Orongo - Eines der bedeutendsten Kultstätten auf der Osterinsel

Orongo - Eines der bedeutendsten Kultstätten auf der Osterinsel


Orongo


Orongo Kultplatz auf dem Rano Kau KraterStandort Orongo und TongarikiAn der südwestlichen Spitze der Osterinsel, direkt auf dem 320 Meter hohen Kraterrand des Rano Kau, befindet sich eines der bedeutendsten Zeremoniestätten der gesamten Osterinsel. Diese Stätte nennt sich "Orongo" und steht in enger Verbindung mit dem so genannten "Vogelmann-Kult". Zum Pazifik hin fällt der abgebrochene Vulkankegel rund 300 Meter steil nach unten ins Meer, zum Vulkankrater rund 200 Meter zu einem Kratersee.

Die Bezeichnung "Rongo" findet sich im gesamten polynesischen Raum und steht allgemein für Gottheit oder göttlich in Zusammenhang mit Tanz, Töne, Geräusche, Gesang, Vortragen, Zuhören. "Orongo" wird auf der Osterinsel in etwa mit "Der Ort an dem Gesänge vorgetragen werden" umschrieben.

Priester am OrongoWikipedia sagt:
" Tanz- und Musikgruppen sowie alle Objekte, die Töne oder Geräusche von sich geben, sind (...in Polynesien...) mit dem Kult von Rongo verknüpft; auf Mangaia zum Beispiel mit der Muscheltrompete. Seine Inkarnation ist der Regenbogen und seine Stimme ist im Donner zu hören. Er ist der Gott der landwirtschaftlichen Produkte, speziell der Süßkartoffel. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Rongo sich in den Jahrhunderten der Isolation auf der Osterinsel zu "Makemake" gewandelt hat, der an der Kultstätte Orongo besonders verehrt wurde."

Obwohl die Insel bereits im Jahre 1722 entdeckt wurde, blieb Orongo den Europäern noch lange Zeit verborgen. Es heißt, erst im Jahre 1864 habe der erste Missionar Eugéne Eyraud die Anlage zu Gesicht bekommen oder vielleicht auch, als erster als eine bedeutende Zeremonie-Stätte erkannt. In verschiedenen Quellen heißt es, Pater Eyraud habe die letzte Vogelmann-Zeremonie um zwei Jahre verpasst, sie soll 1862 vollzogen worden sein.

Schaut man sich die Geschichtsschreibung an wird auch deutlich warum: TOP
Zwischen Dezember 1862 und März 1863 werden unter Captain Aiguirre insgesamt 2225 Insulaner als Sklaven verschleppt. Die Sklavenjäger machen dabei keinen Unterschied zwischen Alt und Jung, Mann oder Frau, Stammesfürst oder Priester. 1859/60 sollen zuvor schon 500 Insulaner von Sklavenjägern verschleppt worden sein. Mit diesen Entführungen wurde das Wissen um die alte Religion der Insulaner so gut wie ausgelöscht. Es gab niemanden mehr auf der Insel, der die Zeremonie nach den alten Bräuchen hätte fortführen konnte.

Weg zur Felseninsel Motu NuiHopus - mutige Schwimmer zum Motu NuiDie Zeremonie:
Im Juli eines jeden Jahres kletterten junge Männer (Hopus) die 300 Meter tiefe Steilwand hinab ins Meer, um zur rund 1,5 Kilometer entfernten Felseninsel Motu Nui zu schwimmen und von dort das erste Rußseeschwalben Ei zurückzubringen. Der erste Schwimmer der ein unversehrtes Ei zurückbringen konnte genoss für die folgenden 12 Monate besondere Privilegien und hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die politischen und religiösen Entscheidungen. Er war für ein Jahr der Vertreter Makemakes, der Vogelmann. Einige Quellen sagen, diese Privilegien erhielt der mutige Schwimmer, andere Quellen sagen, diese Privilegien erhielt der jeweilige Stammesfürst der den Schwimmer auf den Weg geschickt hatte.

