortlich machte
und öffentlich tadelte. Auf Höhe Tofua kam es am 28.
April 1789 dann zum Eklat und zur Meuterei: Christian
war vom Kapitän am Vorabend beschuldigt worden, er habe sich
am Vorrat von Kokosnüssen vergriffen. Der Matrose fühlte
sich erneut ungerecht behandelt und schmiedete im Rausch von Alkohol
den Plan, mit einem Floß nach Tahiti zurückzukehren.
Während Christians folgende Wache kam es unter der Mannschaft
zu weiteren Debatten, Kapitän Bligh wurde festgenommen und
letztlich mit 18 Gefolgsleuten in ein sieben Meter langes und
zwei Meter breites Beiboot ausgesetzt.
Während
Bligh es in 48 Tagen schaffte, zur 5.800 Kilometer entfernten
Insel Timor im Osten Malaias zu segeln, segelten die Meuterer
mit der Bounty zur Insel Tubuai um dort zu siedeln. Anschließend
holten sie ihre Frauen von Tahiti. Zurück auf Tubuai eskalierte
das Zusammenleben mit Einheimischen, 66 Tubuaianer wurden getötet.
Fletcher Christian flüchtete in einer Nacht und Nebel-Aktion
mit acht Kameraden, ihren Frauen und einigen Einheimischen und
landete nach einer Irrfahrt am 15. Januar 1790 auf der Insel Pitcairn.
Da Pitcairn durch einen Fehler um rund 180 Seemeilen falsch in
den damaligen Seekarten eingetragen war, fühlten sich die
Meuterer auf dieser Insel relativ sicher.
Durch
eine starke Brandung konnten sie die Insel allerdings erst nach
drei Tagen betreten. Fletcher Christian erkundete die Insel zwei
Tage lang mit zwei Kameraden, sie war unbewohnt aber bewohnbar.
Wie die Osterinsel liegt Pitcairn auf den ostpazifischen Rücken
und wurde ebenfalls von einem Vulkan geformt der seinen Ursprung
rund 3000 Meter unter der Meeresoberfläche hat. Die Bedingungen
die die Meuterer vorfanden waren äußerst günstig.
Die Erde war fruchtbar, das feucht-subtropische Kilma begünstigte
ein üppiges Wachstum. Kokospalmen und Brotfruchtbäumen
wuchsen bereits auf der Insel; Schweine, Ziegen, Hühner,
Yamswurzeln und Süßkartoffeln hatten die Meuterer an
Bord der Bounty.
Christian hatte bei der Erkundung der Insel eine geeignete Landestelle
gefunden (die heutige Bounty-Bay). Sie segelten zu dieser Bucht,
schafften alles Brauchbare von der Bounty und versenkten dann
das Schiff in der Bucht, um eine Entdeckung durch die britische
Admiralität auszuschließen.
Das
Zusammenleben der Meuterer mit ihren polynesischen Begleitern
wurde mit der Zeit allerdings problematisch. Die Meuterer lebten
nach ihren europäischen Werten und behandelten die Polynesier
mehr oder weniger wie Sklaven. Während
die neun Meuterer jeweils eine Gefährtin hatten, mussten
sich die sechs Polynesier mit drei Frauen begnügen. Als dann
der Schmied John Williams eine der drei Frauen für sich beanspruchte
eskalierte die Situation. Am 20. September 1793 töteten die
Polynesier zunächst Williams, dann drei weitere Meuterer
und am 3. Oktober schließlich auch Fletcher Christians.
In einem Racheakt töteten die verbliebenden fünf Meuterer
alle sechs Polynesischen Männer sowie eine Frau. 1794 lebten
nur noch vier von den Meuterern mit zehn Frauen und den zwischenzeitlich
geborenen Kindern auf der Insel. Ende 1799 lebte von den Meuterern
nur noch John Adams; Adams verstarb am 5. März 1829. Die
heutigen Bewohner sind größtenteils direkte Nachkommen
dieser Überlebenden.
Den von Fletcher Christian auf Tahiti zurückgelassenen 16
Kameraden erging es nicht viel besser: Im März 1791, also
18 Monate nach der Meuterei wurden 14 der noch lebenden Meuterer
auf Tahiti in Ketten gelegt und auf die Fregatte Pandora verbracht.
Die Pandora lief auf der Rückreise vor Australien auf ein
Korallenriff, wobei 31 Männer der Crew sowie vier Meuterer
ertranken. Zurück in England wurden die verbliebenden Meuterer
angeklagt, vier wurden freigesprochen, sechs wurden zum Tode durch
Erhängen verurteilt, bei drei Meuterern wurde das Urteil
am 29. Oktober 1792 vollstreckt.
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