Die Höhlen der Osterinsel

Die Höhlen der Osterinsel


Höhlen


Ana Kai Tangata, die MenschenfresserhöhleHöhlen scheinen bei vielen Menschen noch die Urinstinkte unserer Vorfahren anzusprechen, denn anders lässt es sich nicht erklären, dass viele von uns dunkle fensterlosen Behausungen etwas Gemütliches abgewinnen können; man denke an die Bettenburg aus Laken in der Kindheit, an die Faszination von einem Baumhaus oder auch von einem kleinen Zelt. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Touristen auf der Osterinsel sich natürlich auch für die dortigen Höhlen interessieren.

Eingang zur JungfrauenhöhleWohnhöhlen hat es gegeben; von geheimen Familienhöhlen mit Steinfiguren die von aku-aku Geister bewacht werden wird erzählt; Höhlen in denen Menschen gefressen wurden oder auch die Jungfrauenhöhle, in der junge Mädchen wochen- oder monatelang ausharren mussten, um eine möglichst helle Haut zu bekommen. Insgesamt soll es auf der Osterinsel ein System von über 600 Höhlen geben, ja eine gar fantastische Zahl, um dort möglicherweise ein Hauch von Abenteuer mit nach Hause nehmen zu können.

Ja, all diese Höhlen gibt es auf der Osterinsel. Doch wer meint, er kommt in Kathedralen mit bläulich schimmernden Bergseen oder gut erschlossenen Höhlen mit interessanten Monolithen oder prächtigen Tropfsteinen, dem sei die Euphorie hier genommen.

Der berühmte Forscher und Abenteurer Thor Heyerdahl hat die interessantesten Höhlen im Jahre 1955 besichtigt und darüber in seinem Buch "aku-aku - Das Geheimnis der Osterinsel" geschrieben. Er wurde geführt und begleitet von der Einheimischen "Eroria", die für den Pater Sebastian Englert als Haushälterin arbeitete, für ihn aber viele Höhlen auf der Insel erforscht und durchsucht hat. Mit Stearinkerzen und einem Gartenkratzer war sie kreuz und quer über die Insel gezogen und hatte vornehmlich in alten Wohnhöhlen nach Steinbeilen oder Knochengeräten ihrer Vorväter gewühlt.

Eingang zu einer WohnhöhleThor Heyerdahl schreibt, tagelang seien er, sein Fotograf und die besagte Eroria von morgens bis abends in finstere Löcher hinauf und wieder herausgeschlüpft. Manche dieser Löcher hatten die Größe, dass man sich nur zu bücken brauchte, andere waren sorgfältig mit Steinen vermauert, so dass nur ein viereckiges Schlupfloch übrig blieb. TOP

Heyerdahl schreibt:
" Die meisten (Eingänge) waren die reinsten Rattenlöcher, in die man weder gehen noch kriechen konnte. Man musste die Beine mit durchgedrückten Knien hineinstecken, die Arme über dem Kopf ausstrecken und sich dann mit dem Körper auf Schlangenmanier durch einen langen und scheußlich engen Schacht vorschieben. Diese Röhren waren immer sorgsam, oft mit kunstvoll zu behauenen Blöcken, verkleidet. typische Höhleneingänge auf der OsterinselManchmal führten sie als waagerechter Kanal in die Steinmauern hinein, oft auch schräg abwärts. Bisweilen aber ging es senkrecht in die Tiefe wie in einem Schornstein. Man musste dann mit den Schenkeln und Schultern bremsen, bis man durch die Decke in einer Ecke des nachtschwarzen Gewölbes landete. Die meisten dieser Höhlen waren so niedrig, dass man darin gar nicht aufrecht zu stehen vermochte; in anderen konnte man überhaupt nur hocken oder sitzen. Hier hatte die Urbevölkerung der Insel gewohnt, jedenfalls in unruhigen Zeiten, wenn sie sich in den Schilfhütten draußen im Freien nicht sicher fühlten. Höhlen auf der OsterinselHier hatten sie auch Unterschlupf gesucht, als die ersten Europäer auftauchten. Die meisten Höhlen waren so groß wie ein mittleres Badezimmer und so dunkel, dass man die Hand vor den Augen nicht sah, wenn man sie nicht gerade unter die Mündung des engen Schachts hielt. Den Grund bildete kalte Erde, tief und fett vom Abfall vieler Generationen, wie poliert von tausend tappenden Händen und rutschenden Knien. Dach und Wände bestanden aus nacktem Fels, da und dort mit Mauerwerk kunstvoll verkleidet." TOP

Heyerdahl beschreibt in seinem Buch auch, wie Eroria sie in die Wohnhöhle ihres Großvaters und die ihrer Ahnen führte. Es waren drei, in Stufen angeordnete, geräumige Höhlen, die man durch einen, an einem gemauerten Brunnen erinnernden, Schacht erreichen konnte. Heyerdahl zog aus dem Boden ein Stück Menschenknochen, das an einem Ende durchbohrt war, um es als Amulett um den Hals zu tragen. Menschenknochen und vor allem menschliche Backenzähne seien in vielen Höhlen zu finden gewesen, Heyerdahl zitiert seinen Archäologen William Mulloy der meinte: "Überall das gleiche Inventar" ... "Da haben die alten Schweine gesessen, haben einander aufgefressen und die Zähne auf den Boden gespuckt."

