Die Entwicklung des katholischen Glaubens auf der Osterinsel
Die Entwicklung des katholischen Glaubens auf der Osterinsel
 Es
ist bekannt, dass die katholische Kirche spätestens seit Christoph
Kolumbus versucht hat, alle "Heiden" in der "Neuen
Welt" zum Christentum zu bekehren und vielfach ist es ihr ja
auch gelungen. Auch auf der am einsamsten gelegenen Insel der Welt,
die Osterinsel, dauerte es
gerade einmal 121 Jahre nach ihrer Entdeckung, bis die ersten
Missionare versuchten, den dort lebenden Rapa Nui die christliche
Lehre näher zu bringen.
Bischoff E. Rouchouze ließ sich 1843 mit 24 Mönchen
und Nonnen auf die Osterinsel setzen, doch ihren Glauben verbreiten
konnten sie nicht; sie landeten vermutlich alle in den Kochtöpfen
der Insulaner. Was von den Missionaren übrig blieb, waren
Wrackteile ihres Bootes, von denen J. Hamilton nach seinem Besuch
im Jahre 1855 berichtete. Im 20. Jahrhundert hat man in der Höhle
"Ana Kionga" dann noch einen europäischen Rosenkranz
gefunden. Dieser Rosenkranz könnte allerdings auch von dem
nächsten Missionar, Pater
Eugéne Eyraud, stammen, der 1864 auf die Insel kam.
Pater Eyraud blieb zunächst aber nur neun Monate, weil die
Rapa Nui ihm im wahrsten Sinne des Wortes ans "Leder"
wollten. Die Insulaner stahlen ihm nach und nach alles was er
mitgebracht hatte und weil er dann um sein Leben fürchtete,
flüchtete er in eine Höhle. Kurze Zeit später wurde
er von den Rapa Nui jedoch wieder "eingefangen" und
dabei stahlen sie ihm sogar seine Bekleidung; die Bibel wurde
verbrannt. Nach neun Monaten konnte er dann nach Hahiti flüchten.
Zwei Jahre später (also 1866) startete Pater Eugéne
Eyraud einen erneuten Versucht und dieses Mal brachte er sich
Hilfe in Form von drei Eingeborenen aus Mangareva sowie den Mönch
Pater Hippolite Roussel mit. Zwischenzeitlich hatten die Rapa
Nui viel Leid ertragen müssen; die aus der Sklaverei
zurückgebrachten Insulaner hatten aus Peru die Blattern (Pocken)
mit auf die Insel gebracht und die um 1811 von amerikanischen
Matrosen eingeschleppte Syphilis
grassierte ebenso schrecklich unter den Einheimischen. Die Rapa
Nui nahmen nun die Hilfsangebote der Fremden an; am 14.08.1868
konnte Pater Eugéne Eyraud vermelden, dass sich alle 800
Rapa Nui haben taufen lassen, stirbt aber selbst neun Tage später
an Tuberkulose.
Lange aber hielt die katholische Glaubensgemeinschaft auf der
Osterinsel nicht. Der Kapitän "I.L.Gana" vom chilenischen
Schiff "O´Higgins" berichtete 1870, er habe die
Rapa Nui bei einer heidnischen Zeremonie beobachten können,
wobei sowohl Männer als auch Frauen in der Öffentlichkeit
nackt getanzt und dabei unanständige Bewegungen vorgeführt
hätten. In dieser Zeit hatte der tahitisch/französische
Glücksritter Dutroux-Bornier
den Rapa Nui fast die gesamte Insel abgeschwatzt und die Ureinwohner
in eine Region um das heutige Hanga
Roa vertrieben. Die Missionare verließen unter Protest
die Insel und damit kehrten die verbliebenen Einwohner auch zu
ihrem ursprünglichen Glauben zurück.
1887 versuchten verschiedene Mönche vom Johanniter-Orden,
wieder auf der Insel Fuß zu fassen, doch die meisten blieben
nur wenige Tage. Mit kurzzeitigen Unterbrechungen übernahm
noch im Jahre 1887 der Laienprediger Nikolas
Pakarati das Amt des Inselgeistlichen und blieb bis zu seinem
Tod im Jahre 1927. Sehr viel missionieren konnte er jedoch nicht;
die Rapa Nui ließen sich nicht von ihrem Glauben abbringen;
im Jahre 1890 berichtete der US-Amerikaner V.S. Frank, er habe
eine Zeremonie beobachten können, in deren Verlauf es unter
den Rapa Nui zu kannibalischen Handlungen gekommen sei. Lange
noch holten die Ureinwohner ihre Toten wieder aus den christlichen
Gräbern und bestatteten sie in ihren eigenen Höhlen.
Um 1900 hatte der Laienprediger Nikolas Pakarati einigen Rapa
Nui wenigstens das europäische Alphabet beibringen können
und hierdurch brachten die Einwohner ihre Legenden erstmalig zu
Papier. Um 1914 gingen die Rapa Nui schon regelmäßig
in die katholische Kirche; eine sich zu dieser Zeit entwickelnde
Sekte um die Seherin "Maria
Angata Pakomio" wurde 1915 blutig niedergeschlagen.
Erst der Johanniter-Mönch Pater
Sebastian Englert fand ab 1937 einen Weg zu den Osterinsulanern,
indem er ihren Glauben akzeptierte und Elemente daraus in die
katholische Lehre mit übernahm. Getreu dem Motto: Der Vatikan
in Rom ist weit weg, die Götter und Geister um Make Make,
den Vogelmann und die aku-aku´s sind aber allseits präsent,
entwickelte sich wohl die toleranteste katholische Glaubensgemeinschaft
auf der ganzen Welt.
 Die
1958 unter Pater Englert eingeweihte Pfarrkirche bekam 1988 ihr
heutiges Aussehen mit all ihren Elementen aus der christlichen
Lehre und Symbolen aus der uralten Religion der Rapa Nui. So befindet
sich auf der Spitze der Kirche das christliche Kreuz darunter
der christliche Schöpfer und über dem Eingang der christliche
Erlöser Jesus Christus. Das gesamte Aussengebäude ist
dafür aber verziert mit Vogelmann-Symbolen
und Aku-Aku Figuren. Direkt in der
Kirche steht eine Holzfigur der Mutter Gottes in Gestalt der "Maria
Madre de Rapa Nui" mit dem Jesus-Kind und einer Vogel-Darstellung
auf dem Kopf. Die Verschmelzung beider Religionen sieht man allerdings
am deutlichsten an eine Holzfigur die eigentlich einen Bischof
darstellen soll, aber einen Vogelkopf und Flügel (anstatt
Arme) hat.
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Seit den 1970er Jahren ist die Marienverehrung zu einem Inselkult
geworden. An einigen Stellen stehen Marienstatuen, und am Maunga
Tangaroa (östlich von Hanga Roa) wurden mehrere Meter große
Kreuze aufgestellt. Auch am Fischerhafen von Hanga Roa ist die
Verschmelzung beider Glaubensgemeinschaften ebenfalls deutlich
zu sehen: Einerseits ist dort die Figur des Heiligen Petrus als
Schutzpatron
für die Fischer aufgestellt, andererseits soll ein aufgestellter
Moai (der unüblicher Weise aufs Meer schaut) den Fischern
ein gutes Omen für den Fischfang und beobachtender Beschützer
vermitteln.
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