Die 26 bekannten Rongorongo - Holztafeln von der Osterinsel

Die 26 bekannten Rongorongo - Holztafeln von der Osterinsel


Zusammenstellung aller bekannten Rongorongo Schrifttafeln von der Osterinsel (siehe auch Th. Barthel)


Nachfolgend finden Sie eine Auflistung aller bekannten Rongorongo Schrift- bzw. Holztafeln:

Bezeichnung Abbildung
01. - A Tafel Tahua <-- zur Detailseite

Größe: 909x115x26 mm
Material: Fraxinus excelsior
Linien: 8+8
Zeichen: 1825
Ort: Congregazione dei Sacri Cuori, Rome

Bei der Rongorongo Schrifttafel Tahua handelt es sich um ein rd. 90 x 11,5 cm schmales rechteckiges Teil eines Ruderblattes (Barthel schreibt Eschenholz – Fraxinus excelsior, Wikipedia schreibt Eichenholz), das möglicherweise als Treibholz von einen europäischen bzw. amerikanischen Boot angeschwemmt wurde.

Die Schrifttafel "A - Tahua" gehört zu den Tafeln "A", "B", "C", "E" und "P", die wohl 1866 von Pater Gaspard Zumbohm von den Rapanui eingesammelt worden waren, und auf Anforderung von Bischof Jaussen durch Pater Rousell im Jahre 1868 nach Tahiti geschickt wurden. Nach dem Tod Jaussens kam die Schrifttafel Tahua in das Mutterhaus der Congr. SS. CC. Nach Braine-leComte (Belgien). Seit 1953 wird sie im Archiv des Ordens in der Via Rivarone in Rom aufbewahrt.

Thomas Barthel schreibt: Nach persönlichem Augenschein war der Erhaltungszustand des dunkelbraunen, glänzend polierten Stückes im September 1954 noch ausgezeichnet.

Bischof Jaussen gab die Anzahl der Schriftzeichen mit 1547 an, Barthel zählte jedoch 1825 Elemente. Die Schriftzeichen weisen laut Barthel den klassischen Stil der Rongorongo Schrift in reiner und hochentwickelter Form auf.

Die Tafel führt ihren Namen "Tahua" nach ihrer Form und dem Material.

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Rongorongo Text A
02. - B Tafel Aruku-Kurenga <-- zur Detailseite

Größe: 415x152x29 mm
Material: Lauracea
Linien: 10+12
Zeichen: 1135
Ort: Congregazione dei Sacri Cuori, Rome

Bei der Aruku Kurenga Tafel handelt es sich um ein 41 x 15,2 cm großes Holzstück des Portiabaumes, (Barthel schreibt Laurazee) das vermutlich als Treibholz auf die Osterinsel angeschwemmt wurde. Die Tafel ist in einem guten Zustand und gilt als eines der schönsten Objekte mit Rongorongo-Schriftzeichen.

Laut Thomas Barthel (Kapitel 15 d) kommt auf dieser Tafel das Symbol 203 (Steinbeil) mehr als 40 x vor. Barthel interpretiert: "Diese Passagen können als ausgesprochene Steinbeil-Gesänge bestimmt werden. … Offenbar sollte aus dem Vollzug des Rituals das besungene Werkzeug eine besondere Kraft (Mana) gewinnen. … Der Gesang auf der Tafel Aruku-Kurenga beginnt am Ende der Zeile 2 mit –Priester des Steinbeils- und fährt dann fort in Zeile 3 mit –Gesang vom feurigen (?) Steinbeil. Später ist die Rede vom –Fruchtdarbringen für den Gott des feurigen (?) Steinbeiles und schließlich vom –Steinbeil der Gottheit, das Steinbeil von Tane- ."

Die Schrifttafel "B - Aruku-Kurenga" gehört zu den Tafeln "A", "B", "C", "E" und "P", die wohl 1866 von Pater Gaspard Zumbohm von den Rapanui eingesammelt worden waren, und auf Anforderung von Bischof Jaussen durch Pater Roussel im Jahre 1868 nach Tahiti geschickt wurden. Seit 1974 befindet sich die Tafel im ständigen Besitz des Congregazione dei Sacri Cuori, Rome.

Die Tafel B trägt ihren Namen nach Heine-Geldern nach dem ursprünglichen Besitzer (oder Schreiber) dieser Tafel Aruku-Kurenga aus Tongariki, der während der Überfälle durch peruanische Sklavenjäger (1862 / 1863) ums Leben gekommen sein soll. Tongariki war eine große Siedlung im Ostteil der Osterinsel zwischen Poike und dem Rano Raraku, einem Gebiet (so Barthel), das den Hotu-Iti zugeschrieben wird. Barthel schreibt: Die Tafel muss demnach aus der klassischen Zeit vor 1862 stammen.
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Rongorongo Text B
03. - C Tafel Mamari <-- zur Detailseite

Größe: 290x196x25 mm
Material: Myrtacea
Linien: 14+14
Zeichen: 1000
Ort: Congregazione dei Sacri Cuori, Rome

Die Tafel C soll, wie auch Tafel B, den Namen seines ursprünglichen Besitzers oder Schreibers tragen. Dieser Name wurde von Bischof Jaussen vergeben. Bei der Mamari-Tafel C handelt es sich um ein 29 x 19,6 cm großes Stück Holz aus Myrtazee (Wikipedia Deutschland schreibt – Portiabaum – Thespesia populnea). Orliac (2005) ermittelte, dass der Baumstamm, aus dem die Tafel gemacht worden ist, mindestens einen Durchmesser von 20 cm und eine Höhe von 15 Meter gehabt haben muss. Sowohl González (1770) als auch Forster (1774) beschreiben in ihren Reiseberichten, dass zu ihren Zeiten kein Baum mehr auf der Osterinsel vorhanden war, der diese Größe hatte. Nur Carl-Fr. Behrens (1722) beschreibt die Osterinsel "voller Gehölz und Waldungen".

Steven Fischer bezeichnete diese Tafel als eines der schönsten Stücke mit Rongorongo Schriftzeichen. Seiner Meinung nach könnte diese Tafel auch die älteste erhaltene Tafel sein.

Laut Wikipedia Deutschland wird die Tafel C – Mamari laut einer Legende mit 67 Tafeln in Verbindung gebracht, die König Hotu Matua mit auf die Osterinsel gebracht haben soll. Sie soll sich zuletzt in Besitz des mächtigen Häuptlings (Ariki) Ngaara aus dem Miru-Clan befunden haben. Sie wurde ihm angeblich von einem Diener gestohlen und von dessen Sohn Archio an die Missionare verkauft. Thomas Barthel schreibt, der Ariki Ngaara sei der letzte große Schriftgelehrte und Häuptling auf der Osterinsel gewesen. Er soll einige Hundert Schrifttafeln besessen haben. Nach seinem Tod wurde er auf drei Schrifttafeln zu Grage getragen.