Der gewählte Vogelmann hatte in absoluter Abgeschiedenheit zu leben. Am Tag der Weihe wurden ihm sämtliche Körperhaare entfernt und sein Körper in einer besonderen Art und Weise bemalt. Nach dem Zeremonie-Fest wurde er, den mündlichen Überlieferungen zufolge, in die Region um die Ahu-Anlage Tongariki gebracht, wo er in zu meditieren hatte. Er durfte sich seine Haare nicht schneiden und sein Essen nicht berühren, dafür war er der wichtigste Glaubensführer der zudem die wichtigsten Entscheidungen für die Insel und ihre Bewohner zu treffen hatte. TOP

Die Rapanui errichten Steinhäuser am Orongo#


Orongo - SteinhäuserSteinhäuser am OrongoDie Orongo-Kultstätte besteht aus etwa 70 Steinhäusern, von denen 1974/76 etwa 50 restauriert wurden. Die Häuser stehen mehr oder weniger in zwei, allerdings unregelmäßigen, Reihen und sind ausnahmslos mit lose aufeinander geschichteten Steinplatten gebaut, die die Baumeister aus dem Fels des Rano Kau gebrochen haben. Die Mauern sind doppelschalig gebaut, der jeweilige Zwischenraum wurde dann mit Erde verfüllt. Info-Zentrum für Touristen am OrongoMit Ausnahme zweier Häuser haben sämtliche Häuser eine länglich ovale Form, keine Fenster und einen tunnelartigen, nur 50 Zentimeter hohen und breiten Durchgang. Die Eingänge sind ausnahmslos nach Süden ausgerichtet. Seit 2013 gibt es am Einlass zum Orongo-Kultplatz ein neues Besucherzentrum mit Info-Tafeln sowie Toiletten. TOP

Die Steinhäuser am Orongo haben eine Länge von zwischen 6 und 16 Metern mit einer durchschnittlichen Breite von etwa 2,5 Metern. Die Höhe der Innenräume liegt etwa bei 1,40 Meter. Zum Dach schieben sich die geschichteten Steinplatten mehr und mehr nach innen, so dass eine Art Kraggewölbe entsteht. Größere Steinplatten dienen als Abschlussplatten. Viele der Häuser haben lediglich einen Raum, einige haben auch einen kleinen Nebenraum. An der Rückwand der Innenräume waren in einigen Häusern Steinplatten eingelassen, auf denen zumeist farbige Motive gemalt waren.

Steinplatten aus den Steinhäusern am Orongo

Der deutsche Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler hat 1882, im Auftrag der Ethnologischen Abteilung der Königlichen Museen Berlin, die Steinhäuser untersucht; sein Zahlmeister "Weißer" hat eindrucksvolle Bilder von den bemalten Steinplatten gezeichnet. Unter anderem fanden sich drei Darstellungen von europäischen Schiffen bzw. Booten, die jeweils von Steinplatten mit Make-Make- bzw. Vogelmann-Darstellung flankiert waren. TOP

Moai Hoa-haka-nana-ia aus Haus Nr. R-13Moai vom Orongo - jetzt im Britischen MuseumViele wertvolle Artefakte sind leider entwendet worden und dadurch wurden auch die Steinhäuser stark in Mitleidenschaft gezogen. Unter anderem wurde 1868 vom archäologisch interessierten Arzt J.L. Palmer aus England der 2,42 Meter große Moai "Hoa-haka-nana-ia" aus dem Haus Nr. R-13 entwendet und nach Großbritannien verschifft. Dieser Moai ist heute im Britischen Museum zu bewundern und gilt als eines der bedeutendsten religiösen Artefakte die es auf der Osterinsel gegeben hat.

Die Tatsache, dass ein Fremder eines der größten Heiligtümer der Osterinsel einfach mit auf´s Schiff genommen und von der Insel fortgeschafft hat, muss für die Insulaner sehr einschneidend gewesen sein. Hjalmar Stope veröffentlichte 1899 (Tätowierung der Oster-Insulaner) die Zeichnung eines Tattoo´s von einem Rapa Nui, der sich dieses Ereignis hat auf den Unterarm tätowieren lassen.

Tattoo eines Insulaners, das die Fortschaffung des Moai vom Orongo dokumentiert

Briefmarke Osterinsel - Motiv - Moai vom Orongo1886 machte sich der US-amerikanische Zahlmeister W.J. Thomson an die Steinhäuser zu schaffen und hinterließ der Nachwelt Fotos von aufgebrochenen Steinhäusern und herausgerissenen Steinplatten mit Vogelmann-Motiv-Malereien.

