Der Vogelmann  - die Heiligkeit für 12 Monate

Der Vogelmann - die Heiligkeit für 12 Monate


Der Vogelmann-Kult


Der VogelmannOrongo-Kultplatz - Zentrum für den Vogelmann-KultEines der wichtigsten religiösen Höhepunkte auf der Osterinsel war die jährliche Zeremonie zur Findung und Ernennung des neuen Vogelmannes. Dabei war das erste Ei, das von einer Ruß-Seeschwalbe auf der Insel Motu Nui gelegt und gefunden wurde, Gegenstand der Zeremonie.

Das Ei galt für die Rapa Nui als die Inkarnation des Gottes Makemake und wer dieses Ei besaß, hatte die Gunst des Schöpfergottes empfangen und erhielt damit die höchste religiöse Stärke und wohl auch die höchste politische Macht.

Die Zeremonie vollzog sich alljährlich zur beginnenden Brutzeit der Vögel im Juli bis September. Das Fest und die Zeremonie waren so bedeutend, dass für die Zeit der Zeremonie sogar die Stammesfehden außer Kraft gesetzt wurden.

Vogelmann-Symbol als Petroglyphe Die Inselbevölkerung versammelte sich unterhalb des Vulkankegels Rano Kau bei Mataveri, um dort an den Festlichkeiten rund um den Vogelmann-Kult teilzunehmen.

In einer Prozession zogen die Hohepriester mit den Vogelmann-Kandidaten und ihre Helfer (vielleicht auch mit der ganzen Inselbevölkerung) hinauf zum Orongo. Noch heute nennt sich der Zugang von Mataveri hoch zum Orongo-Kultplatz "der Weg der ao". Der "Ao" war das höchste Rangabzeichen der Priester und ein bis zu 2,20 Meter großes Tanzpaddel.

Hopu auf dem Weg zur Felseninsel Motu NuiWie es zur Vorauswahl der Vogelmann-Kandidaten kam, ist nicht überliefert. Hopus - Schwimmer für den VogelmannEinige Forscher meinen, die Teilnehmer waren in der Regel wichtige Kriegshäuptlinge, die sich besonders hervorgetan hatten, oder den Häuptlingen bzw. wichtigen religiösen Vertretern im Traum erschienen sind. Andere meinen, es seien besonders mutige junge Männer gewesen, die sich selbst den Wettkämpfen um die Wahl des Vogelmannes gestellt haben. Die besonders mutigen Männer waren aber wohl eher die Helfer der Vogelmann-Kandidaten, die so genannten "hopus".

Weg zum Motu NuiJährliches Ziel war es wie gesagt, das erste >>manu-tara<< Ei auf dem vorgelagerten Felsenplateau Motu Nui zu finden. Dazu kletterten die Hopu´s zunächst die 300 Meter steile Felswand am Orongo hinunter ins Meer und schwammen mithilfe von Schilfbündeln hinüber zur 1,5 Kilometer entfernten Felseninsel Motu Nui. Dort kletterten Sie die glatten feuchten Wände empor und warteten (teilweise über Wochen) in Höhlen auf das Eintreffen und das Brutgeschäft der Seeschwalben. Sobald ein hopu das erste Ei entdeckte, legte er das Ei in ein Stück Rindenbast, band es als Stirnband um seinen Kopf und trat den Rückweg an. TOP

Der Weg zum und vom Motu Nui war für jeden hopu sehr gefährlich und so mancher wird bei dieser Aktion sein Leben gelassen haben. Nicht jeder hopu wird die steile Felswand am Vulkankrater Rano Kau unbeschadet überwunden haben und das Wasser zwischen Rapa Nui und Motu Nui galt als Hai verseucht.Hopu´s in der Felswand Briefmarke von 1990 - Seeschwalbe auf der OsterinselDerjenige, für den aber das erste Ei unbeschadet zurückkam, musste nach Meinung der Rapa Nui der von Makemake auserwählte Vogelmann sein. Makemake hatte dem neuen Vogelmann die Mana verliehen, die ihn göttlich und unverletzlich machte. Er hatte damit die Macht, sich und alle in seinem Einflussbereich lebenden Menschen, Lebewesen und Pflanzen zu beschützen. Der hopu übergab seinem Herrn das Ei und mit dieser Handlung war seine Funktion beendet.

Zwischenzeitlich hatte man dem neuen Vogelmann sämtliche Körperbehaarung abrasiert und sein Haupt mit schwarzen und roten Farbstreifen verziert. Auf dem Rücken wurde eine Vogeldarstellung (wahrscheinlich aus Holz) angebracht und mit dem Ei in der flachen Hand verließ der Vogelmann in einer Prozession die Orongo-Stätte zurück ins Dorf Mataveri. Hier wurde der neue Vogelmann in einem über mehrere Tage anhaltenden Fest gefeiert. Die vom Vogelmann benannten, oder auch von den Priestern vorher ausgesuchten Menschen wurden als Opfer dargebracht und ihr Fleisch in riesigen Erdöfen zubereitet. Die Angehörigen der Opfer wurden noch während des Festes von der Siegersippe verspottet, wodurch neue Stammesfehden provoziert wurden.