Im Jahre 1868 war die Bevölkerung der Rapa-Nui durch Sklavenjäger (1862/63) sowie durch Pest, Pocken und Lepra auf ganze 800 Ureinwohner dezimiert. Das Volk der Rapa-Nui war gebrochen, die Elite (darunter auch die Häuptlinge) wurden 1862/63 zu den Guano-Abbauflächen vor Peru verschleppt.

Die Schrifttafel "C - Mamari" gehört zu den Tafeln "A", "B", "C", "E" und "P", die wohl 1866 von Pater Gaspard Zumbohm von den Rapanui eingesammelt worden waren, und auf Anforderung von Bischof Jaussen durch Pater Roussel im Jahre 1868 nach Tahiti geschickt wurden. Seit 1974 befindet sich die Tafel im ständigen Besitz des Congregazione dei Sacri Cuori, Rome.

Barthel vermutet, dass diese Tafel mit einem Mond-Kalender in Verbindung steht, da die Zeilen 6 bis 9 auf Seite a auffallend viele astronomische Zeichen und Mondsymbole zeigen. Diese Ansicht wird zwischenzeitlich auch von vielen anderen Forschern geteilt.

Wikipedia UK schreibt, der Text auf der Mamari Tafel sei der einzige Rongorongo-Text, dessen Funktion (Kalender) man zweifelsfrei festgestellt konnte.
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Rongorongo Text C
04. - D Tablette échancrée <-- zur Detailseite

Größe: 241x121x26 mm
Material: Podocarpus latifolius
Linien: 7+6
Zeichen: 270
Ort: Musée de Papeete, Tahiti

Schnur aus Menschenhaar bei der Rongorongo Tafel D Die Tafel échancrée hat eine Größe von etwa 25 x 13 cm. Laut Th. Barthel handelt es sich um ein Brettchen mit starken Beschädigungen an den ausgebrochenen Schmalseiten und kerbenartigen Verletzungen der Schriftflächen. Das Holz stammt von der Steineibe - Podocarpus latifolia. Wie das Holz des in Südafrika heimischen Baumes auf die Osterinsel kam, ist nicht bekannt. Steven Fischer meint, es sei ein Teil einer Bootsplanke eines europäischen Schiffes gewesen. Die Schrifttafel "D - échancrée" gehört zu den sieben Tafeln ("A", "B", "C", "D", "E", "F" und "P"), die zwischen 1868 und 1871 in den Besitz von Bischof Jaussen (Tahiti) gelangten. Die Tafel "D" wurde wahrscheinlich von Pater Zumbohm 1871 an Jaussen übergegen, als dieser mit rd. 200 Rapanui von der Osterinsel nach Tahiti emigrieren musste.

Einschließlich der beschädigten Formen sind noch ca. 270 Elemente zu erkennen. Laut Steven Fischer zeigt die Seite a fachmännisch geschnittene (kleine feine) Schriftzeichen, die Seite b dagegen mehr größere, gröbere Schriftzeichen. Fischer meint, die Texte a und b seien deshalb von verschiedenen Autoren verfasst worden.

Aus Bischof Jaussens Aufzeichnungen geht hervor, dass diese Tafel mit einer 16 Meter langen Schnur aus Menschenhaar dicht umwickelt war, die tiefe Kerben im Holz hinterlassen hat. Jaussen: Die Schnur sei vermutlich eine Angelschnur, die Tafel D könnte zuletzt als Angelrolle genutzt worden sein.

Thomas Barthel schreibt, die Rongorongo-Tafel D wurde in der Literatur wegen seines schlechten Zustandes gewöhnlich als Tablette échancrée bezeichnet, eine Namensgebung, die gelegentlich zu Verwechselungen mit dem Exemplar B geführt hat. In den Jaussen Aufzeichnungen ist die Tafel nicht näher benannt. Walter Lehmann nannte sie in seinen Notizen 1917 nach ihrem Entdecker Gaspard Zumbohmsche Tafel, Thomson nach den Anfangsworten von Ure-Vaeikos Gesang – Ka-ihiuga.

Laut Th. Barthel gelangte die Tafel échancrée als erstes Schriftdenkmal der Osterinsel in europäische Hände und wurde von Pater Zumbohm nach Tahiti zum Bischof Jaussen gebracht. Barthel bezieht sich dabei auf eine Notiz (datiert Braine-le-Comte, 15 avril 1942), die sich dabei auf das Jahr 1869 bezieht. Barthel bezweifelt deshalb dessen Korrektheit, weil diese Tafel (und auch andere Tafeln - s.o.) Bischof Jaussen bereits im Jahre 1868 (durch Pater Roussel?) zugeschickt wurde. Die Tafel befindet sich im ständigen Besitz des Congregazione dei Sacri Cuori, Rome, wurde aber 1997 an das Musée de Tahiti et des Îles auf Tahiti ausgeliehen.
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Rongorongo Text D
05. - E Tafel Keiti <-- zur Detailseite

Größe: 390x130x25 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 9+8
Zeichen: 822
Ort: Original ist 1914 in Belgien (Louvain) verbrannt

Die Rongorongo Schrifttafel Keiti gibt laut Wikipedia Deutschland den Namen seines Schnitzers wieder. Die Tafel hatte die Größe von 39 x 13 cm mit insgesamt 880 Schriftzeichen. Leider wurde die (Original)Tafel während des Ersten Weltkrieges bei der Deutschen Belagerung und Zerstörung der Universitätsbibliothek der belgischen Stadt Louvain verbrannt. Heute sind nur noch Fotos, Abreibungen und Abgüsse erhalten.

Laut Thomas Barthel (Kapitel 15 d) kommt auf dieser Tafel das Symbol 203 (Steinbeil) mehr als 40 x vor. Barthel interpretiert: "Diese Passagen können als ausgesprochene Steinbeil-Gesänge bestimmt werden. … Offenbar sollte aus dem Vollzug des Rituals das besungene Werkzeug eine besondere Kraft (Mana) gewinnen. … Der Gesang auf der Tafel Keiti scheint die verschiedenen Arbeitsweisen darzustellen und schließt jede Strophe durch einen festen Refrain ab."