600 Höhlen müssen hier nicht beschrieben werden um einen Eindruck davon zu erhalten, was den Touristen hinsichtlich der Höhlen erwartet. Der 3-Tage-Tourist von dem Kreuzfahrtschiff wird sicherlich gezielt in einige Höhlen in der Nähe von Hanga Roa geführt werden. Dort gibt es Höhlen die sind auch für Menschen zugänglich, die an Phobien leiden und deshalb gerne enge Räumlichkeiten meiden.

Ana Kai TangataGanz sicher werden die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes in die so genannte Menschenfresser-Höhle "Ana Kai Tangata" geführt werden. Die Höhle liegt an der Westküste der Insel, südlich von Hanga Roa. Bei dieser Höhle handelt es sich eigentlich um eine 9 Meter breite und 15 Meter tiefe Grotte, die vom Meer ausgespült wurde. Sie ist über eine Steintreppe leicht zu erreichen und bietet an der Decke schöne Malereien, die oft auch als Postkartenmotive Verwendung finden. Ob hier wirklich Menschen aufgegessen wurden ist nicht sicher. Ausgrabungen im Jahr 1988 haben diesbezüglich keine Befunde ergeben.

Höhle Ana KiongaDie ebenfalls im Südwesten befindliche
Ana Kionga Höhle
ist sicherlich deshalb interessant, weil dort ein europäischer Rosenkranz gefunden wurde. Es ist durchaus möglich, dass dieser Rosenkranz einem Mönch oder einer Nonne gehört hat, die 1843 in Begleitung des Bischoffs E. Rouchouze auf die Osterinsel gekommen waren. Aufgrund von Vergewaltigungen, Entführungen, Morde und die Einschleppung von Syphilis in den Jahren 1805 bis 1822 waren Fremde nicht gerne gesehen und so verschwanden dann auch die 24 Mönche und Nonnen spurlos. Es wird vermutet, dass alle von den Insulanern ermordet wurde. TOP

Eingang Ana Kakenga - die ZweifensterhöhleEbenfalls an der Westküste und in der Nähe von Hanga Roa (allerdings auf der anderen Seite) befindet sich die Zweifensterhöhle "Ana Kakenga". Diese Höhle ist für jeden Touristen ungefährlich, der sich auch in ein altes Kellergewölbe traut. Die Ana Kakenga Höhle hat einen ganz kleinen unscheinbaren Eingang, dann aber öffnet sich ein Hohlraum in dem man gebückt laufen kann; zur Küste hin kann man sogar stehen und es wird erstaunlich groß. Interessant an dieser Höhle sind zwei Öffnungen, durch die man auf den Pazifik blicken kann. Eine Höhle um Südsee-Feeling mit nach Hause nehmen zu können.

Bananenhöhle auf der OsterinselIn der Nähe der Zweifensterhöhle befindet sich die so genannte "Bananenhöhle", die sicherlich ebenfalls mit in der Besichtigungstour der Kreuzfahrtschiff-Touristen eingeplant wird. Auch diese Höhle ist gänzlich ungefährlich zu betreten, ist relativ groß und weitläufig; an einer Stelle ist die Decke eingestürzt. Die Bananenhöhle nennt sich "Bananenhöhle", weil hier große Bananenstauden wachsen. Wenn man Glück hat, befinden sich an den Stauden sogar Bananenfrüchte. TOP

Ana Te KoheDamit werden die Kurzzeittouristen sicherlich ihr Tagespensum für Höhlen sicher erfüllt haben; in der Nähe der Zweifenster- oder der Bananenhöhle gibt es noch weitere Höhlen, beispielsweise die Ana Te Kohe Höhle. Die Ana Te Kohe Höhle befindet sich nur wenige hundert Meter von der Bananenhöhle entfernt, wird von Touristen aber relativ selten besucht, weil der Eingang nicht einfach zu finden ist. Interessant ist die Höhle eigentlich nur, weil aus der Höhlenöffnung ein Baum wächst. Da man oberirdisch nur die Krone sieht wirkt dieser Baum, als sei es ein Busch.

