Ahu´s Die Zeremonie-Anlagen
auf der Osterinsel
Eine komplette Ahu-Anlage, wie sie ursprünglich auf der Osterinsel
angelegt waren
Die auf der Osterinsel befindlichen Ahu-Anlagen sind nach gängiger
Lehrmeinung "Kulturplattformen", die für die Rapa
Nui das spirituelle Verbindungsglied zwischen der diesseitigen und
der jenseitigen Welt gebildet haben, an denen man den Göttern
auch Opfer darbrachte. Diese Plattformen waren zugleich Grabanlagen
für verstorbene arikis (Häuptlinge). Man glaubte, dass
die Vorfahren zu diesen Orten zurückkehrten, um die Nachkommen
zu schützen und vor allen Gefahren zu bewahren. Jeder dieser
Anlagen war mit einer hohen spirituellen Kraft (Mana)
und der Unantastbarkeit (dem Tapu) versehen.
Vorläufer dieser Ahu-Anlagen sollen weit vor dem Bau der heute
so bekannten Moai´s errichtet worden sein.
Die Universität Chile hat einmal versucht, zeichnerisch darzustellen,
wie eine Ahu-Anlage in der Zeit zwischen 1000 n.Chr. und 1500 n.Chr.
mit all ihren verschiedenen Elementen ausgesehen hat. Sie wird
wie folgt beschrieben:
- A.: Zentrale Plattform für 1 bis 15
Moais, die auf großen
steinernen Platten gestellt wurden. Die Plattform ist im Allgemeinen
durch rechteckige Platten eingefasst, die senkrecht, eng nebeneinander,
aufgestellt wurden. Oft wurden diese Einfassungen mit einem
Fließ aus
roten Steinen abgeschlossen (siehe Ahu
One Makihi).
- B.: In der Verlängerung der zentralen
Plattform erstreckten sich beidseitig weitere Podeste, die
meistens etwas niedriger
waren als die zentrale Plattform.
- C.: Vor der zentralen Plattform sowie den
Seitenflügeln
war eine schräge Rampe angelegt, die mit, vom Meerwasser
rund geschliffenen, Pflastersteinen (Pore) ausgelegt war.
- D.: Vor der schrägen Rampe befand sich landeinwärts
ein großer Zeremonieplatz als Versammlungsort der, an den
kultischen Handlungen, teilnehmenden Bevölkerung. Auf diesem
Zeremonieplatz war ein runder Steinkreis angelegt, die "Canocida
Paina", in dem Zeremonien zu Ehren ehemaliger ariki (Häuptlinge)
abgehalten wurden. Vielleicht wurden dort auch wichtige verstorbene
Persönlichkeiten aufgebahrt.
- E.: Die Moais aus vulkanischem Tuffgestein
aus dem Steinbruch Rano Raraku.
- F.: Die roten Pukaos aus dem Steinbruch
Puna Pau.
- G.: Krematorium zum Verbrennen der Überreste
von Verstorbenen. Sie bestanden aus hochgestellten Steinplatten,
aufgestellt in
Form eines Rechtecks. Im Inneren dieser Krematorien fanden
Wissenschaftler eine feine Kieslage durchsetzt mit verbrannten
Knochenfragmenten.
- H.: Wiederverwendbare Grabkammern, in denen
Skelette von Verstorbenen hineingelegt wurden, deren Körper
man vorher in der Sonne hatte austrocknen lassen.
- I.: Rampe für Kanus (siehe beispielsweise
Ahu Tahai).
- J.: Platz für Paenga-Wohnhäuser. Diese Häuser
wurden Häuptlingen, Priestern und andere Menschen mit
hohem Rang bewohnt.
Nach den mündlichen Überlieferungen der Rapa Nui wurden
die verstorbenen Ariki auf der Anlage zunächst in Matten
aus Tapa oder Totora-Schilf eingewickelt und bis zur Skelettierung
dem Verfall Preis gegeben. Nach einer festgelegten Zeit wurde
dann das Skelett innerhalb der Anlage beigesetzt. Die Kulturstätten
gewannen nach Meinung der Rapa Nui mit jeder Ahnenreihe von wichtigen
arikis und deren steinernen Vertreter (den Moai´s)
zusätzlich an göttliche Kraft (Mana).
Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass die Zeremonie
Stätten über Generationen erweitert und verändert
wurden. Selbst nach dem Zusammenbruch der Kultur (um 1680) sollen
sie von den Osterinsulanern noch weiterhin als Zeremonie Stätten
genutzt worden sein; es wurden allerdings keine neuen Anlagen
mehr angelegt.
Die Bauform der Ahu´s ist nicht immer gleich.
