Kannibalismus auf der Osterinsel

Kannibalismus auf der Osterinsel


Kannibalismus


Totenkult und Kannibalismus auf der OsterinselEine Frage wird beim Thema Osterinsel immer wieder gestellt: Gab es auf der Osterinsel auch Menschenfresser?
Bereits die ersten Missionare wussten über dieses Thema zu berichten, doch ist man sich nicht sicher, ob diese Informationen nicht zu sehr christlich eingefärbt sind. Versucht man bei Wikipedia Informationen zum Thema Kannibalismus auf der Osterinsel zu finden, so gibt es dort nur einen einzigen Satz, nämlich: "Wahrscheinlich breitet sich auch Kannibalismus aus."

Andere Quellen sind schon ausführlicher, wie beispielsweise ein Bericht von Wilhelm Geiseler aus dem Jahre 1882.

Geiseler befand sich 1882 mit dem deutschen Kriegsschiff "Hyäne" im Pazifik und war auf dem Weg von Valparaiso nach Samoa. In dieser Zeit erhielt er von der Kaiserlichen Admiralität den Befehl, auf der Osterinsel "... die dort noch vorhandenen Reste einer früheren Kultur zu erforschen und für die Ethnologische Abteilung der Königlichen Museen nach Kräften tätig zu werden."

Hinter dem Moai "Re carved" mit seinem Bauch liegen die Fundamentsteine eines Paenga-HausesFundamentsteine eines Paenga-Hauses am Rano RarakuGeiseler war mit seinem Zahlmeisteraspiranten "Weißer" insgesamt 5 Tage auf der Insel und beschäftigte sich dort eigentlich mehr zufällig mit dem Thema Kannibalismus:
Während der Besichtigung der so genannten Moai-Fabrik am Rano Raraku-Krater legte er unter anderem die Fundamentsteine einer ehemaligen Wohnstätte (ein Paenga-Haus) frei. Ein bei der Besichtigungstour anwesende alter Rapanui-Mann erklärte ihm, dies seien die Fundamente eines Hauses in dem früher Gefangene gehalten wurden, die man "einer nach dem anderen" herausgeholt hat um sie dann "abzuschlachten".

Vor diesen Fundamentsteinen befindet sich ein sehr eigentümlicher Moai. Dieser Moai nennt sich "Re-carved" und wurde offensichtlich aus einem anderem Moai nachbearbeitet. Aus der Stirn wurde ein Kopf modelliert, die ehemalige Nase zeigt sich jetzt als Bauch. Eine Anspielung auf die Bedeutung des Paenga-Hauses?

In seinem Bericht an die Admiralität geht Geiseler noch einmal in einem gesonderten Punkt auf das Thema Kannibalismus auf der Osterinsel ein. Hier heißt es:

Kannibalismus:
Derselbe bestand auf der Insel vor langer Zeit, jetzt nicht mehr. Die älteren Leute erinnern sich dessen noch und wissen, dass man Kriegsgefangene verzehrte. Sie wurden, wenn in größerer Zahl erbeutet, in die hierzu besonders erbauten, vor den alten Steinidolen befindlichen Wohnungen gebracht und bis zu den Festzeiten oder der Siegesfeier gefangen gehalten und mit Nahrung versehen. Gelegentlich dieser Festzeiten wurden sie zu Ehren der Götter umgebracht und verzehrt. TOP

Gab es Menschenfresser auf der Osterinsel?Auf solchen Zügen erbeutete Frauen und Mädchen dagegen tötete man nicht, sondern schenkte sie an junge unverheiratete Krieger, was wiederum in der geringen Zahl der vorhandenen Frauen seinen Grund haben mag.

Erschlagene Krieger von hohem Rang, welche im Kriege den Feinden in die Hände fielen, entehrte man dadurch, dass man die Schädel derselben anbrannte, gleichsam um die Seele mit zu verbrennen und so dem schlimmsten Zustande zu überliefern, welchen sich der Eingeborene nur denken kann.

