Motu Nui - Das erste Rußseeschwalben-Ei für den Vogelmann

Motu Nui - Das erste Rußseeschwalben-Ei für den Vogelmann


Motu Nui


Motu Nui - Die größte Felseninsel neben der OsterinselMotu NuiMit dem Vogelmann-Kult im Orongo-Dorf auf dem Rano Kau Kraterrand untrennbar verbunden ist die kleine Felseninsel "Motu Nui" am südwestlichen Zipfel der Osterinsel. Diese, gerade einmal 3,6 Hektar große Felsformation spielte in den kultischen Handlungen der Rapa Nui bis 1862 eine zentrale Rolle.

Im Glauben der Rapa Nui hatten der Schöpfergott "Make Make" und sein Begleiter "Haua" (der Hüter der Vogeleier) die Vögel von der Osterinsel auf die vorgelagerte Insel Motu Nui verbannt, weil die Rapa Nui die verbotenen Vogeleier gegessen hatten. Make Make hatte Motu Nui außerdem mit einem "Tabu" (Verbot) belegt; es war den Menschen fortan nur erlaubt, die kleine Insel während der Brutzeit (zwischen Juli und September) zu betreten, um das erste Ei von einer Rußseeschwalbe zu nehmen, um damit den zukünftigen "Vogelmann" für das kommende Jahr zu segnen.

Das Ei galt für die Rapa Nui als die Inkarnation des Gottes Makemake und war der greifbare Ausdruck religiöser und sozialer Kräfte. Wer dieses Ei besaß, erhielt die uneingeschränkte religiöse und politische Macht für die kommenden 12 Monate.

Nach den mündlichen Überlieferungen der Ureinwohner sollen die Kandidaten zum Amt des Vogelmannes einflussreiche Kriegshäuptlinge gewesen sein oder auch andere einflussreiche Personen, die den arikis oder Hohepriester im Traum erschienen waren. Ihnen zur Seite wurden "hopus" (kräftige junge und mutige Männer) gestellt, die zur angekündigten Zeit zum 1,5 Kilometer entfernten Felsenplateau Motu Nui zu schwimmen hatten, um das erste manu-tara-Ei zu finden und ihren Herrschern zurückzubringen.

Im Wettkampf um den Vogelmann an der Steilwand von Rano KauWegstrecke von der Kultstätte Orongo zur Insel Motu NuiDer Weg zum Motu Nui war alles andere als ungefährlich. Die Männer hatten zunächst eine 300 Meter steile Klippe am Rano Kau Krater zu überwinden, dann eine 1,5 Kilometer lange Strecke zum Felsenplateau Motu Nui zu schwimmen und dann noch eine möglicherweise über Wochen dauernde Wartezeit auf Motu Nui auszuharren.

Während der Zeit des Wartens bewohnten die hopus Höhlen auf Motu Nui und beobachteten die Vögel. Nach Glauben der Rapa Nui war der hopu der blinde Diener ihres Schöpfergottes. So lang Makemake nicht ihren Blick lenkte oder auch nicht wollte, dass ihr Fürst zum Vogelmann gekürt werden sollte, blieben ihnen die Eier verborgen. Der Erfolg des hopus hing auch davon ab, wie sehr sich der jeweilige Bewerber für die Gunst Makemakes einbrachte und entsprechend emsig und eifrig waren die Handlungen der Bewerber während des Wartens am Orongo-Kultplatz.
In einer dieser Höhlen befindet sich u.a. eine Ritzzeichnung eines Ao. Dies ist laut Thomas Barthel sehr bemerkenswert, weil dieser Ort von den hopu erst vor der Suche nach den ersten Eiern aufgesucht wurde und "Ao" eigentlich "Sieg" oder "Herrschaft" heißt. TOP

Der Orongo-Kultplatz war erfüllt vom Singen rhythmischer Lieder und das Rezitieren religiöser Geschichten aus den Rongorongo-Schrifttafeln. Opferspeisen wurden sowohl dem Schöpfergott Makemake als auch seinem Begleiter Haua und sogar der Priesterin dargebracht, die die Rapa Nui in den Makemake-Kult eingeweiht hatte. Zusätzlich wandte man sich an Vie-kana, eine Vogel-Gottheit, die in Mataverie wohnte.

mutige hopu´s ?Der erste hopu der ein Ei entdeckte, stellte sich auf Motu Nui auf den Felsen "tangi te manu" (Schrei des Vogels) und rief seinem Herrn zu: "Soundso ..(Name).. rasiere deinen Kopf!" Diese Geste wurde von einem Späher, der bis dahin in der Höhe "Hakarongo-manu" (den Vogel hören) ausgeharrt hatte vernommen und am Kultplatz verkündet. Der hopu führte eine kleine Zeremonie auf Motu Nui durch, indem er das Ei kurz ins Meer tauchte und sich dann um die Stirn band, bevor er mit Helfern und Begleitern zurück zum Rano Kau Felsen schwamm. Der Rückweg durchs Hai-verseuchte Wasser war nach Meinung der Rapa Nui weniger gefährlich, da sie jetzt unter dem Schutz des heiligen Symbols standen.

