Sinn und Zweck der Moai auf der Osterinsel

Sinn und Zweck der Moai auf der Osterinsel


Sinn und Zweck der Moai


Die ersten Entdecker der Osterinsel fanden mystisch anmutende Steinkolosse vorAuf der gerade einmal 179,85 * Quadratkilometer großen Osterinsel finden sich rund 890 Steinkolosse, von den Ureinwohnern "Moai´s" genannt. Diese Steinkolosse sind über die ganze Insel, aber insbesondere an den Küstenlinien verteilt und hatten dabei Größen von zwischen zwei und zehn Metern bei einem Gewicht von bis zu 80 Tonnen.

Bereits die ersten Entdecker um Admiral Jacob Roggeveen fragten sich, was macht es für einen Sinn, eine derart große Anzahl von Steinkolossen rund um die Insel aufzustellen und vor allem: welchem Zweck hatten sie zu erfüllen? Seit der Entdeckung der Osterinsel im Jahre 1722 haben sich immer wieder Forscher mit diesen Fragen beschäftigt. Eine endgültig abgesicherte plausible Erklärung hierfür gibt es bis heute nicht.

Als Jacob Roggeveens Mannschaft die Insel 1722 betrat, war die Hochkultur Osterinsulaner gerade vorbei. 42 Jahre zuvor hatten die Kurzohren die Langohren in einem entscheidenden Bürgerkrieg so gut wie komplett vernichtet und die von Roggeveen vorgefundenen Insulaner konnten die Hochkultur weder erklären noch selber leben. Die Ureinwohner um 1722 hatten außer primitiven Steinwerkzeugen keine technischen Hilfsmittel und konnten den staunenden Europäern keine befriedigende Antwort geben.

Zeichnung von der OsterinselIm 18. Jahrhundert hat es zur Osterinsel zwar einige Forschungsreisenden gegeben, doch leider beschränkten sich diese lediglich auf einige Tage. Im 19. Jahrhundert wurden die Wissensträger um die alte Kultur durch Einschleppung europäischer Krankheiten sowie Sklavenverschleppung und Vertreibung so gut wie komplett ausgelöscht. Falsch verstandener Missionarsarbeit sorgte zudem für die Vernichtung wertvoller Schrifttafeln. Was blieb waren überlieferte Legenden und mündliche Überlieferung der im 20. Jahrhundert lebenden Ureinwohner.

Der sehende MoaiDer Ethnologe Alfred Métraux hat sich in den Jahren 1934 / 35 intensiv mit der Osterinsel beschäftigt und auch zur Frage um den Sinn der Moai´s geäußert. In seinem Buch Die Osterinsel kommt Métraux zu dem Schluss, dass die Büsten oder moais wichtige Vorfahren wie Häuptlinge oder Priester gewesen seien, deren Seelen zu Schutzgottheiten der Stämme geworden waren. Métraux begründet seine Annahme damit, dass die Ureinwohner bereits James Cook die Namen dieser Statuen nennen konnten und diese oft den Beinamen "ariki" (Häuptling) trugen. Nach Métraux Meinung waren die Moai´s für die Hohepriester allerdings nur Hüllen, in denen die Seelen der Verstorbenen während ihres Anrufens hineinschlüpften und somit nur zeitweise einen heiligen Charakter erfüllten. Im Alltag seien die Bildwerke nichts anderes gewesen als ein einfacher Schmuck - ein Steinblock ohne jedes Leben. Auch die heute gängige Meinung der Rapanui ist, die Moai seien die Abbilder wichtiger Vorfahren gewesen. Moai oder Mo-ai heißt übersetzt: "In Ehren halten". TOP

Die Moai´s auf den Ahu-Anlagen waren allesamt dem Meer abgewandt und blickten in Richtungen in denen man Steinfundamente von Behausungen gefunden hat. Archäologen gehen daher davon aus, dass die Moai´s auch eine Art Schutzfunktion über die jeweilige Siedlung ausübten. Die Tatsache, dass die letzten Moai´s erst im eingehenden 19. Jahrhundert von den Ureinwohnern umgeworfen wurden, zeugt zudem doch eher von einer Wichtigkeit der Statuen und weniger von einer seelenlosen Steinhülle wie sie Métraux vermutete.

