Die Osterinsel ist eine der Pflanzen
artenärmsten Inseln im Pazifik
Die Osterinsel und ihr Pflanzenbewuchs
Trotz
der Tatsache, dass die Osterinsel in ihrer heutigen Form bereits
mehr als 240.000 Jahre besteht, gibt es auf der Insel im Verhältnis
zu anderen Inseln im Pazifik eine relativ kleine Artenvielfalt
bei
den Pflanzen. Auf der rund 179,85 * Quadratkilometer großen
Insel sind weniger als 30 frühzeitliche Samenpflanzen bekannt.
Der Grund für die auffallend kleine Zahl an Pflanzen ist
schlicht und einfach die isolierte Lage der Osterinsel.
Die Osterinsel liegt auf dem Ostpazifischen Rücken und ist
entstanden, weil sich drei Vulkane aus dem rund 3000 Meter tiefen
Pazifikboden erhoben und sich zur heutigen Osterinsel geformt
haben. Eine Verbindung zu einer kontinentalen Landmasse hat es
niemals gegeben.
Archäologische
Untersuchungen haben ergeben, dass die Osterinsel ursprünglich
mit einem dichten Palmenwald der Gattung Jubaea bewachsen war.
Durch Hochrechnungen gehen die Forscher davon aus, dass auf der
Insel ursprünglich mehr als 10 Millionen Palmen gestanden
haben müssen. Nach den Untersuchungen begann dann um etwa
1000 n.Chr. die Entwaldung, die letztlich zu einer umfangreichen
Bodenerosion führte und den Menschen dadurch ihre Lebensgrundlage
nahm.
Ursprüngliche
Pflanzen, die die Ureinwohner auch intensiv nutzten sind heute
teilweise ausgestorben oder nur noch in einer sehr geringen Zahl
vorhanden. Zu nennen wäre hier beispielsweise der Toromiro-Baum
(Sophora toromiro), eine Baumart die bis zu drei Meter hoch werden
konnte, mehrere Stämme besaß und aus sehr feinporigem
hartem Holz bestand. Dieses Holz wurde von den Rapa Nui unter
anderem für die Herstellung der Schnitzfiguren,
Schrifttafeln oder Zeremonien-
und Ritualstäbe genutzt. Der letzte dieser strauchartigen
Bäume fand Thor Heyerdahl
1955 stark beschädigt im unteren Hangbereich des Rano
Kau. Heyerdahl sammelte 6 oder 7 Samen auf und sandte sie
nach Schweden, wo sie letztlich dem Botanischen Garten in Göteborg
übergeben wurden. Erst vier Jahre später hat man versucht
die Samen zum Keimen zu bringen, was bei fünf auch gelang.
Spätere Züchtungen aus den ersten Setzlingen wurden
dann an weitere Botanische Gärten gegeben, darunter auch
Bonn. 
Um 1960 fiel dann der letzte Toromiro-Stamm noch einem Brennholzsammler
zum Opfer. Seither gilt der Toromiro-Baum in der freien Natur
als ausgestorben. Zwischenzeitlich wurde versucht, den Toromiro
auf der Osterinsel wieder anzusiedeln. Dazu wurde im Jahr 1993
die so genannte "Toromiro
Management Group" gegründet,
zu deren Mitgliedern auch die Botanischen Gärten Göteborg
und Bonn sowie der Kew Garden bei London und die chilenische Forstbehörde
gehören. 1995 konnten der chilenischen Forstbehörde
insgesamt 180 Setzlinge übergeben werden. Leider wurden diese
Setzlinge während der Quarantänezeit von einem Pilz
befallen und sind eingegangen. Seither ruht das Projekt. Laut
Wikipedia befindet sich ein einziges Exemplar des Toromiro-Baums
auf der Osterinsel, und zwar im Garten des Gouverneurs. Dieses
Exemplar stammt allerdings aus dem Botanischen Garten in Viña
del Mar.
Eine weitere Pflanze die auf der Osterinsel nur noch sehr selten
vorkommt ist die "Triumfetta semitrilob", ein kleinwüchsiges
Lindengewächs, das es seit mehr als 35.000 Jahren auf der
Osterinsel gibt. Aus der Rinde wurden von den Ureinwohnern früher
Seile aber auch Fischernetze gefertigt. Auffallend gering ist
auch die Anzahl der Farne. Während auf der Osterinsel insgesamt
nur 15 Arten nachgewiesen wurden gibt es zum Beispiel auf Marquesas
insgesamt 117 Arten. Die Farnenart "Polystichum fuentesii"
gilt auf der Osterinsel zwischenzeitlich als ausgestorben.