Die Schrifttafel "E - Keiti" gehört zu den Tafeln "A", "B", "C", "E" und "P", die wohl 1866 von Pater Gaspard Zumbohm von den Rapanui eingesammelt worden waren, und auf Anforderung von Bischof Jaussen durch Pater Roussel im Jahre 1868 nach Tahiti geschickt wurden. Nach dem Tod Jaussens kam die Tafel 1888 zunächst nach Paris, 1889 nach Braine-le-Comte und wurde schließlich 1894 bestimmungsgemäß er Universitätsbibliothek zu Löwen (Louvain) in Belgien übergeben. Besonders wertvoll ist (lt. Th. Barthel) eine Fotografie, die J. Weisser um 1882 von der Tafel auf Tahiti gemacht (oder erworben) hatte. Die Holzart ist unbekannt.
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Rongorongo Text E
06. - F Fragment Chauvet <-- zur Detailseite

Größe: 111x80x15 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 6+4
Zeichen: 51
Ort: Arman Collection, New York
        seit 2005 Merton Simpson Galerie

Das so genannte Chauvet-Fragment F ist eines der am schlechtesten erhaltenen Objekte mit Rongorongo-Zeichen. Es ist gerade einmal 11,5 x 8,0 cm klein und umfasst insgesamt mindestens 50 Zeichen. Das Chauvet-Fragment ist erheblich verwittert, ist ein Bruchstück einer (ursprünglich) größeren Tafel und wurde höchstwahrscheinlich in einer steckten Höhle aufbewahrt. Th. Barthel schreibt, die Schriftzeichen weisen einen ganz rohen, unbeholfenen Stil auf, der wohl als Verfallsform der Linienführung zu bewerten ist.

Die Schrifttafel "F - Chauvet" gehört zu den sieben Tafeln ("A", "B", "C", "D", "E", "F" und "P"), die zwischen 1868 und 1871 in den Besitz von Bischof Jaussen (Tahiti) gelangten. Wahrscheinlich war dieses Fragment das erste Fragment, dass Jaussen von einem nach Tahiti emigrierten Rapanui 1868 übergeben wurde. Jaussen erkannte den Wert der Schrift und forderte daraufhin weitere Schrifttafeln von den Missionaren an.

Ein (ursprünglich auf dem Fragment) aufgeklebter Zettel aus dem Jahre 1892 belegt, dass dieses Fragment im Besitz von Bischof Jaussen war und nach seinem Tod in den Besitz der Picpus-Patres (Paris) überging. Mit einigen anderen Stücken (wie einem Tahonga, Rei-Miro oder einem Rapa) wurde die Tafel F wahrscheinlich 1932 dem französischen Ethnologen Stéphen-Chauvet übereignet. Chauvet ließ von einem japanischen Holzschnitzer eine verglaste Schatulle anfertigen, um das Bruchstück zu sichern. Wikipedia Deutschland schreibt: Heute befindet sich das Objekt in Privatbesitz (seit 2005 ist es im Besitz der Merton Simpson Galerie).

Thomas Barthel schreibt, nach Chauvet handelt es sich bei dem Exemplar F um das von Thomson als 7. Tafel des Bischofs Jaussen bezeichnete Bruchstück.
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Rongorongo Text F
07. - G Kleine Santiagotafel <-- zur Detailseite

Größe: 319x122x22 mm
Material: Toromiro
Linien: 8+8
Zeichen: 720
Ort: Museo Nacional de Historia Natural, Santiago de Chile

Die kleine Santiago-Tafel hat eine Breite von 32 cm und eine Höhe von 12,2 cm. Die Tafel hat eine rechteckige Form; die leichten Beschädigungen stammen vermutlich (so Th. Barthel) aus einer Zeit, bevor die Schriftzeichen eingeritzt wurden. Auf jeder Seite befinden sich 8 Zeilen mit insgesamt rd. 720 Elementen. Das Recto stimmt inhaltlich weitgehend mit dem Text der Tafel K überein.

Die Tafel G übergab Pater Roussel 1870 (wie auch die Tafel H) an den chilenischen Korvetten-Kapitän Gana und somit gelangte sie in den Besitz der chilenischen Marine in Valparaiso. 1876 wurden die Objekte "G", "H" und "I" an die neu gegründete Abteilung der Archäologie im Museo Nacional de Historia Natural, Santiago de Chile übergeben.

Wikipedia Deutschland schreibt, Missionare fanden die kleine Santiago-Tafel 1868 in einem Haus an der Kultstätte Orongo.
Th. Barthel schreibt, das Objekt G wurde zusammen mit Objekt H und einem dritten, später verlorengegangenen Stück, kurz nach dem Besuch des britischen Kriegsschiffes Topaze (November 1868) von den Missionaren in einem der Steinhäuser am Orongo gefunden. Th. Barthel vermutet, bei der dritten Tafel könne es sich um die London-Tafel "K" handeln.
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Rongorongo Text G
08. - H Große Santiagotafel <-- zur Detailseite

Größe: 449x125 mm
Material: Toromiro
Linien: 12+12
Zeichen: 1580
Ort: Museo Nacional de Historia Natural, Santiago de Chile

Die große Santiago-Tafel H hat ist rd. 45 cm lang und 12,5 cm breit. Die Form ist leicht geschwungen. Auf jeder Seite befinden sich 12 Zeilen mit insgesamt rd. 1580 Elementen. Th. Barthel schreibt: "Der Stil ist elegant und sicher und kann als gutes Beispiel für die klassische Schreibweise gelten."

Die Tafel H ist auf der Seite a gut erhalten, die Seite b ist teilweise ausgebrochen und an einer Stelle angebrannt. Es wird vermutet, dass diese Tafel als Feuerpflug benutzt wurde.

Der Text stimmt in einigen Passagen mit dem der Tafeln P und Q überein, nach Auffassung Barthel und Fischer handelt es sich um einen langen Gesangszyklus.

Diese Tafel nahm Kapitän Gana von der chilenischen Korvette O´Higgins 1870 von Pater Roussel in Empfang und gelangte mit den Exemplaren I und G so in die Obhut der chilenischen Marine in Valparaiso. 1876 wurden die Objekte an die neu gegründete Abteilung der Archäologie im Museo Nacional de Historia Natural, Santiago de Chile übergeben.
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Rongorongo Text H
09. - I Santiagostab <-- zur Detailseite

Größe: 1260x60 mm
Material: Holz - Toromiro?
Linien: 14
Zeichen: 2920
Ort: Museo Nacional de Historia Natural, Santiago de Chile

Der Santiago-Stab "i" ist eines der (aus religiöser Sicht der Rapa-Nui) am bedeutendsten Objekte mit Rongorongo-Schriftzeichen, vor allem aber das Objekt mit den meisten Schriftzeichen (2320). Der Stab hat eine Länge von 1,12 Meter und einen Durchmesser von durchschnittlich 6 cm. Es handelt sich auch um die schönste erhaltene Arbeit. Im Gegensatz zu allen anderen Tafeln sind die Zeichenfolgen auf diesem Stab in Gruppen zu je drei Zeichen (oder eine Vielzahl von Zeichen die durch drei geteilt werden können), mit senkrechten Strichen abgetrennt. Th. Barthel schreibt: "Der Stil ist vorzüglich und weist viele singuläre Konstruktionen auf."

