Die Legende und Interpretation über Kurzohren und die Langohren

Die Kurzohren und die Langohren


Die Legende und Interpretation über Kurzohren und die Langohren


Die Osterinsel im PazifikLange Zeit wurde gerätselt, wie die Menschen auf der Osterinsel überhaupt auf die Insel gelangen konnten, denn schließlich liegt Rapa Nui rund 3.800 Kilometer von der chilenischen Küste und 2.078 Kilometer von der nächsten bewohnten Insel "Pitcairn" entfernt. Niemand konnte sich bei ihrer Entdeckung im Jahre 1722 vorstellen, dass diese "nackten Wilden" alleine übers Meer gekommen seien. Pitcairn war zudem im Jahre 1722 unbewohnt. Die Siedler der Bounty-Meuterer haben am 1790 noch Siedlungsspuren gefunden und dort gab es auch eine Mini-Ausgabe von Steinstatuen die auf einer Zeremonie-Analge standen. Briefmarke aus Polynesien: Die Welt der Polynesier. Ausgabejahr 1991Noch mysteriöser war die Tatsache, dass sich offensichtlich zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen die Insel geteilt hatten, nämlich die so genannten "Langohren" und die "Kurzohren".

Wer oder was eigentlich die Langohren bzw. die Kurzohren waren ist dabei nicht ganz sicher. In einigen Quellen wird die Meinung vertreten, die Langohren seien hellhäutig Menschen gewesen die aus Südamerika kamen, und die Kurzohren seien dunkelhäutig Menschen gewesen, die aus dem polynesischen Raum kamen. Der Mecklenburger Carl Friedrich Behrens, der als junger Korporal der Seesoldaten auf dem Schiff des Holländischen Entdeckers Admiral Jacob van Roggeveen seinen Dienst versah berichtete: Die Menschen von denen sie empfangen wurden seien "braun so wie die Spanier" allerdings hätten einige auch eine rötliche Gesichtsfarbe so als wäre ihre Haut von der Sonne verbrannt worden. Die Ohren hingen "ihnen" bis auf die Schultern und einige trugen Kugeln darin. Menschen mit "kurzen Ohren" erwähnt Behrens nicht. Ergo ist davon auszugehen, dass wohl alle Bewohner diese charakteristische Ohrform besaßen. James Cook berichtete 50 Jahre nach Behrens, viele der Inselbewohner hätten Ohren ..."deren Zipfel oder Lappen so lang gezogen waren, dass sie fast auf den Schultern lagen"... Nach seiner Einschätzung ließe die Sprache, ihr Dialekt sowie das Aussehen den Schluss zu, diese Bewohner kämen vom Stamm der Tahitianer.

Denkbar ist deshalb, dass sich die Differenzierung "Langohren" und "Kurzohren" auf die gesellschaftliche Stellung der Inselbewohner bezogen hat. Die Entdecker in den 1770er Jahren (Felipe González Ahedo und James Cook) berichten, sie hätten die Inselbewohner in einem erbärmlichen Zustand vorgefunden, die offensichtlich keine technischen Hilfsmittel besaßen und nicht einmal die Planken ihrer Boote vernünftig abdichten konnten. In den mündlichen Überlieferungen der Inselbewohner wird darüber berichtet, dass die Kurzohren die Langohren für den Niedergang der Insel verantwortlich gemacht haben und die Langohren deshalb während eines Aufstandes um das Jahr 1680 so gut wir komplett ausgelöscht wurden. Somit liegt die Vermutung nahe, dass mit den Langohren die geistige Elite, und mit den Kurzohren das einfache Volk gemeint war. TOP

Der Forscher Thor Heyerdahl stellte im Jahre 1938 die These auf, zunächst hätten Einwanderer aus dem südamerikanischen Peru die polynesischen Inseln und später auch die Osterinsel besiedelt. Inselbewohner hatten Thor Heyerdahl erzählt, die Ahnen der Langohren seien aus einem gebirgigen Ort im Osten gekommen, weil dieser Ort von der Sonne verbrannt wurde. Auch im Osten wurde eine ähnliche Geschichte aus Peru erzählt, nämlich die vom Sonnengott Kon-Tiki, der mit wenigen Getreuen einem Gemetzel entkam, indem er westwärts übers Meer am Horizont verschwand. Der Sonnengott Kon-Tiki habe helle Haut und lange Ohren gehabt.