Das
von den Ureinwohnern vielseitig genutzte Totora-Schilf hat sich
als eines der wenigen ursprünglichen Pflanzenarten erhalten.
Es ist vornehmlich in den Kraterseen des Rano-Kau
und des Rano-Raraku zu finden.
Das Schilf wurde unter anderem für die so charakteristischen
Paenga-Häuser genutzt, aber
auch für Floßartige Boote.
Die Forschung geht davon aus, dass die meisten der heutigen Pflanzen
durch den Menschen auf die Insel gebracht worden sind. Die Siedler
der Ureinwohner brachten beispielsweise die Süßkartoffel,
den Papiermaulbeerbaum, die Yams und Taro mit auf die Insel, die
ersten Europäer unter anderem verschiedene Grasarten zur
Züchtung von Nutztieren wie Schafe oder Rinder. Gerade die
Süßkartoffel ist für Forscher wie Thor
Heyerdahl ein Indiz dafür, dass die Insel nicht nur von
Polynesien aus besiedelt wurde, sondern auch von Südamerika,
denn die Süßkartoffel war ursprünglich nur in
Südamerika beheimatet. Die ersten europäischen Entdecker
berichteten, die Ureinwohner würden die Süßkartoffel
auf sorgfältig mit Steinen abgegrenzten Feldern anbauen und
in Erdöfen zubereiten.
 Um
die Aufzucht von Pflanzen gegen Wind und die Austrocknung der
Erde zu schützen, errichteten die Rapa Nui hunderte so genannter
"Manavai", also Steinkreise in denen die Pflanzen gedeihen
und ihre Feuchtigkeit halten konnten. Dietrich Volkmer findet
in seinem Buch "Viertausend Kilometer Einsamkeit - Rapa Nui
Osterinsel" eine passende Erklärung. Es heißt:
"Was vordergründig einfach banal ausschaut, birgt
aber als Wort eine geheimnisvolle Erkenntnis der Zusammenhänge
des Wachstums.
Es ist ein Mysterium, das aus einem Samenkorn eine Pflanze erwächst.
Form, Größe und Farbe sind also bereits im Samen als
Anlage enthalten. Um aber das Mana, die gestalterische Kraft der
Pflanze zu erwecken bedarf es des "via" - des Wassers.
Ein Manavia ermöglicht also die Paarung vom Mana und Wasser,
um dem Samenkorn die Kraft zur Vollendung zu geben."
Die Manavai sieht man heute noch, die meisten sind jedoch während
der Schafzucht im 19. Jahrhundert zerstört worden. In den
tieferliegenden Regionen, insbesondere an den Küsten finden
sich auch größere Ackeranbauflächen. Der Franzose
Jean-François
de La Pérouse, der die Insel im April 1784 aufsuchte
und den Inselbewohnern auch Ziegen, Schafe, Schweine, aber vor
allem Sämereien für Zitronen, Pomeranzen, Baumwollsträucher
oder Mais überlies berichtete von diesen Anbaufeldern. Sie
seien schätzungsweise 20 Quadratkilometer groß gewesen
und würden mit einfachen Grabstöcken oder hergerichteten
Steinen bearbeitet werden. Vornehmlich
für Bananenbäume wurden aber auch eingebrochene alte
Lavaströme genutzt, in denen sich mit der Zeit Humus gebildet
hat.
Von der ursprünglichen Vegetation der Osterinsel ist nur
noch wenig vorhanden. War
die Insel vor ihrer Besiedlung komplett von einem Palmenwald überzogen,
so ist die Landschaft heute überwiegend von ausgedehnten
Grasflächen geprägt. Die Reste der ursprünglichen
Flora ist zusätzlich durch das großflächige Abtrennen
der Grasflächen für den Viehbestand (insbesondere Rinder
und Pferde) stark vom Aussterben bedroht. Im Südwesten der
Insel haben sich aber von Menschen eingeführte Guavenbüsche
ausgebreitet, um 1900 und 1970 hat es Aufforstungen mit der schnell
wachsenden Eukalyptus gegeben, bei der Zeremonie-Anlage
Anakena ist ein Palmenhain mit Kokospalmen entstanden. An
Nutzpflanzen finden sich die Süßkartoffel, Zwiebeln,
Tomaten, Karotten, Taro, Yams, Zuckerrohr sowie subtropische Früchte
wie beispielsweise Bananen, Ananas, Wassermelonen, Avocados oder
Mangos.
* Die bisher bekannt gegebene Größe von 166 QM wurde
durch das Nationale Chilenische Büro für Grenzen korrigiert.
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