Der Linguist Konstantin Pozdniakov merkt an, dass einige Textpassagen des Stabes mit denen von Exemplar G (kleine Santiagotafel) und T (Honolulutafel I) übereinstimmen. Steven Fischer sowie Th. Barthel meinen, der Schreiber dieses Textes sei ein Meister seines Fachs gewesen.

Th. Barthel schreibt: Der Santiago-Stab wurde 1870 vom französischen Kolonisten Dutroux-Bornier an den Kapitän der chilenischen Korvette O`Higgins mit den Worten übergeben, es handele sich um den Stab eines Arikis (Häuptling), der mutmaßlich als Waffe benutzt worden sei. Als Kapitän Gana mehrere Rapa-Nui nach der Bedeutung dieses Stabes befragte, wiesen diese voller Ehrfurcht zum Himmel; Kapitän Gana kam daraufhin zu dem Schluss, es handle sich um ein sakrales oder zeremonielles Objekt.
Der Stab blieb zunächst in der Obhut der chilenischen Marine in Valparaíso, bis sie im Jahre 1876 an das chilenische Museum in Santiago übergeben wurde.
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Rongorongo Text i
10. - J London-Reimiro 1 <-- zur Detailseite

Größe: 700 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 1
Zeichen: 2
Ort: Museum of Mankind, London

Bei dem London-Rei-Miro I ("J") handelt es sich um ein hölzernes Brustschmuck mit bärtigen Köpfen an beiden Enden. Das halbmondförmig geschnittenes Brett ist 70 cm lang und (an der breitesten Stelle) 13,2 cm breit. Die London Rei-Miro Tafel zeigt auf der Vorderseite lediglich zwei Schriftzeichen. Das letztere Zeichen könnte ein Ao-Zeremonie-Paddel für hohe Würdenträger darstellen. Das Objekt besteht aus hartem, braunen Holz, aus welchem Holz, ist nicht bekannt.

Laut Th. Barthel wurde die London Rei-Miro Tafel I von Dr. Comrie erworben und 1870 an das Britische Museum verschenkt.

Lanyon-Orgill vermutet, dass dieses Objekt entweder 1868 von dem Schiffsarzt Palmer (von der Topaze) von der Osterinsel mitgebracht wurde, oder Ende 1870 von dem Leutnant Matthew Harrison von der H.M.S. Malacca.

Steven Fischer meint, die London Rei-Miro Tafel I sei möglicherweise von einem Walfangschiff in der Zeit von 1862 bis 1863 von der Osterinsel mitgebracht worden.
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Rongorongo Text J
11. - K Londontafel <-- zur Detailseite

Größe: 218x68x20 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 5+5
Zeichen: 163
Ort: Museum of Mankind, London

Bei der London-Tafel "K" handelt es sich um ein rechteckiges Element des Portiabaumes (Thespesia populnea) mit einer Breite von 22 cm und einer Höhe von 7 cm. Beide Seiten sind mit je drei vollständigen Zeilen und zwei nicht vollständigen Randzeilen beschrieben. Von den ursprünglich rd. 290 Schriftelementen sind noch 150 gut zu erkennen. Der Text stimmt mit der b-Seite der kleinen Santiago-Tafel ("G") überein, allerdings nicht als exakte Wiedergabe, sondern als eigenständige Paraphrase.

Die Tafel K wirke ziemlich abgegriffen, möglicherweise durch häufigen Gebrauch, so Barthel. Die Tafel zeigt Spuren von ursprünglichem Fäulnis und Wurmlöcher. Vermutlich hat das Objekt lange Zeit im nassen Boden (Höhle?) gelegen. Das Objekt muss mit Politur bearbeitet worden sein (Wikipedia UK) - vermutlich durch einen Besitzer europäischer Herkunft.

Die London-Tafel "K" befindet sich seit 1903 im Besitz des Britischen Museums in London. Es gibt allerdings unterschiedliche Versionen, wie sie von der Osterinsel ins Britische Museum kam.

Wikipedia Deutschland schreibt, die London Tafel K sei 1903 von "F. Godsell" als persönliches Geschenk ans Museum übergeben worden, Godsell habe die Tafel von seinem Vater geerbt.
Wikipedia UK und auch Thomas Barthel schreiben, die London Tafel K sei von dem Museums-Mitarbeiter "O.M.Dalton" um 1900 in einem Antiquitätenladen des Londoner Hafengebietes erstanden und 1903 an das Museum übergeben worden. Laut Dalton sei die Tafel über 30 Jahre in den Händen eines Vorbesitzers gewesen.

Th. Barthel vermutet, die Tafel sei somit bereits um 1870 nach England gelangt und hiernach könnte es sich um die dritte Tafel handeln, die 1870 auf der "O’Higgins" mitgeführt wurde und auf den Weg nach Paris verloren ging. Die größere Wahrscheinlichkeit sei aber, dass die Tafel zur Sammlung Palmer gehörte, der 1868 mit der "Topaze" auf der Osterinsel war.

Métraux bezweifelte die Authentizität der Tafel, Barthel aber meint, Zwar seien die Zeichen nicht so elegant wie auf anderen Tafeln, dennoch gebe es keinen Zweifel an ihrer Echtheit. Die Schriftzeichen bilden eine eigenständige Geschichte, die Einfachheit der Zeichen möchte man auch nicht als "Schülerwerk" abtun.
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Rongorongo Text K
12. - L London-Reimiro 2 <-- zur Detailseite

Größe: 423x108x15 mm
Material: Holz - Portiabaum (Thespesia populnea)
Linien: 1
Zeichen: 44
Ort: Museum of Mankind, London

Bei der Tafel "Rei-Miro London II" handelt es sich um ein gut erhaltenes hölzernes Brustschmuck mit bärtigen Köpfen an beiden Enden ("Rei-Miro"), das Katherine Routledge in ihrem Buch als "von Frauen getragenen Brustschmuck" beschreibt. Routledge schreibt allerdings auch, ein alter Rapa-Nui habe zu ihr gesagt, er habe früher nie ein Rai-Miro mit Rongorongo-Schriftzeichen gesehen. Das Objekt ist 42 cm lang und (an der breitesten Stelle) 10,8 cm breit. Die Holzart wird mit Portiabaum (Thespesia populnea) angegeben.

Am unteren Rand zeigt sich eine Zeile mit insgesamt 50 Zeichen. Auffallend ist hier die relative Häufigkeit des Vulva-Motivs (7x). Der unsymmetrische Verlauf der Schriftzeichen zum unteren Rand lässt vermuten, dass die Schriftzeichen nicht vom ursprünglichen Hersteller des Rei-Miros angebracht wurden.