Zur Untermauerung seiner These trat Thor Heyerdahl 1947 mit seinem Floß "Kon-Tiki" den Beweis an, dass ein Floß alleine durch die Meeresströmung und die Passatwinde den 8.000 Kilometer langen Weg von Peru nach Polynesien finden kann. Zusätzlich untermauerte Heyerdahl seine These mit der Tatsache, dass es auf der Osterinsel bereits vor der Entdeckung der Europäer im Jahre 1722 eine Frucht gab, die aus Südamerika kommt, nämlich die Süßkartoffeln. Erst viel später, so Heyerdahls These, seien Polynesier auf die Osterinsel gekommen. Diese Polynesier seien zunächst unterdrückt worden, hätten sich dann um 1680 blutig durchgesetzt und so gut wie alle hellhäutigen Menschen ausgelöscht.

Bis in die Neuzeit wurde Thor Heyerdahls Besiedlungstheorie von der Fachwelt angezweifelt.

In Überlieferungen der Ureinwohner wird nämlich durchgängig von dem Häuptling Hotu Matuá berichtet, der im Jahr 380 (andere Interpretationen sprechen auch von 500, andere gar von 900) n.Chr. aus dem polynesischen Hiva auf die Osterinsel kam. Nach seinem Tod wurde die Insel unter seinen Kindern aufgeteilt, woraus die verschiedenen auf der Insel beheimateten Stämme hervorgingen.

Die Fachwelt ist überwiegend der Meinung, dass die erste Besiedelung vor oder um 400 bis 500 n. Chr. stattgefunden haben muss. Die Legenden um den König Hotu Matu´a werden den dunkelhäutigen Polynesiern zugesprochen. Wie es zur zweiten Besiedelungswelle kam (so sie dann stattgefunden hat) wird noch gestritten. Es wird aber überwiegend die Meinung vertreten, dass es um 900 n. Chr. eine weitere Besiedlung gegeben haben muss, und zwar mit hellhäutigen Einwanderern unbekannten Herkunftes.

Der norwegische Immunologe Erik Thorsby von der Universität Oslo hat kürzlich mehr Licht in die Theorien beider Meinungen gebracht. Auf einer Konferenz der Royal Society in London meinte Thorsby: "Heyerdahl hatte vermutlich Unrecht, aber nicht ganz". Thorsby hätte die Gene heutiger Osterinsulaner analysiert und war auf ein Antigen gestoßen, deren Variante es nur in Südamerika gebe. TOP

Als die Männer des Admirals Jacob van Roggeveen die Insel im Jahre 1722 erstmalig erblickten, hatten sie die Elite der Langohren vom Stamm der Hanua Eepe scheinbar gerade verpasst, es lebten nur noch wenige Hanau Eepe unter den damals rund 5.000 Osterinsulanern.

Poike-Halbinsel - Machtzentrum der Hanau Eepe Die Langohren (so die Meinung einiger Forscher) bewohnten den nordöstlichen Teil der Insel (Poike), hatten aber auch wohl über Jahrhunderte die Kultstätte Orongo am Vulkankrater Rano Kau in ihrem Besitz. Auf der Halbinsel Poike schützten sie sich über die Jahrhunderte durch einen 2.000 Meter langen Graben, der ursprünglich 12 Meter breit und vier Meter tief war (**), den so genannten Poike Graben.

In einer überlieferten Legendenversion wird gesagt, die Langohren fürchteten um ihre Herrschaft, denn sie waren den Kurzohren zahlenmäßig weit unterlegen und die Situation drohte zu eskalieren. Deshalb ersannen sie eine Strategie, um den drohenden Konflikt mit den Kurzohren doch noch abwenden zu können. Sie füllten den Schutzgraben am Poike mit brennbarem Material, das später während eines fingierten Versöhnungsfestes angezündet werden sollte. Die Langohren wollen die Kurzohren während des Festes berauschen, um sie dann ins Feuer zu treiben.

Obwohl dieses Vorhaben streng geheim gehalten werden sollte, wurde es den Kurzohren doch zugetragen. Einer der Langohren-Männer, der unter anderem auch als Wächter des Grabens fungiert haben soll, war nämlich in einer dunkelhäutigen Kurzohren-Frau verliebt und erzählte ihr von diesem Vorhaben, die es ihrerseits ihrem Häuptling erzählte.