Der technische Ethnologe und Sachbuchautor Prof. Dr. Miloslav Stingl wird diesbezüglich noch etwas konkreter und meint: "Die gewöhnlichen Gefangenen wurden einfach aufgegessen, Königen aber und anderen prominenten wurde nach dem Tode noch das Gehirn herausgenommen und zu Asche verbrannt, damit auch ja nichts übrigblieb von der übernatürlichen Kraft, über die - nach dem Volksglauben - die polynesischen "Adeligen" verfügten."


Alfred Métraux schreibt in seinem Buch "Die Osterinsel", kannibalische Handlungen folgten oft während der, teilweise über Generationen andauernden Stammesfehden, deren Ursachen oft aus Überempfindlichkeiten oder auch aus lauter Langeweile entstanden waren: "Hatten vorangegangene Kämpfe die Leidenschaften vertieft und das Verlangen nach Rache entstehen lassen, so wurden die Gefangenen gemartert. Man zertrümmerte ihnen den Schädel durch Schläge mit einem Dachsbeil, begrub sie bei lebendigem Leibe oder versetzte ihnen Fußtritte bis ihnen der Bauch aufplatzte und die Eingeweide herausquollen. …. Von Schrecken erfasst, verkrochen sich die Besiegten in Höhlen, aus denen die Sieger sie holen kamen. Männer, Frauen und Kinder, die man fing, wurden aufgegessen. TOP

Befand sich unter den Gefangenen ein Häuptling von hohem Range, so wurde er nicht nur aufgefressen, sondern sein Schädel wurde verbrannt, um seinem Gedächtnis und seiner Familie einen besonderen Schimpf anzutun.

Der Anreiz zu solchen Kriegszügen wurde durch die Aussicht auf Festessen gesteigert, zu denen die Leichname der Gegner das Material lieferten. Der Mensch bildete ja das einzige große Säugetier, dessen Fleisch auf der Insel zur Verfügung stand.

Wie bei den alten Maoris, nahmen sich diejenigen, die sich an der Mahlzeit gütlich getan hatten, das Recht, den Verwandten des Opfers ihre Zähne zu zeigen und zu sagen: "Ihr Fleisch hat zwischen meinen Zähnen gesteckt". Derartige Provokationen zogen zumeist wieder Racheakte nach sich." ...

Jeder Ostern Insulaner weiß, dass seine Vorfahren kai-tangata, zu " Menschenfresser " wurden. Einige machen Witze darüber, andere nehmen Anstoß an jede Anspielung auf diesen Brauch, der in ihren Augen barbarischen und beschämend geworden ist. Laut Pater Roussel **ist Kannibalismus erst nach der Einführung des Christentums verschwunden. Bis dahin sollen die Eingeborenen eine Reihe von Männern, darunter zwei peruanischen Händler gegessen haben. Cannibal Feste fanden in abgelegenen Orten statt, und Frauen und Kinder wurden nur selten zugelassen. Die Eingeborenen erzählten Pater Zumbohm *+*, dass der Finger und Zehen die begehrtesten Bissen waren.

** Pater Roussell war um 1868 auf der Osterinsel als Missionar tätig, und zwar während und nach der Kapuziner Mönch Pater Eugéne Eyraud 1868 gestorben war.

*+* Pater Zumbohm war 1866 auf Anforderung des Paters Eugéne Eyraud auf die Osterinsel gekommen um bei der Missionierung der Insulaner und Betreuung der Kranken zu helfen.
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... "Der Gott Makemake forderte im Rahmen des Vogelmann-Kultes Menschenfleisch. Man opferte ihm Kinder, die ihren Eltern von den Priestern gestohlen wurden, Kriegsgefangene oder Leute, die sich den Zorn der ariki zugezogen hatten. Die Gefangenen für diese öffentlichen Dankopfer wurden in einer Hütte gegenüber der Grabanlage (ahu) eingesperrt, die der Familie desjenigen gehörte, der die Opfer gefangen genommen hatte. Ihr Leichnam wurde während eines Festes verzehrt, das der religiösen Zeremonie folgte."