Laut Thomas Barthel wurde das Exemplar 1875 von Dr. W. S. Simpson für die Christy Collection in London erworben. Im Jahre 1883 ist das Objekt in den Besitz des Britischen Museums übergegangen.
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Rongorongo Text L
13. - M Große Wientafel <-- zur Detailseite

Größe: 285x145x23 mm
Material: Thespesia populnea
Linien: 9+0
Zeichen: 54
Ort: Museum für Volkerkunde, Wien

Bei der großen Wien-Tafel "M" handelt es sich um ein verrottetes Stück Holz, das mit der Seite "b" ganz offensichtlich über eine lange Zeit (Jahre?) im feuchten Boden (man vermutet) eine Höhle gelegen hat. An den Seiten ist das Stück verfault, die Oberflächen sind wurmstichig.

Die große Wientafel besteht aus dem Holz des Portiabaumes (Thespesia populnea) und ist 28,5 cm lang und 14,5 cm breit. Thomas Barthel schreibt, die große Wien-Tafel habe auf Seite a ursprünglich wohl 9 Zeilen zu je 40 - 50 Elementen gehabt, zum Zeitpunkt seiner Untersuchung waren nur noch 54 Elemente zu entziffern. Ein "Andreaskreuz" in der Randzeile ließ Anlaß zum Zweifel an der Echtheit des Objektes, De facto handele es sich hier aber um das Zeichen "14", das auch aus mehreren anderen Texten belegt ist.

Steven Fischer ist der Meinung, dass die Tafel möglicherweise vorsätzlich einer langen Verwitterung ausgesetzt wurde, um die Echtheit dieses Stückes vorzutäuschen. Letztlich stellt aber auch Fischer die Echtheit nicht in Frage.

Das Objekt kam 1882 im Rahmen einer archäologischen Expedition durch Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler in Besitz des deutschen Konsuls in Valparaiso "Heinrich Schlubach". Schlubach hatte Geiseler auf Bitten des Königlichen Museums Berlin den Auftrag erteilt, Artefakte von der Osterinsel aufzukaufen. Heinrich Schlubach war wiederum ein angeheirateter Neffe von Alexander Salmon jr. Das Ehepaar Salmon übergab Geiseler diese Tafel (wie auch die Tafeln "N" und "P") als Geschenk für Schlubach.

Als Schlubach 1883 nach Hamburg zurückkehrte stiftete er lediglich die Tafel "O" an das Völkekunde-Museum in Berlin und übergab (verkaufte?) die Tafel "M" und "N" an den österreichischen Vizekonsul in Hamburg, Heinrich Freiher von Westenholz. 1886 erwarb die Hamburger Firma "Klee & Kocher" beide Tafeln für das Völkekunde-Museum Wien.
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Rongorongo Text M
14. - N Kleine Wientafel <-- zur Detailseite

Größe: 260x53x21 mm
Material: Podocarpus latifolius
Linien: 5+5
Zeichen: 172
Ort: Museum für Volkerkunde, Wien

Die kleine Wien-Tafel besteht aus dem Holz des Portiabaums, ist 26 cm lang sowie 5,3 cm hoch. Auf der Tafel befinden sich beidseitig jeweils 5 Zeilen mit zwischen 173 und 230 Schriftelementen.

Das Objekt ist stark beschädigt, stellenweise angebrannt und an einem Ende zersplittert. Der russische Linguist Igor Przdniakov ist der Meinung, der Text dieser Tafel bilde einen Teil des Text-Inhaltes "b" der Tafel "E" (Keiti-Tafel).

Es scheint, als seien die Schriftzeichen auf der Tafel N mit einem geschärften Knochenstück eingeritzt, sowie mit einem Stück Obsidian-Glas in den Konturen nachgebarbeitet worden. Keine andere erhaltene Tafel zeigt diese Bearbeitungsweise.

Das Objekt kam 1882 im Rahmen einer archäologischen Expedition durch Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler in Besitz des deutschen Konsuls in Valparaiso "Heinrich Schlubach". Schlubach hatte Geiseler auf Bitten des Königlichen Museums Berlin den Auftrag erteilt, Artefakte von der Osterinsel aufzukaufen. Heinrich Schlubach war wiederum ein angeheirateter Neffe von Alexander Salmon jr. Das Ehepaar Salmon übergab Geiseler diese Tafel (wie auch die Tafeln "M" und "P") als Geschenk für Schlubach.

Als Schlubach 1883 nach Hamburg zurückkehrte stiftete er lediglich die Tafel "O" an das Völkekunde-Museum in Berlin und übergab (verkaufte?) die Tafel "N" und "M" an den österreichischen Vizekonsul in Hamburg, Heinrich Freiher von Westenholz. 1886 erwarb die Hamburger Firma "Klee & Kocher" beide Tafeln für das Völkekunde-Museum Wien.
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Rongorongo Text N
15. - O Berlintafel <-- zur Detailseite

Größe: 1030x130 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 7+0
Zeichen: 90
Ort: Museum für Völkerkunde, Berlin

Die Rongorongo Schrifttafel "Berlin O" wurde ursprünglich wohl aus einem knorrigen Stück Treibholz hergestellt. Es hat eine Länge von 1,03 Metern und eine durchschnittliche Höhe von 13 cm. Die Tafel ist stark verwittert, zeigt Brandstellen und lag möglicherweise lange Zeit auf den Boden einer Höhle.

Die Rückseite ist gänzlich zerstört, die Vorderseite enthält Reste von Schriftzeichen in wenigstens 7 Zeilen. Thomas Barthels vermutete, dass sich auf der Tafel ursprünglich 10 Zeilen mit etwa 1200 bis 1300 Elementen befanden. Lesbar sind heute nur noch rd. 90 Elemente

Thomas Barthel meinte: "Die gekrümmte Form lässt vermuten, dass es sich um ein Kanuteil handelte."

Das Objekt kam 1882 im Rahmen einer archäologischen Expedition durch Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler in Besitz des deutschen Konsuls in Valparaiso "Heinrich Schlubach". Schlubach hatte Geiseler auf Bitten des Königlichen Museums Berlin den Auftrag erteilt, Artefakte von der Osterinsel aufzukaufen. Heinrich Schlubach war wiederum ein angeheirateter Neffe von Alexander Salmon jr. Das Ehepaar Salmon übergab Geiseler diese Tafel (wie auch die Tafeln "M" und "N") als Geschenk für Schlubach. Schlubach stiftete die Tafel O im Jahre 1883 an das Königliche Museum für Völkerkunde in Berlin.
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Rongorongo Text O
16. - P Große Leningradtafel <-- zur Detailseite

Größe: 620x144x27mm
Material: Toromiro
Linien: 11+11
Zeichen: 1163
Ort: Peter the Great Museum of Anthropology and Ethnology, St. Petersburg

Bei der großen Leningrad-Tafel handelt es sich um ein 62 cm langes und 15 cm hohes Stück aus Eibenholz (so wie auch Tafel D). Obwohl die Grafik die Tafel P sehr schlecht abgebildet hat, soll sich die Tafel noch in einem relativ guten Zustand befinden. Auf jeder Seite befinden sich 11 Zeilen mit insgesamt 1540 Schriftzeichen.