Noch eindrucksvoller als die Steinhäuser sind allerdings die mehr als 200 Felsgravuren auf insgesamt 53 Felsblöcken, die so genannten Petroglyphen. Da die Petroglyphen am Rano Kau ein hohes Maß an Gleichförmigkeit besitzen wird vermutet, dass diese Glyphen von einer bestimmten Künstlergruppe, vielleicht sogar von einer speziellen Priesterkaste hergestellt wurden. Die französisch-belgische Expedition unter Henri Lavachery sowie Alfred Metraux (1934 / 35) nahm als erste eine systematisch Erfassung der Petroglyphen vor, wobei nach Häufigkeit folgende Motive gezählt wurden:

  • - Vogelmann (eine Mischung aus Mensch und Fregattvogel) TOP
  • - Vögel (zumeist die Seeschwalbe)
  • - Gesicht des Schöpfergottes Make-Make
  • - die weibliche Vulva
  • - Schiffe
  • - Ao-Tanzpaddel
  • - Meerestiere wie Fisch, Wal, Robbe, Schildkröten und andere Darstellungen

Rund 500 Meter nördlich vom Orongo entdeckte der Archäologe Patrick McCoy 1968 die Reste von insgesamt 33 Erdöfen. Er schloss daraus, dass hier das Essen für die wichtigen Zeremonien zubereitet wurde (Haupt-Zeremonie war der jährliche Wettstreit zur Ernennung des Vogelmannes). Allerdings finden sich vor den Eingängen einiger Steinhäusern Steinplatten, unter denen sich Erdlöcher befunden haben, die auch Erdöfen gewesen sein könnten.

1952 legte der Archäologe Edwin Ferdon am Orongo mit Löchern versehene Steine (in eine heute kaum noch zu erkennende Steinsetzung) frei, die er als Observatorium identifizierte. In den Löchern wurden nach Meinung Ferdons Schattenstäbe gestellt, mit deren Hilfe unter anderem die Sommer- und Wintersonnenwende ermittelt werden konnte.

Am Nordosten der Anlage legte die Thor Heyerdahl Expedition 1956 die Reste zweier Ahus frei. Es sind allerdings nur zwei kleinere Plattformen, die aus weitgehend unbearbeiteten Steinen aufgeschichtet wurden. Moai´s oder Reste von Moai´s fanden sich dort nicht. 1974 grub der Archäologe William Mulloy hier auch die Fundamentsteine eines Paenga-Hauses aus. Wikipedia schließt aus dem Paenga-Haus sowie aus den von McCoy 1968 ausgegrabenen Erdöfen, dass diese Anlage nicht nur eine rituelle Bedeutung hatte, sondern auch als dauerhaft bewohnte Siedlung diente.

Der Nachweis von landwirtschaftlich genutzten Anbauterrassen finden sich im inneren des Rano Kau Kraters. Von Orongo führt ein schmaler Pfad zur "Karikari"-Senke am Kraterrund, von dort aus geht es 160 Meter bis zur Wasseroberfläche in den Kraterkegel. Am nördlichen Rand des Innenkraters sollen, kurz oberhalb der Wasseroberfläche, weitere Wohnhäuser gestanden haben. Hier befindet sich auch eine kleine Höhle (Hau Koka) sowie weitere Petroglyphen.


In der Frage, wie alt die Anlage ist, gehen die Meinungen auseinander. In einigen Quellen ist zu lesen, die ältesten Aktivitäten seien auf 500 bis 900 n.Chr. datierbar, Wikipedia schreibt, die früheste Zeitangabe liegt etwa um 800 n.Chr. Die weit überwiegende Zahl der Siedlungsspuren sollen zwischen 1400 und 1500 n.Chr. liegen.

Der Legende nach soll der Gründerkönig "Hotu Matuá" kurz vor seinem Tod zur Kratersenke "Karikari" gegangen sein. Von dort aus soll er aus Richtung Westen (seine ehemaligen Heimat) die Botschaft seines Ablebens empfangen haben. TOP

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