Ahu´s auf denen die Moai´s aufgestellt waren bestanden
aus einem Portal, zwei Seitenflügel, einer mit "Rollkiesel"
(runden Steinen) versehene schräg anlaufende Erdrampe sowie
ein geebneter Vorplatz für Zeremonien. Das Portal mit den
Seitenflügeln war mit einem Schalenmauerwerk eingefasst und
mit Erde aufgefüllt. Auf dem Portal der Plattform waren schwere
ovale Steinplatten eingelassen, auf denen dann die Moai´s
aufgestellt wurden. Die bis zu 88 Tonnen schweren Moai´s
wurden dabei nicht ins Erdreich eingelassen sondern auf den Steinplatten
lediglich mit kleineren Steinen senkrecht ausgerichtet.
In einigen Anlagen wurden unterhalb der Seitenflügel steinerne
Kammern gefunden, die von der Rückseite frei zugänglich
waren und nach gängiger Meinung als Krematorien für
Verstorbene dienten. William
J. Thomson berichtete 1886, es hätten sich noch die Überreste
menschlicher Knochen gefunden die zwischen losen Steinbrocken
gelegen hätten.
Mancher
dieser Anlagen erreichte eine Gesamtlänge von bis zu 145
Metern (die Anlage Tongariki
soll ursprünglich sogar 215 Meter lang gewesen sein). Im
Buch von Peter Leopold und Ricardo Herrgott ist zu lesen, dass
zum Bau einer durchschnittlichen Ahu-Anlage zwischen 300 und 500
Tonnen Gestein bewegt worden sind, bei dem Ahu-Komplex
Tahai bei Hanga Roa sollen es sogar rund 23.000 Kubikmeter
gewesen sein. Das Mauerwerk an einigen Ahu´s (wie das am
Ahu Tahira in Vinapu oder Tepeu)
ähnelt nach Meinung Thor
Heyerdahls mit den sehr exakt geschlagenen Steinquadern der
Vor-Inka-Baukunst in Mittel und Südamerika, seine Kritiker
sind allerdings anderer Meinung.
Auf der Insel finden sich noch andere Ahu´s, wie beispielsweise
niedrige quadratisch bzw. rechteckig gebaute Zeremonie-Plattformen,
die nach gängiger Meinung die Urform der Ahu´s repräsentieren.
Es finden sich aber auch Ahu´s in Form einer sehr langgezogenen
dreiseitigen Pyramide, etwa 45 Meter lang und drei Meter hoch.
Unter diesen Pyramiden-ähnlichen Erhebungen wurden teilweise
mehrere Grabkammern gefunden. In einigen dieser Grabkammern sind
die Reste zerbrochener Moai´s mit eingearbeitet. In abgewandelter
Form finden sich spitzovale Erhebungen in Form von Kanus deren
Bug und Heck jeweils etwas hochgezogen sind. Auch in diesen Bauten
hat man Grabkammern gefunden. Diese Bauten sind etwa 20 Meter
lang und vier Meter hoch.
Die
Größe und Ausformungen der Ahu´s unterliegen
keiner erkennbaren Gesetzmäßigkeiten. Es gibt Anlagen
mit einem oder zwei Moai´s, mit bis zu 15 Moai´s oder
auch Anlagen ohne Moai´s. Die Anlagen sind teilweise monumental
lang, teilweise klein und niedrig, teilweise auch nur mit Stein
aufgeschichtete Erhebungen unter denen sich Grabkammern befinden.
Wikipedia schreibt dazu, es sei zu vermuten, dass die Größe
der jeweiligen Anlage etwas mit dem Machteinfluss der jeweiligen
Ariki und ihrer dazugehörigen Gemeinschaft zu tun gehabt
haben muss.
Die ältesten Plattformen (etwa 15 bis 20) wurden nach astronomischen
Gesichtspunkten ausgerichtet. Acht davon mit ihrer Achse in Nord-Süd-Richtung.
Der US-Wissenschaftler William Liller ist der Meinung, nach dieser
Ausrichtung konnten die Ureinwohner den höchsten Sonnenstand
ermitteln und hätten möglicherweise danach wichtige
Feste ausgerichtet. Eine andere Möglichkeit wäre aber
auch, die Ausrichtung dieser Ahus habe navigatorischen Zwecken
gedient.
Die meisten Zeremonienplattformen
befinden sich an der Nordküste der Osterinsel, die monumentalsten
Ahu´s befinden sich an der südlichen Küste. Bis
auf wenige Ausnahmen befinden sich sämtliche Anlagen innerhalb
von maximal 500 Meter zur üblichen Gezeitenlinie. An den
meisten der Ahu´s finden sich Siedlungsreste mit Wohn- oder
Zeremonienhäusern; in unmittelbarer Nähe der Anlagen
befanden sich zumeist aufwendig errichtete Paenga-Häuser.
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