Der Form nach könnte sie ein Teil eines Ruderblattes europäischer Herkunft gewesen sein. Die acht (oder neun) Löcher in der Tafel lassen vermuten, dass dieses Objekt nach der Beschriftung durch Rapa-Nui-Priester, (wie Objekt "S") einst zum Bau eines Kanus benutzt wurde.

Die Schrifttafel "P" - Große Leningradtafel" gehört zu den sieben Tafeln ("A", "B", "C", "D", "E", "F" und "P"), die zwischen 1868 und 1871 in den Besitz von Bischof Jaussen (Tahiti) gelangten. Steven Fischer meint, dass die Große Liningrad-Tafel möglicherweise 1868 von Pater Rousell im "Taura Renga-(Stein)Haus am Orongo gefunden wurde. Pater Rousell schickte diese Tafel dann mit der O'Higgins an Bischof Jaussen, der die Tafel wiederum am 24.08.1871 an den russischen Anthropologen Nikolai Miklucho-Maklai weiter gab. Kurz vor seinem Tod vermachte Miklucho-Maklai seine ethnologische Sammlung, darunter die Rongorongo-Schrifttafeln "P" und "Q" der Russischen Geografischen Gesellschaft. 1891 ging sie in den Bestand des Ethnologischen Meseums in St. Petersburg über, wo sie seitdem aufbewahrt werden.

Die Tafeln "P" und "Q" waren die ersten Rongorongo-Schrifttafeln, die nach Europa gelangten. Die Miklukho-Maklai Sammlung ging 1891 in den Besitz der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg über.
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Rongorongo Text P
17. - Q Kleine Leningradtafel <-- zur Detailseite

Größe: 418x112x28 mm
Material: Sophora tetraptera
Linien: 9+9
Zeichen: 718
Ort: Peter the Great Museum of Anthropology and Ethnology, St. Petersburg

Bei der kleinen Leningrad-Tafel handelt es sich um ein stark gekrümmtes Stück Holz (vermutlich Ast) eines Portiabaumes. Aufgrund der Form vermutet Barthel, dass das Holz ursprünglich zum Kanubau benutzt wurde. Die Tafel ist 42 cm lang und 9 bis 11 cm breit. Auf beiden Seiten ist die Tafel in je 9 Zeilen mit (heute noch lesbaren) rd. 900 Zeichen beschrieben. Laut Th. Barthels muss die Tafel ursprünglich um einige Zentimeter länger gewesen sein. Der Text weist laut Wikipedia Deutschland in mehreren Sequenzen Parallelen mit den Texten der Tafeln H und P auf.

Eine Kohlenstoff-Analyse datiert die Tafel Q um das Jahr 1680. Die Riffel auf der Tafel sind sehr abgenutzt. Die Rückseite weist Brandspuren auf.

Die kleine Sankt Petersburg Tafel wurde 1871 durch den russischen Anthropologen Nikolai Miklucho-Maklai in Tahiti (oder Mangareva) an Bord der "Vitias" erworben. Er bekam sie von einem Rapa-Nui der auf der Dutrou-Bornier-Plantage (Osterinsel) gearbeitet hatte. Thomas Barthel vermutet, dass die Tafel möglicherweise auch über den Pater Roussel in den Besitz von Miklucho-Maklai gekommen sein könnte. Die Tafeln "P" und "Q" waren die ersten Rongorongo-Schrifttafeln, die nach Europa gelangten. Die Miklukho-Maklai Sammlung ging 1891 in den Besitz der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg über.
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Rongorongo Text Q
18. - R Tafel Atua-mata-riri <-- zur Detailseite
(kl. Washington-Tafel)


Größe: 245x95x18 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 8+8
Zeichen: 357
Ort: National Museum of Natural History, Smithsonian, Washington

Die kleine Washington-Tafel, oder auch Tafel "Atua-mata-riri" ist etwa 24 cm lang und 9 cm breit. Die Holzart ist nicht genau bekannt, William J. Thomson meinte, es handele sich um Toromiro-Holz, Museums-Experten in Washington schreiben "Hartholz". Beide Seiten weisen jeweils 8 vollständige Zeilen Text auf. Von den ursprünglich rd. 600 Zeichen sind heute noch rd. 460 Schriftelemente zu entziffern.

Die leicht gebogene Tafel "R" ist an den Rändern beschädigt und die Schrift an den Enden unvollständig. Th. Barthels meinte: "Nach dem abgebrochenen schmalen Ende, dürfte die Tafel mehrere Zentimeter länger gewesen sein.

Die russischen Linguisten Konstantin und Igor Przdniakov haben in statistischen Vergleichen festgestellt, dass Textsequenzen der Tafel R auch auf mehreren anderen Tafeln vorkommen.

Die Tafel wird allgemein auch "Atua-mata-riri"-Tafel genannt, und zwar nach dem ersten Namen in einem Gesang, den der lange in Tahiti lebende Rapa-Nui "Ure Va‘e Iko" dem Forschungsreisenden William Thomson bei Entschlüsselungsversuchen vor sang. In Kontakt mit der Tafel "R" kam Ure Va‘e Iko allerdings erst im Jahre 1886, als Alexander Salmon und William Thomson ihn auf der Osterinsel baten, 5 Tafeltexte anhand von Fotos vorzulesen. Ure Va‘e Iko sang zwar wie die alten Priester, wusste aber offensichtlich nicht, was er damit eigentlich sagte.
"Atua Mata Riri" soll vom Sinn her sagen: "Eidechsen-Frau kopuliert mit weißer Frau: Daraus entsteht weißer Tölpel".

Durch Bischof Jaussens Arbeit wurde bekannt, dass es sich bei den Schriftzeichen nicht um Buchstaben, sondern um Zeichen als Hilfsmittel zum Rezitieren göttlicher Gesänge handelt.

Th. Barthel empfiehlt, den Namen "Atua-mata-riri" für die Tafel R zu verwerfen und statt dessen den Namen "kleine Washington-Tafel" zu verwenden.