Ana Te PoraBesser zu erreichen ist die, ebenfalls in der Nähe dieser Höhlen liegende Höhle "Ana Te Pora". Obwohl die Ana Te Pora durchaus interessant ist um sie zu besichtigen, ist sie keine "Touristenhöhle". Die Ana Te Pora - Haupthöhle ist relativ einfach zu begehen. Diese Höhle diente den Rapa Nui aufgrund der Größe als Versteck vor den Sklavenjägern, wurde aber auch als Zeremonie- und Begräbnisstätte genutzt. Die Höhle ist etwa 30 Meter lang und 10 Meter breit, allerdings keine zwei Meter hoch. In der Mitte befindet sich ein künstlicher Steinpodest. Von der Höhle führt eine enge Lavaröhre zur Lagerstätte der Toten; Menschenknochen sind dort immer noch zu finden. Höhle Ana Mahina

In der Nähe von Hanga Roa, direkt hinter der ehemaligen Lepra-Station befindet sich die "Ana Mahina" - oder auch "Dos Ventanas" (zwei-Fenster)-Höhle. Die Höhle hat zwei Eingänge und diente den Kranken früher als Begräbnisstätte. An den Wänden sind wunderschöne, rot angemalte Petroglyphen angebracht, die den Schöpfergott Make Make darstellen.

Höhle Ana Nga Heu mit den schönsten Makemake PetroglyphenNordwestlich des Maunga Terevaka befindet sich die Ana Nga Heu - Höhle. Sie ist nur zu Fuß oder zu Pferd erreichbar. Die Höhle liegt auf rund 120 Meter Seehöhe; in der Höhle finden sich verschiedene Petroglyphen. Unterhalb der Ana Nga Heu Höhle befindet sich die "Ana Omohe" Höhle. Sie soll einige der besten Petroglyphen der gesamten Insel enthalten. TOP

An der südlichen Küste in der Nähe des Ahu Hanga Po Kura befindet sich die "Ana Oroi" Höhle. Sie ist nur mithilfe Ortskundiger und auch nur über Klippen zu erreichen. Die Höhlenwände sollen früher mit Malereien überzogen gewesen sein; nach dem Tsunami im Jahre 1960 sind sie leider vom Wasser vernichtet worden. Zu sehen ist nur noch ein Gesicht vom Schöpfergott Make Make. Auch diese Höhle diente den Insulanern als Begräbnishöhle; im Sediment der Höhle finden sich noch Knochen und auch bearbeitete Obsidian Steine.

Jungfrauenhöhle auf der OsterinselZum Abschluss sei noch auf eine Höhle auf der nordöstlich gelegenen Seite der Poike-Halbinsel hingewiesen, die auch öfter in Reiseführern genannt wird, nämlich die so genannte Jungfrauenhöhle "Ana O Keke". Der Höhleneingang liegt am Steilhang der Halbinsel und sollte nur mit festem Schuhwerk und in Begleitung eines Führers besucht werden. Die Höhle ist allerdings nichts für Menschen mit Höhenangst oder klaustrophobischen Ängsten. Der Zugang zur Höhle ist nicht ungefährlich, der Höhleneingang ist sehr niedrig; die Begehung bis zum Höhlenende ist nur etwas für wirkliche Profis. Die Jungfrauenhöhle war in früheren Jahrhunderten der Aufenthaltsort für junge Mädchen, die wochen- oder monatelang in vollkommener Dunkelheit ausharren mussten, damit sie während der Vogelmann-Prozessionen als möglichst bleiche Mädchen präsentiert werden konnten.
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Bleichstätte für Neru-Jünglinge, die Ana More Matapuku HöhleIn unmittelbarer Nähe der Jungfrauenhöhle und quasi in Sichtweite befindet sich eine weitere Ritualhöhle, und zwar die Ana More Mata Puku Höhle - die Bleichstätte für Jünglinge. Diese Höhle befindet sich etwa 80 Meter unterhalb der Jungfrauenhöhle, 10 Meter oberhalb des Meeresspiegels. Während die Jungfrauenhöhle rd. 350 Meter in den Vulkangestein hineinragt, ist die Ana More Mata Puku Höhle lediglich eine Felsausbuchtung von rund 6 Meter. Die Höhle ist auch nur 6 Meter breit, läuft nach hinten Trapezförmig auf 3,50 Meter zusammen; sie hat eine Deckenhöhe von rund 1,30 bis 1,50 Meter. Die Höhle ist sehr schwer zu erreichen bzw. zu finden und sollte nicht ohne einen erfahrenen Führer aufgesucht werden. Der relativ versteckte Eingang sieht aus als sei die steile Felswand am Boden etwas unterspült, was möglicherweise vor einigen Jahrhunderten auch so geschehen ist. Spektakuläre Dinge gibt es dort nicht zu sehen. Die Höhle ist trocken, die Wände sind verwittert und porös, vom Eingang aus gesehen finden sich in der hinteren rechten Wand einige grobe Gravuren, die ganz offensichtlich nicht von geübten Handwerkern angebracht wurden. Im hinteren Bereich des Höhlenbodens sind vom Meerwasser glatt geschliffene Steine zu einer einfachen Einfassung ausgelegt, möglicherweise die Einfassung einer Schlafstätte.
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