Thor Heyerdahl und die Osterinsel
Thor Heyerdahl
 Der
Norwegische Forscher und Abenteurer Thor
Heyerdahl war in den Jahren 1955 / 1956 auf der Osterinsel,
hatte aber schon Ende der 1940er Jahre direkten Einfluss auf die
Osterinsulaner. Als nämlich auf der Osterinsel bekannt wurde,
dass es Thor Heyerdahl gelungen war, mit einem Boot
aus Balsaholz von der südamerikanischen Küste zu den
Polynesischen Inseln zu segeln, nutzten unzählige Rapa Nui
die Gelegenheit, mit einfachsten Mitteln von der Insel zu fliehen.
So gelang es 1948 (also ein Jahr nach der Kon-Tiki-Fahrt) eine sechsköpfige
Familie, von der Osterinsel nach Tahiti zu segeln. Noch vor Heyerdahls
Expedition auf der Osterinsel verschärfte sich die Situation:
1954 wurde eine erneute Flucht von drei Insulanern bekannt, die
mit einem sieben Meter langen Boot und einem selbst gebastelten
Segel nach 3.830 Kilometer auf Hauehi im Tuamotu-Archipel stranden.
Weitere Fluchtversuche wurden von der chilenischen Regierung zwar
verboten und die Inselverwaltung stellte auch Wachen auf, doch nutzten
dann auch einige Wachen die Gelegenheit zur Flucht.
Im
Jahre 1955 plante Thor Heyerdahl dann seine Expeditionsreise zur
Osterinsel, die er unter anderem auch mit den Einnahmen aus seinem
Buch Kon-Tiki finanzierte. Heyerdahl mietete sich von einer norwegischen
Konservenfabrik für ein Jahr einen Trawler, der sonst für
die Grönlandfischerei eingesetzt wurde. Er bestückte
das Schiff mit fünf Archäologen, einem Arzt, einem Fotografen,
fünfzehn Seeleute und jede Menge Ausrüstung die er für
seine Expedition glaubte gebrauchen zu müssen. Dazu gehörten
unter anderem drei Tonnen Zahn Gips, 84 Kilo Angelhaken aller
Sorten, zwei Tonnen Gefrierfleisch, 600 Meter bunten Kleiderstoff,
ein Jeep, eine Unmenge an Zigaretten und sogar einen Weihnachtsbaum.
Heyerdahl hatte auch seine Frau Yvonne, sowie seine Kinder Anette
und Thor jr. mitgenommen. Mit an Bord war unter anderem der Archäologe
Professor Dr. William Mulloy,
der sich nach der Heyerdahl-Expedition der Osterinsel mehr oder
weniger ganz und gar widmen sollte. Außerdem konnte Heyerdahl
für seine Expedition noch den US-amerikanischen Professor
für Archäologie Dr. Carleyle Smith oder den Archäologen
Edwin Ferdon vom Museum New Mexiko für sein Team gewinnen.
Thor
Heyerdahl hat die Erlebnisse seiner Expedition in dem Buch "aku-aku
- Das Geheimnis der Osterinsel" festgehalten. Hierbei beschreibt
er sehr eindrucksvoll den Umgang mit den kleptomanisch veranlagten
Rapa Nui, die oft nur aktiv wurden wenn sie sich von ihrem Handeln
einen Vorteil versprachen oder permanent versuchten, ihm Plagiate
als wertvolle Artefakte zu verkaufen. Er schreibt über die
allseits präsenten Inselgeister (die Aku
Akus), sowie über geheime Familienhöhlen mit Familiensteinkunst,
die von diesen Geistern bewacht werden. Heyerdahl beschreibt die
praktischen
Experimente beim Herstellen, Transport oder Aufstellen eines
Moai´s und wies nach, dass es keine große Kraft- und
Zeitanstrengung bedurfte, die Moai´s herzustellen, zu transportieren
oder aufzustellen. Seine Archäologen fanden aber auch bis
dahin unbekannte Steinskulpturen wie den einzig sitzenden Moai
Tukuturi oder auch eine weibliche
Skulptur mit ursprünglich zwei Köpfen am Ahu Vinapu.
Leider entsteht beim Lesen des aku-aku Buches der Eindruck, die
von Heyerdahl gezogenen Schlüsse auf die auf der Osterinsel
gefundenen Fakten sind auf seiner, bereits vorher gefassten, Besiedlungstheorie
leicht einseitig eingefärbt. So vertrat Heyerdahl bis zu
seinem Tod die Ansicht, die Osterinsel sei zunächst von Südamerika
aus besiedelt worden und zu einem späteren Zeitpunkt erst
von Polynesiern. So kommt er in seinem Buch immer wieder auf hellhäutige
Menschen oder auch rote Haare zu sprechen, die für Polynesier
atypisch sind. In den Steineinfassungen
des Ahu Vinapu sieht er Parallelen zu den Steinmauern in Tiahuanoco
(Peru), wobei dies wegen ihrer Einmaligkeit schon wieder Überdenkens
Wert wäre.
Auch die von Heyerdahl vorgebrachten Argumente, das Schilf (Scirpus
totora) in den Kraterseen Rano Kau sowie Rano Raraku stamme ursprünglich
vom Titicacasee im heutigen Peru, oder auch der Toromiro-Baum
(ein Busch mit essbaren Beeren), das Cyperus vegetus (ein Frischgrünes
Zypergras mit essbaren Wurzeln) oder der Polygonum acuminatum
(eine Vogelknöterich-Art
und Süßwasserpflanze, die sowohl in Peru als auch auf
der Osterinsel medizinisch verwendet wurde), stammen aus Südamerika,
konnten andere Wissenschaftler bis heute nicht schlüssig
wiederlegen. Heyerdahl nannte noch andere Pflanzen und Früchte
wie beispielsweise die Süßkartoffel, den Flaschenkürbis
oder auch die scharfe Paprika, die ursprünglich nur in Südamerika
beheimatet waren. Heyerdahls Kritiker sind der Meinung, die Polynesier
hätten nicht nur die Osterinsel sondern auch den südamerikanischen
Kontinent erreicht und hätten diese Pflanzen zurück
zu den polynesischen Inseln und darüber dann zur Osterinsel
gebracht. Endgültig beweisen können seine Kritiker diese
These allerdings auch nicht.
|