Tattoos und Körperbemalung der Rapa Nui auf der Osterinsel

Tattoos und Körperbemalung der Rapa Nui auf der Osterinsel


Tattoos und Körperbemalung


Tattoos der Rapa Nui auf der OsterinselWie bei vielen Urvölkern auf der Welt und natürlich in Polynesien, so haben auch die Rapa Nui ihre Körper mit Muster in Form von Tattoos versehen, sowie bei besonderen Anlässen zusätzlich auch mit Farbmustern bemalt. Alfred Métraux hat sich während seines Aufenthaltes auf der Osterinsel 1934/35 näher mit dem Thema "Körperschmuck" beschäftigt und schreibt, das Interesse am eigenen Aussehen definierten die Rapa Nui mehr über Tattoo´s als über Bekleidung ("Tracht") oder ihrer Frisur.

Gerade Männer hätten ihre Tattoos zu wahren Kunstwerken gebracht, die durch den Reichtum ihrer Motive immer wieder überraschten. Neben geometrische Formen wurden auch realistische Motive verwendet, wie beispielsweise Vogeldarstellungen, Pflanzen oder auch Geräte. Hjalmar Stope veröffentlichte 1899 eine Zeichnung von einem Tattoo eines Rapa Nui, auf dem der Abtransport des Moai "Hoa-haka-nana-ia" auf das englische Schiff Topaze festgehalten war.

Tattoo eines Rapa Nui zeigt den Abtransport des Moai Hoa-haka-nana-ia"

Laut Métraux gab es, wie in heutiger Zeit auch, die sich auf das Tatauieren spezialisiert hatten. Als Tataurierungswerkzeuge dienten eine kleine Knochenharke der zuvor in Farbe eingetaucht worden war und mittels einem Holzschlegel in die Haut eingeklopft wurde. Die Farbsubstanz wurde aus der Kohle von ti-Ästen bereitet, der man den Saft des poporo (Solanum nigrum) beimischte. TOP

Der Vogelmann mit seinem Statussymbol - dem Ao TanzpaddelKörper-Tattoo einer Frau ähnelt dem Ao-Tanzpaddel des VogelmannesDas ganze Verfahren war sehr langwierig und wurde in Abständen von mehreren Jahren immer wieder vervollständigt. Um den Körperschmuck bis zum Erwachsenenalter abgeschlossen zu haben, wurde mit der Tatouierung bereits im Kindesalter (etwa 8 Jahren) begonnen. Da die Sitzungen sehr schmerzhaft waren, blieben die Tattoos bei so manchem Rapa Nui unvollendet. Rang und Wohlstand eines Menschen ließ sich dann aber oft an der Größe und Schönheit der Tattoos erkennen.

William Thomson zeichnete 1886 das Tattoo einer Insulanerin, das (nach unserer Meinung) in der Gesamtgestaltung doch stark an die Geburt des Vogelmanns erinnert. Vielleicht hat diese Frau einen späteren Vogelmann geboren und sich deshalb in dieser Weise tätowieren lassen. Dies sind (wie gesagt) aber nur Spekulationen.

Als W.J. Thomson sich mit den Tattoos der Rapanui beschäftigte schrieb er in seinem Bericht, die jüngere Generation würde sich nicht mehr tätowieren lassen, es sei eine Sitte der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Es war wohl mehr eine Folge der Dezimierung durch Versklavung, Krankheiten und Vertreibungen, dass sich die Rapanui nicht mehr so intensiv mit Tattoos beschäftigten. Katharine Routledge konnte 1915 noch die Tätowierung eines Rapanuis festhalten. TOP

Tattoos - festgehalten 1915 von Katharine Routledge

tätowierter Rapanui - Zeichnung von Pierre LotiDie Wirkung der Tatauierung wurde noch durch Körperbemalung erhöht. Hierzu standen rote, weiße, schwarze oder graue Erde, sowie eine orange Farbe aus der Curcuma-Wurzel zur Verfügung. Das gewonnene Pulver aus der Curcuma-Wurzel war besonders auch wegen ihres Duftes sehr beliebt. Dieser für Polynesier sehr angenehme Duft (auf Europäer übt sie keine Wirkung aus), soll einst zwei weilbliche Geisterwesen am Rano Raraku angezogen haben, die in "ite-hiva" (auf fremder Erde) beheimatet waren. Sie sollen dem Mythos zufolge einst den Vorvätern der Rapa Nui gezeigt haben, wie man das Pulver aus der Wurzel herstellt.

Rot und schwarz bildeten die Lieblingsfarben der Männer. Laut Alfred Métraux sollen sich die Rapa Nui ihren Körper gerne komplett mit diesen Farben eingerieben und bei den ersten Europäern "einen starken Eindruck" hinterlassen haben.

Wenn auch relativ wenig über die Form und Gestaltung der Körperbemalung bekannt ist, so weiß man doch, wie der jährlich neu ausgerufene Vogelmann sich zu bemalen hatte. Es heißt, der neue Tangata Manu rasierte sich zunächst seine komplette Körperbehaarung ab und ließ sich dann mit roten und schwarzen Streifen bemalen. Wie das ausgesehen haben mag, vermittelt der Ao-Tanzpaddel, das nach außen getragene Statussymbol des Vogelmannes. TOP

Moai am Rano Raraku mit Make Make TattooDie Rapa Nui versahen nicht nur sich selbst mit Tattoos, sondern offenbar auch einige ihrer Moai´s. So findet sich am Hang des Rano Raraku (unweit des Moais Re-Carved) ein Moai, der am Hals eine gravierte Halskrause trägt sowie am linken Oberarm die Abbildung des Schöpfergottes Make Make. Wissenschaftler haben am Hals Reste von Farbspuren gefunden. Es ist also denkbar, dass die Gravur mit Farbe noch deutlicher hervorgehoben wurde. Alfred Métraux schreibt, die Wellenlinien am Hals geben getreu die auf der Osterinsel vorgekommenen Tatauierungsmuster an jenem Teil des Körpers wieder. Métraux vermutete 1934, die Eingeborenen müssen lange vor Ankunft der Europäer den Rano Raraku-Hang aufgesucht haben, um diese Tattoo-Darstellungen anzubringen. Allerdings ist Métraux auch der Meinung, die Europäer (oder Chilenen) hätten sich mit Schiffdarstellungen an den Moai´s verewigt (siehe beispielsweise Moai Ko Kona He Roa).
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