Rei-Miro - Ritualobjekt für Fruchtbarkeit und gute Ernten?
Rei Miro
Ein
interessanter Ritualgegenstand aus Holz ist der so genannte "Rei
Miro". Bei diesem Objekt handelt es sich um ein mondsichelartiges
Brett in einer Größe von zwischen 24 und 92 Zentimeter
Länge, 7 bis 35 Zentimeter Höhe sowie etwa einer Dicke
von 3 Zentimeter. Wie auch die anderen hölzernen Ritualgegenstände
wurde auch der Rei Miro aus dem kostbaren und seltenen Toromiro-Holz
geschnitzt, es findet sich aber auch ein Rei-Miro aus dem Knochen
eines Wals.
Während die Form (Halbmond) bei allen Objekten immer gleich
ist, so sind sie von ihren Motiven und Darstellungen doch unterschiedlich.
Zumeist zeigen sich an den Spitzen des "Halbmondes" vollplastisch
ausgeschnitzte Menschenköpfe, allerdings wiederum in Form
eines verkleinerten Halbmondes. Diese Köpfe haben im Gegensatz
zu vielen anderen (menschlichen) Darstellungen keine verlängerten
Ohrläppchen; der Kinnbart ist nach außen gerollt,
es sieht so aus, als sollte die "Mondsichelspitze dadurch
etwas "abgestumpft" werden um den Träger nicht
zu verletzen.
In Abwandlung dieser Grundform sind einige Rei Miros erhalten,
die anstelle des Mondsichelartigen Gesichtes auch Muscheln oder
sogar Hühnerköpfe zeigen. Und sogar die symmetrische
Mondsichel des Rei Miros wurde abgewandelt: immer noch in Form
eines "Halbmondes", doch dann in Darstellung von Tierleibern
wie beispielsweise ein gebogener Hühnerkörper oder
eines gekrümmten Fisches.
Bei allen Objekten gleich sind zwei Bohrungen in der Mitte der
Innenseite der Halbsichel. Aus Berichten der ersten
europäischen
Entdecker weiß man, dass an diesen Bohrungen Bänder
aus Menschenhaar befestigt waren, um die Rei Miros vom Träger
um den Hals zu legen oder über die Schulter zu halftern.
Alle Rei Miros sind auf der Rückseite flach und auf der
Vorderseite leicht plastisch ausgearbeitet und glatt poliert.
Entlang der konkaven Oberseite verläuft eine vertiefte Rinne
sowie auf der Vorderseite noch einmal eine herausgearbeitete
Vertiefung in Form eines weiteren Halbmondes. Einzigartig sind
zwei erhaltene Rei Miros, auf denen RongoRongo
Schriftzeichen angebracht sind. Auf einem der Objekte sind lediglich zwei Schriftzeichen
angebracht, auf dem zweiten Objekt insgesamt 46 Elemente entlang
der konvex geformten Unterseite. Bei diesem Schriftband sieht
es so aus, als habe nicht der Kunsthandwerker des Rei Miro die
Schriftzeichen angebracht, sondern sein späterer Besitzer,
denn der Schriftzeichenverlauf zeigt keine symmetrische Form
entlang der runden Unterseite.
Bisher konnte niemand die Bedeutung des Rei Miri sowie die darauf
dargestellten Motive und Symbole schlüssig erklären.
Aus einem Bericht des Kapitänleutnants Geiseler aus dem
Jahre 1882 geht hervor, dass die angebrachten Schriftzeichen
den Rang des Trägers sowie seinen Bezug zu diesem Rei Miro
beschreiben und dass sich an den Enden der Objekte "Gottheiten in erhabener Schnitzkunst" angebracht sind. Geiseler hielt
die Rei Miro für Rangabzeichen. Thor
Heyerdahl meinte, die
Rei Miros seien Symbole für die Besiedlungsgeschichte der
Osterinsel. Er deutete die Halbmondsichel als Boot und wies auf
entsprechende Darstellungen von Booten aus Totora-Schilf hin.
In der Tat spielt der König Hotu
Matua in allen überlieferten
Legenden eine große Rolle. Es heißt, er sei mit zwei
Booten von Westen auf die Insel gekommen und sei der Gründervater
aller Stämme.
 Wikipedia bringt die Rei
Miros auch mit der Anpflanzung von
Nahrungsmittel in Verbindung. Hier wird Alfred Métraux
zitiert der meinte, die Rei Miro wurden während einer Zeremonie
zum Pflanzen der Süßkartoffel getragen. Es heißt:
"
In vielen Regionen Polynesiens war rongo der Gott der Süßkartoffel
(allgemein der landwirtschaftlichen Produkte, auf einigen Inseln
aber auch der Gott des Donners, Regens und Regenbogens) und die
männliche Personifikation des Mondes."
Einer der ersten Missionare auf der Osterinsel, Pater
Zumbohm,
berichtete als erster von dem Schöpfergott Make
Make, der
nach Meinung der Rapa Nui seinen Unmut unter anderem mit Donner
und Blitz zum Ausdruck brachte. Wikipedia zieht den Schluss, "Rongo" hätte
sich in den Jahrhunderten der Isolation auf der Osterinsel möglicherweise
zum "Make Make"-Gott gewandelt.
So gut wie alle Rituale der Rapa Nui waren auf Repräsentationsobjekte
der göttlichen Kräfte des Schöpfergottes Make
Make ausgelegt. Die göttliche Kraft "Mana" konnte
nicht nur dem Menschen eingehaucht werden sondern auch Büschen,
Bäumen, Steinen oder auch Tieren. Es ist somit denkbar,
dass die Rei Miros stellvertretend für die Fruchtbarkeit
und möglichst hohen Ertrag von Früchten und essbaren
Lebewesen dienten. In Ritualen, die wir heute Erntedankfest nennen
würden, konnten die Träger dieser Rei Miros dann sicherlich ihrem
Schöpfergott Make Make huldigen.
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