Der archäologisch interessierte Arzt J.L. Palmer beschrieb nach seinem Aufenthalt im Jahre 1868 Zylinder aus rohem Tuffstein, die als Altäre gedient haben sollen, auf die man die Opfer legte und bei denen man die Asche aufbewahrte. Alfred Métraux berichtet in seinem Buch, er habe tatsächlich hinter den ahus an der Südküste einige Zylinder gefunden, die Palmers Beschreibung entsprachen. Métraux war allerdings der Meinung, diese Altäre wirkten wie eine Art Pfeiler, auf die man die Leichname niederlegte, um sie verwesen zu lassen.


Es wird vermutet, dass der Kannibalismus auf der Osterinsel noch bis weit ins 19. Jahrhundert auf der Osterinsel vorgekommen ist. So ließ sich Bischoff Rouchouze 1843 mit 20 Mönchen und Nonnen auf der Osterinsel absetzen und seither verlieren sich sämtliche Spuren. 12 Jahre später wurden Reste eines Bootes der Missionare gefunden. Es wird allgemein angenommen, dass die Missionare wohl in den Bäuchen der Insulaner gelandet sind.

Aus den Berichten geht leider nicht genau hervor, wo die zum Verzehr bestimmten Gefangenen dann tatsächlich verspeist wurden. Geiseler schreibt lediglich "...Sie wurden, wenn in größerer Zahl erbeutet, in die hierzu besonders erbauten, vor den alten Steinidolen befindlichen Wohnungen gebracht und bis zu den Festzeiten oder der Siegesfeier gefangen gehalten und mit Nahrung versehen. Gelegentlich dieser Festzeiten wurden sie zu Ehren der Götter umgebracht und verzehrt..."
und in den auf der Website www.netaxs.com veröffentlichten Informationen heißt es nur: "...Die Gefangenen die bestimmt waren gegessen zu werden, wurden in Hütten vor den Heiligtümern eingeschlossen. Dort wurden sie bis zu dem Moment, als sie den Göttern geopfert wurden, gehalten..." und "...Cannibal Feste in abgelegenen Orten stattfanden ..." TOP

Höhle Ana Kai Tangata  in der Nähe von Hanga RoaAna Kai Tangata - Höhle in dem Menschen gegessen wurden?Ein denkbarer Ort an dem die Rapanui ihre kannibalischen Feste durchgeführt haben könnten, könnte die Höhle "Ana Kai Tangata" südlich von Hanga Roa gewesen sein. "Ana Kai Tangata" heißt nämlich übersetzt etwa "Höhle in der Männer gegessen werden". Ob die Rapanui ihre, zur Verspeisung, vorgesehenen Gefangenen allerdings erst am rund 20 Kilometer entfernten Krater Rano Raraku gefangengehalten und dann nach Hanga Roa verbracht haben, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Vielleicht war die Kai Tangata Höhle der Ort der Kriegsgegner, die hier ihrerseits ihre Gefangenen gegessen haben.

Im Gegensatz zu den meisten Höhlen auf der Osterinsel ist diese Höhle keine Lücke im Lavagestein, sondern eine durch Meerwasser entstandene Ausspülung. Sie ragt etwa 15 Meter in den Fels hinein, hat eine Breite von etwa 9 Metern und eine Höhe von etwa 4,5 Metern. Von der Klippe aus führt eine (auch für Touristen) gesicherte Treppe direkt zur Höhle. In der Höhle finden sich Felszeichnungen von Manutara-Vögel, die allerdings stark von der Luftfeuchtigkeit angegriffen sind. TOP

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