Die Atua-mata-riri Tafel wurde im Jahre 1886 von dem Forschungsreisenden William J. Thomson durch Vermittlung von Alexander Salmon und unter einem "sehr großen Aufwand (Mühe)" von den Rapa-Nui erworben. Thomsons hat die Tafel 1890 an das Museum National Museum of Natural History, Smithsonian, Washington übergeben.
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Rongorongo Text R
19. - S Große Washingtontafel <-- zur Detailseite

Größe: 642x122x18 mm
Material: Podocarpus latifolius
Linien: 8+8
Zeichen: 600
Ort: National Museum of Natural History, Smithsonian, Washington

Bei der großen Washington-Tafel handelt es sich um ein 64 cm langes und 12 cm hohes Stück Holz. Das Holz gehört (lt. Th. Barthel) zur "Podocarpus latifolia", der aus Südafrika stammenden Steineibe). Es hat den Umriss eines länglichen Brettes, vermutlich ein Stück Treibholz von einem europäischen Boot. Die Tafel besitzt auf der Seite a 8 Zeilen, auf der Seite b mindestens 9 Zeilen. Heute lassen sich noch etwa 720 Schriftelemente entziffern, Th. Barthel meint, ursprünglich seien es wohl etwa 1200 Schriftelemente der besten klassischen Schreibschule gewesen.

Nach dem das Brett als Rongorongo-Schrifttafel nicht mehr genutzt wurde, wurde es von den Rapa-Nui offensichtlich zum Bau eines Kanus verwendet. Zwölf Bohrungen im Holz und die zugespitzte Form legen dies auch nahe. Beide Seiten sind durch Brand erheblich beschädigt, Barthel: "der Textverlust ist beklagenswert hoch."

Als der Missionar Eugéne Eyraud im Jahre 1866 anordnete, sämtliche Rongorongo-Schrifttafeln zu verbrennen, nutzte laut einem Bericht von Katherine Routledge, ein Rapa-Nui Namens Niari diese Tafeln, um daraus ein Kanu zu bauen. Als sich die Nähte des Kanus auflösten, bewahrte er das Holz in einer Höhle nahe der Ahu-Anlage Tahai auf.
Der Rapa-Nui "Pakarati" nahm dieses Teilstück rd. 20 Jahre später an sich und so kam es an Thomson.

Die große Washington-Tafel wurde im Jahre 1886 von dem Forschungsreisenden William J. Thomson durch Vermittlung von Alexander Salmon und unter einem "sehr großen Aufwand (Mühe)" von den Rapa-Nui erworben. Thomsons hat die Tafel 1890 an das Museum National Museum of Natural History, Smithsonian, Washington übergeben.
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Rongorongo Text S
20. - T Honolulutafel B.3629 <-- zur Detailseite

Größe: 305x95x20 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 11+0
Zeichen: 120
Ort: Bernice Bishop Museum, Honolulu

Bei der Honolulu-Tafel I ("T") handelt es sich um ein durch Witterungseinflüsse und Insektenfraß zerstörtes Stück Holz mit einer Länge von 30 cm und einer Höhe von rd. 9 cm. Es zeigt schwache Rippen und an beiden Seiten Spuren von Feuer. Métraux vermutete, dass sich das Objekt in einem Höhlenversteck befand und, die dem feuchten Erdboden zugewandte Seite, vermoderte. Métraux meinte, dass es sich ursprünglich mal um eine schöne Tafel gehandelt haben muss. Die Holzart wurde bisher nicht ermittelt.

Laut Th. Barthel umfasste die Schrifttafel ursprünglich 11 Zeilen mit rd. 400 Zeichen, von denen nur noch 140 bis 150 Schriftelemente zu identifizieren sind. Die Sorgfalt des klassischen Schreibstils (so Barthel) ist noch deutlich zu erkennen. Der Text zeigt Ähnlichkeiten mit dem Text auf dem Santiagostab.

Dieses Fragment wurde um 1888 von dem Händler James Lyle Young (1849-1929) aus Auckland "von einem zuverlässigen Vermittler" - möglicherweise von Alexander Salmon, Jr - erworben und dem Museum im Jahre 1920 übergeben.
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Rongorongo Text T
21. - U Honolulutafel B.3623 <-- zur Detailseite

Größe: 680x80x22 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 4+0
Zeichen: 27
Ort: Bernice Bishop Museum, Honolulu

Bei der Honolulu-Tafel II ("U") handelt es sich um ein schlecht erhaltenes, weitgehend vermodertes, von Insektenfraß beschädigtes und stellenweise verbranntes Stück Holz mit einer Größe von 68 cm Länge und rd. 8 cm Breite. An beiden Enden ist das Objekt ausgefranst, in der Mitte befindet sich ein großes Astloch. Auf der Seite a sind noch 6 Schriftzeichen zu erkennen, auf der Seite b insgesamt 10 Zeilen (ohne dass auf dieser Seite noch Schriftzeichen zu identifizieren sind). Die Holzart wurde bisher nicht ermittelt. Das Objekt soll ursprünglich einmal rd. 400 bis 500 Schriftzeichen getragen haben.

Wikipedia schreibt, die Seite a zeigt große (grobe) Glyphen, die Seite b kleine (feine) Glyphen, mit einer Höhe von gerade einmal 5 mm. Es wird daher angenommen, dass an dieser Tafel unterschiedliche Graveure am Werk waren.

Das Objekt wurde um 1888 von dem Händler James Lyle Young (1849-1929) aus Auckland "von einem zuverlässigen Vermittler" - möglicherweise von Alexander Salmon, Jr - erworben und dem Museum im Jahre 1920 übergeben.
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Rongorongo Text U
22. - V Honolulutafel B.3622 <-- zur Detailseite

Größe: 710x88x30 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 2+0
Zeichen: 22
Ort: Bernice Bishop Museum, Honolulu

Bei der Honolulu-Tafel II ("V") handelt es sich um ein etwa 71 cm langes sowie 9 cm hohes Brett (lt. Métraux vermutlich aus dem Ende eines Ruders europäischer Herkunft (Schwemmholz). Am Ende der A-Seite ist das Holz aufgesplittert sowie insgesamt wurmstichig, auf der B-Seite zeigt das Stück leichte Brandschäden.

Ohne die, sonst übliche, Vorbereitung des Untergrundes durch Längskerben, trägt das Objekt auf der Seite a insgesamt 22 Schriftzeichen, davon 20 klassische Schriftzeichen, sowie - etwas abseits noch zwei weitere, etwas größere, Zeichen.

Métraux (1938) glaubte nicht an die Echtheit dieser Tafel, da die Schriftzeichen wohl mit einer Stahlklinge ausgeschnitten wurden und nicht die Eleganz von anderen Tafeln aufweisen.
Sowohl Steven Fischer als auch Th. Barthel waren davon überzeugt, dass die Schriftzeichen auf dieser Tafel authentisch sind. Es handele sich zwar um ein spätes Werk, jedoch sei die Tafel eindeutig vor Ankunft der Missionare gefertigt worden (so Fischer + Barthel).