Die Häuptlinge der Kurzohren beschlossen nun ihrerseits, den Spieß umzudrehen. Zum Schein gingen sie auf die Einladung der Langohren ein, ließen allerdings ihre Frauen und Kinder zurück. Zuvor wurden die besten Krieger in der Nacht losgeschickt, um die Sperren der Langohren zu umschwimmen, die steile Küste zu erklimmen und sich hinter den Steinhäusern der Langohren zu verstecken. TOP

Während des Festes wurde das Feuer wie geplant angezündet, doch das Fest nahm einen anderen Verlauf als die Langohren es geplant hatten. Die im Hinterhalt warteten Krieger der Kurzohren zeigten sich und alle Kurzohren nahmen ihre Peiniger nun von zwei Seiten in die Zange. Infolge der Auseinandersetzung wurden viele der Langohren erschlagen, der Rest der flüchtenden Langohren wurde ins Feuer getrieben. Der Legende nach konnten zwei Langohren-Männer die eigene Sperre überwinden und flüchten. Man nahm sie doch kurze Zeit später gefangen, tötete einen und schenkte dem zweiten das Leben. Dieser letzte Langohren Mann heiratete eine Kurzohren-Frau und erhielt den Namen "Ororoina".

Kurzohren und Momoko ?Bis heute wird von den Inselbewohnern erzählt, dass es sich bei dem Überlebenden um den besagten Wächter handelte, der den Kurzohren die Kriegsstrategie der Langohren verraten hat. Viele der heutigen Rapa Nui behaupten mit Stolz, sie seien Nachkommen von dem letzten Langohren aus der Eepe Sippe.

Der Ethnologe Alfred Métraux veröffentlichte zu den zwei flüchtigen Langohren eine andere Version: danach wurden die zwei Langohren von den Kurzohren in der Höhle Ana Vai (in der Anakena-Bucht) gefunden. Nachdem die Meute sie mit Spießen aus der Höhle treiben und töten wollte habe man letztlich doch entschieden, beide am Leben zu lassen.

Nach dem Sieg der Kurzohren über die Langohren, so die Überlieferung, wurden viele wichtige Moais umgeworfen und diese Moai´s auch nicht wieder aufgestellt. Die Zeremonie-Stätte Orongo wurde von den Kurzohren weiter genutzt, allerdings wohl nicht in dem Umfang wie unter Führung der Langohren.

** Die Richtigkeit der Legende über den Poike-Graben will der norwegische Forscher und Abenteurer Thor Heyerdahl 1956 durch Probegrabungen nachgewiesen haben. Hierbei wies er an mehreren Stellen identische Brandrückstände nach. Thor Heyerdahl schrieb u.a. in seinem Buch "aku-aku": Die große Feuersbrunst im "Erdofen der Langohren" habe nach Radiokarbonuntersuchungen um 1655 (vielleicht etwas früher, vielleicht etwas später) stattgefunden. TOP

Karten:
- Sehenswürdigkeiten
- Übersicht Hanga Roa
- Lageplan Rano Raraku

Pazifik:
- Robinson Crusoe
- Meuterei auf der Bounty

Navigation:
- Home

- Inselbeschreibung
- Geschichte
... Name(n) der Insel
... Besiedlungstheorie
... Gängig Theorie
... Heyerdahl Theorie
... Eigene Theorie

... Hotu Matua
... Kurzohren-Langohren
... Rebellion und Niedergang

... Geschichte 1722 bis 1799
... Geschichte 1800 bis 1899
... Geschichte 1900 bis 1999

... Kannibalismus
... Paenga-H. a. Rano Raraku
... Paenga-Haus
... Lepra
... Tsunami 1960

- Personen
- Kultstätten
- Moai´s
- Kunst
- Vulkane und Nebenkrater
- Höhlen
- RongoRongo Schrift
- Rapanui Sprache

- Impressum

- Reisen zur Osterinsel
- Reiseinformationen
- Hotels + Pensionen
- Tourismus + Umwelt


Bookmark and Share

www.osterinsel.de | © Die Legende und Interpretation über Kurzohren und die Langohren