Wikipedia schreibt, zwischen 55 und 75 Statuen hätten Pukao´s getragen und dies sei ein deutliches Missverhältnis zur Gesamtzahl der Statuen. Ein Abgleich mit den Ahu-Anlagen hätte gezeigt, dass die Pukao´s überwiegend bei den unbedeutenden Anlagen fehlen. Es sei daher anzunehmen, dass mit den Pukao´s die Bedeutung einiger Moai´s besonders hervorgehoben werden sollten. Moai Auge - gefunden bei der Ahu-Anlage Nau Nau

Seit dem Fund eines aus weißem Korallenkalk geformten Moai-Auges weiß man, dass insbesondere den Moai´s der mittleren Periode (also die mit den eckig runden Köpfen) Augen eingesetzt wurden, um ihre Kraft zusätzlich noch zu stärken. Die ersten Entdecker der Osterinsel haben jedoch nicht über derartige Augen berichtet und es ist deshalb davon auszugehen, dass die Moai´s zu diesem Zeitpunkt auch keine Augen mehr hatten. Nach Métraux Theorie könnte man vermuten, die Hohepriester hätten die Augen der Moai´s nach jeder Zeremonie wieder entnommen, doch haben Archäologen zwischenzeitlich zu viele zerbrochene Fragmente an den Ahu-Anlagen gefunden als dass man einer derartigen Theorie folgen könnte. TOP

Moai Hoa-haka-nana-iaMoai Hoa-haka-nana-iaInwieweit der, neben dem Moai-Kult, vorherrschende Kult um den Vogelmann in Zusammenhang mit den Moai´s steht, ist umstritten. Zu mindestens einzigartig ist der Moai mit dem Namen Hoa-haka-nana-ia. Diese Figur wurde in einem Haus der Kultstätte Orongo am Kraterrand des Rano Kao gefunden und steht heute im Britischen Museum in London. Das Aussehen der nur 2,40 m großen, aus hartem Basalt gefertigten Skulptur entspricht dem üblichen Typus. Die Rückseite ist jedoch mit Darstellungen von Vogelmännern, Tanzpaddeln (Ao und Rapa) und Vulven bedeckt. Die Ethnologin Heide-Margaret Esen-Baur hält sie für das Hauptheiligtum des Vogelmannkultes auf der Osterinsel. Thor Heyerdahl vertrat die Auffassung, dass die Figur als Prototyp aller Statuen der klassischen Periode gedient habe.

Man kann vermuten, dass die kleinen Verwandten der großen Moai´s die bis zu 40 Zentimeter großen Holzfiguren in den Wohnhütten der Insulaner waren. Diese Figuren tragen Namen wie Moai Kavakava, Moai Tangata, Moai Papa oder auch Moai Tangata Manu. Soweit man weiß, waren diese Figuren Abbilder vermeintlich böser Geister (Moai Kavakava) oder Abbilder von Ahnen der jeweiligen Familien. Wilhelm Geisler berichtete 1882, Würdenträger hätten bei einer Prozession bis zu 20 dieser Figuren um den Hals getragen; außerhalb der Prozessionen würden diese Figuren in Tapa-Säckchen in den Hütten der Eingeborenen hängen. Bei den meisten der heute noch erhaltenen Figuren zeigen sich im Nackenbereich auch Bohrungen für eine Öse zum Aufhängen. Es scheint fast so, als habe der Würdenträger bei der Prozession auch seine gesamte Ahnenfamilie bei sich getragen.

Holzfiguren Moai kavakava, Tangata, Papa, Tangata manu


* Die bisher bekannt gegebene Größe von 166 QM wurde durch das Nationale Chilenische Büro für Grenzen korrigiert. TOP

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