Vogel-Darstellung als PetroglypheStandort Ahu Orohie am Berg Rano RarakuNach den Festlichkeiten hatte der neue Vogelmann seine Zeit in absoluter Abgeschiedenheit zu verbringen; Alfred Métraux schreibt in seinem Buch, dies sei ein Ort in der Nähe des Ahu Orohie am Rano Raraku oder in einem Haus in der Region um Anakena gewesen. Der Vogelmann durfte diese Abgeschiedenheit nicht verlassen; es war ihm verboten sichzu baden und er musste bei Todesstrafe Keuschheit bewahren. Ein besonderer Diener wurde ihm beigegeben, der seine Nahrung in einem nur für diesen Zweck vorbehaltenen Ofen zubereitete.

Vogelmann-DarstellungDer hopu oder Diener, der das Ei gefunden hatte, musste sich ebenfalls religiösen Verboten unterwerfen. Er isolierte sich für mehrere Monate und durfte keinerlei Nahrung mit der Hand berühren, die durch den Kontakt mit dem heiligen Objekt infiziert worden war. Die Heiligkeit, die ihn erfüllte, strahlte auch auf seine Frau und seine Kinder aus.

Das Ei wurde ausgepustet, mit Tapa ausgestopft und in der Hütte des Vogelmannes aufgehängt. Die Rapa Nui glaubten, dieses Ei habe magische Kräfte und es bringe gute Ernten, fruchtbare Hühner und einen unerschöpflichen Fang an Fischen, Aalen und Langusten. Direkt nach dem Fund des ersten Eis begann auch der Fischfang auf hoher See. Nach Ablauf der 12 Monate hatte das Ei allerdings seine Kraft verloren und wurde vernichtet.

Vogelmann und weibliche VulvenPetroglyphe VogelmannObwohl die Amtszeit des Vogelmannes mit erheblichen Tapus und Einschränkungen verbunden war, war der Titel unter den Insulanern sehr begehrt. Alfred Métraux meinte, dies habe sowohl materielle als auch politische und religiöse Gründe gehabt. War der neue Vogelmann vor seiner Wahl als Kriegshäuptling bereits ein politisch einflussreicher Mann gewesen, so brachte ihm der Titel des Vogelmannes eine sakrale Autorität; wie die ariki wurde er zu einem Gottmenschen. In dieser Eigenschaft konnte er sich auch Güter bemächtigen, die ihm sonst nur mittels Waffengewalt zugänglich gewesen wären.

Ähnlich wie dem Papst im Christentum gab sich der Vogelmann einen besonderen Namen, der fortan für alle Zeit in den Annalen der Ahnenreihen und die der eigenen Familie festgehalten wurde. Nach Ablauf seiner Amtszeit kehrte er in sein normales Leben zurück, erhielt nach seinem Tod aber das Begräbnis eines Heiligen am Ahu Orohie. TOP

Vogeldarstellung - RussseeschwalbeDer Vogelmann-Kult blieb den Entdeckern und Forschern im 18. sowie eingehenden 19. Jahrhundert verborgen. Der erste Besucher der über den Vogelmann-Kult berichtete war der französische Missionar Eugéne Eyraud. Im August / September des Jahres 1864 konnte er noch einen Hauch der Vogelmann-Zeremonien miterleben. Ein Jahr zuvor waren aber die meisten Ureinwohner durch Sklavenjäger verschleppt worden, darunter auch die Häuptlinge und Hohepriester. Der Vogelmann-Kult kam danach komplett zum Erliegen.

Inwieweit der Vogelmann-Kult und der Moai-Kult miteinander verbunden waren, ist nicht sicher. Viele Forscher meinen, der Vogelmann-Kult sei erst zur Blüte gekommen, als sich der Moai-Kult so gut wie überholt hatte. In einem Steinhaus am Orongo fand sich allerdings ein außergewöhnlicher Moai: Moai Hoa-haka-nana-ia am Orongoder Hoa-haka-nana-ia genannte Moai besteht aus hartem Basaltgestein, ist nur 2,40 Meter groß, ist aber auf dem Rücken mit Darstellungen von Vogelmänner, Tanzpaddel oder weibliche Vulven versehen. Er gilt für einige Forscher als Hauptheiligtum des Vogelmannkultes. Dieser Moai steht seit 1868 im Britischen Museum.

Nach der Mythologie der Osterinsulaner war der Vogelmann der erstgeborene Sohn des Schöpfergottes Makemake. Eine von mehreren Mythologien besagt: nachdem Makemake die Erde erschaffen hatte wollte er einen Sohn nach seinem Ebenbild schaffen. Er blickte auf den Inhalt seiner Kalebasse (Wasserkrug) und hauchte diesem Spiegelbild Leben ein. Makemake DarstellungZuvor hatte sich aber ein Vogel auf seine Schulter gesetzt und so zeigte sich als Spiegelbild ein Wesen mit einem Schnabel und mit Flügeln und so erstand der Vogelmann. Makemake wollte dann ein Wesen erschaffen das reden konnte und hauchte dem Meer Leben ein. Mit dem Leben im Meer war er jedoch nicht zufrieden und so hauchte er einem Stein Leben ein, es wurde ein Mann. Als er sah dass der Mann einsam war, erschuf er eine Frau als Gefährtin. Diesen Menschen schenkte Makemake das Land Rapa Nui. Die Menschen jedoch aßen die Eier der Vögel die auf Rapa Nui lebten; dies missfiel Makemake und seinem Begleiter Haua, der Hüter der Vogeleier. Gemeinsam vertrieben sie die Vögel von Rapa Nui auf die nahe gelegenen Felseninsel Moto Nui.

Es finden sich aber noch andere Versionen um die Beschreibung MakeMakes und die Umstände der Vögel auf Motu Nui. TOP

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