Das Objekt wurde um 1888 von dem Händler James Lyle Young (1849-1929) aus Auckland "von einem zuverlässigen Vermittler" - möglicherweise von Alexander Salmon, Jr - erworben und dem Museum im Jahre 1920 übergeben.
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Rongorongo Text V
23. - W Honolulutafel <-- zur Detailseite

Größe: 63x23x15 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 3+0
Zeichen: 8
Ort: Bernice Bishop Museum, Honolulu

Bei der Honolulu-Tafel IV ("W") handelt es sich lediglich um ein kleines Holzfragment von 6,3 cm Breite und 2,3 cm Höhe, das ursprünglich einmal zu einer größeren Tafel gehörte. Die Holzart ist unbekannt. Auf der Seite a sind 4 Linien, aber nur 3 Schriftzeichen zu identifizieren.

Dieses Fragment wurde 1886 von dem Leutnant "FM. Symonds" von der USS-Mohikaner während seiner Vermessungstätigkeiten auf der Osterinsel erworben. Noch im selben Jahr erhielt es eine Frau "Walter M. Gifford" (das Bishop-Museum schreibt "Giffard"). Die Familie Gifford es dem Museum im Jahre 1914.
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Abbildung fehlt!
24. - X Vogelmann New York <-- zur Detailseite

Größe: 440 mm
Material: Toromiro
Linien: 10
Zeichen: 37
Ort: American Museum of Natural History, New York

Bei dem Exemplar "X" (Vogelmann New York) handelt es sich klassische "Moai Tangata Manu" Figur von meisterlicher Ausführung und einem sehr guten Erhaltungszustand. Der Moai Tangata Manu besteht aus Toromiroholz und ist 44 cm hoch. Auf 7 verschiedene Stellen sind auf der Figur insgesamt 35 bis 40 Elemente eingeschnitzt. Die durch Abrieb nur schwer zu erkennenden Schriftzeichen befinden sich fast ausnahmslos auf der rechten Seite, und zwar am Schnabel, Hinterkopf, Nacken, Brust, unterer Rücken, Unterleib sowie Oberschenkel.

Routledge beschreibt in ihren Notizen, ein alter Rapa-Nui habe ihr erzählt, dass alle "manu miro" (Holzvögel) mit Glyphen beschriftet wurden, erhalten ist jedoch kein weiteres, mit Schriftzeichen versehenes, Artefakt. Verschiedene Wissenschaftler schließen die Möglichkeit nicht aus, dass die Schriftzeichen erst später hinzugefügt wurden; die Echtheit der Schriftzeichen wird nicht angezweifelt.

Die Schriftzeichen wurden offensichtlich mit Obsidian-Glas eingeschnitten, jedoch nicht, wie - nach alter Machart - sonst üblich, mit einem Haifischzahn nachbearbeitet. Steven Fischer urteilte, die Glyphen weisen einen höchst klassischen Stil auf.

Dieser Moai Tangata Manu (Vogelmann-Figur) stammt aus der "Appleton Sturgis" Sammlung (USA) und wurde 1891vom American Museum of Natural History, New York erworben. Wann und wie er in den Besitz der Sturgis kam, ist nicht überliefert. Steven Fischer vermutet jedoch, dass dieses Objekt um 1890 mit einem Walfangschiff aus Nantucket in die Vereinigten Staaten gekommen sei.
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Rongorongo Text X
25. - Y Schnupf-Dose <-- zur Detailseite

Größe: 71x47x28 mm
Material: Holz - Portiabaum
Linien: 3+2+3
Zeichen: 85
Ort: Musée de l'Homme, Paris

Die Schnupf-Dose "Y" besteht aus 6 rechteckigen Einzelstücken, die zu einer Schachtel mit Klappdeckel in einer Größe von 7,1 cm Länge, 4,7 cm Länge und 2,8 cm Höhe zusammengesetzt wurden. Das Holz stammt von einem Portiabaum (Thespesia populnea) ein Küsten-Tropeneibisch. Auf den Aussenseiten der Dose sind insgesamt noch 80 Schriftelemente sichtbar, manche jedoch nur noch teilweise zu erkennen. Die Innenseiten tragen keine Zeichen.

Analysten wie Barthel nehmen an, dass der Hersteller dieser Dose die ursprüngliche Holztafel von einer Seite zunächst glatt geschliffen hat, bevor es zu den Einzelstücken zerschnitten wurde. Wikipedia UK schreibt, die Schnupftabaksdose wurde vermutlich von einem Seemann aus einer Rongorongo-Tafel gemacht, der den Wert dieser Tafel nicht erkannt habe.

Obwohl die Herkunft dieses Objektes nicht genau bekannt ist und die Schriftzeichen mit einer Stahlklinge geschnitzt zu sein scheinen, glauben sowohl Métraux als auch Barthel, dass dieses Objekt echt ist.

Die Dose wurde erst 1961 von einem Mann namens Henry Reichlen an das Musée de l'Homme in Paris verkauft, der es von einer französischen Familie erworben hat, die es seit 80 Jahren (also seit 1881) in ihrem Besitz gehabt haben wollen.
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Rongorongo Text Y
26. - Z Poike <-- zur Detailseite

Größe: 106x60-27 mm
Material: Holz - unbekannt
Linien: 3+3
Zeichen: 36
Ort: Museo Nacional de Historia Natural, Santiago de Chile

Die Schrifttafel "Poike - Z" ist ein kleines Stück Holz in der Größe von 10,6 cm Länge sowie 6 cm Breite. Die Holzart ist nicht bekannt. Ein Ende ist scharfkantig schräg rund abgeglättet, das andere Ende wirkt abgebrochen. Auf dem Objekt sind beidseitig jeweils 4 schwache Zeilen mit grob geschnittenen Glyphen zu erkennen, bei indirektem Licht zeigen sich jeweils sechs oder sieben Zeilen mit kleineren Rongorongo Schriftzeichen. Sowohl die gröberen (großen) als auch die feinen (kleineren) Schriftzeichen sind nur teilweise lesbar. Insgesamt sind etwa 55 unterschiedliche Schriftelemente auszumachen.

Gefunden wurde dieses Fragment erst im Jahre 1937 in den Ruinen eines Steinhauses in der Nähe des Ahu Mahatua (an der Poike Halbinsel). Der Finder José Paté übergab dieses Stück dem damals gerade angekommenen Missionar Pater Sebastian Englert, der es 1938 an das Museum in Santiago verschenkte.
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Rongorongo-Text Z


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