Der hopu kletterte die steile Felswand des Rano Kau hoch und übergab seinem Herrn das Ei. Damit war die Aufgabe des hopu beendet; er musste sich während der Zeit seines Herren ebenfalls religiösen Tapus unterwerfen. So durfte er in den kommenden Monaten keine Nahrung mit der Hand berühren, weil die Hand durch das eilige Objekt infiziert war. Die Heiligkeit des hopu strahlte auch auf seine Familie ab.

Zwischenzeitlich hatte man dem neuen Vogelmann sämtliche Körperbehaarung abrasiert und sein Haupt mit schwarzen und roten Farbstreifen verziert. Auf dem Rücken wurde eine Vogeldarstellung (wahrscheinlich aus Holz) angebracht und mit dem Ei in der flachen Hand verließ der Vogelmann in einer Prozession die Orongo-Stätte zurück ins Dorf Mataveri. Hier wurde der neue Vogelmann in einem über mehrere Tage anhaltenden Fest gefeiert. Die vom Vogelmann benannten, oder auch von den Priestern vorher ausgesuchten Menschen wurden als Opfer dargebracht und ihr Fleisch in riesigen Erdöfen zubereitet. TOP

Nach den Festlichkeiten hatte der neue Vogelmann seine Zeit in absoluter Abgeschiedenheit zu verbringen. Der Vogelmann durfte diese Abgeschiedenheit nicht verlassen; es war ihm verboten sich zu baden und er musste bei Todesstrafe Keuschheit bewahren. Ein besonderer Diener wurde ihm beigegeben, der seine Nahrung in einem nur für diesen Zweck vorbehaltenen Ofen zubereitete. War der neue Vogelmann vor seiner Wahl als Kriegshäuptling bereits ein politisch einflussreicher Mann gewesen, so brachte ihm der Titel des Vogelmannes eine sakrale Autorität; wie die ariki wurde er zu einem Gottmenschen. Nach Ablauf seiner Amtszeit kehrte er in sein normales Leben zurück, erhielt nach seinem Tod aber das Begräbnis eines Heiligen am Ahu Orohie.

Die Insel Motu Nui heute:
Briefmarke von 1990: Seeschwalbe auf der OsterinselWer sich für die Geschichte der Osterinsel interessiert, sollte auf jeden Fall die Kultstätte Orongo und die kleine Felseninsel Motu Nui besucht haben. Auf dem Rano Kau Kraterrand hat man einen atemberaubenden Blick über den Pazifik und natürlich zum Motu Nui. Erst am Orongo erhält man einen Eindruck davon, wie tief und steil eigentlich die Felswand zum Meer abfällt.

Der Weg zum und vom Motu Nui wird dann zweifelslos eines der Höhepunkte Ihrer Reise bilden, denn der Weg dorthin ist nicht einfach: Zunächst fragen Sie eines der Fischer im Hafen, ob er Sie mit dem Boot zur Felseninsel bringen kann. Gerne wird dieser zustimmen, doch dann ist Ihr Verhandlungsgeschick gefragt: die Fischer verlangen nämlich für die Tour gut und gerne 100 bis 400 US-Dollar.

Die Überfahrt in den kleinen Booten ist nur bei ruhiger See möglich. Nur wenige Touristen investieren dieses Geld und so hat sich Motu Nui in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Es gibt keinen Anlegeplatz. Die Fischer bringen ihre Boote so nahe wie es geht an die Insel und der Fahrgast springt vom wackeligen Boot auf nasse rutschige Felsen. Der Weg zurück ins Boot läuft auf ähnlicher Art und Weise ab, nur umgekehrt. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu mindestens nasse Füße zu holen und seinen Fotoapparat bei dieser Aktion zu verlieren, ist relativ groß. TOP

Das Plateau auf Motu Nui liegt auf 53 Meter, ist etwa 36.000 Quadratmeter groß, flach und überwiegend mit Flechten und Gras bewachsen. Von hier aus hat man einen ebenso atemberaubenden Blick zurück auf die Osterinsel mit der steilen Felswand zum Orongo-Kultplatz. Auf Motu Nui gibt es insgesamt 21 Höhlen mit farbigen Felsbildern, aber auch einige (68) Petroglyphen, darunter 21 primitive Gesichtsdarstellungen und sechs Petroglyphen des Vogelmannes. In den Höhlen finden sich sogar noch menschliche Knochenreste.

Motu Nui war, wie auch die begleitenden Felsen Motu Iti und Motu Kao Kao früher einmal mit der Hauptinsel verbunden. Irgendwann ist ein Teil der Inselspitze abgebrochen und ins Meer versunken, man sieht die beeindruckende Abbruchkante des Rano Kau. Übrig geblieben sind die kleinen Felseninseln. Motu Iti ist übrigens eine Lagerstätte für Obsidion (Lavaglas), das von den Rapa Nui abgebaut wurde, um daraus Speerspitzen und scharfe Schneidewerkzeuge zu fertigen. Motu Iti hat eine Größe von etwa 15.000 Quadratmeter und ist 50 Meter hoch. TOP

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